Pleite von Thomas Cook: So erhalten Urlauber ihr Geld zurück - Wichtige Tipps der Stiftung Warentest

Am Boden: Der insolvente Reiseveranstalter Thomas Cook hat alle Reisen bis E ...
Am Boden: Der insolvente Reiseveranstalter Thomas Cook hat alle Reisen bis Ende des Jahres abgesagtFoto-Quelle: Hans Braxmeier/Pixabay
News Team
Von News Team

Reise futsch, Geld womöglich futsch - die Pleite von Thomas Cook trifft viele Urlauber hart. Allein in Deutschland sind Hunderttausende betroffen.

Alle Reisen des insolventen Veranstalters sowie von Neckermann Reisen, Öger, Bucher Reisen und Air Marin wurden bis Ende des Jahres abgesagt.

Doch in vielen Fällen können sich Kunden, die wegen der Insolvenz ihre gebuchte Reise nicht antreten können oder konnten, ihr Geld zurückholen.

Darauf weist die Stiftung Warentest am Dienstag (15. Oktober 2019) hin.

Allerdings: Die Rechtslage ist kompliziert, gestehen die Experten der Verbraucherorganisation. Das raten sie betroffenen Kunden:

Erstattung durch Insolvenzversicherung

Wer eine Pauschalreise über die von der Pleite betroffenen Unternehmen gebucht hat, hat zunächst Anspruch darauf, den Reisepreis durch die Insolvenzversicherung erstattet zu bekommen.

Sie müssen diesen Anspruch bei der Kaera AG anmelden, die die Ansprüche der Kunden für das Versicherungsunternehmen Zurich abwickelt. Wichtiges Dokument dafür ist der Sicherungsschein, den Kunden mit der Buchungsbestätigung erhalten haben.

Auch interessant: Thomas Cook pleite: Alle Flüge gestrichen - Große Rückholaktion startet - Condor hebt weiter ab

Doch es gibt einen Haken: Die gesetzliche Haftung für Pauschal­reisen ist auf 110 Millionen Euro im Jahr beschränkt. Das wird aber nach Ansicht von Experten aber vermutlich bei weitem nicht ausreichen, um geplatzte Pauschalreisen zu ersetzen und Urlauber zurückzuholen, die bereits am Urlaubsort sind.

Im Video:

So nutzen Betrüger jetzt die Pleite von Thomas Cook aus


Das bestätigte jetzt auch der Versicherer: „Sie können davon ausgehen, dass dies bei Weitem nicht reicht“, sagte Zurich-Sprecher Bernd Engelien am Dienstag.

Für die Erstattung der Kosten für all die geplatzten Reisen seien vermutlich 300 bis 400 Millionen Euro nötig, hat der Verband unabhängiger selbst­ständiger Reisebüros (VUSR) überschlagen.

"Sollte die Haftungs­grenze von 110 Millionen nicht ausreichen, bleiben Kunden auf einem Teil ihrer Kosten sitzen", befürchtet die Verbands­vorsitzende Marija Linn­hoff.

Ansprüche auf jeden Fall geltend machen

In jedem Fall sollten Betroffene ihre Ansprüche gegenüber der Insolvenzversicherung geltend machen und sich zunächst an die Kaera AG wenden, auf deren Webseite es ein Formular zur Schadenanzeige gibt.

Für Kunden, die die Schadenanzeige nicht online, sondern per Post auf den Weg bringen möchten, bietet die Stiftung Warentest einen Musterbrief an die Insolvenzversicherung an.

Erstattung durch Banken

Wer den gebuchten Urlaub mit einer Visa-Kreditkarte oder Mastercard bezahlt hat und den Reisepreis gar nicht oder nur teilweise durch die Insolvenzversicherung erstattet bekommt, sollte versuchen, sein Geld durch die Bank zurück zu erhalten.

Die Chancen dafür sind nach Einschätzung der Stiftung Warentest gut.

Dafür müssen Betroffene bei der Bank, die die Kreditkarte ausgegeben hat, einen Antrag auf Einleitung eines Chargeback-Verfahrens stellen.

Auch interessant: Condor kann Flugbetrieb fortführen - Staat will Airline mit Überbrückungskredit retten

Dabei erstatten Banken ihren Kunden auf Antrag Geld, wenn eine mit der Kreditkarte bezahlte Leistung nicht erbracht worden ist. "Das ist bei den abgesagten Thomas-Cook-Reisen der Fall", heißt es vonseiten der Stiftung Warentest.

Bei gebuchten Pauschalreisen müssen Kunden sich zunächst an die Kaera AG wenden, um ihren Anspruch geltend zu machen. Erst wenn die Versicherung nicht oder nur teilweise zahlt, können Kunden ihre Zahlung bei ihrer kartenausgebenden Bank reklamieren. Die dafür nötigen Formulare gibt es meist auf den Internetseiten der Banken.

Fristen beachten!

Wichtig: Die Frist für die Reklamation beträgt 120 Tage. Und zwar ab dem Zeitpunkt, zu dem der Kunde weiß, dass seine Reise nicht stattfindet.

Um nicht riskieren, dass die Frist abläuft, bevor eine Entscheidung des Versicherers vorliegt, rät die Stiftung Warentest: "Kreditkartenzah­lungen umge­hend nach der Kontakt­aufnahme mit der Versicherung zu reklamieren und die Entscheidung des Versicherers nach­reichen."

Das gilt für Kunden, die nur Flug oder Hotel gebucht haben

Das Chargeback-Verfahren können aber auch Kunden nutzen, die über die von der Thomas Cook-Insolvenz betroffenen Unternehmen nur einen Flug oder ein Hotel gebucht und mit Visa- oder Mastercard bezahlt haben. Bei ihnen greift die Insolvenzversicherung nicht. Sie können sich wegen der Reklamation sofort an ihre Bank wenden.

Ansonsten bleibt ihnen nur, ihre Erstattungs­ansprüche wegen nicht erbrachter Reise­leistungen gegenüber dem Insolvenz­verwalter geltend zu machen, sobald das Insolvenzverfahren eröffnet ist. Doch es kann dauern, bis sie über diesen Weg an ihr Geld kommen.

Wer eine Kreditkarte von American-Express hat, kann sich sein Geld nicht per Chargeback zurückholen.

Wurde die Reise per Lastschrift bezahlt, können Kunden ihre Bank beauftragen, das Geld zurückzubuchen. Einzige Voraussetzung: Die Abbuchung ist noch keine acht Wochen her.

Nicht stornieren

Übrigens: Kürzlich hat Thomas Cook bekannt gegeben, dass bis Ende des Jahres keine Reisen durchgeführt werden. Wer bereits eine Reise nach dem 1. Januar 2020 gebucht hat, sollte die Reise zum jetzigen Zeitpunkt nicht stornieren, rät die Verbraucherorganisation.

Denn: Für diese Zeit bestehen noch wirksame Reiseverträge zwischen Veranstalter und Kunden. Der Reiseveranstalter kann im Falle einer Stornierung also Stornokosten verlangen. Für gebuchte Reisen des Jahres 2020 wird dafür meist die gesamte Anzahlung fällig und ist verloren.

Auch die Insolvenzversicherung greife dann nicht mehr, so die Einschätzung der Rechtsexperten der Stiftung Warentest.

1 Kommentar

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Übrigens: Wenn zwar der Reiseveranstalter pleite ist, die Fluggesellschaft aber trotz gültigem Ticket die Mitnahme verweigert, kann man ggf. Geld aus der EU-Fluggastrechteverordnung rausholen: https://www.flugrecht.de/fluggastrec...olltext.pdf
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.

wize.life News per Push Benachrichtigung in Ihrem Browser aktivieren

Benachrichtigungen aktivieren