Bye, bye Royals! Wann dankt ihr endlich ab?

Megxit noch vor dem Brexit - Meghan und Prinz Harry sind keine "Königlichen  ...
Megxit noch vor dem Brexit - Meghan und Prinz Harry sind keine "Königlichen Hoheiten" mehrFoto-Quelle: imago images/ZUMA Press
Hermann Weiß
Aktualisiert:

Abendröte der Monarchie in Großbritannien: Auf den Brexit folgt der MEGxit, die Jungen haben keine Lust mehr auf das KönigInnenspiel und die Hot List mit den potenziellen Thronfolgern von Queen Elizabeth II. dünnt langsam aus. Unser Autor ist schon lang für einen Schnitt. Eine Kolumne von Hermann Weiß

Ich hab' mal versucht, mich zu erinnern, wann ich zum ersten Mal über Elizabeth II. von England gestolpert bin.

Und, nein: Es war nicht in "The Crown" auf Netflix.

Ich glaube, es war dieser Moment, als der Schiedsrichter das WM-Finale 1966 im Londoner Wembley-Stadion zwischen England und Deutschland abgepfiffen hatte. Ich war neun, Deutschland hatte verloren durch ein Tor, das keines war, und in der Loge wartete diese Frau aufs unterlegene deutsche Team, die auf mich trotz ihrer relativen Jugend, sie war damals gerade 40, schon irgendwie verkniffen wirkte - den Ausdruck "stiff upper lip" kannte ich zu der Zeit noch nicht.

Älteste Demokratie der Welt, aber eine Königin?

Elizabeth mit einem Cerberus von Hofdame im Rücken und Honoratioren, die aussahen, als hätte das 19. Jahrhundert sie dort oben, auf der Tribüne, vergessen, machte auf mich keinen lebendigen Eindruck. Wenn man mir gesagt hätte: Die ist nicht echt, sondern die Queen aus dem Wachsfigurenkabinett, hätte ich es geglaubt.

Queen Elizabeth mit dem WM-Pokal im Wembley-Stadion in London 1966
imago sportfotodienstQueen Elizabeth mit dem WM-Pokal im Wembley-Stadion in London 1966

Später, als ich anfing, politisch zu denken, habe ich mich gefragt: Wozu braucht eine der ältesten Demokratien der Welt überhaupt eine Königin?

Ich meine: Im Wechsel von Hochzeiten und Todesfällen in Prunkkarossen durch London gekarrt zu werden. Ab und zu mal jemanden zum Ritter oder zur Dame zu schlagen. Auf Staatsbesuchen, die mit fortschreitendem Alter auch immer anstrengender werden, Sachen essen zu müssen, bei deren bloßer Erwähnung - Schnecken im Élysée! - sich einem der königlich-britische Magen zusammenzieht. Das mag stressig sein. Aber muss man sich so quälen?

Mittlerweile finde ich Omi Elizabeth nur noch skurril: Ihre kanariengelben Looks. Die Hüte, die aussehen, als hätten ratlose Modisten die Konditoreninnung um Hilfe bei den Entwürfen gebeten …

Als Grobian Boris die Queen vor sich hertrieb

Nein: Das Vereinigte Königreich und seine oberste Repräsentantin geben heute vielleicht noch gute Serienstoffe ab. Aber wer zum Beispiel mitansehen musste, wie der Ober-Grobian und amtierende Premierminister Großbritanniens, Boris Johnson, die Queen in der Brexit-Debatte vor sich her getrieben hat, der kann die Königin nur bedauern. Und umgekehrt jeden Royal beglückwünschen, der sein Heil in der Flucht sucht, bevor er am Ende womöglich noch selbst den Thron besteigen muss.

Wie Harry und Meghan.

Für mich ist es okay, ich versteh's und respektiere es auch voll und ganz, wenn der Duke und Duchesse von Sussex, die ja künftig keine "Königlichen Hoheiten" mehr sind, in Zukunft lieber Socken, Pyjamas und Kapuzenpullis im eigenen Onlineshop (sussexroyal.com) verkaufen wollen als bis ans Ende ihrer Tage den für sie vorgesehenen Full Time Job als … ja, als was eigentlich zu versehen?

Große Hoffnung der Monarchie - tja

Wie Sie vielleicht wissen, galten Harry und Meghan noch bis vor kurzem neben William und Kate - dem Herzog und der Herzogin von Cambridge - als große Hoffnung der Monarchie. Dann aber erklärten sie auf Instagram, dass sie (Zitat) "als hochrangige Mitglieder der Königsfamilie zurücktreten" wollten, "um eine progressive neue Rolle innerhalb dieser Institution zu entwickeln".

Auf den Brexit folgte der MEGxit.

Es gab ein von der Queen einberufenes Krisengespräch mit Sohn Charles, den Enkeln William und Harry und einer aus Kanada zugeschalteten Meghan in Sandringham, bei dem es für die Königin, sag ich mal, vor allem darum ging, die "Firma" zusammen zu halten. Denn überspitzt gesagt gehen ihr langsam die Thronfolger aus.

Prinz Charles auf Platz 1 zum Beispiel hat sich bekanntlich schon vor längerem in seinen Zweitjob als Biobauer verabschiedet. Er hat einen Hühnerstall und Rinder in Highgrove in Gloucestershire. Außerdem glaub' ich nicht, dass er seine Skandal-Ehe mit der bedauernswerten Lady Diana noch jemals aus den Kleidern schütteln kann.

Kate macht und tut

Wenn jetzt mit Einverständnis der Queen auch Harry und Meghan Teilzeit arbeiten dürfen, wie es heißt, sind die Verwerfungen auf der Hot List potenzieller Kandidaten größer als man annehmen könnte. Die Infanten auf den Plätzen 3,4,5 im Alter zwischen einem und sechs Jahren kommen aktuell nicht in Betracht. Prinz Andrew, der zweite Sohn der Queen, auf Platz 8 hat sich wegen des Verdachts einer Verwicklung in einen gigantischen Missbrauchsskandal selbst aus dem Rennen genommen. Bleibt noch Prinz William, offiziell die Nummer 2 der Thronfolge, mit Gattin Kate.

Kate, das sage ich gleich, finde ich nett. Sie macht und tut. Aber eigentlich bin ich der Meinung, dass sie den königlichen Laden da drüben besser ganz dicht machen sollten.

Die Royals können von mir aus abdanken! Das hätte Größe. Mehr als über Teilzeitjobs nachzudenken. Oder solange zu warten, bis auch noch das Lächeln der Herzogin von Cambridge gefriert und sich am Ende alle fragen, ob sie echt ist. Oder aus Wachs.

Hermann Weiß ist freier Autor. Er hat (u.a.) für die "Abendzeitung" geschrieben, war Kulturredakteur im Münchner "Welt"-Büro. In "Mittlere Reife", seiner wöchentlichen Kolumne auf wize.life, nimmt er sich Alltags- und Zeitgeistphänomene vor und macht sich darauf seinen ganz persönlichen Reim.

76 Kommentare

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Das Königshaus ist letztendlich nur noch eine Realität aus Märchenbüchern. Die Königin liest alles nur noch ab, was die jeweilige Regierung vorlegt. Egal was es für ein Murks ist. Hat kein Mitspracherecht. Folgedessen kann sich das Königshaus auch als Privatunternehmen zurückziehen und sich aus eigens erwirtschafteten Mitteln unterhalten. Aber wie eben Briten sind, können sich nicht entscheiden, halb Monarchie, halb Demokratie. Was war und ist der Brexit für ein Gezerre, einfach ein unwürdiges Schauspiel, jedenfalls für mich. Aber auch schon die ganze Zeit im Europaparlament.
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Die Beiden sollen ihr Leben leben. Außerdem denke ich, dass sie Geld genug haben und nicht hungern und frieren müssen wenn sie es nicht wollen.
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Weg mit dem Königshaus.In England giebt es so viele arme Leute die nicht über die Runden kommen.Jeden Tag giebt es Hunderte die Zwangs geräumt werden.Und das Königshaus verpulvert die Millionen für irgend welchen tinnef.
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Interesiere ich Sie? Wenn es mir oder einen andere Menschen schlechts geht? Also? Berühmt zu werden einfach,allerdings Mensch zu werden zu schwehr..
Daher solche Prominente die Sie nicht an anderen Kümmern ?Für mich kein bedeutung!!! meine Meinung..
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hier das alles zu lesen, da tut schon weh. Eine Mischung aus "Das goldene Blatt" und Vorträge, Kommentare der Politelite von WL.
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Irgendwie erinnert mich Meghan an Pocahontas, beide wurden in eine Welt hineingezwängt, die nicht die ihre war.
Meghan hat es sich doch aus gesucht,Sie wußte genau auf was sie zukommt...
Sie war verliebt und Liebe macht blind.
Sie war ...ist gut.
Sie weis genau was sie will....Ist doch eine gestandene Frau...
Ps..neben bei gesagt ,ist mir das auch egal was die machen...da stehen auch die Millionen im Hintergrund.
Das englische Königshaus ist eine Institution, die denjenigen, die durch Heirat oder Geburt dazugehören, viele Pflichten auferlegt und die persönliche Freiheit einschränkt. Nur so hat die Monarchie eine Überlebenschance. In Deutschland würde eine Monarchie nicht mehr funktionieren, zu England passt sie sehr gut, weil dort eine ganz andere Mentalität herrscht. Man kann nicht allen die nüchterne deutsche Art überstülpen und das ist ein Segen.
In dem Alter verliebt man sich nicht blind.
Blinde Verliebtheit gibts in jedem Alter.
das glaube ich eher nicht...Im Alter,paßt man da schon mehr auf..
Man heiratet dann aber nicht.
Die Heirat der Beiden war ja kein Fehler, sie passen toll zusammen, aber die Rolle glaubhaft zu repräsentieren, die ihnen in einer Monarchie zugewiesen wird, ist natürlich nicht jedermanns Sache, wie man sieht.
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Warum sollten die Royals abdanken? Ich kenne niemanden, der freiwilig auf irgendwas verzichtet. Wir können nur froh sein, dass wir diesen Schwachsinn nicht bezahlen müssen.
Wir bezahlen da für andere...
Ausreden und dümme Sprüche gibt es viele. Daher ist es auch so einfach Opposition in der Politik zu sein.
Vielleicht rechnet ja Herr Weiß pro Kommentar ab. Das aber geht nur wenn schwachsinnige Kolumnen geschrieben werden.
Bei ernsthaften Beiträgen würde er nichts verdienen. WL ist doch zur Bespaßung hier. Armer Kerl, er machts doch gut
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Warum maßen sich hier Europäer an, über eine Monarchie urteilen zu können? Und über das Privatleben zweier relativ junger Leute?
Was diese Familie auf ihrer Insel treibt, geht auf dem Kontinent niemanden etwas an.
Es geht generell niemanden etwas an.
Na ja, den Engländer gestehe ich es ja noch zu, denn schon wieder sind ihre Grundfeste erschüttert. Die erschüttern in letzter Zeit so oft, da wird man als Engländer ganz wackelig auf den Beinen.
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Könnte er nicht promovieren (notfalls an der Uni Bayreuth?), und sie steht dann lächelnd daneben, wenn er Verteidigungsminister wird?
Er hat angeblich Ahnung vom Militär, aber das sollte kein Hinderungsgrund sein.
Battenberg statt Guttenberg!
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Ich bin alles ander als ein "Royal" trotzdem kann ich ihre Meinung nicht in allen Punkten teilen. der Herr T. sollte sich bitte überlegen welcher wirklicher Wirtschaftsfaktor (Touristen bringen Geld !!!- und ich weiß wovon ich rede, denn ich bringe welche... ) die Royals (zumindest der engere Kreis) darstellen.
Ob man jetzt den vergreisten Phillip mag ist nebensächlich....Charles übrigens als Repräsentant des Landes - nicht nur des Königshauses-macht einen guten Job (auch hier gleichgültig ob man ihn mag oder nicht) er ist im Gegensatz zu vielen Politikern ein sehr fleissiger Vertreter des Königshauses....
Ich denke mal es gibt andere Dinge die man eher abschaffen könnte als die genannten Royals
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