Kommt JETZT die Rente mit 70? Explodierende Sozialausgaben alarmieren Forscher

Kommt die Rente mit 70?
Kommt die Rente mit 70?Foto-Quelle: pixabay
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Von News Team

Die Deutschen bekommen mehr Kinder, es gibt mehr Einwanderer. Doch dieser Zuwachs reicht bei Weitem nicht, um der demografischen Alterung entgegenzuwirken. Ökonomen fordern deshalb ein Maßnahmen-Paket, zu dem auch die Rente mit 70 und darüber hinaus gehört.

Eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass selbst deutlich höhere Zuwanderungs- und Geburtenzahlen die bevorstehenden Herausforderungen für die sozialen Sicherungssysteme allein kaum beeinflussen können.

2010 Geborene müssen 171.000 Euro mehr Sozialbeiträge zahlen

In den kommenden 20 Jahren wird die Bevölkerung in Deutschland stark altern. Das ist nichts Neues - neu sind allerdings alarmierende Zahlen, die die Ökonomen Martin Wedding und Benjamin Päpple von der Ruhr-Universität Bochum errechnet haben:

  • Die Sozialausgaben werden sich bis 2045 fast verdoppeln: Von derzeit 890 Milliarden Euro steigen sie auf etwa 1,6 Billionen Euro. Und auch danach ist den Autoren zufolge keine Entspannung in Sicht.
  • Für die im Jahr 2010 Geborenen steigen die durchschnittlichen Beitragssätze auf 54,1 Prozent der beitragspflichtigen Einkommen. Aktuell beträgt diese Quote rund 40 Prozent. Für die 1940 geborenen Rentner lag sie noch bei 34,2 Prozent.
  • Ein im Jahr 2010 geborener Durchschnittsverdiener wird im Vergleich zu einem 1970 Geborenen mit identischem Brutto-Lebenseinkommen im Verlauf seines Erwerbslebens insgesamt etwa 171.000 Euro mehr Sozialbeiträge zahlen, um die gleichen Leistungen zu beziehen. Die gesamten Sozialbeiträge eines Erwerbslebens würden damit von durchschnittlich rund 570.000 Euro (Jahrgang 1970) auf 741.000 Euro (Jahrgang 2010) steigen.
  • Immer mehr jüngere Menschen müssen die Alten alimentieren: Während aktuell auf 100 Menschen zwischen 15 und 64 Jahren etwa 33 Personen über 65 Jahre kommen, werden es 2035 etwa 50 Ältere sein.

Zuwanderung und Geburten halten die Alterung kaum auf

Besorgnis erregend sei, dass es nach den Berechnungen nicht genügt, auf mehr Kinder und Zuwanderer zu setzen. Selbst wenn die durchschnittliche Kinderzahl je Frau ab dem kommenden Jahr auf 2,0 steigen und sich bis 2040 weiter auf 2,2 erhöhen würde - was wenig realistisch ist -, hätte das auf den starken Alterungsprozess bis 2035 keinen Einfluss. Denn mehr Geburten wirken erst dann positiv auf die demografische Alterslast, wenn die zusätzlich geborenen Kinder ihr 15. Lebensjahr vollendet haben und erwerbsfähig sind.

Durch steigende Zuwanderungszahlen wiederum lässt sich der Alterungsprozess zwar zunächst kurzfristig abdämpfen. Langfristig altern jedoch auch die Zuwanderer oder wandern wieder ab.

"Verteilungskonflikt zwischen Jung und Alt droht"

„Wenn wir aus so stark steigenden Sozialbeiträgen keine Konsequenzen ziehen, droht ein massiver Verteilungskonflikt zwischen Jung und Alt“, sagt Martina Lizarazo López, Demografieexpertin der Bertelsmann Stiftung, mit Blick auf die Zahlen.

Experten drängen auf Maßnahmen-Paket

Die Ökonomen der Ruhr-Uni Bochum halten angesichts der massiven Belastung, die auf die jüngeren Generationen zukommt, für ein Bündel an Maßnahmen für dringend geboten.

Geburtenanstieg: Die Geburtenrate soll moderat ansteigen, wobei Kinder zunächst mehr Geld kosten, eine Entlastung setzt erst verzögert ein. Als realistisch möglich kalkuliert die Studie mit einer Geburtenrate von 1,65 Kindern pro Frau.

Zuwanderung: Die Forscher sprechen sich hier für einen moderaten langfristigen Anstieg auf eine Nettozuwanderung von 250.000 Personen pro Jahr aus. Die Entlastung setzt kurzfristig ein.

Rente mit 70: Die derzeitig schrittweise Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre bis 2029 halten die Ökonomen für nicht ausreichend. Sie plädieren dazu, die gesetzliche Altersgrenze kontinuierlich an die steigende Lebenserwartung zu koppeln. Resultat der zugrunde gelegten Berechnungen wäre die Rente mit 70 im Jahr 2060 - wobei es ab 2024 die Rente mit 66 und erst ab 2031 die Rente mit 67 geben würde. Dafür würde der Anstieg nicht gedeckelt, sondern auch nach 2060 fortlaufen.

Schnellere Integration: Wenn Zuwanderer sofort zu arbeiten beginnen könnten, gäbe es bis 2045 mehr als 500.000 Menschen zusätzlich, die ins Sozialsystem einzahlten. Da dies allerdings realitätsfremd ist, halten die Autoren eine komplette Integration in den Arbeitsmarkt binnen sieben Jahren für sinnvoll. Heute dauert es im Schnitt etwas doppelt so lange.

Mehr Frauen in Erwerbstätigkeit: Die Ökonomen setzen auf einen Anstieg der Frauenerwerbsbeteiligung. Bis 2030 soll sich die Quote berufstätiger Frauen nahezu an die berufstätiger Männer angleichen, Tendenz weiter steigend. Derzeit liegt sie bei knapp 80 Prozent (Männer 92,5 Prozent). Gleichzeitig soll das jährliche Arbeitsvolumen heraufgesetzt werden.

Sinken der Arbeitslosenquote: Nach jetzigen Simulationen würde die Erwerbslosenquote den Forschern zufolge bis 2045 auf 7,1 Prozent ansteigen. Stattdessen solle durch ein intelligentes Steuern der genannten Maßnahmen die Quote bis 2030 lediglich auf 3,9 Prozent und bis 2045 auf 4,7 Prozent steigen.

Hier geht's zur ganzen Studie.

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autoren wize.life

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