Hygiene-Skandal in Köln: 28 Patienten mit lebensgefährlichem Keim infiziert - Ein Toter

Über eine Spritze wurden in einer Kölner Praxis mehr als zwei Dutzend Mensch ...
Über eine Spritze wurden in einer Kölner Praxis mehr als zwei Dutzend Menschen mit einem gefährlichen Keim infiziertFoto-Quelle: pixabay (Symbolbild)
News Team
Aktualisiert:
Von News Team

Es ist eine Horrorvorstellung: In einer Kölner Radiologiepraxis wurden offenbar mindestens 28 Menschen mit einem lebensgefährlichen Keim infiziert. Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene spricht vom „schwersten Ausbruch mit diesem Erreger in einer ambulanten medizinischen Einrichtung überhaupt“.

Seines Wissens sei in ganz Europa "noch kein größerer Ausbruch" beschrieben worden, sagte der Infektiologe Peter Walger, Sprecher des Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene dem Kölner Stadt-Anzeiger.


Bei Injektionen im Bereich der Wirbelsäule steckten sich der Zeitung zufolge in einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) etliche Patienten mit dem gefährlichen Bakterium an. Ein Mann starb nach der Behandlung.

Mindestens 28 Patienten betroffen

In einem Zeitraum von zirka zweieinhalb Wochen sei es zu Infektionen mit einem pansensiblen Erreger Pseudomonas aeruginosa gekommen, bestätigte der ärztliche Geschäftsführer des MVZ, Michael Herbrik, der Zeitung. 28 Patienten sind demnach betroffen. Die Infektion geschah im Zuge von CT-gesteuerten periduralen Infiltrations-Therapien. Dabei werden über Nadeln an der Wurzel eines Nervs oder an der äußeren Hülle des Nervenkanals zielgenau Medikamente bei Menschen mit Schmerzen an der Wirbelsäule platziert.

Kölner stirbt nach Behandlung

Bei einem 84-jährigen Kölner, der im Januar eine entsprechende Spritze erhielt, traten nach der Behandlung schwere Komplikationen auf. „Als eine Querschnittslähmung drohte, musste mein Mann notoperiert werden“, sagt die Ehefrau der Zeitung. 36 Stunden nach der OP sei der Mann gestorben.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Ob der Tod auf die Keiminfektion zurückzuführen ist, wird jetzt in einem „Todesermittlungsverfahren“ geklärt, wie die Kölner Staatsanwaltschaft mitteilte.

Laut Obduktionsbericht starb der Patient an Multiorganversagen. Mehrere Patienten des Versorgungszentrums erlitten nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ infolge der Behandlung eine lebensgefährliche Hirnhautentzündung (Meningitis).

„Schwerster Ausbruch mit diesem Erreger“

Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene spricht vom „schwersten Ausbruch mit diesem Erreger in einer ambulanten medizinischen Einrichtung überhaupt“. In Europa sei bislang „kein schwererer Fall beschrieben worden“, sagte Vorstandssprecher Peter Walger der Zeitung.

Praxis schaltete selbst die Staatsanwaltschaft ein

Das MVZ, eine radiologische Praxis im Kölner Stadtzentrum, schaltete nach eigenen Angaben „aufgrund der Vielzahl der betroffenen Patienten“ selbst die Staatsanwaltschaft ein. Die Ursache für den Ausbruch ist dem Gesundheitsamt Köln und der betroffenen Praxis zufolge bislang nicht gefunden.

Potenziell könnten fast 300 Patienten betroffen sein

Im Zeitraum vom 2. Januar bis zum 1. März 2019 wurden nach Angaben des Versorgungszentrums 297 Patienten mit der Therapie behandelt worden, einige von ihnen mehrfach. Da der Infektionszeitraum nicht sicher sei, seien die meisten potenziell Betroffenen Ende März schriftlich und mündlich informiert worden.

Geschäftsführer: Wir werden dafür einstehen

„Wir stehen in engem Kontakt mit den betroffenen Patienten und bedauern sehr, dass sie sich in unserer Praxis infiziert haben“, sagte MVZ-Geschäftsführer Herbrik. Er kündigte zudem an: „Sofern unseren Patienten durch ein Verschulden der Praxis ein Schaden entstanden ist, werden wir für diesen einstehen.“

Auch interessant:
Sicherheitslücke bei WhatsApp - Warum ihr nicht nur den Messengerdienst updaten müsst

Keime im Alltag: Experten klären auf

Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.

wize.life News per Push Benachrichtigung in Ihrem Browser aktivieren

Benachrichtigungen aktivieren