Das Plastiktüten-Verbot rückt näher - und keiner ist zufrieden

Plastiktüten sollen kommendes Jahr verboten werden
Plastiktüten sollen kommendes Jahr verboten werdenFoto-Quelle: Mabel Amber
News Team
Von News Team

Die Bundesregierung will Plastiktüten aus Supermärkten und Kaufhäusern verbannen. Einen entsprechenden Gesetzesentwurf hat Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) jetzt in die Ressortabstimmung eingebracht.

Demnach sollen Plastiktüten, auch angeblich biologisch abbaubare, ab der ersten Jahreshälfte 2020 generell im Einzelhandel verboten werden, wie die „Bild“-Zeitung berichtet, der der Entwurf vorliegt. Ab dann gelte noch eine Übergangszeit von sechs Monaten, um „vorrätige leichte Kunststofftragetaschen in Verkehr zu bringen“ und „vorhandene Restbestände“ abzubauen.

Händlern droht bei Verstoß eine Geldstrafe bis zu 100.000 Euro.

Ausnahme: Besonders dünne Tüten an der Obsttheke

Doch es gibt auch Ausnahmen: die extrem dünnen, fast durchsichtigen Tüten, die zum Abreißen an Obsttheken hängen. Begründet wird das „Bild“ zufolge im Entwurf damit, dass ihr Verbot dazu führen würde, dass Obst in größeren Packungen verschweißt werde, Käufer diese in der Folge präferierten und so mehr kauften, als sie bräuchten. Die überschüssigen Früchte landeten dann im Müll – was wiederum zu mehr Verschwendung führe.

VIDEO: Von wegen umweltfreundlich - Darum gehören Biomülltüten nicht in den Müll


"Aus Hygienegründen erforderlich"

Wörtlich heißt es im Entwurf: „Unter die Ausnahme fallen sehr leichte Kunststofftragetaschen mit einer Wandstärke von weniger als 15 Mikrometern, die aus Hygienegründen erforderlich sind oder als Erstverpackungen für lose Lebensmittel vorgesehen sind, sofern dies zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung beiträgt.“

Robuste Tragetaschen sollen auch erlaubt bleiben

Was erlaubt bleiben soll, sind außerdem robuste Tragetaschen, wie sie in Supermärkten angeboten werden.

Tütenverbrauch stark zurückgegangen

Bisher haben viele Läden freiwillig auf Plastiktüten verzichtet oder sie nur kostenpflichtig angeboten. Dazu ist das Bewusstsein unter den Verbrauchern gewachsen. Der Pro-Kopf-Verbrauch pro Jahr war nach Angaben des Umweltministeriums bereits deutlich gesunken: von 70 Tüten im Jahr 2015 auf 24 Tüten 2018.

Ministerium sieht Möglichkeiten über freiwilligen Verzicht erschöpft

Nach Einschätzung des Umweltministeriums könne eine weitere Absenkung des Verbrauches aber nur durch ein Verbot erreicht werden, weil sich nicht alle Händler an den Verzicht hielten, berichtet „Bild“. Zudem sei davon auszugehen, dass „eine gewisse Anzahl von Endverbrauchern zur Zahlung des Entgelts“ für Plastiktüten weiterhin bereit sei.

Verbände warnen vor Symbolpolitik
Sowohl der Handel als auch Umweltverbände sehen ein Verbot skeptisch und warnen vor Symbolpolitik. Der Handelsverband Deutschland (HDE) monierte, dass es wenig umweltfreundliche Ausweichmöglichkeiten gebe. Die Tüte mache zudem nur einen geringen Anteil am Plastikmüll aus.

Nabu fordert generelles Verbot von Einwegtaschen

Der Naturschutzbund Nabu fordert weitergehende Regelungen. Ein Verbot allein könne „zu gefährlichen Verlagerungen am Markt führen“, teilte der Verband mit, als die Ministerin ihr Vorhaben ankündigte. Eine Einwegpapiertüte sei in ihrer Ökobilanz nicht besser als eine aus Plastik. Daher bedürfe es eine gesetzliche Abgabe auf alle Einwegtaschen.

Herstellung von Papiertüten energieintensiv

Für die Herstellung von Papiertüten wird Zellulose benötigt, deren Produktion energie- und wasseraufwändig ist und unter Einsatz von Chemikalien vonstattengeht. Einwegtüten aus frischen Papierfasern müssen laut mindestens dreimal so oft genutzt werden wie die erdölbasierte Plastiktüte, damit sich die Herstellung lohnt.

Plastikmüll verschmutzt in großen Maßen die Flüsse und Meere. Immer wieder verenden Meeresbewohner an Kunststoff in ihren Gedärmen. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wird es im Jahr 2050 mehr Plastik als Fische im Meer geben. Der Großteil des Mülls stammt aus Asien. Die Rolle von Mikroplastik, das inzwischen sogar in der Arktis zu finden sind, ist noch vergleichsweise unerforscht, da Langzeitstudien fehlen.

4 Kommentare

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2 drittel des innahltes der gelben Säcke werden verbrannt, das müsste verboten werden das sind ganz andere Größenordnungen wie die 24 Tüten, die jeder laut Statistik immer noch verwende und ein Umdenken bei Verpackungen durch die Wirtschaft
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Vielleicht sollten wir Fleisch wie in China nicht in Plastik einpacken, sondern nur unverpackt ähnlich wie Obst und Gemüse verkaufen.

Z. B. Minute 4:45:
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Als ob der Verzicht auf Plastiktüten irgendein Umweltproblem lösen könnte. Schaut mal was alles bei euch im "gelben Sack" landet und überlegt wie man das auf sagen wir 10% minimieren könnte. Plastiktüten gehören kaum dazu.
Es gibt Menschen die kochen kiloweise Essen und werfen dann die Hälfte davon in den Müll. Spricht man diese Herrschaften an, spielen sie die beleidigte Leberwurst und vergessen die minimalste Form der Höflichkeit. Das kommt davon, wenn man glaubt alle und jeden integrieren zu können. Jetzt werden sie einfach links liegen gelassen.
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