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Das Denkmal zur Erinnerung an die Schlacht von Hohenlinden

Die Schlacht bei Hohenlinden (Oberbayern)

Von wize.life-Nutzer -

Wer in Paris vor dem "Arc de Triomphe" steht und die Namen der vielen Schlachten liest, die Napoleon geschlagen hat, liest auch den Namen "Hohenlinden". Wer erinnert sich noch daran, dass bei dieser für viele wenig oder nicht bekannten damals dörflichen Gemeinde bei Ebersberg zwischen Mühldorf und München eine der wichtigsten Schlachten des
2. Koalitonskrieges geschlagen wurde, an der drei Armeen beteiligt waren?
Die Schlacht, in der die bayerisch-österreichischen Truppen unter der Führung des erst achtzehnjährigen und militärisch gänzlich unerfahrenen Erzherzog Johann von Österreich eine schwere Niederlage erlitten, fand am 3. Dezember 1800 statt. Den Österreichern gegenüber standen französische Truppen unter der Führung von General J.V. Moreau. Den bayerischen Truppen (15.000 Soldaten) und den österreichischen Truppen (44.000 Soldaten) standen französische Truppen in der Stärke von 110.000 Soldaten gegenüber. Durch kriegerische List und unterschiedliche strategische Kriegsführung hinsichtlich des Aufmarsches der Truppen konnten die Franzosen die Schlacht für sich entscheiden. Diese Niederlage war so schwer, dass die österreichischen Truppen danach nicht mehr in der Lage waren, den französischen Vormarsch in Richtung Wien aufzuhalten. Dadurch sah sich Kaiser Franz II. gezwungen, am 25.12. 1800 den Waffenstillstand von Steyr zu unterzeichnen. Ihm folgte am 9.2.1801 die Unterzeichnung des Friedens von Lunéville, durch den Österreich bis 1805 aus den Koalitionskriegen gegen Frankreich ausschied.
Wie kam es zu dieser Schlacht auf bayerischem Boden?
Infolge der Französischen Revolution kam es zwischen dem revolutionären Frankreich und wechselnden Koalitionen damaliger europäischer Mächte zwischen 1792 und 1815, die verhindern wollten, dass die Ideen der Revolution (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) auch in ihren Ländern Fuß faßten, zu Kriegen. Während Napoleon Bonaparte 1800 durch andere Schlachten gebunden war, wurde die französische Rheinarmee unter General Moreau gegen die Streitkräfte Österreichs und Bayerns geführt. Die Kämpfe in dieser Schlacht fanden auf bayerischem Boden statt mit Schwerpunkten in München und der Einnahme der Stadt sowie östlich des Inns, hinter den sich die österreichisch-bayerischen Truppen unter Einhaltung einiger strategisch wichtiger Orte wie Wasserburg, Mühldorf, Kraiburg usw. zurückzogen. Der für Österreich am 15.7.1800 bei Parsdorf unzufriedenstellend abgeschlossene Waffenstillstand wurde in Hohenlinden am 20.9.1800 nochmals verlängert. Durch die ergebnislos verlaufenen Friedensverhandlungen von Lunéville wurde aber durch Napoleon der Waffenstillstand aufgekündigt. Das französische Heer wurde von General J.V. Moreau sowie von General Richepance, dem Generalstabschef Desolle und General Bastoul, das bayerische Herr von Kurfürst Max Joseph von Bayern, von Karl (Philipp) Fürst von Wrede und von Bernhard (Erasmus) Graf von Deroy und das österreichische Heer von Erzherzog Johann von Österreich, Karl (Philipp) von Schwarzenberg sowie Johann (Joseph) Fürst von Lichtenstein geführt. Im Rahmen der Aufkündigung des Waffenstillstands überschritten die österreich-bayerischen Heere am 28.11.1800 den Inn wieder in Richtung Westen. Dies führte zu einer strategischen Zurücknahme der französischen Truppen bei Haag und Hohenlinden, was die Österreicher und Bayern ermunterte, ihren Marsch nach München wieder aufzunehmen. Die geschickt zurückgenommenen französischen Truppen erwarteten aber in Schlachtordnung aus sicheren Positionen die Truppen der Alliierten. Kaltes winterliches Wetter mit Schneefall, dichter Wald und ungünstiges sumpfiges Gelände wirkten sich nachteilig auf den Marsch der Alliierten Richtung Westen aus. Ihre Heere gingen in die von General Moreau gestellte Falle und konnten sich auf Grund der Geländegegebenheiten nicht entfalten. Sie wurden von den Franzosen, die in geordneter Schlachtformation auf sie vor dem Haager Forst warteten, in die Zange genommen, gnadenlos mit Artillerie beschossen und in Kämpfen Mann gegen Mann vernichtet. Wer nicht durch die Granaten der französischen Artillerie ums Leben kam, wurde im Nahkampf grausam niedergemetzelt.
Die Folgen dieser Schlacht bei Hohenlinden waren neben den materiellen Verlusten wie Geschützen etc. der Verlust von ca. 12.000 toten, verwundeten und gefangengenommenen österreichisch-bayerischen Soldaten, denen gegenüber lediglich der Verlust von ca. bis 6.000 französischen Toten und Verwundeten stand. Das "Aufräumen" des Schlachtfeldes wurde wie damals üblich von der einheimischen zivilen Bevölkerung "erledigt". Oft wurden die Gefallenen an Ort und stelle "notdürftig" verscharrt. Noch heute kann es nach Augenzeugenberichten in Hohenlinden geschehen, dass bei Erdarbeiten auf Überreste in Form von Knochen, Hufeisen, Sporen und Ausrüstungsgegenständen der gefallenen Soldaten gestoßen wird.
Von dieser Schlacht zeugen in Hohenlinden neben einer Gedenktafel am Haus Hauptstrße 7, in dem heute eine Apotheke untergebracht ist, sowie am Gasthof "Zur Post", in dem sich der Befehlsstand von General Mureau befand, ein 1998 besonders sehenswertes errichtetes Denkmal. Es unterscheidet sich grundsätzlich von anderen Kriegerdenkmälern. Mit seinen vier Säulen erinnert es an die drei an der Schlacht beteiligten Völker, den Bayern, den Österreichern und den Franzosen. Die vierte Säule erinnert an die die Not und das Elend der leidgeprüften Bevölkerung mit Mißhandlungen, Plünderungen, Abbrennen der Häuser und Gelderpressung während und noch lange nach der Schlacht. Die darauf liegenden Querbalken symbolisieren den Wunsch nach einer friedlichen Vereinigung der Völker Europas. Die vergoldeten Kugeln drücken die Hoffnung aus, dass das neue Europa von gewählten und unbestechlichen Volksvertretern regiert wird, die jedem Volk seine eigene Verwaltung und Lebensweise lassen sollen. In der Mitte des Denkmals steht ein "Blutstein" aus finnischem Granit als Mahnmal auf blutgetränktem Boden.
An Folgen dieser Schlacht muß - wie bei allen Kriegszügen - besonders das Leid der zivilen Bevölkerung, aber auch der an den Kämpfen teilnehmenden Soldaten erwähnt werden. So wurden mühsam und qualvoll die Verwundeten aller teilnehmenden Armeen, also Franzosen, Bayern und Österreicher mit den damals üblichen Transportmitteln wie ländlichen Nutzfahrzeugen (Fuhrwerke von Kühen oder Ochsen gezogen) von Hohenlinden nach Altenmarkt an der Alz zum dortigen Chorherrenstift Baumburg transportiert und in das dortige Lazarett zur Pflege durch die Nonnen eingeliefert. Das Lazarett bestand aus dem österreichischen und dem französischen Spital. Auf Grund der vielen angelieferten Opfer war dieses Hauptfeldspital total überfüllt. Viele der Verwundeten überlebten diesen Transport, der Überlieferung nach ca. 2000 und ihren Aufenthalt in diesem Lazarett nicht, da sie nicht nur durch unzufriedenstellende Behandlung und Pflege sowie mangelnde Hygiene und Sauberkeit sondern auch durch eine Typhusepidemie dahingerafft wurden. Sie wurden durch die damaligen Umstände ungezählt und nicht registriert in einem Massengrab beerdigt. Bereits im Jahre 1826 bildete sich in Altenmarkt eine Soldatenkameradschaft, die sich zur Aufgabe machte, jedes Jahr am letzten Sonntag im Juni an die Opfer dieser Schlacht zu gedenken. Zur Erinnerung an diese schreckliche Zeit wurde 1849 über dem Massengrab im sog. Buchenwald eine Gedächtniskapelle errichtet. Neben einem Denkmal zur Erinnerung an die Toten von 1800 stehen außerdem zwei Gedenksteine an der Kapelle, die an die Gefallenen des deutsch-französischen Krieges 1870/71 sowie an die beiden Weltkriege von 1914 - 1918 sowie 1939 - 1945 erinnern. Auch auf vielen Votivtafeln im oberbayerischen Raum wurden die Geschehnisse und Folgen der "Schlacht bei Hohenlinden" festgehalten, so auf einer Votivtafel in St. Christoph in Mittach.
Geschichtlich gesehen war Hohenlinden der Ausgangspunkt für die Gründung des Königreichs Bayerns durch Napoleon 1806, der die Länder Schwaben, Franken und Altbayern zusammenführte. Als Gegenleistung forderte Napoleon u.a. für seinen geplanten Rußlandfeldzug die Rekrutierung von 30.000 bayerischen Soldaten, von denen lediglich 3.000 Soldaten in ihre Heimat zurückehrten. Auch die 1802 und 1803 einsetzende Säkularisation führte durch Enteignung von kirchlichen Besitztümern wie Abteien, Stiftern, Klöstern und damit zusammenhängend von kirchlichen Ländereien etc. zu erheblichen Gewinnen des Staates an Boden und Gütern. Des weiteren wurden auch Kleinst- und Kleinstaaten aufgelöst und in den damaligen Staatsbesitz überführt.
Ein weiteres Ergebnis der 2. Koalitionskriege ist die von Napoleon befohlene systematische Landvermessung Bayerns. General Napoleon war klar, dass eine moderne Kriegsführung nur mit zuverlässigem topographischem Kartenmaterial möglich ist.
Wen die Schlacht bei Hohenlinden besonders interessiert, der kann entweder per Fahrrad auf einem 47 km langen Rundweg ihre Orte abfahren. Auf diesem Rundweg gibt es Möglichkeiten, detaillierte Informationen zu erhalten. Oder er besucht das Museum zur Schlacht, das im Untergeschoss der Grundschule Hohenlinden untergebracht ist und vom Verein "Hohenlinden 2000 e.V. " nicht nur liebevoll gepflegt wird, man kann auch an Führungen teilnehmen, durch die man mehr an Informationen über diese denkwürdige Schlacht erfährt.

3 Kommentare

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die einstige Geschichtelehrerin dankt für diesen Bericht,der nicht nur die militärischen sondern auch die menschlichen Folgen dieser Schlacht erzählt. Auf dem weg mit dem Zug nach Regensburg habe ich auch einen Hinweis gelesen,wo eine Schlacht gegen Napoleon stattgefunden hat.
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Was für ein großartiger und detaillierter, aber in keinster Weise langweiliger Bericht über die Schlacht von Hohenlinden. Es ist sehr erfreulich, dass man bei dieser Plattform solch durchdachte und geschichtlich bedeutende Artikel finden kann. Ich bin mir sicher, alle Leser freuen sich schon auf den nächsten Beitrag, lieber Hasko! Vielen Dank für deine Mühe.
Was man gerne macht, versucht man gut zu machen und dadurch entsteht Freude, die wir beim Schreiben solcher Artikel empfinden und auch Ansporn, sich Gedanken über weitere zukünftige Berichte zu machen. Besonders erfreulich aber ist, wenn man auf diese Weise liebe Monika Anerkennung erfährt!
LG
Hasko
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