Von wegen Rente: Monika (69) entdeckt jetzt ihr Talent als Trauerrednerin

Monika Lippmann-Fischer arbeitet als Trauerrednerin
Monika Lippmann-Fischer arbeitet als TrauerrednerinFoto-Quelle: privat/pixabay
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Von News Team

Nie haben so viele Rentner nebenher gearbeitet wie jetzt: Jeder zwölfte ist es inzwischen, acht Prozent - im Jahr 2000 waren es noch gut drei Prozent. Nicht immer spielt Geld eine Rolle. Manche lieben auch die Herausforderung - oder haben einfach Hummeln im Hintern. Teil 2 unserer Serie, warum Rentner arbeiten.

"Dafür bin ich doch noch lange nicht zu alt": Unter diesem Motto haben wir die wize.life-User gefragt, ob sie trotz Rentenalters noch arbeiten. Die Reaktionen zeigen: Viele fühlen sich mit 65 aufwärts einfach tatkräftig, um mit der Arbeit, die ihnen Spaß gemacht hat, aufzuhören. Doch leider gibt es auch einige Menschen, die weiterschuften müssen, da die Rente so karg ausfällt. Wir haben für unsere Artikelserie 9 Beispiele ausgewählt. In Folge zwei geht es um eine Journalistin, die inzwischen ihr Talent als Trauerrednerin entdeckt hat, eine Seniorin, die sich mit 74 Jahren in eine Männerdomäne wagt, und um einen Rentner, der von Stadt zu Stadt jettet.

Die späte Berufung zur Trauerrednerin

Monika Lippmann-Fritschler arbeitet in ihrer Rente als Trauerrednerin - eine Arbeit, die sie erfüllt
privatMonika Lippmann-Fritschler arbeitet in ihrer Rente als Trauerrednerin - eine Arbeit, die sie erfüllt

Monika Lippmann-Fritschler aus Erfurt hat seit ihrem 16. Lebensjahr immer gearbeitet. Die meiste Zeit schrieb die 69-Jährige für unterschiedliche Zeitungen und machte Öffentlichkeitsarbeit. „Leben heißt für mich weiter rührig sein“, sagt sie. Deshalb war für sie klar, dass sie nach ihrem 65. Geburtstag weiter arbeiten würde – auch wenn sie genügend Rente bekommt, um die Beine hochlegen zu können.

Eigenes Journal

Wann immer etwas im Erfurter Ortsteil Gisperleben, in dem sie lebt, passiert, ist Monika Lippmann-Fritschler zur Stelle und berichtet darüber. Für die „Thüringer Allgemeine“, vor allem aber für das „Gispi-Journal“. An der kleinen, monatlich erscheinenden Zeitung hängt ihr Herzblut. Bereits seit 20 Jahren sorgt sie dafür, dass Einheimische darin alles erfahren, was in der Nachbarschaft passiert ist: von der Einschulung über eine Diamanten-Hochzeit bis zur Einweihung der neuen Brücke.

Es ist ein One-Woman-Betrieb zum Selbstkostenpreis, nur beim Layout hat Monika Lippmann-Fritschler eine Helferin. Und beim Austragen der gedruckten Exemplare springt ihr eine kleine Schar Rentner zur Seite. „Noch nie habe ich eine Ausgabe ausfallen lassen“, sagt sie stolz.

Zweite Leidenschaft entdeckt

Neben dem „Gispi-Journal“ hat Monika Lippmann-Fritschler allerdings noch eine zweite Leidenschaft entdeckt: Trauerreden halten. Das Ganze hat sich zufällig entwickelt: Bei der Beerdigung ihrer Mutter hatte sie selbst die Grabrede gehalten – und wurde daraufhin im Bekanntenkreis gebeten, Reden zu übernehmen. Nach und nach kamen immer mehr Anfragen, auch von örtlichen Bestattungsinstituten. „Diese Arbeit füllt mich voll und ganz aus. Ich kann Menschen helfen, ihre erste Trauer zu bewältigen, bin für sie da und gebe ihrer Trauer meine Worte“, sagt sie.

Wichtig ist ihr dabei, für jeden eine persönliche Ansprache zu finden. „Jeder Mensch ist anders. Mein Anspruch ist, dass sich das auch in der Rede widerspiegelt.“

Weitermachen will Monika Lippmann-Fritschler damit, „so lange die Leute mich anschauen wollen“ und sie gesund bleibt. Denn – das hat sie als Trauerrednerin gelernt – das Ende kann schnell und unerwartet kommen.

Neustart mit 74 Jahren: Monika S. hat sich einen Traum erfüllt

Monika S. arbeitet als Spediteurin
pixabay (Symbolbild)Monika S. arbeitet als Spediteurin

Mit 74 Jahren wagte sie den Neustart in einem Männermetier. Dabei hätte Monika S. aus Münster [Name der Redaktion bekannt] das gar nicht nötig gehabt: Die 77-Jährige war früher Angestellte im Öffentlichen Dienst, ihre Rente reicht zum Leben. Dazu arbeitet sie mehr 34 Jahren nebenbei für einen Verlag. Erst trug sie selbst Zeitungen aus, inzwischen ist sie Bindeglied zwischen den Austrägern Verlag. Dafür ist sie schon morgens um 4 Uhr unterwegs. Sechs Tage die Woche. „Dann kann man entspannt in den Tag gehen“, kommentiert sie, was andere als Anstrengung empfinden würden.

„Ich habe es zu keinem Zeitpunkt bereut“

Komplett ausgefüllt hat die Tätigkeit S. jedenfalls nicht. Vor bald vier Jahren wollte sie es nochmal wissen und „etwas gebacken kriegen – und zwar in einem Job, von dem ich null Ahnung habe.“ Was liegt da näher, als eine eigene Spedition zu eröffnen?

„Ja, ich habe es geschafft, aber der Weg dahin war steinig“, sagt sie. „Trotzdem habe ich es zu keinem Zeitpunkt bereut.“

„Motivation ist alles“

Die erste Hürde war die Fachkundeprüfung bei der Industrie- und Handelskammer. Drei Monate Zeit für ungefähr 1000 mögliche Fragen. Durchfallquote beim ersten Mal: bis zu 85 Prozent. „Gut, dass ich davon erst nach bestandener Prüfung erfahren habe“, lautet ihr Kommentar. Sie kann es noch heute kaum fassen, aber sie schaffte es, sich den Stoff reinzupauken und ihn in der Prüfung abzurufen.

„Meine Motivation hat mir geholfen, denn die war riesig“, sagt sie. Überhaupt ist sie überzeugt: „Motivation ist alles.“

Es folgten vier weitere Prüfungen, unter anderem erwarb sie die Berechtigung, Gefahrguttransporte zu begleiten. Das gehörte nicht zum Pflichtprogramm, da die Transporte die Fahrer übernehmen. „Aber ich wollte wissen, was meine Fahrer wissen müssen“, sagt sie.

Altersdiskriminierung auf Ämtern und bei Firmen

Seit gut drei Jahren führt sie nun ihre kleine Spedition mit zwei Fahrern – schon drei Tage nach der erforderlichen Prüfung legte S. los. Nicht immer ist es einfach, und manchmal muss sie sich ärgern. Vor allem über Altersdiskriminierung. „Ob Finanzamt oder Firmen, man bekommt dumme Sprüche an den Kopf geworfen“, erzählt sie. Einmal wurde ihr unverhohlen vorgehalten: „Wenn man in DEM Alter so etwas macht, hat man entweder mehrere Insolvenzen hinter sich, betreibt Scheinselbständigkeit oder ist kriminell.“

Ungeachtet dessen sagt sie: „Ich kann nur jeden ermutigen, seine Träume wahr werden zu lassen. Es lohnt sich. Ich bin froh, diesen Schritt damals getan zu haben.“


Hummeln im Hintern: Wenn der Ruhestand langweilig und das Geld knapp wird

Hans-Walter Niederfranke
privatHans-Walter Niederfranke

„In den ersten Monaten war ich eigentlich froh, endlich mehr Zeit für den Garten, das Haus und auch für mich zu haben“, erzählt Hans-Walter Niederfranke. Doch trotz Mehrgenerationenhaus mit Frau, Kinder, Enkel und vier Katzen verspürte er irgendwann doch Langeweile: „Ich wurde nervös und bewegte mich nicht mehr genug.“ Spazierengehen kann der 69-Jährige nichts abgewinnen, denn er hatte das Gefühl, „sinn- und ziellos durch die Gegend zu laufen“.

Erster Job ist ein Fehlgriff

Dazu kam, dass die Rente mager ausfällt – denn Hans-Walter Niederfranke war lange in der EDV-Branche selbstständig, ohne in die Rentenversicherung einzuzahlen. Also sah er sich auf dem Arbeitsmarkt um. Der erste Job im vergangenen Herbst war ein Fehlgriff: Er leerte für einen Subunternehmer der Post Touren Briefkästen in Hamm und Umgebung, was miserabel bezahlt war. „Aber trotzdem war ich froh, wieder rauszukommen und einer anderen Tätigkeit nachgehen zu können.“

„Mir macht der Job extrem viel Spaß“

Im Januar 2019 erhielt er die Gelegenheit, aushilfsweise Türzylinder und Schließanlagen in Kliniken, Schulen und Universitäten zu programmieren – nicht nur in Deutschland, sondern auch im angrenzenden Ausland, darunter die Niederlande und Luxemburg. „Mir macht der Job extrem viel Spaß“, erzählt er. „Mir hat es einfach gefehlt, rauszukommen und mit Kunden zu sprechen.“

Genug Geld, um der Enkelin einen Roller zu spendieren


Dazu kommt, dass er genug verdient, um etwas Geld beiseite zu legen. Allein, dass er viel in Hotels übernachten muss, ist etwas ungewohnt für ihn. Dass sei aber der einzige Nachteil. Momentan arbeitet er in Osnabrück. Ein Großauftrag, der einige Wochen dauern wird. Dafür hat er dann allerdings auch wieder einige Tage oder auch mal Wochen frei – und Zeit für sein Zuhause in Hamm in Nordrhein-Westfalen. Das ist auch gut so: Denn Hans-Walter Niederfranke ist der einzige im Mehr-Generationen-Haushalt mit Auto und Führerschein. Noch zumindest – die Enkelin wird bald immerhin den Roller-Führerschein in der Tasche haben. Den passenden Roller spendiert ihr Hans-Walter Niederfranke gerne.

Lesen Sie auch die anderen Teile unserer Renten-Serie:

Von wegen Rente: Elisabeth (69) hilft Kranken und Senioren

Von wegen Rente: Klaus-Peter (72) auf großer Tour durch Deutschland

28 Kommentare

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Das ganze Thema kann jede/r halten und umsetzen wie er/sie wollen. Was hier durchscheint sind die vielen von Altersarnut Betroffenen, die darauf angewiesen sind, nach einem langen Berufs-leben ihr Alter noch weiter dazu verwenden zu müssen, um einigermassen leben zu können und das ist unanständig abgesichts der immer reicher werdenden Schicht, die sich um dieses Problem einen Kehrricht schert auch wegen der Tatsache, dass die Schicht der Altersarmut für ihren Reichtum systembedingt mitgearbeitet hatte. Dieser System-Zynismus ist schwer zu ertragen, wonach den Betroffenen auch nocht die Ruhe im Alter genommen wird und ihnen das auch noch so wohlwollend wie berechnend so verkauft wird.
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Im Moment geht wieder die Gruseldebatte in der BRD um das Renteneintrittsalter auf 70 zu erhöhen.
Der Staat und die Industrie wird es mit freuden lesen, dass die heutigen Rentner noch so aktiv sind. Sie werden wohl keine Hemmungen dann haben das Renteneintrittsalter auf 70 zu erhöhen, ein paae Jahre später dann auf 75 Jahre wenn die Rentner dann noch immer so aktiv sind und so weiter... Irgenwann kann man dann die Rente nicht mehr erleben.
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ach ja - arbeitet WL jetzt für unsere Regierung und will uns die Arbeit im wohlverdienten Ruhestand schmackhaft machen??????
Sieht ganz so aus...😏
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Ich bin nun 84 und arbeite jeden Tag noch mit Freude als Naturheilpraktikerin, freue mich aber auch auf die Wochenenden, die ich privat genieße
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Also eines mal GANZ klar ICH habe Hochachtung vor Monika das sie das kann anderen in ihrer Trauer beistehen und sie trösten Ich wär der letzte der das könnte dazu bin ich VIEL zu sensibel und zu nah am Wasser gebaut!
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Eines mal vorweg: mir geht es nicht schlecht. Ich brauche weder "Die Tafel" oder "Sozialhilfte". Darüber kann ich mich freuen.
Ich kann ganz gut leben - Basis Altersruhegeld, Witwenrente und kleine Betriebsrente.
Netto-Rente ist immer weniger wie Netto-Gehalt oder Lohn. Dann kommt noch der beste Freund aller Rentner: das Finanzamt. Davon betroffen sind Rentner - meist Rentnerinnen wegen Kindererziehungszeiten - mit niedriger Rente oder Frührente leider viel zu viele.
Dazu kommt das Problem, wenn man weiterarbeiten möchte die Deckelung mit mtl. € 450,00 - aber nicht für alle sinnvoll.
Wenn ich weiterarbeiten würde auf Basis € 450,00 dann reduziert sich meine Witwenrente.
Davon bleiben wir auf Basis Nebenjob von meiner Witwenrente nur noch ca. € 200,00 nach Steuerabzug. Anreiz mittelmässig, aber bei manchem ist das durchaus zweckmässig um ohne Amt zu leben.
Ich würde auch mehr arbeiten, doch dann muss ich aufpassen, daß ich den Anspruch auf Witwenrente nicht verliere aufgrund des Einkommens.
Wenn wirklich Fachkräfte heiß gesucht sind - egal ob Rentner mit langjähriger Berufserfahrung oder wesentlich jünger - dann sollte man mal an der Schraube € 450,00 drehen und anpassen.
Wieviele Rentner "schwarz arbeiten" - man deklariert es als Nachbarschaftshilfe - weiß ich nicht. Der Tarif ist einfach: BAT - übersetzt "Bar Auf Tatze".
Arbeiten mit schlechtem Gewissen, evtl. strafbar - welch Aussicht.......
Allerdings arbeiten müssen wegen niedriger Rente noch bis zum 100. Geburtstag auch keine Aussicht.
Vor Jahren waren Arbeitnehmer ab ca. 50 Jahren einfach zu alt. Und heute heiß gesucht.
Andere Zeiten, andere Probleme und Sitten.
Der Deutsche hat statistisch gesehen 1,2 Kinder. Wie sieht 0,2 Kind aus ?
Menschen aus fernen Ländern, die hier leben und arbeiten haben oftmals 3 - 4 Kinder.
Das sind dann die Lösung für die fehlenden Fachkräfte in -zig Jahren ?
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Respekt Moni wize.life-Nutzer ich wusste das ja schon von dir.
Eine wichtige Sache
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Wer noch arbeiten kann, möchte oder aus finanziellen Gründe arbeiten muß,kann das gern tun. Es drängt sich mir der Eindruck auf, die Regierung will den Rentnern klarmachen, daß es normal wäre das Rentenalter gleich um einige Jahre nach oben zu schieben. Wenn vor einigen Jahren ein Arbeitnehmer mit mitte 40 sich um einem neuen Job bewarb, wurde er sehr oft abgewiesen mit der Begründung - wir suchen junge dynamische Leute mit viel Berufserfahren. Wenn Rentner arbeiten gehen hat das einen Nachteil für junge Fachkräfte, die sitzen zuhause und bekommen keinen Job. Ich glaube nicht dass ein 65 Jähriger noch auf dem Bau oder der Altenpflege arbeiten kann .
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Große Achtung hab ich vor Monika S. aus Münster!!Genauso sehe ich mich im Alter..In diesem Alter nicht stehen zu bleiben.Ihr wünsche ich weiterhin viel Kraft und Gesundheit auf das sie viel Erfolg mit ihrer Spedition hat.
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Große Hochachtung Monika Lippmann-Fritschler. Als Trauerrednerin muss man sehr
einfühlsam sein. In der heutigen Zeit braucht man mitfühlende Menschen. Viele Menschen
gehören keiner Kirche mehr an, so dass für die Beerdigung kein Pfarrer zuständig ist.
Endlich bin ich Rentnerin, nun habe ich Zeit für mich, meine Gesundheit verbessern. Mehr Zeit für meine Enkelinnen, Endlich Reisen. Früher genug gearbeitet,und auch für später gesorgt. Ich bin froh, früher genug entbehrt zu haben, um jetzt gut zu leben. Viele haben immer aus dem vollen geschöpft und müssen sich nicht wundern, wenn es jetzt knapper ist. BIN GESPANNT WELCHER AUFSCHREI NUN KOMMT.
Das finde ich schön, dass Sie nun die "Früchte" des Berufslebens
genießen können. Dazu alles Gute und viele Erlebnisse sowie vor
allem Gesundheit. LG
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