Wie schwarz ist Münster wirklich?

Wie schwarz ist Münster wirklich?
Wie schwarz ist Münster wirklich?

Es wird wohl noch viel Wasser durch Aa, Werse und Ems fließen, bis sich Münster nicht mehr mit der harschen Wertung „schwarz“ konfrontiert sehen muss. Die Steigerungsform „Schwarz – Münster - Paderborn“ hat den Superlativ zwar ein Stückchen weiter im westfälischen Osten angesiedelt, aber auch der zweite Platz wiegt schwer, zumal Paderborn sowieso nicht ganz ernst genommen wird. Diese westfälische Farbenlehre erweist sich als zäh und langlebig. Dabei hat sie längst Risse bekommen. Jüngstes Beispiel: die vorgezogenen Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen.

Die Ergebnisse zeigen schwarz auf weiß, dass Münster inzwischen ganz schön rot ist. Bei den Zweitstimmen haben die Sozial- die Christdemokraten auch in Münster deutlich hinter sich gelassen. Und: beide Direktmandate fielen an die SPD. Diese Rollenverteilung ist in dieser geballten Form neu, verdeutlicht allerdings eine Entwicklung, die bereits in den 90-er Jahren des letzten Jahrhunderts einsetzte und nur von dem landesweiten CDU-Trend 1999 unterbrochen wurde.

Es grünt so grün…..

Mitte der 90-er war der erste Mann im altehrwürdigen Rathaus der Stadt Münster eine Frau – eine Sozialdemokratin! Marion Tüns wurde von einem rot-grün dominierten Rat zur Oberbürgermeisterin gewählt und vertrat in ihren letzten Amtsmonaten die Kommune als erstes Stadtoberhaupt in Personalunion mit dem Amt der Verwaltungschefin.

Ermöglicht worden war dieses politische Erdbeben mit dem stürmischen Zulauf, den die münsterschen Grünen seit deren Gründung in der Stadt erfahren haben und der nur noch vergleichbar mit den politischen Entwicklungen im badischen Freiburg ist. Aus über 50000 Studenten, Hochschullehrern, Lehrern und junge Verwaltungsbeamten erwächst ein grüner Wählerstamm, der nach wie vor für Ergebnisse weit über Bundes- und Landesdurchschnitt sorgt. Dasselbe gilt in abgeschwächter, aber beständiger Form für die FDP. In Münster ist also einiges anders. Womit sich ein weiterer festgefahrener Sinnspruch bewahrheitet: „Münster steckt voller Merkwürdigkeiten“! Aber „Schwarz“ ?

Vom rechten Glauben und fröhlichen Farben

Nun zielt diese Zuordnung nicht nur auf die politische Ausrichtung. Und natürlich ist Münster nach wie vor ein katholischer Ort. Eine Bischofsstadt, die ihr römisches Bekenntnis lediglich in den wirren Jahren der Wiedertäuferherrschaft im 16. Jahrhundert aufgeben musste, es dann aber wieder zementierte und heute gern und erfolgreich die einstigen Bilderstürmer und Verfechter der Vielweiberei im Touristengeschäft instrumentalisiert.

Das Zusammenleben mit dem – kleineren – evangelischen Partner ist längst Alltagsroutine, zumal die beidseitige negative Mitgliederentwicklung als gemeinsames Los empfunden wird. Dass sich im grundkatholischen Münsterland evangelische Christen überhaupt bemerkbar machen konnten, haben sie den Preußen zu verdanken, die Münster Anfang des 19. Jahrhunderts zur Hauptstadt ihrer Provinz Westfalen machten. Münster wurde als Sitz übergeordneter Verwaltungs- und Gerichtsbehörden sowie militärischer Stäbe „Provinzialhauptstadt“. Mit Preußen gingen seine Provinzen verloren, Teile der Behörden aber blieben, der Militärstandort wurde Nato-international. Mit dem Namen aber kokettiert man immer noch: Provinz(ial)hauptstadt Münster – nun gut. Aber schön bunt, von wegen schwarz.

Bild: Michael Bührke / pixelio.de

Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.