Rente höher als Gehalt - Das machen die Niederländer besser als wir

Die Niederländer können sich bzgl. der Rente entspannt zurücklehnen
Die Niederländer können sich bzgl. der Rente entspannt zurücklehnenFoto-Quelle: imago images/Arnulf Hettrich
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Die Niederlande kennen kaum Altersarmut, da die Renten bei mindestens 1200 Euro monatlich liegen - auch für Menschen, die nicht in die Sozialkassen eingezahlt haben. Teilweise liegen die Beträge sogar höher als das letzte Nettogehalt. Was machen die Nachbarn anders?

Jeder zweite Deutsche fürchtet sich vor der Altersarmut. Das ergab eine jüngst veröffentlichte Umfrage der Deutschen Bank. Nur 17 Prozent der 3200 Befragten im Alter von 20 bis 65 Jahren erwarten demnach eine ausreichende Versorgung über die gesetzliche Rente im Alter. 70 Prozent glauben, dass aus dieser Quelle nur eine Grundversorgung kommen wird, wie "zeit.de" berichtet. Und gut die Hälfte der Befragten (54 Prozent) rechnet mit dem Kollaps des gesetzlichen Rentensystems.

Deutsche werden nur 52 Prozent des Nettoeinkommens haben

Und tatsächlich haben Menschen in Deutschland, die 2018 zu arbeiten beginnen, nach Berechnungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im Alter im Schnitt nur 52 Prozent ihres früheren Nettoeinkommens zur Verfügung, wenn man allein obligatorische Abgaben als Grundlage nimmt. OECD-Schnitt ist 63 Prozent.

Niederländern bringt Rente 80 Prozent - und mehr

Bei unserem Nachbarn Niederlande liegt die Quote bei 80 Prozent (ohne private Vorsorge), teilweise bekommen die Menschen dort sogar eine höhere Rente als ihr letztes Netto-Einkommen war. Die Altersarmut ist mit 3,1 Prozent eine der niedrigsten in den Industriestaaten. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Quote bei 9,6 Prozent, für Frauen sogar bei 10,6 Prozent.

Was machen die Niederländer anders? Ein Vergleich.

Die Altersvorsorge besteht in den Niederlanden im Wesentlichen aus zwei Säulen: der Grundrente, die mindestens 1200 Euro beträgt, und der betrieblichen Vorsorge. Die private Vorsorge macht einen sehr geringen Teil aus – da die anderen beiden Bestandteile das Einkommen im Alter für Arbeitnehmer sichern.

SÄULE 1 - GRUNDRENTE: Niedrige Renten gibt es in den Niederlanden nicht.

  • Jeder hat Anrecht auf die Grundrente, "Algemene Ouderdomswet" (AOW) genannt, sobald er länger als ein Jahr in den Niederlanden gelebt und das staatliche Rentenalter (derzeit fast 67 Jahre) erreicht hat. Volles Anrecht auf die Absicherung erreicht er nach 50 Jahren, bei geringerer Zeit werden entsprechend Prozente abgezogen. Die Rente wird unabhängig vom Vermögen ausgezahlt und unabhängig davon, ob und wie viel gearbeitet wurde - so fallen Erziehende nicht durchs Raster.
  • Sie beträgt bei Alleinstehenden bei vollem Anspruch 70 Prozent des Mindestlohns, Paare bekommen jeweils 50 Prozent. Aktuell erhält ein Alleinstehender gut 1200 Euro im Monat brutto, netto wegen Abzügen für die Krankenversicherung etwa 1150 Euro.
  • Finanziert wird sie über einen Steuerzuschuss sowie über die Rentenbeiträge, die bei 18 Prozent liegen – und anders als in Deutschland allein vom Arbeitgeber getragen werden.

VERGLEICH: In Deutschland erhalten Arbeitnehmer abhängig davon, wie lange und wie viel sie in die Rentenkasse eingezahlt haben, einen monatlichen Beitrag.

  • Da dieser Beitrag nicht immer das Existenzminium abdeckt, gibt es die Grundsicherung, die die Ausgaben für Nahrung und Wohnung deckt und damit in etwa dem Hartz-IV-Satz entspricht. Vor Bezug wird das Vermögen des Antragstellers überprüft wie auch das von Partnern oder Kindern - gegebenenfalls müssen sie für den Antragsteller aufkommen.
  • Neu ist die Grundrente für Menschen, die 35 Jahre lang in Rentenkasse eingezahlt, Kinder großgezogen oder Verwandte gepflegt haben und dennoch kaum von den Bezügen leben können: Sie werden nach einem Beschluss der Koalition ab 2021 eine Grundrente bekommen, die 10 Prozent über dem Existenzminimum liegt (Maximum 1250 Euro für Ledige und 1950 Euro für Paare). Per automatisierter Einkommensprüfung wird kontrolliert, ob sie ein Anrecht darauf haben.
  • Den Rentenbeitrag in Höhe von derzeit 18,6 Prozent teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer, zusätzlich stützt die Bundesregierung die Rentenkasse mit etwa einem Drittel der Steuereinnahmen.

Zum Thema: Rentner verzichten auf 220 Euro - aus Scham

SÄULE 2 – BETRIEBLICHE ALTERSVORSORGE: In den Niederlanden ist sie für Arbeitnehmer nicht verpflichtend, dafür ist für Unternehmen die Beteiligung an den Fonds obligatorisch. Somit ist die betrieblich Altersvorsorge gängiger Teil des Lohns – rund 90 Prozent aller Niederländer zahlen in Pensionsfonds ein, wobei sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Anteile paritätisch teilen. "Mit steigendem Einkommen steigen auch die Beiträge", erklärt der Ökonom Theo Kocken der "Zeit". "Wer also lange – und viel – eingezahlt hat, kommt mit der zweiten Säule oft sogar auf ein Einkommen im Alter, das oberhalb des durchschnittlichen Nettogehalts in der Erwerbsphase lag.“"

VERGLEICH: Erst seit einem Urteil aus diesem Jahr sind Arbeitgeber hierzulande verpflichtet, sich an der Betriebsrente zu beteiligen: mit mindestens 15 Prozent. Davor war ein Zuschuss freiwillig. Nach Einschätzung von Experten der Verbraucherzentralen NRW und Bayern wird eine Betriebsrente allerdings erst attraktiv, wenn das Unternehmen mindestens 30 bis 40 Prozent übernimmt. Dabei klingt das Modell zunächst attraktiv: Arbeitnehmer verzichten auf einen Teil ihres Bruttogehalts, das Geld fließt in einen Versicherungsvertrag, den der Arbeitgeber für sie abschließt (bei Großkonzernen gegebenenfalls zu verbesserten Konditionen) – noch vor Steuern und Sozialabgaben. Der Haken: Steuern fallen bei Rentenauszahlung an, so dass netto ein ordentlicher Batzen wegfallen kann. Ob sich die Entgeltumwandlung wirklich als Altersvorsorge lohnt, ist nach Expertenrat im Einzelfall genau zu prüfen.

Vorbild "Cappuccino-Modell"

Die private Vorsorge fällt in den Niederlanden vergleichsweise gering aus, weshalb des Öfteren auch vom Cappuccino-Modell die Rede ist: Der Espresso ist die Grundsicherung, die aufgeschäumte Milch die Betriebsrente und das Kakaopulver die private Altersvorsorge. "Wir haben also viele gut abgesicherte Rentnerinnen und Rentner in den Niederlanden. Und das dürfte auch erklären, warum es bei uns keine Neid- oder Gerechtigkeitsdebatten über die staatliche Basisrente gibt", so Ökonom Kocken.

Renteneintrittsalter steigt

Kein Wunder, dass Experten – sowohl von Arbeitgeber- als auch von Arbeitnehmerseite – das Rentenmodell in den Niederlanden gut bewerten. Dennoch wird die Finanzierung der Grundrente schwieriger, weshalb auch in den Niederlanden steigt das Rentenalter: von derzeit 66 Jahren und vier Monaten auf 67 Jahre in 2024.

Hierzulande ist dies bereits heute für Jahrgänge ab 1964 beschlossene Sache. Für die Jahrgänge zwischen 1952 und 1964 erfolgt die schrittweise Anhebung vom 65. aufs 67. Lebensjahr.

Zum Thema: 3 Rentner erzählen, warum sie trotzdem arbeiten

Video: Rentenniveau, Versorgungslücke, Eckrentner - Die wichtigsten Renten-Fragen einfach erklärt

36 Kommentare

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Kennt zufällig jemand die Anzahl von Niederländer,die wegen zu geringer Rente nach Bulgarien auswandern mussten ????
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Lese ich den Artikel anders? Im Artikel steht, dass letzendlich alle ca. 18% einzahlen. Beim Bezug wird aber nicht auf die Einzahlung als Grundlage genommen; alle erhalten die gleiche Rente von 70% des Mindestlohnes bzw. 50% des Mindestlohnes. Ich gehe mal davon aus, dass dies für die meisten Rentner in D eine Reduzierung der Rente bedeuten würde. Definitiv ist dieses Rentensystem für Geringverdiener, Hausfrauen/-männer und Langzeitarbeitslose ein Gewinn. Nach der Berechnung der Armut sinkt der Anteil von Armutsrentnern schon allein daher, weil alle (abgesehen von der Betriebsrente) mehr oder weniger die gleiche Rente erhalten.
Diese bezieht sich auf die "Grundrente". Allein dieser Beitrag entspricht dem Beitrag in Deutschland. Die Betriebsrente in NL ist also eine zusätzliche Zahlung. Dass der AG die Grundrente "alleine" trägt ist insofern trügerisch, da es Lohnkosten sind (egal, wie es dann rechnerisch dargestellt wird). Wie ist also die Belastung für die AN für die Beiträge (Betriebsrenten).
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Es wird sich nichts ändern solange immer und immer und immer wieder nur diskutiert und nicht gehandelt wird. Und wenn dann mal so was wie eine positive Änderung aufkeimt, dann wird diese sofort wieder mit irgendwelchen scheinheiligen Argumenten im Keim erstickt und verworfen..... und irgendwann werden diese Menschen die es am meisten betrifft sowieso sterben und dann kann man ja wieder von vorne anfangen weil sich ja sowieso alles verändert hat.....
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Rentenarmut, Kinderarmut, H4 auch für die Jenigen, die 30 Jahre gearbeitet haben und krank wurden... die Fälle habe ich zu Hauf mitbekommen, bei meinem Rehaaufenthalt... Erspartes weg, Altersvorsorge weg.... Leben mit 424 Euro... das Schulsystem ist im Ar... die Schulen fallen auseinander, sind bruchreif... alles keine Übertreibung!
Ich sage nur: Quo vadis Deutschland!
So ist es leider aber es gibt immer noch Leute die das nicht begreifen wollen und können.
Was habt ihr denn? In Deutschland läuft es doch alles gut, ohne Probleme!!!
....nicht zu vergessen bitte das Thema "Die Tafeln". Die Rentner von heute (und bestimmt auch die von morgen wenn es so weitergeht) kannten noch keine "Tafeln". Und hier ist noch "containern" eine Straftat. Erbärmliches Land Deutschland.
Die CDU/CSU verschonte die "Dieselgangster" um die Parteispenden nicht zu gefährden.....
Ich weiß nicht in welchem Land in Europa es Kinderarmut oder '"Tafeln" gibt. Wer weiß da mehr ???
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DEI hat das höchsten BIP in der EU. Daran sollte man sich erinnern, wenn man diese ganze Jahrzehntelange willkürliche Zweckentfremdung der Rente etc. sieht!
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Das ist ganz einfach.Da greift der Staat nicht in die Rentenkasse wie in Deutschland. Dann hätte wir alle auch mehr Rente.
Wie sagte doch einst Norbert Blüm: die Renten sind sicher. Ja, er hat Recht - er meinte die Pensionsansprüche der Politiker. Nur 4 Jahre im Amt und dann eine Rente von der man mehr als nur gut leben kann.
Davon müssen allerdings 4 Rentner der unteren Schichten leben was einer der Herrschaften bekommt.
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Das System Merkel im Verein mit der Agenda-Oartei machen die Menschen in Deutschland arm und die Erfolgreichen reicher und reicher, auf Kosten der prekären Arbeitsverhältnisse. Die Niederlander oder auch Österreich betreiben Politik für die normalen Menschen mit Mass und Ziel und nicht dem entfesselten Markt mit seinen seiner ausgeuferteb Deregulierung. Anderswo geht sowad!
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In Holland bekommen Rentner mehr Rente als ihr letztes Nettogehalt. Rentner die nicht in die Rentenkasse eingezahlt haben, bekommen auch Grundrente in Höhe 1200€. Unsere Nachbarn kennen keine Altersarmut und in dem reichen Deutschland nimmt Kinder- und Altersarmut zu. Wie lange wollen wir diese Behandlung von Union und SPD ,den sog. Volksvertretern, noch dulden. In Deutschland hat die Bundesregierung Hartz 4 und Niedriglohn eingeführt, um Rentner zu Bittstellern zu machen. Am Reichstagsgebäude steht "Dem deutschen Volk ". Das haben die Regierungsmitglieder noch nie gelesen oder kennen die Bedeutung dieses Satzes nicht.
In 30 Jahren steht da "Dem arabischen Volk" - allerdings in einer Schrift, die wir heute noch nicht lesen können.
So was durfte natürlich nicht fehlen; aber jetzt ist es raus - und gut damit!
@Bernd War
"In Holland bekommen Rentner mehr Rente als ihr letztes Nettogehalt." - Wer genau liest, sieht, dass das nur dann eintreten kann, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusätzlich in einen Zusatz-Fonds einzahlen - und zwar nur dann, wenn sie lange und viel einzahlen (wieviel steht leider nicht da!). - Und wer bei uns lange und viel in einen Zusatzfonds einzahlt, und sein Arbeitgeber auch lange und viel in einen Zusatzfonds einzahlt, bekommt er dann nicht auch viel mehr? Aber Hauptsache, erst einmal der Regierung ein paar Watschen erteilen, das macht ja auch richtig Spaß!
Jeder kennt doch den Spruch " die dummen Deutschen "
Die Regierung in Holland tut etwas für ihre alten Menschen, wie menschenwürdig.
Jeder normal denkende Mensch erkennt das diese Bundesregierung nicht ihre Fürsorgepflicht gegenüber der arbeitenden Bevölkerung erfüllt. Lediglich Beamte wollen das nicht erkennen und sind auch nicht betroffen. Auf jeden Fall ist das niederländische Rentensystem ein Vorbild für Deutschland.
@ Hans: Nein , der Albrecht hat es nicht kapiert. Man muss dazu nicht mal Politik oder Professor sein um das zu verstehen was in DEU seit Jahrzehnten falsch läuft.
Warum wählen wir die Parteien, die sich sozialen Problemen bei Mindeslohn und Rente in unserem Land verweigern. Es wird jedes Jahr eine Rentenerhöhung gemacht bei der die höheren Renten viel mehr profitieren, als die ,die es nötigst brauchen.. Das muß reichen ! Nun seid mal zufrieden.Mehr gibts nicht !!!!
Und das ist ja nicht der einzigste Irrsinn und Willkür der Altparteien! Bei weitem nicht.
@HA ELL: Nicht gleich mit dem Fallbeil antworten: Wo habe ich gescagt, dass ich alles richtig finde, was die Regierung macht? Ich finde z.B. die sog. "Respekt-Rente" ab 35 J.falsch angesetzt, . Ich würde allen unter dem Grundsicherungssatz liegenden Rentnern einen Zuschlag zahlen: 3, 5 oder 7 € pro Jahr. Bei 5 € wären das mit 20 J. 100€ pro Monat mehr als Grundsicherung. Wenn keine weiteren Einkommen da sind. Aber nicht erst mit 35 Jahren! - Sachliche Kritik ja, aber nicht diese pauschale Verdammung der Politik/er!
Es ist mehr als sachlich wenn man behauptet daß die deutschen Politiker weder ein Interesse haben noch über die Sachkenntnis verfügen das deutsche Rentensystem zu verbessern. Es fehlt einfach der politische Wille weil man als Abgeordneter nicht betroffen ist. Wer nach 16 Jahren im Bundestag in den Ruhestand geht bekommt mehr als €5400,- brutto Ruhestandsdiäten. Diese Leute können leicht Wasser predigen und Wein trinken.
Das stimmt: es ist mehr als sachlich. Es ist unsachlich! Sachlich wäre die richtige Aussage, dass MdBs nicht in erster Linie von Rentenproblemen betroffen sind. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie keine Sachkenntnis haben. Einige werden sicher Eltern haben, die Rente bekommen oder bekamen (Ich hatte jedenfalls Einblicke in die Renten meiner Eltern, Schwiegereltern, Tante meiner Frau, für die ich die Betreuung hatte...). Andere haben behinderte Kinder oder Partner, die von vorzeitiger Rente betroffen sind. Von einigen MdBs weiß ich, dass sie bei Sprechstunden mit den damit verbundenen Problemen konfrontiert werden und sich dann für die Betroffenen einsetzen, soweit das geht.
Lieber Hans-Elmar, selbst wenn ein Abgeordneter nicht von vorneherein für eine wesentliche Erhöhung der Renten ist, dann ist das nicht (immer) Desinteresse oder mangelnder Wille, wie hier unterstellt. Ich kenne etliche Politiker (die werden mich nicht kennen), die sich mehr Gedanken machen um die Betriebe, die dann erhöhte Arbeitgeber-Anteile bezahlen müssten, ebenso machne sich manche Gedanken um die Arbeitnehmer mit höheren Beiträgen, die dann weniger eigene Altersvorsorge betreiben könnten. Sie machen sich Gedanken um die Arbeitsplätze, die wegfallen könnten, wenn Arbeitgeber in Deutschland wieder einmal höher belastet werden und mit Produzenten konkurrieren müssen, die im Ausland wesentlich weniger mit Rentenbeiträgen belastet werden! Manche Politiker machen sich auch Gedanken darüber, wie angesichts des Betrages von 100 Milliarden € Zuschusses aus dem Bundeshaushalt für die Rentenzahlungen jedes Jahr weitere Erhöhungen zu leisten sein soll. Manche Politiker machen sich seit mindestens den 1980er Jahren Gedanken, wie man das Generationen-Verhältnis verbessern kann. Als ich beruflich anfing 1971 haben meines Wissens 4-5 Arbeitnehmer 1 Rentner finanziert. Heute sind es nur noch 2 Arbeitnehmer für 1 Rentner. Und wenn jetzt die starken Jahrgänge in die Rente gehen und jüngere nur in geringerer Zahl in die Kasse einzahlen, haben die Politiker nicht mehr so viel Ideen. Deshalb zahlen jetzt schon die Steuerzahlen einen so großen Anteil an der Rente. - Meine Klassenkameraden gingen schon mit 14 in Ausbildung und haben eingezahlt. Heute gehen fast 50 % bis 19 in die Schule und rund 30 % verlassen mit 25 die Uni und fangen dann erst an einzuzahlen! - Also: wer sachlich die Sache betrachtet, hat es nicht so ganz leicht zu entscheiden: "Ach wir erhöhen jetzt mal einfach die Rente ganz massiv!" _ Es ist nicht einfach mangelnde Kenntnis, mangelndes Interesse oder fehlender Wille! Das ist unsachlich!
Das heißt nicht, dass es keine Möglichkeiten der Verbesserung gäbe: ich fordere die "Respektrente" früher als mit 35 Einzahlungsjahren (auch 20 oder 30 Jahre Leistung muss sich lohnen!), ich fordere das Ende der Zwangsverrentungen (ich hätte gerne noch 1-2 Jahre weiter gearbeitet, evtl. 2/3 Zeit, musste aber wegen des Tarifvertrages sogar ohne Kündigung aufhören), Ich fordere die Einbeziehung der Selbständigen in ein Rentensystem (berufsständisch oder gesetzlich), ich fordere das Ende der Besserstellung der Beamten (warum wurde wegen des "demographischen Wandels") die Rente um rund 10% gekürzt, die Pensionen aber nicht. Die Pensionen bleiben bei rund 70 %, während die Renten unter 50 % gesenkt wurden! In dem Punkt mag das "Argument" zutreffen, dass die Abgeordneten nicht betroffen sind, weil ihre Pensionen eben auch nicht so gekürzt wurden wie die Renten!
Lieber Albrecht wenn man das jetzige Rentensystem betrachtet haben sie mit ihren Anmerkungen absolut Recht. Die Lösung ist es muß geändert werden. Es sind nicht nur die Selbstständigen und Beamten die sich an der Altersversorgung beteiligen sollten sondern auch die Abgeordneten von Bundestag und Landtag der verschiedenen Bundesländer. Aber das ist noch nicht die ganze Geschichte denn es gibt auch eine Vielzahl von Ständeversicherungen für Ärzte, Rechtsanwälte und Architekten. Wenn diese nicht mehr von der Beitragspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung befreit werden sind es nicht mehr zwei Beitragszahler die einen Rentner finanzieren müssen. Hier kann man nur sagen wo ein Wille ist auch ein Weg. Die Niederländer haben sich bereits für den besseren Weg entschieden und in Deutschland wäre es mit der Erwerbstätigenversicherung, nach dem Vorbild der Schweizer AHV, auch möglich. Da die Regierung immer wieder von Finanzierungsengpässen spricht liessen sich diese sogar mit einer Maschinensteuer und einer Flugbenzinsteuer lösen. Die Regierung Schröder hatte einst die Benzinsteuer zur Rentenfinanzierung herangezogen, aber bewusst verschwiegen dass die Rentenkassen vorher für die Finanzierung der deutschen Einheiten missbraucht worden waren.
Dazu kommt noch die Tatsache, daß die Rentenkasse mit 37% versicherungsfremden Leistungen belastet wird und das seit vielen Jahren. Der Finanzminister gleicht das Defizit nur zum Teil aus. Es ist für ihm sowas wie eine schwarze Kasse, aus der man sich bedienen kann, wens mal eng wird. Darum fehlen der Rentenkasse inzwischen ca. 850 Milliarden, laut Bundesamt für Statistik.
So ist es! Mit diesem Thema ( das eigentlich jeden betrifft) setzen sich wenige damit auseinander, besonders junge Menschen die seit diese denken können, Selbstversorgung indoktriniert bekommen.....
Manches ist richtig, aber die Einbeziehung weiterer Erwerbstätiger verändert nicht prinzipiell die Generationenverhältnisse. Wenn die Beamten einbezogen würden, müssten auch die ausgeschiedenen Beamten im Generationenvertrag damit finanziert werden. Das heißt, es kommen noch Einzahler dazu, aber auch Empfänger. Un d so ist das mit den angeblich "versicherungsfremden Leistungen" teilweise auch. Damit werden z.B. die Mütterrenten bezeichnet oder die "DDR"-Rentner. Die haben zwar nichts in die Rentenkasse eingezahlt, haben aber Kinder, die in den Westen gegangen sind und dort eingezahlt haben und jetzt noch einzahlen (und so den Generationenvertrag erfüllen!). Und das gilt ebenso für die "Fremdrenten" für die Spätaussiedler, die imemr noch so gedeckelt sind, dass sie auf Grundsicherung angewiesen sind, auf die aber über die Hälfte der Berechtigten verzichten!
Das Problem ist hier auch die Zeitleiste: für die derzeitigen Rentner würde sich die Einbeziehung schon lohnen, denn die neuen Beitragszahler erwerben ja erst Ansprüche und es stehen noch keine Bezieher dagegen. Also ist plötzlich Geld da - aber in 20 Jahren würde alles zusammenfallen, denn dann stehen zusätzlich die ehemals Selbständigen als Rentner da und die Bezüge müssten drastisch reduziert werden. Allerdings gibt es gesetzlich keinen Weg die Rente direkt zu reduzieren - nur indirekt über Renteneintrittsalter, Wartezeiten oder Beitragshöhe.
Die Rente müsste grössere Reserven aufbauen (wie Norwegen) und damit den demografischen Veränderungen zuvorkommen. Damit könnte man auch mal Schwankungen im 10..20..30 Jahres Horizont ausbügeln. Derzeit ist die maximale Reserve 1..2 Monate. Damit kann man nur kurzfristige Schwankungen im 1.-3 Jahres Bereich abfedern.
Statistisch gesehen kommt auch die unterschiedliche Lebenserwartung hinzu: Selbständige haben statistisch eine höhere Lebenserwartung. (Die lässt sich Ableitung. Höhere Ausbildung ist ein Indiz für eine höhere Lebenserwartung. Selbständige haben einen höheren Anteil von Studierten, Meistern oder anderen höheren Abschlüssen.) Die Rente würde also nicht entlastet sondern durch die Selbständigen eher belastet.
Es ist richtig das ganze System muß reformiert werden. Versicherungsfremde Leistungen müssen herausgenommen werden und eine Frühverrentung darf es nicht geben. Wenn dann noch die Versicherung bessere Reserven aufbaut und sich zu einem echten Solidaritätssystem entwickelt wird könnten die Deutschen mit den Niederlanden mithalten. Es ist einfach eine Schande daß es in Deutschland Politiker gibt die einen IQ haben der weit unter dem der Niederländer liegt.
In Deutschland gibt es aber einen Konsens, das das RV nicht ausschließlich nach sozialen Aspekten funktioniert. Wer mehr Einzahlt (Anrechte erwirbt) erwartet auch eine höhere Leistung.
Ist es daher nicht eher sinnvoll zu sagen, dass die GRV "heruntergefahren" wird und nur die 1. Säule der Rente nach rein sozialen Gesichtspunkten darstellt. Dies ist das Niederländische System. In einer 2 oder weiteren Säulen könnten dann weitere Anrechte private erworben werden - dieses entspricht dann mehr dem heutigen Punktesystem in D.
Also statt die GRV. Nur alle - auch hier im Forum - wünschen eine Aufwertung der GRV; als Beispiele nimmt man aber Rentensystem, die mehr private Anteile beinhaltet (siehe Niederlande).
Aus das Österreichische System ist weniger Sozial als das Deutsche System (siehe Wartezeiten; Einzahlung < 15 Jahre - kein Anspruch auf Rente)
Ich persönlich befürworte das Rentensystem von Luxemburg. 40 Beitragsjahre und ein Mindestrentenalter von 60 Jahren. Die Mindestrente beträgt € 1700,- Wer die Beitragsjahre nicht zusammen bekommt kann dafür selbst bezahlen und bekommt danach auch seine Altersversorgung. Bei 40 Beitragsjahren ist die RV keine Altersversorgung für Lebenskünstler sondern für Berufstätige. Wer weniger als 15 Jahre gearbeitet hat ist sicherlich ein Lebenskünstler und besitzt vielleicht eine Ölquelle in Arabien oder Nigeria.
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