Von wegen Rente: Klaus-Peter (72) auf großer Tour durch Deutschland

Klaus-Peter Bresch ist viel im Zug unterwegs
Klaus-Peter Bresch ist viel im Zug unterwegsFoto-Quelle: privat
News Team
Aktualisiert:
Von News Team

Nie haben so viele Rentner nebenher gearbeitet wie jetzt: Jeder zwölfte ist es inzwischen, acht Prozent - im Jahr 2000 waren es noch gut drei Prozent. Nicht immer spielt Geld eine Rolle. Manche lieben auch die Herausforderung - oder haben einfach Hummeln im Hintern. Teil 3 unserer Serie, warum Rentner arbeiten.

"Dafür bin ich doch noch lange nicht zu alt": Unter diesem Motto haben wir die wize.life-User gefragt, ob sie trotz Rentenalters noch arbeiten. Die Einsendungen und Reaktionen zeigen: Viele fühlen sich mit 65 aufwärts einfach noch zu jung und tatkräftig, um mit der Arbeit, die ihnen Spaß gemacht hat, aufzuhören. Und leider gibt es auch einige Menschen, die weiterschuften müssen, da die Rente so karg ausfällt. Wir haben für unsere Artikelserie 9 Beispiele ausgewählt. In Folge drei geht es um einen 72-Jährigen, der mit der Bahn durch Deutschland kurvt, einen Rentner, der sich für seinen Lebenstraum den Rücken ruiniert hat und nichts bereut, sowie um einen früheren Psychologen, der sich um Menschen in Not kümmert.

Heute Frankfurt, morgen Hamburg: Klaus-Peter Bresch ist immer auf Tour

Klaus-Peter Bresch reist viel, immer mit der Bahn: Im vergangenen Jahr war er auf 140 Touren, quer durch Deutschland. Mal Frankfurt, mal Hamburg oder Rügen. Dabei ist er bereits 72 Jahre. „Na und?“, sagt der Brandenburger. „Wer rastet, der rostet.“

Waschmittel- und Zigarettentests

Dabei sah es zunächst nach einem frühen Ruhestand aus: 2005 wurde er nach einer Krankheit Erwerbsunfähigkeitsrentner. „Dann durfte ich aber allmählich wieder aktiv werden“, erzählt er. Zunächst übernahm er die Pressearbeit für die Hilfsorganisation Volkssolidarität. Nachdem die Stelle gestrichen worden war, begann er mit Interviews für ein Marktforschungsinstitut.
Das traf genau seinen Geschmack, weil ihm Kontakt mit Menschen einfach Freude bereitet. Zunächst betreute er Tests von Waren wie Waschmittel, Zigaretten und Schokolade und die anschließende Befragung der Testteilnehmer. Dazu kamen Fahrgastbefragungen für die Deutsche Bahn, auf die er sich ab 2014 konzentrierte.

Reisende bieten Süßes an

„Ich habe überhaupt kein Problem damit, mit Reisenden ins Gespräch zu kommen“, sagt Klaus-Peter Bresch. Bahn-gerecht trägt er einen dunklen Anzug mit roter Krawatte, wenn er im IC oder ICE Fragebögen an Reisende verteilt. Sein gepflegtes und höfliches Auftreten kommt gut an. „Wenn Süßes oder Obst herumsteht, laden mich die Fahrgäste oft ein mitzunaschen“, erzählt er. Manchmal werde er auch auf ein Bierchen im Bordrestaurant eingeladen, „was ich natürlich höflich ablehne, weil ich keine Alkoholfahne haben darf“.

Mit Bata Illic geschäkert

Im ICE trifft er auch prominente Reisende. Einmal begegnete er dem Sänger Bata Illic. "Den fragte ich, ob er den Sand aus den Schuhen aus Hawaii nun schon raus hat", erzählt er. Auch Politprominenz wie den ehemaligen Vizekanzler Sigmar Gabriel, Außenminister Heiko Maas oder Umweltministerin Svenja Schulze begegnete er schon. "Auch mit ihnen kann man gut reden", sagt Bresch.

Zwangshalte gibt es immer wieder

Allerdings bekommt er auch Schattenseiten des Bahnfahrens mit: Wenn es zu Suiziden kommt. Als er einmal von Düsseldorf im ICE nach Berlin reiste, bekam er mit, dass sich gleich zwei Menschen auf der Strecke vor den Zug warfen. Auch wenn sein Zug nicht unmittelbar betroffen war: Das macht traurig.

Zwangshalte gibt es auch aus anderem Grund immer wieder – wenn sich Menschen oder Tiere in Gleisnähe aufhalten. „Das bringt den Reisenden natürlich Verdruss“, sagt er. Den müssten dann die Zugbegleiter abfangen.

Er liebt es, durch die "wunderschöne deutsche Heimat" zu fahren

"Wenn die Arbeit getan ist, schaue ich mir gern während der Fahrt im Bordrestaurant unsere wunderschöne deutsche Heimat an und ich freue mich immer wieder, in diesem Land zu leben", erzählt er. Auf seinen Reisen lernt er auch Städte kennen, "wie zum Beispiel die wunderschöne Stadt Freiburg im Breisgau, wo ich schon des Öfteren war".

Wenngleich er so viel unterwegs ist, geht Klaus-Peter Bresch sogar noch einer anderen Tätigkeit nach: Im Wechsel mit anderen Kollegen bearbeitet er Reklamationen bei der „Märkischen Allgemeinen“ in Potsdam. „Ich hoffe und glaube, dass mich diese Arbeiten und der Kontakt zu anderen Menschen gesundheitlich stärken“, sagt er. Denn er will ihnen noch lange nachgehen.

Lebenstraum ruiniert seinen Rücken - deshalb muss Bernd Morgenthal arbeiten

Bernd Morgenthal engagiert sich vielfältig - besonders für den Sozialverband VdK
privatBernd Morgenthal engagiert sich vielfältig - besonders für den Sozialverband VdK

Nachdem er eine schwere Krebserkrankung überstanden hatte, war für Bernd Morgenthal klar: Er will nicht nur immer davon träumen, in einem Lkw durch Europa zu fahren. Er macht es. Und so heuerte der frühere kaufmännische Angestellte bei einer Spedition an, um die nächsten fünf Jahre als Trucker auf der Straße beziehungsweise im Führerhäuschen eines Lasters zu leben.

Ein Urlaub wäre ausgeschlossen

„Natürlich war es ein harter Job“, erzählt der 66-Jährige. Heute würde er ihn nicht mehr machen. Aber damals war er glücklich. Die Freude am Fahren, das Gefühl der Freiheit, das Entdecken. Bereut hat er seinen Schritt nie, obwohl die fünf Jahre seinen Rücken irreparabel ruinierten, er fortan Erwerbsminderungsrentner war und heute dazuverdienen muss. „Sonst könnte ich mir nichts mehr leisten“, sagt er. „Ein Urlaub etwa wäre ausgeschlossen.“

Website-Erstellen selbst beigebracht

Bernd Morgenthal arbeitet als Hausmeister in einem Reha-Studio in seiner Heimatstadt Naumburg in Nordhessen tätig. Dabei muss er keine körperlich schwere Arbeit übernehmen, das ginge nicht. Unter anderem betreut er die Homepage des Studios. Das Gute: Die Arbeit macht ihm Spaß. Das Website-Erstellen hat er sich selbst beigebracht.

Engagiert beim Sozialverband VdK

Eine Fähigkeit, die Morgenthal auch in seinem Ehrenamt als Ortsverbandsvorsitzender des Sozialverbands VdK in Naumburg gut brauchen kann. Ein Job, der noch viel mehr Zeit beansprucht als seine Nebentätigkeit im Reha-Studio. Eigentlich wollte er nach der ersten Amtszeit aufhören, doch da es keine Anwärter gab und der Ortsverband womöglich geschlossen worden wäre, ließ er sich überreden weiterzumachen. „Es soll ja nicht alles kaputtgehen, was ich aufgebaut habe“, sagt er. Im vierköpfigen geschäftsführenden Vorstand übernimmt er gleich die Aufgaben von zwei weiteren Rollen: die des Schriftführers und der Vertreterin der Frauen. Allein ein Kassenwart steht ihm noch zur Seite. "Es ist schwierig, jemanden zu finden, der mitmacht", sagt er.

Was ihn dabei antreibt, ist der Umgang mit anderen Menschen – rund 170 Mitglieder gibt es in Naumburg. Es ist die Hilfe, die der Verband gewährt, etwa Rechtsbeistand bei Streitigkeiten mit Ämtern. Und es ist Verena Bentele, die Bundesvorsitzende und frühere Biathletin, über deren Engagement und Ausstrahlung Morgenthal regelrecht ins Schwärmen gerät. „Wenn die Frau reinkommt, fasziniert sie jeden. Dann weiß man, warum man sich engagiert.“

Matthias Köhnen kümmert sich um Menschen in Not

Matthias Köhnen (r.) bei den Johannitern
privatMatthias Köhnen (r.) bei den Johannitern

Offiziell ist Matthias Köhnen jetzt nicht mehr Rentner, sondern Arbeitnehmer. So sagt es seine Lohnsteuerkarte. Dabei ist er mit seinen 67,5 Jahren längst im Rentenalter. Allerdings übernahm er bei den Johannitern, ursprünglich ehrenamtlich, Schichten im Hausnotrufdienst. Mit der Zeit wurden es immer mehr, so dass er nach drei Jahren wieder lohnsteuerpflichtig wurde.
„Für mich ist in Ordnung. So lange mich der liebe Gott lässt, mache ich weiter“, sagt er.

Lange Schichten

Matthias Köhnen übernimmt Bereitschaftsdienste, da kann es durchaus vorkommen, dass er von morgens früh um 3 Uhr bis Mitternacht tags drauf im Einsatz ist.

Zweitjob beim Krisendienst

Trotzdem ist es nicht sein einziger Job: Er arbeitet auch noch regelmäßig für den psychologischen Krisendienst der Stadt Trier – das schon seit 10 Jahren, also vor seiner Pensionierung. Damals zählte Köhnen zu den Gründungsmitgliedern des Dienstes.

Ursprünglich war er Elektrotechniker

Ursprünglich zum Elektrotechniker ausgebildet, arbeitet Köhnen schon lange im sozialen Bereich: Erst schulte er um zum Rettungssanitäter und Anästhesiefachkrankenpfleger zum. Aufgrund eines Unfalls beim Fallschirmspringen musste er den Job allerdings an den Nagel hängen, weshalb er Psychologie und Pädagogik studierte und schließlich in der Kinder- und Jugendhilfe landete.

Erfahrungen mit dem Tod

„Nach der Rente habe ich neue Aufgaben gesucht“, erzählt er. Daher sein Engagement beim Hausnotrufdienst. Dabei macht er auch Erfahrungen mit dem Tod. Als sich Anfang Oktober eine Seniorin schwer am Kopf verletzt hatte und ständig wieder kollabierte, war ihm klar, dass die Überlebenschancen gering sind. In Notarztbegleitung wurde sie noch ins Krankenhaus gebracht, starb dort allerdings. Köhnen merkte er, dass die Angehörigen mit der Situation überfordert waren – in solchen Situationen kümmert er sich auch um sie und unterstützt sie beispielsweise bei der Organisation des Trauergeschäfts. Er sieht das pragmatisch. Dann sei den Menschen geholfen, und „ich fühle mich auch gut damit, weil ich weiterhelfen konnte.“

Überhaupt hat er gemerkt, dass es wichtig ist, sich manchmal einfach zu den Menschen zu setzen und zuzuhören. „Dann fangen auch die Schweigsamsten zu erzählen an.“

Geld kann er für den Bauernhof brauchen

Inzwischen verdient er mit seinen Zuverdiensten mehr, als er als Rentner einnimmt. „Das wird alles ordentlich mit dem Finanzamt verrechnet“, sagt er. Das Geld kann er gut brauchen – es ist durchaus ein Antrieb: Mit seiner Großfamilie lebt er auch einem Bauernhof, den er großenteils in Eigenarbeit zusammen mit seinem Sohn wieder hergerichtet hat. Noch ist nicht alles abbezahlt – und nach wie vor gibt es Dinge zu reparieren oder neu zu installieren. Als nächstes sind Sonnenkollektoren an der Reihe, über die der Hof geheizt werden soll.

Lesen Sie auch die anderen Teile unserer Renten-Serie:

Von wegen Rente: Elisabeth (69) hilft Kranken und Senioren

Von wegen Rente: Monika (69) entdeckt ihr Talent als Trauerrednerin

21 Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Beachtlich, was diese Leute für die Gemeinschaft leisten. Selbst bin ich etwas älter, aber stillsitzen kann ich auch nicht. Ich bin mehr ein Einzelkämpfer, erst als Flieger, später als Geologe. Als Rentner habe ich deutsche Geschichte studiert und darüber ein Buch geschrieben. Heute betreibe ich Ahnenforschung, habe einen großen illustrierten Familienstammbaum zusammengebastelt, an dem arbeite ich weiter. Nebenbei war mein Wissen in meinem früheren Beruf als Geologe gefragt.
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Arm im Alter muß nicht sein- dem Schäuble fiel da schon was ein!!!!
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Das Schäuble ist auch noch im Greisenalter aktiv, und das als Schwerbehinderter- hat der denn so wenig Rente???
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Ich bin Frührentnerin und kann nicht mehr arbeiten. Was will man uns weiß machen ? Das wir stolz darauf sein sollen im Alter noch arbeiten zu müssen damit die Rente reicht ? Es ist eine Schande das Menschen die ihr gesamtes Arbeitsleben in ein System einbezahlt haben im Alter kein ausreichendes Einkommen haben !!!!!!
Sehr richtig!
Dieses gebetsmühlenartige "Weismacher- Gerede" hat vor langer Zeit aber schon mit Frauen gut funktioniert:
Seither glauben Frauen daran, immer Vollzeit arbeiten zu WOLLEN und ihre Kinder in "Tageskinderheime" geben zu WOLLEN.

Tatsächlich ließ der Staat aber vom Gehalt des Alleinverdieners nicht mehr genug für die Famile zum Überleben übrig.

Und weil das lange schon gut so funktionierte, müssen jetzt eben noch die Rentner durch tüchtiges Eintrichtern hypnotisiert werden:

Das Ergebnis sind dann Rentner, die fest daran glauben, bis zum Tode Vollzeit arbeiten zu WOLLEN. 😝😂


Eine Schande ist's, Du hast ganz Recht! 👍
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Ich bin 71 und habe 3Job's weil meine Rente nicht zum Leben reicht..
Ich bin 75,habe 2 Ehen hinter mir und deswegen eine kleine Rente. Etwas Taschegeld tut gut, deswegen pflege ich bei Bekannten Gärten. Ohne diese Beschäftigungen wäre es mir zu langweilig. Außerdem hält es die Kontakte frisch, ich betrachte es als Hobbi.
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Es sollte besser die Rentenreform geändert werden. Irgendwann wann sollte man seine Rente genießen können
Genauso sehe ich das auch
Wird sie doch gerade? - Die Grundrente ist in der Verabschiedung. Für mehr soziale Gerechtigkeit im Rentenalter.

Wer mind. 35 Jahre rentenpflichtig gearbeitet hat, bekommt jedenfalls 10% über den Mindestsatz.
Den ja jeder- auch der, der nie einzahlte bekommt.


In Zahlen heißt das: 42 Euro für Alleinstehende, 38 Euro für Paare pro Person und Monat mehr.

😂😂 DAS soll dann jetzt der gerechte Ausgleich für lebenslanges Arbeiten sein ...!

40 Euro .... !
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Warum sollte ich arbeiten wenn ich in Rente bin. Ich hab bis jetzt noch keinen Rentner getroffen der Zeit hat. Oder sich gelangweil hat.
Diese trifft man ja auch nicht unbedingt- sind zurückgezogen z.B. am TV oder sonstwie nicht ansprechbar!!!!!
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Fällt mir nicht im Traum ein als Rentner noch zu arbeiten. Die Ausbeuteung des Menschen hat in diesem Land einen politischen Hintergrund. Solange junge Faulenzer und Nichtstu.... hier mit Steuergeldern unterstützt werden ist das ein Schlag ins Gesicht der Rentner , die ihr Leben lang gearbeitet haben.
Junge Faulenzer und Nichtstuer..
hast du nicht da was vergessen oder hast du Angst als Hetzer oder Rechtsradikaler eingeordnet zu werden.? Von wem eigentlich ...??
Wo gibt es denn so viiieeellle junge Nichtstuer und Faulenzer?
Dann geh mal durch die Fußgängerzone. Viel Spaß dabei!
Das machen wir ständig, da wird man abeer meist nur immer von demselben ÄLTEREN Junkie angebettelt. Kpmmt wohl auch darauf an, wo man wohnt.
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
sehr lobenswert
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
ich finde es gut, wenn Menschen sich im Alter ihren Traum erfüllen. Ich bin in verschiedenen Bereichen ehrenamtlich tätig: 1 x wöchentlich bei der TAFEL Lebensmittel abholen zum Beispiel. Das macht mir sehr viel Spass und ich bin im Kontakt mit vielen Menschen. Ich würde aber nicht mehr so gerne eine vertragliche Verpflichtung eingehen. Dazu ist mir die Zeit mittlerweile zu kostbar. Nachsatz: Die Sache mit dem LKW fahren kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich war Speditionskaufmann.......
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.

wize.life News per Push Benachrichtigung in Ihrem Browser aktivieren

Benachrichtigungen aktivieren