Modemacher zum Textilsiegel "Grüner Knopf": "Das ist absolute Verbraucherverwirrung"

Modemacher zum Textilsiegel „Grüner Knopf“: „Das ist absolute Verbraucherver ...
Modemacher zum Textilsiegel „Grüner Knopf“: „Das ist absolute Verbraucherverwirrung“Foto-Quelle: Pixabay (Symbolbild)
News Team
Von News Team

Seit Montag können sich Textilunternehmen aus Deutschland mit dem sogenannten „Grünen Knopf“, einem von dem Bundesentwicklungsministerium geschaffenen Siegel für nachhaltige Textilien, zertifizieren. Es soll garantieren, dass Kleidungsstücke unter fairen sozialen und Umweltbedingungen produziert werden. Doch das Ganze stößt auf Kritik.

„Generell ist das eine geniale und notwendige Idee“, sagt der Hamburger Klamotten-Designer Jan Thelen im Gespräch mit dem „Spiegel“. „Es gibt immer einen Haufen Siegel, die immer nur Teilaspekte abdecken.“ Für Verbraucher sei ein staatliches Siegel deshalb gut, außerdem könnte die Zertifizierung einen extrem hohen Bekanntheitsgrad erlangen.

Was Thelen besonders stört, ist die Tatsache, dass die Produktion nur teilweise kontrolliert wird: „Es gibt zwei Aspekte, die bei einem Mindestanspruch für ein nachhaltiges Stück Textil wichtig sind: faire Löhne und umweltfreundliche Fasern“, erklärt der 38-Jährige. Beim Grünen Knopf werde allerdings die gesamte Faserebene ausgeblendet.

„Es dürfen umweltschädliche Viskosefasern eingesetzt werden oder auf Teflon basierende Membranen, die hinterher Sondermüll sind“, so Thelen. „Das heißt, ein normales Baumwoll-T-Shirt, das hoch und runter mit Pestiziden begossen und unter unschönen Bedingungen in Rumänien produziert wurde, würde den Grünen Knopf bekommen.“

(Fortsetzung des Artikels nach dem Video)

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Hohes Potenzial für Greenwashing

Das sei für den Modemacher, der seit 2010 nachhaltig produziert und mit dem deutlich strengeren Global Organic Textile Standard (GOTS) zertifiziert ist, „absolute Verbraucherverwirrung“. „Bei GOTS muss der Ursprung jeder Faser und jedes Details nachgewiesen werden. Das ist ein großer Aufwand, sowohl für den Produzenten als auch für uns.“

Auch kritisiert Thelen, dass das staatliche Siegel hohes Potenzial für sogenanntes Greenwashing, - irreführende und zum Teil betrügerische Aussagen, die einen „Umweltbonus“ suggerieren - birgt. „Hinter einem staatlichen Siegel steckt eine hohe Marktmacht und Geld, um es bekannt und für den Verbraucher relevant zu machen.“ Das käme vielen Unternehmen zugute.

Der „Grüne Knopf“ ist ein von der Regierung geschaffenes Meta-Siegel für nachhaltige Bekleidung. Es bezieht sich auf vorhandene Siegel. Von den insgesamt 26 zu erfüllenden Standards sollen in einer Pilotphase bis 2021 nur ein Teil kontrolliert werden. Produkte mit Fertigung in Europa werden nicht kontrolliert. Zum Start sind 27 Unternehmen dabei, darunter Tchibo und Otto.

(feb)

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