Einfluss Erdogan

Im Zentrum der Macht - Ein hypothetisches Szenario

Es gibt inzwischen unzählige Spekulationen darüber, was der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan eigentlich plant und welche Gründe dahinter stecken. Dazu muss man sich seine Biographie etwas genauer ansehen. Er stammt von einer georgischen Einwanderern ab, und musste als Kind im Hafenviertel von Istanbul Sesamkringel verkaufen. Er wollte Fußballer ebenso werden wie Prediger. Die Voraussetzungen hätte er ja gehabt. Er tritt gerne auf Andere ein und er hört sich gerne reden.

Aber es kam anders. 1994 wurde er zum Oberbürgermeister von Istanbul gewählt und 11 Jahre später zum türkischen Ministerpräsidenten. Nur mit geschickter Rhetorik konnte der Sohn eines Küstenschiffers so weit kommen. Die gewalttätigen Proteste im Istanbuler Gezi-Park haben ihm zumindest einen kleinen Kratzer verpasst und im selben Jahr wäre er beinahe über einen Korruptionsskandal gestolpert.

Aber hat ihn das alles zum absoluten Machtmenschen werden lassen ? Oder war es die Macht selbst, die ihn verändert hat ? Macht kann korrumpieren und absolute Macht korrumpiert absolut.
So halte ich es für unwahrscheinlich, dass sich Erdogan mit der absoluten Macht in der Türkei zufrieden geben wird und man muss schon beide Augen langfristig auf diesen Despoten richten, um folgendes hypothetisches Szenario zu verhindern.

Es ist doch eigenartig, dass Erdogan seit dem angeblichen Putschversuch kein Wort mehr über einen gewünschten EU-Beitritt oder die geforderte Visa-Freiheit verloren hat. Und seit der Todesstrafen Diskussion muss er wissen, dass unter diesen Umständen ein EU-Beitritt endgültig Geschichte ist. Im Übrigen hat er selbst die Todesstrafe einmal abgeschafft. Erdogan mag größenwahnsinnig sein und auch nicht weniger korrupt. Aber dumm ist er nicht. Was wäre, wenn sein Ziel weitaus größer ist, als nur der absolute Machtanspruch in der Türkei ? Vielleicht muss man einmal in den gleichen Dimensionen denken wie er selbst.

Eine Meldung ist in den Medien fast untergegangen. Im Zuge der Forderung an die USA nach Auslieferung seines Erzfeindes, des Predigers Fethullah Gülen, sagte Erdogan "Wer Gülen unterstützt, befindet sich im Kriegszustand mit der Türkei" Es ist also eine Quasi-Kriegserklärung an die USA. Und die halbherzige Entschuldigung an Putin wegen dem Abschuss des russischen Bombers Suchoi Su-24 im türkisch-syrischen Grenzgebiet Ende 2015 ? Ist Erdogan etwa auf der Suche nach einem Verbündeten um ein größeres Ziel zu erreichen ?

Ein Krieg mit den Staaten würde kaum auf dem Gebiet der Türkei oder gar über dem Atlantik statt finden, sondern in Europa. Eigenartig ist doch, dass viele Türken, die bereits auf der Flucht vor Erdogan sind, Zuflucht in Deutschland suchen, wo sich ebenfalls Pro-Erdogan Gruppen gebildet haben, die mit Gewaltdemonstrationen kein Problem haben und die Stabilität des Landes weiter schwächen, als sie es durch die innenpolitische Situation ohnehin bereits ist.

Sehr verräterisch ist die Aussage, dass es der "Wille des Volkes" wäre, was Erdogan den ganzen Tag so treibt. Es ist typisch für Täter wie Erdogan, persönliche Verantwortung herunterspielen, gerade so, als wären diese ihrer Umwelt willenlos ausgesetzt. Das sind übrigens dieselben Parolen, mit denen radikale Kräfte in Deutschland um sich werfen. So sehe ich mehr als nur ein paar Anzeichen dafür, dass sich Erdogan Europa zum Ziel gesetzt hat und nicht bloß die Türkei. Das zögerliche Handeln und die vorsichtig freundliche Sprache Erdogan gegenüber ist jedenfalls kontraproduktiv und nur ein gemeinsames geschlossenes Vorgehen kann das verhindern, was ich bereits seit Tagen nicht aus dem Kopf bekomme: Ein detaillierter Plan Erdogans sich ganz Europa anzueignen.

Beunruhigend: In der Türkei sind 105 Atombomben stationiert und ob die Nato in nächster Zukunft noch viel in der Türkei zu sagen hat, wird sich erst heraus stellen.

13 Kommentare

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Ich bekomme immer wieder gesagt, dass man aus der Geschichte lernen muss. Ich bin jemand, der keinen Krieg erlebt hat. Meine Eltern waren im 2. Weltkrieg selbst noch Kinder, die Großeltern wären also diejenigen, die noch heute von vielen verantwortlich gemacht würden, "nichts dagegen getan" zu haben. Was sich so alles für schreckliche Dinge "nicht wiederholen dürfen" in der Welt, wird immer wieder erzählt. Das Problem ist, das man hinterher immer schlauer sein kann. Abgesehen von anderen Kriegsherden gegen Minderheiten, die Türkei ist ein gutes Beispiel, das es nur wieder HINTERHER* alle besser wissen werden. (* Wenn der größenwahnsinnige Erdogan dann mal aufgedreht hat.) Was ich damit eigentlich sagen will: Politikverdrossene und nicht besonders geschichtsinteressierte Leute belächeln, aber NIE auch nur einmal wirklich den Nutzen aus dieser für sich selbst in Anspruch genommenen "Weisheit" ziehen, diesen Vorwurf mache ich all den "Fachleuten".
Ich hoffe trotzdem mal, dass es für den Rest der Welt glimpflich ausgeht...
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Er wird sicherlich in Deutschland Einfluss gewinnen wollen - möglicherweise erstmal von innen her mit den Möglichkeiten, die unsere Demokratie bietet. Seine Anhänger schickt er zu uns - die Kritischen biegt er zuhause zurecht. Oder er macht es wie Putin und annektiert, um seine hier lebenden Landleute zu schützen. Als machtbesessener und skrupelloser Emporkömmling wird er seine Richtung immer seinem Machtstreben anpassen.
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Was wir heute in Nordafrika und dem Nahen Osten erleben,ist ein langer Prozess. Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches wurden fast alle Länder dort von Marokko bis zum Iran von Europäern kolonisiert. Ländergrenzen wurden durch Längen- und Breitengrade festgesetzt, ohne Rücksicht auf religiöse oder nationale Gefühle.
Dies machten sich dann einige Gruppierungen, meist islamischen Ursprungs zu Nutze, in dem sie die Besatzer rausschmissen und eigene Staaten, die sich wie an einer Perlenkette von Marokko bis zum Iran hin zogen, in Diktaturen umwandelten. Der Islam war - und ist - nur Mittel zum Zweck.
Pech für den Westen, dass diese Länder auch auf riesigen Ölfeldern lagen und das Öl von den Industrieländern gebraucht wurde.
Also schickte man seine Soldaten los, um die unterdrückten Völker von ihren Diktatoren zu befreien und sie zu Demokratien westlicher Prägung zu machen. Leider haben die aber eine ganz andere Vorstellung von Freiheit und sind im Zeitalter des Internets auch aufgeklärter als vor 200 Jahren.
Totzdem bleibt für viele Menschen dort eine " Moslemische Wertegemeinschaft", so wie bei uns die "Christliche" und die möchte der Herr Erdogan dann unter seiner Fuchtel vereinen. natürlich unter dem Halbmond.
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Gülen? Gülen? Wer ist das denn bloß?
Nun, deutsche Journalisten haben sich den lupenreinen Demokraten und Retter der Welt vor dem türkischen Islamismus schon mal genauer angesehen:
http://www.spiegel.de/kultur/tv/wdr-...894466.html

und auch hier:



Da scheinen ja alle Türken Unrecht zu haben, weil sie nicht lieber eine Militärdiktatur als ein gewähltes Parlament wollen.
Türken wissen ja auch überhaupt nichts über Demokratie, verstehen überhaupt nicht, warum sie ein Parlament haben. Nun, zum Glück wissen wir wenigstens genau Bescheid.
Nur zu Blöd, das die Türken einfach nicht auf uns hören wollen, wo wir doch viel besser über die Türkei Bescheid wissen, als sie.
Bevor die noch mal Wählen gehen, sollten sie wirklich auf uns hören.

http://www.seniorbook.de/themen/kate...tuerkei-los

Schade wenn ein User, von dem man im Laufe der Jahre so viel kluges gelesen hat, ohne weitere Recherche auf den Fokus-Zug aufspringt.
Erdogans Ziel: Die Macht über Europa... Entschuldige Peter, aber absurder und weltfremder geht es nicht mehr.
Das ist alles Andere als weltfremd, denn Erdogan ist und bleibt absolut Macht besessen. Und dass das türkische Volk in erster Linie mit leeren Versprechungen geködert wurde, ist auch klar. Da muss man auf keinen Zug aufspringen. Schönen Tag noch!
Du scheinst wirklich keinerlei Vorstellungen zu haben über die Entwicklungen, Veränderungen in der Türkei in den letzten 14 Jahren.
Das kann ich verstehen, denn diese kann man nur von Deutschland aus überhaupt nicht beurteilen.

Was waren denn die leeren Versprechungen, mit denen geködert wurde? Du schreibst das, also wirst Du es ja auch angeben können.
Warum wählen die blöden Türken diese Regierung immer wieder, die nichts für sie und die Demokratie tut?
Weil er ein Blender ist. Mehr gibt es dazu auch nicht zu sagen.
Diesem "Argument" ist wirklich nichts mehr entgegen zu setzen )
Die "Lernprozesse" im Spätmittelalter, dem Barock und der anbrechenden Moderne haben seltsamerweise zu den zwei schrecklichsten Weltkriegen, mit hundert Millionen Toten, geführt. Zu KZ´s und verheerendem Kolonialismus.
Ob wir auf diese "Lernprozesse" so fürchterlich Stolz sein sollten?
Ja, da hast Du recht.
Aber wo sind die "Lernprozesse" aus dem Spätmittelalter, dem Barock und der anbrechenden Moderne?
Hast Du, z.B. hier aus dem SB, Beispiele für die von Dir erwähnten Eigenschaften: "Aushalten anderer Meinungen, Kompromiss und echte Toleranz"?
Dann erwarten wir aber von Anderen, was wir selbst nicht leisten.
Du hast geschrieben (und ich unterschreibe das auch):
"Nach den Erfahrungen und Ereignissen der letzten Jahre bedarf es nun der grundsätzlichen Einsicht, dass es ein kooperatives, auf gemeinsamen Werten, Prinzipien und Interessen basierendes Miteinander des abendländischen und des moslemischen Kulturkreises nicht gibt und in absehbarer Zeit nicht geben kann."

Interessanterweise war das nicht immer so. Jahrzehntelang war das Miteinander mit dem moslemischen Kulturkreis ohne jedes Problem. Politisch, witschaftlich und kulturell. Es handelte sich um "befreundete Länder" und auch als die ersten moslemischen Immigranten nach Deutschland kamen, wurden sie nicht viel anders gesehen, als z.B. die Immigranten aus Italien.
Dann veränderte es sich (Anfang der 90er) dramatisch.

Woran konnte das liegen, was war danach anders?
Nun, das ist recht einfach. Von diesem Zeitpunkt an haben die USA und ihre Verbündeten die moslemische Welt mit Kriegen überzogen. Afghanistan und der Irak waren nur die besonders großen Gemetzel.
Wie hätte sich das Verhältnis unter den Volksgruppen dadurch nicht verändern sollen? Man kann nicht seinem Kriegsfeind mit Wertschätzung gegenübertreten. Er muss einfach der Böse, der Teufel sein.
So stehen wir uns halt heute als Feinde gegenüber.
Und wie Du so richtig schreibst: Ein Miteinander gibt es nicht und wird es in absehbarer Zeit nicht geben. Auf jeden Fall nicht, bevor diese Kriege beendet sind.
Ja Gerd, Cui bono ist immer die wichtigste Frage.
Wem nützt es, wer verdient dadurch Geld, wird dadurch reicher?
Nimm den Irak-Krieg als Beispiel. Wem hat er genützt? Zum Schluss bleiben nur die internationalen Ölkonzerne, denen jetzt alle Ölquellen im Irak und Kuweit gehören. Außer der Rüstungsindustrie hat sonst niemand am dem Tod von einer halben Million Menschen profitiert. Wer könnte also die treibende Kraft hinter dem Krieg gewesen sein?

Geh nach Frankreich. Die Terrorangriffe in Frankreich erlauben der französischen Regierung seit einem halben Jahr den "Ausnahmezustand" aufrecht zu erhalten (der bisher keinen Franzosen vor irgendetwas geschützt hat). In dieser Zeit wird die dramatischste Änderung im Arbeitsrecht eingeführt, die den in Frankreich ansässigen Konzernen Milliardengewinne bringen. Der Ausnahmezustand verhindert den wirksamen Widerstand der Gewerkschaften und Oppositionsparteien. Wer hatte also das größte Interesse an so einem "Ausnahmezustand"?

Ja und jetzt die Türkei. Wer verdient da? Dort geht es wohl um die Umverteilung der Pfründe.
Auch für den Militärputsch 1980 brauchte man Geld. Aber wer investiert in so einen Putsch? Diejenigen, die anschließend profitieren. Die dann Nutzungsrechte an Ressourcen, Lizenzen für für ihre Geschäfte, Monopolstellungen etc. bekommen. Das gefällt den anderen, die von dem Kuchen nichts abbekommen nicht.
Die investieren dann wieder in politische Parteien (hat mal jemand überlegt, warum Unternehmen den Parteien Geld geben?), die ihnen auch Zugang zu den Pfründen verschaffen sollen. Und noch besser, den vorherigen Besitzern diese Pfründe wieder abnehmen sollen.
Wer könnte also die AKP finanzieren und an den jetzigen Veränderungen profitieren? Der Wähler wohl nicht. Aber auch der einzelne Politiker kaum, außer er hat (wie ja auch in Deutschland üblich) einen "Beratervertrag" mit den entsprechenden Unternehmen.
Dazu am Rande: Milliardengewinne (aus deutschen Steuergeldern) hat unserer lieber Kanzler Schröder und sein "grüner" Außenminister Fischer der Gasprom zugeschustert. So haben sie heute höchstbezahlte Posten in dieser Firma.
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