Erst AKK, dann Klinsi - Rücktritt, du nervst!

Kommentar
Annegret Kramp-Karrenbauer (r.) und Jürgen Klinsmann: Rücktritter der Woche
Annegret Kramp-Karrenbauer (r.) und Jürgen Klinsmann: Rücktritter der WocheFoto-Quelle: Imago/CDU
Christian Böhm

Am Montag Kramp-Karrenbauer, am Dienstag Klinsmann. Deutschland tritt zurück. Aus Mangel an Vertrauen - nicht in die eigenen Fähigkeiten gewiss, sondern der Partei- beziehungsweise Vereinsspitze. Und das obwohl doch hierzulande jeder nach vorne strebt, kein Jota zurückweicht. Wie passt das zusammen?

Wenn sich eine Vertragspartei einseitig von einem Vertrag löst, heißt das im Zivilrecht: Rücktritt. Laut § 346 I BGB führt der Rücktritt zu einer Rückabwicklung des Vertrages, sodass empfangene Leistungen zurückgewährt werden müssen. Klar, der Paragraf ist weder auf AKK noch Klinsi direkt anwendbar, aber was wären denn rein interessehalber ihre Leistungen gewesen, die zurückgewährt werden müssten?

Unter Klinsmann traf die Hertha in neun Bundesliga-Spielen zwar nur acht Mal, konnte sich aber seit der Amtsübernahme durch den ehemaligen Bundes- und Bayerntrainer von Tabellenplatz 15 auf 14 verbessern. Zuletzt notierten interessierte Beobachter jedoch ein 1:3 gegen in dieser Spielzeit allenfalls mediokre Mainzer.

Zwei Parteitage gewonnen - die eigene Partei verloren

AKK hingegen konnte immerhin zwei CDU-Parteitage gewinnen. Einen, in dem sie sich gegen Friedrich Merz und Jens Spahn durchsetzte. Und einen, bei dem sie die Vetrauensfrage stellte und obsiegte. Gebracht haben ihr diese Siege jedoch nichts, wie das Trauerspiel mit den Parteifreunden in Thüringen gezeigt hat.

Die Wahrheit - so viel steht fest - liegt auf dem Platz. Und dort hat sich AKK nun von der Mittelstürmerposition verabschiedet, um künftig ausschließlich in der Verteidigung als Ministerin auszuputzen.

Putzfrau Gretel war jetzt nicht der Brüller

Erfahrung als Putzfrau hat die frühere Ministerpräsidentin des Saarlands reichlich. Wer erinnerte sich nicht an die Sternstunde des politischen Kabaretts, an das Hochamt des Wortwitzes, an ihren unvergessen Auftritt als Reinigungsfachkraft Gretel an Karneval. Um es kurz zu machen: Der Klowitz über Intersexuelle war ein Rohrkrepierer - oder Eigentor, um es fußballerisch auszudrücken.

Eine andere Fußballerweisheit lautet bekanntlich: Hast du Scheiße am Fuß, hast du Scheiße am Fuß (Andi Brehme). Und wer selber schon mal Scheiße am Schuh hatte, weiß, wie schlecht die wieder abgeht. Da braucht es schon Geduld.

Herr Klinsmann verlor das Glück

Erst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu - was Jürgen "die Kobra" Wegmann einst so trefflich formulierte, passt auf seinen Vornamensvetter Klinsmann wie das Runde ins Eckige. War Klinsi einst der Strahlemann des deutschen Fußballs, der wahre Glücksbringer vor und beim Sommermärchen 2006, so war er seitdem bei seinen fußballerischen Unternehmungen eher vom Pech verfolgt.

Schon damals übrigens, nach der Fußball-WM in Deutschland, verlängerte er seinen Vertrag beim DFB nicht, trat quasi zurück und überließ seinem Co Jogi Löw "Die Mannschaft". Der wurde dann mit ihr acht Jahre später Weltmeister in Brasilien.

Wer weiß - ausgeschlossen ist es nicht - vielleicht werden Söder, Spahn, Merz oder Laschet ja 2021 (oder früher) Bundeskanzler.

Wird AKK dann vor dem Fernseher oder im Bundestag sitzen und sich über ihren Rücktritt ärgern? Und sich vielleicht fragen, ob sie nicht doch besser geblieben wäre?

Vorwärts nimmer, Rücktritt immer

Ich finde es gut, wenn Amtsträger nicht an ihren Ämtern kleben. Die Rücktrittsfrequenz in dieser Woche nervt aber, zumal ja auch noch Kardinal Marx seinen "Rücktritt" von der Spitze der Bischofskonferenz am Dienstag angekündigt hat.

Liegt's am Wetter? An diesem Orkan, der dann doch nicht ganz so stürmisch ankam. Am Vollmond? Oder haben die Leute heute einfach eher keinen Bock mehr, sich gewisse Dinge mit reichlich Gegenwind länger anzutun?

Zurücktreten ist nämlich prinzipiell keine deutsche Tugend. Egal ob beim Bäcker, in der U-Bahn oder auf dem Supermarkt-Parkplatz. Vorwärts immer, Rücktritt nimmer! Nach dem Motto: Mir gehört die Welt! Und zwar ganz allein!

Rücksicht statt Rücktritt

Ich fände es schön, wenn die Leute abseits von Spitzensport und Bundespolitik im Kleinen wieder mehr aufeinander achteten, andere vorließen, den Platz frei machten. Dafür bräuchte es nicht zwingend einen Rücktritt, ein bisschen Rücksicht genügte völlig.

Und was AKK und Klinsi betrifft: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Wer hat's gesagt?

christian.boehm.autoren wize.life

7 Kommentare

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Klinsi war vielleicht im Recht - siehe das heutige BL-Spiel gegen Köln...., ich hab mir eins abgelacht - und AKK hatte auch recht - ich bewundere sie für ihren Mut - in diesem Saustall hätte ich auch keinen Tag länger verbringen wollen.
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Heiner Sieger
sehr gut geschrieben!
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diese Tage haben viele Gute Dinge hervorgebracht. Merkel ist die nächste!

https://www.augsburger-allgemeine.de...bqFRxmrlD38
wollen wir es doch mal hoffen !!!!!
Zeit wäre es nämlich schon lange.....
Endlich ist "Die" weg!!!!!!
joooo ... lach es werden bestimmt noch einige folgen....
"Mutti" sitzt das aus ... wie immer
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