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Homöopathie: Experte bezeichnet Kostenübernahme durch Kassen als Maßnahme zu „Marketingzwecken“

Von News Team - Donnerstag, 11.07.2019 - 15:24 Uhr

Nachdem französische Krankenkassen vor wenigen Tagen angekündigt haben, ab 2021 gar keine Kosten für homöopathische Mittel mehr zu übernehmen, hat auch der Vorsitzende der hiesigen Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, den Umgang der gesetzlichen Krankenkassen mit der Homöopathie kritisiert.

„Es gibt keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit homöopathischer Verfahren“, sagte Gassen im Gespräch mit der „Rheinischen Post“ (RP). Wer homöopathische Mittel haben möchte, sollte sie auch bekommen, „aber nicht auf Kosten der Solidargemeinschaft“. Die Mittel wären zum Beispiel in der ambulanten Versorgung besser angelegt.

Gassen betont, dass die Kassen die Leistung eher aus Marketinggründen übernehmen. Etwa die Techniker Krankenkasse, die pro Kalenderjahr und Versicherten bis zu 100 Euro an homöopathischen Medikamenten abdeckt, oder einige Kassen aus dem AOK-Verbund, wo die Übernahme von bis zu 200 Euro möglich ist. Der KBV-Vorsitzende sieht das kritisch.

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Boomendes Geschäft

In Deutschland ist der Markt attraktiv. Wie RP unter Berufung auf Zahlen von „Insight Health“ berichtet, wurden 2018 mehr als 57 Millionen Packungen zugelassener Homöopatika und von Medikamenten der anthroposophischen Medizin - einer vor allem in Deutschland und der Schweiz praktizierten Variante der Schulmedizin - verkauft. Umsatz: 730 Millionen Euro.

Doch weil die Wirksamkeit der alternativen Verfahren bisher nicht wissenschaftlich belegt werden konnte, gibt es viel Kritik. Während sich das Bundesgesundheitsministerium von den Vorteilen der Homöopathie nicht überzeugt geben will, eine Heilung nach Weltanschauung aber auch nicht ablehnt, zeigen andere Politiker wie Karl Lauterbach (SPD) kein Verständnis dafür.

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    Dass das Problem aber nicht einfach ist, zeigt eine aktuelle Forsa-Befragung im Auftrag des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte: Demnach würden es vier von fünf gesetzlich Versicherte begrüßen, wenn sie Anspruch auf Leistungen der Alternativmedizin hätten, wie „Tagesspiegel“ berichtet. Nur jeder zehnte Deutsche lehne eine solche Kassenleistung ab.

    Interessant bei der Umfrage ist jedoch, dass sie nicht zwischen Naturheilkunde und Homöopathie unterscheidet. Denn bei ersterer ist die Wirkung bereits wissenschaftlich belegt, bei letzterer hingegen nicht. Wie es dem auch sei: In Frankreich werden Anhänger der homöopathischen Medizin es künftig jedenfalls schwerer haben als hierzulande.

    (feb)

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