Mündelsichere Geldanlagen: Was Sie darüber wissen müssen

Mündelsichere Anlagen - was ist das eigentlich?
Mündelsichere Anlagen - was ist das eigentlich?Foto-Quelle: Adobe Stock
News Team
Von News Team

Verbraucher, die ihr Geld in mündelsichere Geldanlagen investieren, legen Wert auf Sicherheit. Doch auch riskantere Anlageformen wie Aktienfonds dürfen zum Teil als mündelsicher beworben werden. Was also bringt das Versprechen der "Mündelsicherheit"?

Zinsen? Das war einmal. Seit Jahren macht die Politik des billigen Geldes der Europäischen Zentralbank (EZB) den deutschen Sparern zu schaffen. Das Guthaben auf dem Sparbuch oder dem Tagesgeldkonto wirft, wenn überhaupt, nur noch Mini-Zinsen ab. Und das wird in den kommenden Jahren zumindest mit Blick auf die aktuelle EZB-Politik wohl auch so bleiben.

Anleger, die deshalb nach Alternativen suchen, werden sehr schnell auf den Begriff einer sogenannten mündelsicheren Anlage stoßen. Mündelsicher, das klingt nach hohen Sicherheitsstandards. Aber was sind mündelsichere Anlagen eigentlich? Und wie sicher sind sie wirklich?

Vormundschaft, Pflegschaft, Betreuung

Der Begriff mündelsicher selbst stammt aus dem Vormundschaftsrecht. In den entsprechenden Paragraphen des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) geht es darum, wie eine Vormundschaft, eine Pflegschaft und eine rechtliche Betreuung geregelt und wie das Kapitalvermögen des Mündels verwaltet werden muss. Der Vormund ist dabei verpflichtet, das Geld in besonderer Form, nämlich mündelsicher, und verzinslich anzulegen. Grundsätzlich darf die Verwaltung des Kapitalvermögens laut BGB nicht zum Nachteil des Mündels getätigt werden.

Bundesschatzbriefe und Co.

Tatsächlich mündelsichere Anlagen sind deshalb nur Anlagen, bei denen ausgeschlossen ist, dass der Anleger einen Verlust erleidet. Laut BGB sind das unter anderem Bundesschatzbriefe, Finanzierungsschätze und andere Bundesanleihen, Länderanleihen und inländische Hypotheken- und Rentenschulden.

Für Konten und Sparbücher gibt es eine Einschränkung. Sie müssen ausdrücklich für geeignet erklärt werden, um als mündelsicher bezeichnet werden zu dürfen. Voraussetzung hierfür ist beispielsweise dass das Kreditinstitut die Guthaben seiner Kunden für den Fall der Insolvenz der Bank durch den Einlagensicherungsfonds abgesichert hat. Dies ist bei den meisten Kreditinstituten in Deutschland der Fall, aber eben nicht bei allen. Anleger sollten hier aufpassen.

Aktien und Fonds mündelsicher?

Aktien und Fonds nennt das BGB bei seiner Auflistung der mündelsicheren Anlagen nicht. Der Grund: Durch die Kursschwankungen ist ein Verlust für den Anleger nicht ausgeschlossen. Diese Anlagen gelten deshalb nach gesetzlicher Definition nicht als mündelsicher.

Hier genau fängt das Problem der Sparer an. Erstens sind die vom BGB genannten mündelsicheren Anlagen eben genau jene, für die es seit Jahren kaum mehr Zinsen gibt. Gleichzeitig werden aber von Banken und Finanzdienstleistern auch riskantere Anlagen wie Aktien- oder Investmentfonds als mündelsicher beworben, mit denen ein höherer Zinsertrag winkt. Dass dies zumindest nicht illegal ist, hat einen besonderen Hintergrund.

Gerichte bejahten Aktien- oder Immobilienfonds als mündelsicher an

In den vergangenen Jahrzehnten haben sich Anlageberater immer wieder gerichtlich genehmigen lassen, Mündelgeld auch in bestimmte Fonds investieren zu dürfen. Der Fondsverband BVI listet auf seiner Homepage unter dem Stichwort "Mündelgeld" Hunderte von Urteilen auf, in denen Richter die Anlage in Aktien- oder Immobilienfonds gestatteten.

Verbraucherzentrale warnt

Die Vergangenheit zeigt jedoch: Nicht immer war das zum Vorteil des Mündels. Die Verbraucherzentrale NRW nennt mehrere Fälle, in denen Investmentfonds, in die Mündelgelder aufgrund einer richterlichen Entscheidung investiert werden durften, in den folgenden Jahren 30 und mehr Prozent ihres Wertes verloren.

Diese Gerichtsurteile, warnt deshalb die Verbraucherzentrale, sind kein Qualitätsmerkmal für die tatsächliche Mündelsicherheit eines bestimmten Fonds. Sie sind vielmehr eine Einzelfallentscheidung eines Gerichts, das für einen ganz bestimmten Fall einen bestimmten Fonds für geeignet hielt. Selbst wenn im Einzelfall die Anlage von Mündelgeld in einen Investmentfonds sinnvoll ist, bedeutet das nicht, dass dieser Fonds sicher ist.

Verbraucher sollten sich deshalb vom Schlagwort der mündelsicheren Anlage nicht blenden lassen. Sie sollte bei jeder Anlage genau überprüfen, ob die Kriterien für Mündelsicherheit tatsächlich gegeben sind. Und erst dann ihr Geld investieren.

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autoren wize.life

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Die Nasauische Sparkasse in Hessen ist müdelsicher, weil das Land Hessen dahinter steht.
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