Coronavirus: Risikogruppen auch nach Osterferien weiter isolieren?

Coronavirus: Warum die Gefahr für Senioren nach Ostern steigen könnte
Coronavirus: Warum die Gefahr für Senioren nach Ostern steigen könnteFoto-Quelle: Pixabay
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Die von Bund und Ländern verhängten Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus enden voraussichtlich am 19. April. Schon jetzt laufen die Gespräche, was danach getan werden müsse, um die Bürger weiterhin vor einer Ansteckung zu schützen. Eine Möglichkeit wäre es, die Risikogruppen - also Senioren und Menschen mit einer Vorerkrankung - zu isolieren. Doch wie sinnvoll wäre das?

Nach Datenerhebungen aus China und Südkorea hatten sich in den beiden Ländern bis Anfang Februar knapp 51.000 Menschen mit dem neuen Coronavirus infiziert. Zwar machte die Gruppe der 70-, 80- und 90-Jährigen nur einen Bruchteil der Erkrankten aus (weniger als 6.000), hier war die Sterblichkeitsrate allerdings zehnmal höher als in allen anderen Gruppen.

Weil neben Menschen mit einer Vorerkrankung vor allem Senioren zur Risikogruppe von Covid-19 gehören, gibt es bereits von mehreren Seiten Überlegungen, ob es nicht sinnvoll wäre, die Älteren nach Ostern zu isolieren. Die Befürchtung beruht darauf, dass die Gefahr einer Infektion in den Risikogruppen ohne weitere Maßnahmen deutlich steigen könnte.

Charité-Virologe: "Ein Jahr im Ausnahmezustand"

Das hält Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité für richtig. "Man wird nicht alle Maßnahmen genauso weiterführen, wie man sie jetzt gestartet hat", sagte er im Gespräch mit der "Zeit". Man sollte deshalb an die Älteren denken. "Wir müssen vielleicht davon ausgehen, dass wir gesellschaftlich ein Jahr im Ausnahmezustand verbringen müssen."

Drosten schlägt zum Beispiel vor, ältere Menschen und Risikopatienten konsequent früh zu testen und bevorzugt ins Krankenhaus aufzunehmen. Auch durchgehendes Homeoffice und die Versorgung älterer Personen zu Hause hält er für sinnvoll. "Dabei können Ehrenamtler helfen, vielleicht auch die Bundeswehr." Kinder sollten den Risikogruppen möglichst fernbleiben.

Gewalt gegenüber Senioren könnte steigen

Ein solches Szenario ist allerdings nicht unumstritten. Laut Ulrike Kostka, Direktorin des Berliner Caritasverbands, könnten ältere Menschen, die in vielen Fällen ohnehin schon wenige soziale Kontakte haben, depressiv werden. Außerdem bestehe die Gefahr, dass manche Senioren etwa aus Angst vor einer Ansteckung Vorsorgeuntersuchungen aussetzen.

Gegen eine Isolierung älterer Menschen spricht aber auch die Befürchtung, dass sich Verwandte im Fall einer nicht durch den Staat unterstützten häuslichen Betreuung überfordert fühlen könnten. Ist dieser Betreuungsbedarf irgendwann zu hoch, könnte eine aggressive Situation entstehen, die sich dann in Gewalt gegenüber älteren Menschen äußern würde.

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Zu wenige Pflegekräfte wegen Corona-Krise

Ein weiteres Problem betrifft nach Expertenangaben die professionelle Betreuung von Senioren zu Hause. Als die polnische Regierung Mitte März Grenzkontrollen ankündigte, ist es laut Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, zu einer "regelrechten Fluchtbewegung" polnischer Staatsbürger zurück in ihre Heimat gekommen.

Auch Frederic Seebohm vom Verband für häusliche Betreuung und Pflege ist besorgt. "Wenn die Situation weiterhin so unklar bleibt, ist ab Ostern damit zu rechnen, dass 100.000 bis 200.000 Betreuungspersonen schrittweise fehlen werden", sagte er. Wie viele unmittelbar nach der Lockerung der jetzigen Maßnahmen zurückkehren würden, sei unklar.

In Deutschland ist heute jede fünfte Person nach Angaben des Statistischen Bundesamts älter als 66 Jahre. Da viele von ihnen nicht allein im Alltag zurechtkommen, werden in mehreren hunderttausend Haushalten Pflegekräfte eingesetzt. In gut 300.000 Fällen soll es sich dabei Ausländer handeln, die oft illegal angestellt sind.

autoren wize.life

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