Freiwillig mehr in die Rentenkasse einzahlen - Für wen sich das lohnt

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Freiwillige Extra-Zahlungen an die Rentenkasse: Immer mehr Deutsche nutzen dies, um Rentenabschläge auszugleichen oder ihre spätere Rente aufzustockenFoto-Quelle: imago images / Westend61
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Von News Team

Mehr Geld in die Rentenkasse einzahlen als man eigentlich muss - diese Möglichkeit nutzen immer mehr Deutsche. Sonderzahlungen gewinnen als Form privater Altersvorsorge zunehmend an Bedeutung. Für wen sich das lohnt und wie sich das später auf die Rente auswirkt - Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Ab wann sind Sonderzahlungen möglich?

Freiwillige Sonderzahlungen an die Deutsche Rentenversicherung - zusätzlich zu den monatlichen Pflichtbeiträgen - können Angestellte ab einem Alter von 50 Jahren leisten. Auch Selbstständige, Frührentner, Hausfrauen und Beamte können auf diese Weise in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen.

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Warum sollte ich das in Erwägung ziehen?

Für eine Sonderzahlung gibt es je nach persönlicher Situation ganz unterschiedliche Beweggründe.

  • Wer früher in Rente gehen will, aber nicht auf die dafür nötigen Versicherungsjahre kommt, muss Abschläge in Kauf nehmen. Sonderzahlungen bieten die Möglichkeit, diese Abschläge ganz oder teilweise auszugleichen und ohne Einbußen früher in Rente zu gehen.
  • Durch freiwillige Sonderzahlungen an die Rentenkasse kann aber auch die Rente aufgestockt werden.
  • Oder dafür genutzt werden, um überhaupt erst einen Anspruch auf Rente zu erwerben, also später von der Rentenversicherung eine Rente ausgezahlt zu bekommen.

Daneben spielt in letzter Zeit häufig ein weiterer Grund eine Rolle dafür, dass sich immer mehr Deutsche für Sonderzahlungen als eine Form privater Altersvorsorge entscheiden: die niedrigen Zinsen. Dadurch werden klassische Sparformen unattraktiver.

Wieviel muss ich einzahlen, um ohne Abschläge früher in Rente gehen zu können?

Das hängt von der persönlichen Situation ab. Für die Höhe der Sonderzahlung gilt: Sie ist umso höher, je früher der Arbeitnehmer in Rente will und je mehr er verdient, da sich dies natürlich auch auf die Höhe seiner Rente auswirkt.

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Was das konkret bedeuten kann, rechnet die Deutsche Rentenversicherung an einem Beispiel (Werte aus 2019) vor:

Geht ein Arbeitnehmer drei Jahre früher in den Ruhestand, würden von 1200 Euro jeden Monat 130 Euro abgezogen. Aus eigentlich 1200 Euro werden so 1070 Euro pro Monat.

Doch durch eine Sonderzahlung in Höhe von rund 32.821 Euro an die Rentenversicherung könnte er diesen Abschlag ausgleichen.

Um herauszufinden, ob sich eine solche Sonderzahlung lohnt, sollte man "sich von seinem Rentenversicherungsträger individuell beraten lassen", empfiehlt die Deutsche Rentenversicherung.

Unverbindlich informieren

Tipp: Wer mit einer Sonderzahlung liebäugelt, um damit bei früherem Renteneintritt Abschläge auszugleichen, kann sich unverbindlich bei der Deutschen Rentenversicherung darüber informieren, wie hoch der Ausgleichsbetrag in seinem ganz persönlichen Fall wäre.

Der Vorteil: Es gibt keine Verpflichtung, den von der Rentenversicherung errechneten Betrag dann tatsächlich auch einzuzahlen. Aber man kann damit besser einschätzen, ob das überhaupt für einen in Frage kommt.
Um diese Auskunft zu erhalten, müssen Interessierte bei der Rentenversicherung das Formular V0210 ausfüllen und einreichen. Beides ist online möglich.

Welchen Steuer-Vorteil bieten Sonderzahlungen?

Die Sonderzahlung kann als Altersvorsorgeaufwendung von der Steuer abgesetzt werden.

Allerdings nur bis zu einem Höchstbetrag. Der liegt 2020 bei jährlich 25.046 Euro (bei Ledigen; 50.092 Euro bei Verheirateten). Als Sonderausgaben akzeptiert das Finanzamt seit diesem Jahr 90 Prozent, das sind also bis zu 22.541 Euro (bei Verheirateten: 45.082 Euro).

Wer eine höhere Sonderzahlung leisten will, sollte dies daher unter Umständen nicht auf einen Schlag tun. Sondern über mehrere Jahre verteilt, um einen möglichst großen Steuervorteil mitzunehmen.

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In den kommenden Jahren steigt der Betrag für Sonderausgaben zur Altersvorsorge, der bei der Steuer angesetzt werden kann, bis 2025 jedes Jahr um zwei Prozentpunkte. Ab 2025 kann der gesamte gezahlte Betrag geltend gemacht werden.

Wie wirken sich Sonderzahlungen später auf die Rente aus?

Auch das kann natürlich nicht pauschal beantwortet werden. Um welchen Betrag sich die Rente später voraussichtlich dank Sonderzahlungen erhöht, verdeutlicht die Stiftung Warentest an einem Beispiel:

Wer in diesem Jahr zum Beispiel 3600 Euro als freiwillige Sonderzahlung an die Rentenversicherung überweist, erhöht den Testern zufolge dadurch nach derzeitigem Stand seine bisher erworbenen Renten­ansprüche um rund 16 Euro im Monat. Macht im Jahr ein Plus von 192 Euro.

Bedeutet: Um die eingezahlten 3600 Euro in Form einer höheren Rente wieder reinzuholen, müsste man rund 19 Jahre lang Rente beziehen.

Urteil der Stiftung Warentest

"Trotzdem kann sich die gesetzliche Rente im Vergleich zu anderen Angeboten für die Alters­vorsorge gut sehen lassen", so das Urteil der Stiftung Warentest.

Denn die Deutsche Rentenversicherung geht demnach nach eigenen Angaben davon aus, dass ihre Rendite längerfristig bei 2 bis 3 Prozent liegen wird.

Dagegen liege etwa die garan­tierte Verzinsung einer privaten Renten­versicherung, die neu abge­schlossen wird, bei höchs­tens 0,9 Prozent, so die Experten der Stiftung Warentest.

Was passiert, wenn ich in Geldnot gerate und die Sonderzahlung rückgängig machen möchte?

Bei der freiwilligen Zahlung an die Rentenversicherung gilt: Einmal gezahlt, ist das Geld weg. Die Rentenversicherung erstattet es nicht zurück, wenn der Versicherte es sich doch anders überlegt, oder finanziell klamm ist und den Betrag benötigt.

Allerdings: Das Geld ist weg, jedoch nicht verloren - selbst wenn der Arbeitnehmer dann doch länger arbeiten will. Die Ausgleichszahlung wird ihm gutgeschrieben, in dem Fall würde er von einer insgesamt höheren Rente profitieren.

Sonderzahlungen in Millionenhöhe

Freiwillige Zahlungen an die Rentenversicherung werden als Form privater Altersvorsorge immer beliebter. So leisteten Versicherte 2018 bei allen Rentenversicherungsträgern Sonderzahlungen in Höhe von ingesamt 290 Millionen Euro. Drei Jahre zuvor, 2015, war diese Summe noch neunmal kleiner und lag bei 31 Millionen Euro.

autoren wize.life

29 Kommentare

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Das ist mir zu kompliziert - ich spekuliere auf einen Lottogewinn.
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Ich frage mich wie die "Tester" zu diesen Zahlen gekommen sind. Oder stimmt Ihre Berichterstattung nicht? Fest steht: wer in 2019 das Durchschnittsentgelt aller Versicherten verdient hat ( West: 38901), der bekommt 1 Entgeltpunkt, das entspricht 33 Euro/Monat. Hat er nun 10 % mehr verdient (3890 zusätzlich) bekommt er 1,1 Entgeltpunkte das sind 36,3 Euro bzw 3,3 im Monat mehr aber keine 16 wie oben dargestellt. Bei 3600 zusätzlicher Einzahlung (in 2019)würde das m. E. zu einen Plus von 9,2% (=3,06 Euro) im Monat führen. Im Jahr wäre das ein Plus von 3,06 x 12 = 36,72 Euro/Jahr.
Fazit: 3600 : 36,72 = 98,0 Jahre, die der Einzahler Rente beziehen müsste um seine zusätzlich eingezahlten 3600 Euro zurück zubekommen (Inflation außen vorgelassen). Ich wünsche allen Sonder-Einzahlern ein langes Leben!
Da haben sich mindestens zwei Fehler eingeschlichen.
1) der Bruttoverdienst ist zwar die Grundlage - aber die Einzahlung sind nur 19,2% dieses Betrages; d.h. ca. 7450EUR
2) von diesen 7450EUR zahlt der AN nur 50% ein - die zweiten 50% kommen vom AG (hat keine Auswirkung auf die Rechnung, ist aber für das Verständnis wichtig)
Also entsprechen die 3600EUR ca. 45% der 7450EUR und damit sin die 16EUR / Monat plausibel.
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Langsam sollten Mal alle wach werden, wir werden doch nur noch von unseren Politikern verarscht. Vor den Wahlen versprechen Sie das Blaue vom Himmel, danach haben Sie Demenz und wissen von nichts! Ich würde keinen Cent extra sparen lieber in den alt bewährten Sparstrumpf stecken ,ansonsten fallen noch Steuern und bei den Banken Gebühren an! Die meisten unserer Politiker sind in meinen Augen die größten Lügner.
Da muss ich dir recht geben und bin ganz auf deiner Seite!
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wie lange lasssen wir uns noch verars.....?
Man sollte doch Zahlungen einstellen, die übernhaupt nicht in die Rentenkasse eingezahlt haben, aber hohe Renten und Pensionen kassieren. Dann wäre doch für alle Rentner genug Geld vorhanden die auch wenig eingeahlt haben. Die aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten konnten sogar auch aus einer Selbstständigkeit heraus.
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Ich kann dazu nur sagen das ist Lüge wie alles andere was der Staat versprochen hat. Wenn irgendwas vom Staat sagt das ist gut für die kleinen Leute, ist es garantiert ist da was faul.
Das holt sich sowieso der Staat. Steuer muss ja schliesslich auch noch her
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Das ist doch verarsche hoch drei. Das Geld lieber anderweilig anlegen
Lieber in eine Immobilie oder Eigentumswohnung anlegen.
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Ich sage nur unsere Parteien sind Unwählbar
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Der Staat soll erst einmal das zurück geben was sie unberechtigt aus der Renten Kasse entwendet haben und die müssten sich was Schämen das sie auf die Rente Steuern erheben wo wir schon dafür Steuern bezahlt haben
So sehe ich das auch.
Es kommen jährlich ca. 100 Milliarden EUR aus dem Steuertopf in den Rentenkasse.
Die Regierung ist nicht bereit, das Rentengesetz dahingehend zu ändern, dass alle außer Beamte, in die Rentenkasse einzahlen. Es würden dann 71% Einzahler die Rentenkasse erheblich aufbessern. Außerdem müssen versicherungsfremde Leistungen aus einem anderen Topf bezahlt werden.
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wer ist denn so dumm und macht noch Sonderzahlungen in unsere marode Rentenkasse - das ist dasselbe als wenn man das Geld zum Fenster rauswirft oder in ein bankrottes Unternehmen investiert.
Eine sinnvolle AKtion ist es die Wartezeit zu erreichen. Wenn man mit Berufsausbuildung und der Mütterrente auf 3-4 Beitragsjahre kommt, hat man zwar eine theoretische Rente von 120 EUR aber keinen Anspruch wegen der zu geringen Wartezeiten. Die EInzalung könnte dann das fehlende Jahr Wartezeit kompenzieren.
Es gibt also sehrwohl einige sinnvolle Fälle einer Einzahlung.
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Für den Staat !! 😕😳😡
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