Senior Talents: Warum Rentner unbedingt weiter arbeiten sollten

Von wegen altes Eisen - Rentner können und wollen noch anpacken
Von wegen altes Eisen - Rentner können und wollen noch anpackenFoto-Quelle: goodluz - Fotolia
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Als Rentner komplett in Ruhestand gehen - darauf haben immer weniger Senioren Lust. Denn die meisten zählen sich noch lange nicht zum alten Eisen. Sie würden im Gegenteil sehr gern weiter arbeiten - auch um eine Aufgabe zu haben und den Kontakt nicht zu verlieren. Ein Start-up bietet Hilfe.

Deutschlands Rentner haben Lust auf Arbeit. Die Zahl der arbeitenden Senioren hat sich im vergangenen Jahrzehnt mehr als verdoppelt. Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes hatten 16,1 Prozent der 65- bis 69-Jährigen 2017 einen Job. Zehn Jahre zuvor waren es nur 7,1 Prozent.

"Viele Leute arbeiten freiwillig weiter", sagt etwa die Alterforscherin Verena Klusmann von der Universität Hamburg. "Es ist sehr identitätsstiftend, weiter im Arbeitsleben zu stehen." Diese Einschätzung bestätigt auch Silke Anger, Leiterin des Bereichs Bildung, Qualifizierung und Erwerbsverläufe beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB): "Für viele Rentner steht das Geld nicht im Vordergrund."

Aus Spaß an der Arbeit

Anger hat eine repräsentative Studie geleitet, die sich mit den Gründen beschäftigt, warum Deutschlands Senioren vermehrt in den Arbeitsmarkt zurückkehren - oder diesen erst gar nicht verlassen. 90 Prozent der Befragten nannten als Motive den Spaß an der Arbeit, den Kontakt zu Kollegen und den Wunsch, weiterhin eine Aufgabe zu haben. Nur etwa die Hälfte der 1000 Studienteilnehmer, und das betraf mehrheitlich die Frauen, gaben daneben auch finanzielle Gründe an.

WisR vermittelt aktive Rentner

WisR, ein junges Start-up aus Österreich, weiß um diese Wünsche und bietet seine Online-Jobvermittlungsplattform für Menschen ab 60+ jetzt auch in Deutschland an. Nach dem Motto "Nicht älter, sondern weiser" finden Menschen, die trotz Rente weiter aktiv am Arbeitsleben teilnehmen möchten, laut Mitteilung auf WisR passende Beschäftigungen auf Teilzeit- und Projektbasis. Unternehmen wiederum würden von der langjährigen Erfahrung der "Silver Ager", die auf diese Weise ihr Expertenwissen und Know-how an jüngere Generationen weitergeben, ebenfalls profitieren.

WisR-Gründerin Klaudia Bachinger setzt mit ihrem jungen Start-up auf Erfahrung
WisR-Gründerin Klaudia Bachinger setzt mit ihrem jungen Start-up auf Erfahrung

"Bei meiner eigenen Großmutter habe ich miterlebt, was es bedeutet, von einem Tag auf den anderen mit der Arbeit aufhören zu müssen," erklärt WisR-Gründerin Klaudia Bachinger. "Und auch für Arbeitgeber ist der Verlust an Erfahrungsschätzen und lang erlernten Fähigkeiten beim Weggang älterer Arbeitnehmer, nicht zu unterschätzen."

Top 7 - Darum wollen Rentner weiterarbeiten

  • Soziale Kontakte und Gemeinschaft
  • Sinnvolle Beschäftigung
  • Mentale und physische Gesundheit
  • Möglichkeit, um eigene Fähigkeiten und Kompetenzen der Gesellschaft möglichst lange zur Verfügung zu stellen
  • Niedriges Rentenniveau
  • Lebenslanges Lernen und Weiterbildung
  • Selbstverwirklichung und neue Herausforderungen

Was aber erwarten Rentner von ihrem (Teilzeit-)Arbeitgeber? "Wie junge Arbeitnehmer, suchen auch Ältere nach flexibleren Arbeitsformen und 'New Work' ist durchaus bei der Zielgruppe der jungen Älteren ein großes Thema", erklärt Klaudia Bachinger gegenüber "wize.life".

"Man will sinnvolle Tätigkeiten, will einen positiven Impact auf sozialer oder Umweltebene erzielen und wählt Arbeitgeber nach ihrer Reputation aus, man wünscht sich Wertschätzung, flexible Arbeitszeiten, örtliche Unabhängigkeit wie zum Beispiel Home Office, flache Hierarchien, Freiräume für Kreativität und Entfaltung."

Nach spätestens 12 Monaten langweilt der Ruhestand

Für gewöhnlich dauert es nach einer ersten "Honeymoon-Phase" mit Reisen oder Enkel bespaßen sechs bis zwölf Monate, bis Rentner nach Antritt ihres Ruhestands wieder anpacken wollen. Doch manche zweifeln auch, ob sie nicht vielleicht doch zum alten Eisen zählen.

Das rät Klaudia Bachinger zur Überwindung von Versagensängsten:

  • Eigene Stärken bewusst machen
  • Austausch mit Gleichaltrigen
  • Authentisch bleiben
  • Mut, neue Dinge zu lernen (auf Video- oder Lernplattformen)

Wichtiger Austausch zwischen den Generationen

"Wir möchten mit WisR einen Austausch zwischen Jung und Alt schaffen", führt Bachinger weiter aus. "Unsere Silver Ager können den jungen Mitarbeitern wertvolles Know-how, aber auch zwischenmenschliche Kompetenzen wie emotionale Intelligenz und Kommunikationsfähigkeit vermitteln, die am Arbeitsplatz unverzichtbar sind."

Gleichzeitig profitierten diese von jüngeren Generationen, da sie sich neuen Herausforderungen wie digitalisierten Arbeitsprozessen oder dem Umgang mit Online-Medien stellen können. "Unternehmen wiederum profitieren von dem Generationenaustausch und schaffen sich einen klaren Wettbewerbsvorteil."

Für Jobsuchende ist die Registrierung übrigens kostenlos.

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autoren wize.life

62 Kommentare

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richtig, wir als Frauen sind in so VIELEM ausgegrenzt....
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Was für den einem "Richtig" ist, kann für den anderen eine "Erniedrigung - Ausgrenzung" bedeuten. Das Dilemma beginnt schon vor der Geburt, denn wenn man als Frau zur Welt kommt hat man oft schon die A-Karte gezogen.. denn das Kinder kriegen ist Frauensache und dafür gibt es leider kein Gehalt. Also schufte ich so viel ich kann: Ich erziehe die Kinder, verwöhne meinen Mann, schufte nebenbei als Minijoberin zum Mindestlohn und dann bekomme ich kein einziges Dankeschön. Nicht vom Mann und nicht vom Staat dem ich Steuerzahler geschenkt habe.
Ganz schlimm kommt es wenn ich eine Alleinerziehende Frau bin, da hast du dann die doppelte A-Karte. Und wenn ich jetzt trotzdem im Rentenalter noch arbeite um mir ein paar Cent zu verdienen, dann hat das nichts mit Spaß und Freude an der Arbeit zu tun, sonder es ist der reine Selbsterhaltungstrieb, ich habe dadurch die Chance den möglichen totalen Absturz hinauszögern zu können.
Sicher gibt es viele Menschen die ihre Arbeit während ihres ganzen Lebens so sehr geliebt haben und deshalb auch in der Rente nicht verzichten möchten. Das ist auch OK,. Hätte ich eine Rente die mir ein angemessenes Rentnerleben ermöglichen würde, ich würde nicht zur Arbeit gehen.
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Sollen Pensionäre auch weiterarbeiten, oder bloß die Rentner? Beamter so nebenbei, ginge das überhaupt?
... wieso denn, die haben doch gute + volle Renten diese Pensionäre, warum wollen alle nur noch sein...?!?!?! sie stocken den Bundestag auf mit den Sitzen.... reicht das nicht, soetwas zu sehen???
Sie sind ja völlig auf die BT-Abgeordnete fixiert. Es gibt aber noch Millionen andere ...
Viele Menschen arbeiten auch nach Rente bzw. Pension nicht weil sie es wirtschaftlich brauchen sondern weil es ihnen Freude macht. Ich zum Beispeil.
Können Sie sich offenbar überhaupt nicht vorstellen.
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Der Artikel, hört und noch mehr fühlt sich für mich, irgendwie nach einem Hilferuf an. Kommen die Jungen nicht mehr klar in der Berufswelt und in ihrem privaten Bereich? Kann es sein, dass diese schnelle ,aber nicht sehr gesunde Entwicklung in der Wirtschaft, der Berufswelt und insgesamt, die junge Generation einfach an den Rand ihrer Kräfte gebracht hat? Sind wird Alten vielleicht dringend notwendig um in dieses Chaos Ruhe, Lebenserfahrung, Zuverlässigkeit und irgendwie eine Ordnung rein zubringen?
Ja.
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mir ist es als rentner zu 1000% nicht langweilig,wir haben einen stall voll enkel die uns total in anspruch nehmen,mit 2 mindestens fahren wir 2 mal im jahr in urlaub.arbeiten wäre auf grund unserer beider gebehinderung eh nicht mehr möglich.wer enkel hat,weiß was ich meine!
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Auch ich habe die 70 erreicht und beobachte meine Mitrentner. Menschen sind so vielschichtig, soll doch jeder Renter seinen UN-Ruhestand selbst gestalten. Es ist doch für jeden ein Traum, die Altersgrenze, vielleicht auch noch bei guter Gesundheit, erreicht zu haben und die letzten Jahre ihren Traum zu leben. Ob Ehrenamt oder festen Job, ich kenne beides... mein Ehrenamt habe ich nach erfolgreichen Jahren aufgegeben und mir nochmal einen halben Job gesucht - diese neue Aufgabe und das Kümmern geben mir eine tägliche Struktur, da ich alleine lebe brauche ich auch die sozialen Kontakte. Mir wäre es zu wenig Leben nur zu Hause zu sein, täglich drei mal mit Hund und mit verschränkten Händen auf dem Rücken, Gassi zu gehen dazu mit einem Handschuh den Hundekot einzusammeln.
Aktive Rentner werkeln im Garten, sanieren ihre Wohnung oder das Haus, gehen auf Reisen oder kümmern sich um noch Ältere... schaut euch die Besucher in den Baumärkten an! Bewegung hält fit, auch im Kopf!
Entscheidend ist doch die Lust und Freude, die man selbstbestimmt machen kann, so lange es noch geht.
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bin nun seit 5 Jahren im Ruhestand, Arbeit kommt für mich nicht in Frage, ich hätte gar keine Zeit dazu.
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