Deutsche Unternehmen senken mit Trick Stromkosten - zu Lasten der Verbraucher

Firmen sollen zu Lasten der Verbraucher Stromkosten gedrückt haben
Firmen sollen zu Lasten der Verbraucher Stromkosten gedrückt habenFoto-Quelle: S. Hermann & F. Richter / pixabay
News Team
Von News Team

Zahlreiche deutsche Unternehmen haben nach einem Bericht des "Spiegels" ein Schlupfloch in der Gesetzgebung genutzt, um die Stromkosten zu senken. Die Ersparnisse der Firmen beliefen sich insgesamt in Milliardenhöhe und seien vor allem zu Lasten der Verbraucher gegangen.

Die vier deutschen Netzbetreiber Amprion, Tennet, 50Hertz und TransnetBW gehen gegen zahlreiche deutsche Unternehmen vor, die ein Schlupfloch bei der EEG-Umlage genutzt haben sollen, um jahrelang ihre Stromkosten niedrig zu halten. Die Ersparnisse seien zu Lasten der Verbraucher in Deutschland gegangen, berichtet der „Spiegel“.

300 Fälle dokumentiert

Nach Recherchen des Nachrichtenmagazins lieferten die Netzbetreiber der Anwaltskanzlei White & Case Informationen zu 300 Fällen, bei denen die anderen Unternehmen beim Strompreis getrickst haben könnten. Die Rechtsanwälte sollen das Vorgehen nun überprüfen.

"Spiegel": Bayer und Daimler dabei

Unter anderem Daten seien der Leverkusener Chemiekonzern Bayer und seine Energiedienstleistungstochter Currenta sowie der Stuttgarter Autobauer Daimler betroffen. Daten gebe es auch von den Energieversorgern RWE und EnBW, mittelständischen und kleineren Produktionsfirmen aus der Metallverarbeitung sowie der chemischen Industrie.

Firmen bekommen als Stromanbieter Nachlass

Die Unternehmen nutzten dem Bericht nach das sogenannte Eigenstromprivileg. Das ist dazu gedacht, Kraftwerksbetreiber, die ihren selbst erzeugten Strom nutzen, von der EEG-Umlage zu befreien. Auch Privatleute können davon profitieren, wenn sie beispielsweise eine Solaranlage auf dem Dach haben.

Wie das Stromkosten-Schlupfloch funktioniert

Findige Rechtsberater fanden „Spiegel“ zufolge allerdings heraus, dass gar kein eigenes Kraftwerk nötig sei, um den Rabatt zu bekommen: eines zu pachten genüge. Mehr noch: Schon wenn ein Unternehmen von einem Kraftwerksbesitzer einen Teil der Anlage pachte, werde es auf dem Papier zum Kraftwerksbetreiber. Der produzierte Strom werde damit zum Eigenstrom und von der EEG-Umlage befreit.

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Scheibenpachtmodell legitim?

Konkret geht es dem Bericht zufolge nun um die Frage, wie legitim ein sogenanntes Scheibenpachtmodell ist, bei dem die Kapazität großer Kraftwerke in mehrere Pakete (Scheiben) aufgeteilt und weiterverpachtet wird.

Die Netzbetreiber und die Bundesnetzagentur vermuten, dass Firmen diese Konstruktion nur wählten, um die EEG-Umlage zu umgehen.

Netzbetreiber wollen Beträge nachfordern und Privatkunden entlasten

Wenn die Kanzlei zu demselben Schluss kommt, wollen die Netzbetreiber die entsprechenden Umlagebeträge nachfordern. Wegen des langen Zeitraums könne es um Beträge in Milliardenhöhe gehen. Das Geld würde im Erfolgsfall dem EEG-Konto zugeschrieben und könnte dann die Stromrechnung von Privatkunden entlasten.

Wegen des Umlagesystems mussten sie in der Vergangenheit ausgleichen, was die Industrieunternehmen mit Hilfe des Schlupflochs eingespart haben.

1 Kommentar

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Traurig, aber kennt man ja.
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