Klaas sammelt Spenden für Seenotschiff – doch das wird nie in See stechen

Klaas sammelte öffentlich Spenden für Seenotrettung
Klaas sammelte öffentlich Spenden für SeenotrettungFoto-Quelle: Klaas Heufer-Umlauf / Instagram
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Von News Team

Im Juli 2018 rief Klaas Heufer-Umlauf zu Spenden für eine private Rettungsmission im Mittelmeer auf. Mindestens ein Schiff sollte gechartet werden, und er wollte persönlich dafür Sorge tragen, dass das Geld ankommt. Das Projekt startete, allerdings lief bis heute kein Schiff aus.

Der ProSieben-Moderator wollte nach der Beschlagnahmung des Rettungsschiffs „Lifeline“ im Sommer 2018 ein Zeichen setzen. Mit einem YouTube-Video warb er für das Hilfsprojekt, was Wirkung zeigte: Über eine Crowd-Funding-Plattform kamen 297.036 Euro zusammen, gespendet von mehr als 7000 Menschen.

Erfahrene Mitstreiter an Bord

Ein eigens gegründeter Verein namens Civilfleet mit mehreren Aktivisten aus verschiedenen NGOs sollte sich um die Umsetzung der Mission kümmern. Den Vorsitz übernahm der Grünen-Politiker Erik Marquardt, der heute EU-Parlament sitzt.

Kein Schiff ausgelaufen

Danach hörte man nicht mehr viel über den weiteren Verlauf. Das österreichische Rechercheportal „Addendum“ hakte nach und stellte fest, dass bis heute kein Schiff ausgelaufen ist und dies nach diversen Schwierigkeiten im Projektverlauf, die das Portal detailliert aufschlüsselt, auch nicht mehr geschehen werde. Dabei sei das Geld zu gut zwei Dritteln aufgebraucht worden.

Mission gescheitert

Auch wenn der Verein Civilfleet in einer langen Antwort Ungenauigkeiten bemängelt und aufgrund des fehlenden Jahresabschlusses 2018 keine Auskunft zu den Finanzen geben möchte, bleibt unterm Strich: Das Projekt ist gescheitert.

Aufwändige und teure Umflaggung

Der Verein charterte demnach tatsächlich ein Schiff, das zuvor bei Rettungsaktionen zum Einsatz gekommen war, die „Golfo Azzurro“, Jahrgang 1987. Das sollte umgeflaggt werden, da die Sorge bestand, die ursprüngliche Panama-Flagge könne zu Problemen führen.

Rettungsschiffe anderer Organisationen hatten eine entsprechende Flagge offenbar auf Druck Italiens zuvor entzogen bekommen. Nun sollte der Trawler unter der Flagge des Inselstaats Vanuatu fahren. Kostenpunkt: 30.000 Euro.

Darlehen für den Schiffseigner

Zusätzlich seien Tests als Voraussetzung für die Registrierung unter der neuen Flagge nötig gewesen, daneben Umbauten aus praktischen Gründen – wie der Einbau eines hochseetauglichen Spitals oder schusssichere Tanks. Der Schiffseigentümer habe vom Verein ein Darlehen in Höhe von 70.000 Euro erhalten, das nach Angaben des Vereins im Nachhinein mit den Charterraten verrechnet werden soll. Fraglich ist dabei, ob der Eigentümer das genauso sieht.

Weitere Kosten

Dazu kamen dem Bericht zufolge weitere Ausgaben, unter anderem für ein Beiboot, Sicherheitstrainings, Gehalt, das Chartern, dessen Kosten durch die Verzögerungen stiegen. Dazu wurde laut Civilfleet eine fünfstellige Summe den Seerettern von Sea-Eye überstellt, um einen Einsatz zu ermöglichen.

Öffentlichkeit wurde nicht informiert

Nur sporadisch wurde die Öffentlichkeit über die Website über den Stand der Dinge informiert. Erstmals berichtete der Verein im Januar 2019 über den „langen, teuren Prozess der Umregistrierung“. Man sei im Gespräch mit NGOs, die kein eigenes Schiff besitzen und Interesse hätten, die „Golfo Azzurro“ zu betreiben. Es sehe sogar so aus, als stehe man kurz vor Vertragsabschluss.

Statt Informationen neue Spendenkampagne

Dass es dazu nicht kam, wurde nicht publiziert. Stattdessen startete Civilfleet im Juli 2019 einen weiteren Spendenaufruf für die damals in Italien festgenommene deutsche Kapitänin Carola Rackete und ihre Mission. Mit Unterstützung von Klaas Heufer-Umlauf und Jan Böhmermann kam etwa eine Million Euro zusammen, das Geld soll verschiedenen Seenotrettern zugute kommen.

206.675 Euro in den Sand gesetzt?

Erst jetzt räumte der Schatzmeister von Civilfleet, Ruben Neugebauer, auf Nachfrage von „Addendum“ ein, dass das Projekt abgebrochen wurde. Die Gesamtkosten addieren sich dem österreichischen Portal zufolge auf 206.675 Euro.

Civilfleet widerspricht: Materialien werden eingesetzt

Dem widerspricht Civilfleet in seiner Stellungnahme. Demnach floss das meiste Geld in Ausrüstung, die, sofern sie noch nicht auf anderen Rettungsschiffen im Einsatz ist, zurück nach Deutschland gebracht und anderen NGOs zur Verfügung gestellt werde. Momentan laufe die Planung des Transports. Die Kosten, die tatsächlich unwiederbringlich in das Projekt gesteckt worden seien, beliefen sich demnach auf einen fünfstelligen Betrag – ausgehend davon, dass das Darlehen an den Schiffseigner zurückgezahlt wird. Details nennt Civilfleet nicht.

Civilfleet: Schwiegen bewusst

Die Probleme verschwieg der Verein bewusst, da man davon ausgegangen sei, „dass die Behörden uns mehr Steine in den Weg legen, je mehr Öffentlichkeit das Projekt hat“. Private Anfragen von Spendern habe man aber zeitnah beantwortet. Dass noch nicht mal über das Aus der Mission informiert wurde, hänge „damit zusammen, dass das Projekt erst vor Kurzem abgebrochen wurde“, so der Verein.

Klaas Heufer-Umlauf sieht Aufgabe erfüllt

Inzwischen hat sich auch Klaas Heufer-Umlauf zu Wort gemeldet. Im Gespräch mit Stefan Niggemeier in „uebermedien“ zeigt er sich überzeugt, dass das Geld dahingegangen sei, „wo man es nach besten Wissen und Gewissen investieren muss, um das zu erreichen, was wir versprochen haben“.

Wenngleich kein Schiff in See gestochen sei, glaube er nicht, dass Spender enttäuscht sind. „Das Ziel von Seenotrettung ist natürlich, ein Schiff aufs Wasser zu bringen und damit Menschen aus Seenot zu retten. Dass das auch im Normalfall nicht so leicht ist und es viel Zeit und Geld kostet, das ist ja klar.“ Das Geld sei großenteils dazu verwendet worden, Seerettung möglich zu machen, etwa durch die Ausbildung von Menschen vor Ort.

1 Kommentar

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Alle wegen Gründung einer kriminellen Schleppervereinigung in den Knast. Die Krönung bei diesem Schlepperdrama ist aber der ehemalige Bairische Löwe, der jetzt nur noch als Fußmatte für Mutti Merkel dient. Erst hat er getobt über die Flut der Flüchtlinge und jetzt holt er noch mehr von diesen Terroristen, Messerstechern und Asozialen ins Land. Das die Mehrheit der Bürger in Deutschland das nicht wollen interessiert dabei nicht. Frei nach den Worten dieses EU Gauners Junker, „lasst das Volk schimpfen, wir tun einfach was wir wollen.“ Es wird höchste Zeit für einen Wechsel. Übrigens diesen Spendensammler der sich Groß vorkommt sollte man wegen Spendenveruntreuung in den Knast stecken.
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