Forscher wollen Blinden zur Wahrnehmung von Licht verhelfen

Hoffnung für Blinde: Forscher testen erfolgreich Implantat, das Lichtreflexe auslöst

News Team
Von News Team

Ob die Forschung Blinde jemals sehen lassen kann, ist ungewiss. Bioingenieure arbeiten allerdings daran, ihnen die Wahrnehmung von Licht wieder zu ermöglichen. Dabei haben sie jetzt einen Erfolg verbucht.

Bioingenieure aus der Schweiz und Italien haben über eine Elektrode die Sehnerven von Kaninchen stimuliert. Diese Art der Stimulation könnte in Zukunft blinden Menschen in ähnlicher Weise das Sehen ermöglichen, wie Cochlea-Implantate bei stummen Menschen den Hörsinn übernehmen. Das berichtet das „Ärzteblatt“ mit Verweis auf eine in der Fachzeitschrift „Nature Biomedical Engineering“ veröffentlichte Studie der École polytechnique fédérale de Lausanne.

Implantate übertragen bereits erfolgreich akustische Signale

Bei Cochlea-Implantaten werden akustische Signale über ein Mikrofon aufgefangen und in elektrische Impulse umgesetzt, die dann über eine Elektrode Hörnerven stimulieren. Die Patienten sind somit nicht mehr auf ein intaktes Innenohr angewiesen.

Erste Versuche mit Sehnerv in den 90er-Jahren

Versuche, Sehnerven auf ähnliche Weise mit Informationen zu versorgen, die die Augen Blinder Menschen nicht übertragen können, habe es bereits in den 1990er-Jahren gegeben, berichtet der Schweizer Neuroingenieur Diego Ghezzi von der ETH Lausanne (EPFL) in einer Pressemitteilung der Universität.

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Manschetten-Elektroden waren zu steif

Die Experimente seien jedoch daran gescheitert, dass die Elektroden, die wie eine Manschette am Sehnerv angebracht waren, sehr steif gewesen seien und sich ständig bewegt hätten. Dadurch sei es zu ständigen visuellen Reizen gekommen, die die Patienten nicht interpretieren konnten.

Neue Elektroden sind feiner und sitzen besser

Die vom Team um Ghezzi entwickelten intraneurale Elektrode umschließe den Nerv nicht , sondern durchstoße ihn. Dadurch bewege sie sich weniger, berichten die Forscher. Die Elektrode mit dem Namen „OpticSELINE“ besteht aus einem Bündel von zwölf Drähten, die zudem unterschiedliche Nervenzellen aktivieren könnten. In Zukunft könne die Elektrode ihre Informationen über eine Kamera erhalten.

Signale im Gehirn der Kaninchen nachgewiesen

Die Bioingenieure testeten die Entwicklung an Kaninchen, indem sie die Elektroden aktivierten und die Hirnaktivität der narkotisierten Tiere beobachteten. So konnten sie Signale nachweisen, die über den Sehnerv an die Sehrinde weitergeleitet werden, wo sie über Elektroden aufgefangen wurden.

"Stimulation hat Potenzial für visuelle Muster"

Den Annahmen zufolge nehmen die Tiere die elektrischen Signale im wachen Zustand als Lichtsignale wahr.

"Die Stimulation habe das Potenzial, informative visuelle Muster zu erzeugen“, sagte Ghezzi in der Mitteilung der Universität. Es bedürfe klinischer Studien mit Patienten, um diese Muster genau abzustimmen.

Elektrode soll auf bis zu 60 Drähte erweitert werden

Für den Einsatz beim Menschen könne die Elektrode auf 48 bis 60 Drähte erweitert werden, heißt es weiter. Wenngleich sich bei dieser Anzahl das Sehvermögen Erblindeter nicht komplett wiederherstellen lasse, könnten visuelle Eindrücke vermittelt werden, die im Alltag eine Hilfestellung seien.

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