Aus dem Alltag eines Rettungssanitäters - zum internationalen Tag der Ersten ...

Jeder Fünfte hat Angst, Erste Hilfe zu leisten - Ein Sanitäter erklärt, warum das nicht nötig ist

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Von News Team

Fast jeder erwachsene Deutsche hat schon mal einen Erste-Hilfe-Kurs besucht. Doch im Ernstfall ist das einst gelernte Wissen oft weit weg. Umso beruhigender ist es, dass die Rettungsprofis vom Roten Kreuz, ASB, den Johannitern und anderen nur drei Ziffern entfernt sind: 112.

Zum internationalen Tag der Ersten Hilfe an diesem Samstag haben wir uns mit einem Sanitäter unterhalten - wie das ist, Menschen zu retten, aber auch sterben zu sehen. Und was jeder Ersthelfer beachten sollte.

Ein schwerer Verkehrsunfall, Verletzte liegen in ihren Autos, es riecht nach Öl, Hilferufe überall. Es geht um Leben und Tod. Welch ein Glück, wenn Rettung naht, Blaulichter zu sehen sind. Benny Schwaiger aus München arbeitet als Notfallsanitäter. Der 27-Jährige hat auf seinen Einsätzen einiges erlebt, dabei auch schon mal Gaffer zurecht gewiesen, sich über fehlende Rettungsgassen geärgert und sich anspucken lassen müssen.

Wie es ist, anderen Menschen zu helfen - und was der Profi Amateuren rät.

wize.life: Herr Schwaiger, wie ist Ihre Gefühlslage während des Einsatzes?
Benny Schwaiger: Gefühle sind erstmal zweitrangig. Die Konzentration liegt voll auf dem Patienten und dem Abarbeiten des Anamnesen-Schematas. Erst in einer Verschnaufpause viel später kann es sein, dass Gefühle hochkommen. Je nachdem wie der Einsatz verlaufen ist. Leben zu retten, fühlt sich natürlich gut an.

Was macht es mit Ihnen, wenn der Einsatz nicht so gut gelaufen ist?
Wenn jemand stirbt, ist das für niemanden schön. Doch das gehört auch zum Job. Wichtig ist, dem Patienten die Höchstmögliche Überlebenschance zu ermöglichen.

Laut einer aktuellen Umfrage würde nur jeder Fünfte hierzulande in einem Notfall beherzt eingreifen und Erste Hilfe leisten. Die einen zögern, weil sie kein Blut sehen können, anderen fehlen Kenntnisse in Erster Hilfe. Die meisten haben wahrscheinlich auch nur Angst, etwas falsch zu machen.

Fast immer sind zufällig Anwesende als Erste am Unfallort - was sollten diese "Laien" unbedingt beachten?
Zunächst steht der Eigenschutz im Vordergrund. Kann ich mich etwa der Unfallstelle nähern, ohne selbst in Gefahr zu geraten? Falls ja ist es überaus wichtig, Ruhe zu bewahren. Denn die Ruhe überträgt sich auf den Patienten. Das heißt einfach nur reden, zu sagen, dass Hilfe unterwegs sei, Händchen halten.

Benjamin Schwaiger berichtet über seine Erfahrungen als Notfallsanitäter
privatBenjamin Schwaiger berichtet über seine Erfahrungen als Notfallsanitäter

Wenn nun aber der Patient nicht ansprechbar ist?
Dann sofort Atemkontrolle durchführen. Die Pulskontrolle gibt es nicht mehr, weil da zu viele Fehler gemacht wurden. Und wer atmet, hat auch noch Puls.

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Was kann ich als Ersthelfer tun, wenn die Sanitäter ankommen?
Je mehr Infos wir haben, desto besser. Eine kleine Übergabe wäre super. Also wenn wir gesagt bekämen, was passiert ist und was schon an Erster Hilfe geleistet wurde. Danach am besten zur Seite treten, damit wir Platz haben zu arbeiten.

Wie geht's dann weiter?
Wir unterscheiden zwischen "Load and go" und "Stay and play".

Das heißt?
Entweder sofort den Patienten in den Krankenwagen und zur nächsten für die Art der Verletzung oder Erkrankung geeigneten Klinik. Oder zunächst an Ort und Stelle bleiben und den Patienten "verarzten".

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Gibt es Situationen, in denen Sie sich während des Einsatzes ärgern mussten?
Na ja, Erste Hilfe im Straßenverkehr beginnt mit dem Bilden einer Rettungsgasse. Hier herrscht in Deutschland noch tatsächlich einiges an Nachholbedarf. Und sorry, wenn der Einsatzwagen mal kurz eine Einfahrt versperrt. Dann bitte nicht gleich losbrüllen. Leider habe ich es schon öfters erlebt, angepöbelt, beleidigt und bespuckt zu werden.

Immer wieder liest man von sogenannten Gaffern!
Das erlebe ich öfters. Ich versuche mich nicht ablenken zu lassen. Wenn sie aber besonders penetrant werden, verständige ich die Polizei, wenn gerade vor Ort. Oder spreche sie an und sage, dass sie weg gehen sollen.

Wann haben Sie eigentlich das erste Mal Erste Hilfe geleistet?
Das war mit 14. Eine Frau war zusammengebrochen, atmete nicht mehr. Ich habe den Notruf 112 gewählt. Dort bekam ich telefonisch Anweisungen zur Reanimation.

Das Interview führte Christian Böhm.

8 Kommentare

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Wie viele Namen hat das Kind schon bekommen, Vom Sanitäter zum Rettungssanitäter vom Rettungsassistenten zum Notfallsanitäter. Ich frage mich was kommt als nächster .,
Am Ende sind wir doch alle nur Menschen und können nicht über uns hinaus wachsen, auch wenn immer mehr Verantwortung von oben deligiert wird.

Fängt Erste Hilfe denn nicht mit den einfachsten Dingen an, wie das kontrollieren des eigenen Autoverbandkastens auf Verfallsdatum der darin befindlichen Sachen.
Am Unfallort erst mal die Unfallstelle absichern und auf die eigene Sicherheit achten. Das kann Jeder der logisch denkt. Viele Menschen die dann den Verunglückten helfen wollen, können kein Blut sehen, aber man kann sich Hilfe holen von Herumstehenden , vor allen von denen, die alles besser wissen. Davon gibt es viele ! Ihr werdet staunen wie leise die werden, denn das sind auch nur Menschen. Versucht selbstsicher auf zu treten und beauftragt solche Klugschei..... mit dem abestzen eines Notrufes falls sie dazu in der Lage sind, oder dem Einweisen von Einsatzfahrzeugen.
Dann seht den Patienten erst mal an und überprüft die Vitalfunktionen ( Atmung Puls usw.)
Daraus ergeben sich die weiteren Maßnahmen zur ersten Hilfe. H.L.W. auch wenn der Druckpunkt nicht genau stimmt, springt über eueren Schatten und macht was. Es muß auch nicht die pervekte Seitenlage sein, wenn man sie nicht mehr genau weiß. Wichtig und logisch ist doch das der Patient nicht erstickt an evtl. Fremdkörpern im Mund oder Rachenraum / Erbrochenen oder ähnlichem.
Nichts zu tun und nur zusehen kann tödlich enden.
Die Zeit muß sinnvoll und überlegt und überbrückt werden, dann gebt ihr Notarzt und Rettungskräften die Möglichkeit, dem Patienten für eine erhöhte Überlebenschance .
Wir alle sind nur Menschen und wenn es der Verunglückte nicht überlebt, kann man mit gutem Gewissen in in den Spiegel sehen und vor sich selbst bestehen , alles Menschen mögliche wurde getan. Kein Arzt, kein Notfallsanitäter oder was auch immer, können Wunder vollbringen, dessen sollen wir uns alle bewußt sein. Wir können aber lebensgefährliche und kritische Situationen zum Guten beeinflussen und das ist viel wert !
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Es stimmt schon, es gibt verschiedene Formen der Hilfe. In meinem Beruf, fahre LKW international, kommt man des Öfteren in solche Situationen. Trotzdem wäre es gut den Erste Hilfe Kurs alle 10 Jahre zu erneuern. Ist doch in unserem Beruf genauso. Hier wird ab 50 Lebensjahre eine 35-stündige Ausbildung vorgeschrieben, es gibt einen ärztlichen Check, Sehbescheinigung. Wenn alles ok ist kann man seinen Führerschein um 5 Jahre verlängern lassen. Nur Nothilfe, einmal gemacht nie aufgefrischt. Viele tun sich schwer in erforderlichen Momenten einfach bereit zur Hilfe zu sein.
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Den Notruf ab setzen - auf die/den Verletzten beruhigend einreden - das sollte Jeder können
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Ich habe eher den Eindruck, dass nur jeder Fünfte in der Lage ist, Erste Hilfe zu leisten. Hab' auch mal alles in einem Blog-Artikel zusammengefasst, weil ich vielleicht auch mal darauf angewiesen bin, dass man mir schnell hilft. https://dauerblog.de/2019/01/28/stayin-alive/
Hallo, ich habe mit viel Interesse den Blog gelesen. Alles ist für den Laien sehr gut erklärt! Ich stell mir jetzt bloß die Frage: Warum ist der gute Herr über 30x Synkopiert? Leider muss ich die Statistik berichtigen. Pro Minute sinkt die Überlebenschance um 10%, das ist richtig. Allerdings hat man nur eine 50%ige Überlebenschance wenn ein Herzstillstand Eintritt. Sprich nach 5min ohne Reanimation ist leider nix mehr zu machen.
Hallo, wize.life-Nutzer. Zunächst mal vielen Dank für dein Interesse an meinem Blog bzw dem Artikel über meine Ohnmachten. Deine Frage, warum der gute Herr, also ich, 30 mal synkopiert ist, konnten mir die Ärzte bisher auch noch nicht eindeutig beantworten. Vielleicht lag es an meinem ACI Verschluß: Auf Deutsch: Dem Verschluß meiner Halsschlagader. Ich weiß jetzt nicht, auf welche Statisik du dich beziehst, aber ich hatte ja nie Herzstillstand, sondern "nur" Synkopen von einigen Sekunden, nicht Minuten. Nachtrag: Als Sanitäter wirst du dich vielleicht fragen, warum meine Frau nie den Notarzt gerufen hat. Die Antwort: Ich habe es so gewollt. Ich gebe zu: Das war etwas dumm und leichtsinnig. Und vielleicht wäre dann der Verschluss meiner Carotis eher entdeckt worden ...
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Also "heut zu tage" hat ja fast jede/r ein Handy/Smartphone dabei. Und das Erste wäre für mich mir einen Überblick zu verschaffen bzw. einzuschätzen um welches "Unfallgeschehen" es sich handelt. Da ich mich nicht alleine in irgendeine Gefahr für mich selber begeben würde um zu helfen. Man weiß ja nie erst mal. Danach sofort die 112 anrufen.
Und danach dann nach eigenem einschätzen und überblicken der "Unfallsituation" versuchen den/die verunfallten Mensch/Menschen anzusprechen erst mal. Und halt dann versuchen "Erste Hilfe" zu leisten je nach Verletzungsgrad/Verletzungsursache usw.. Was ich auch könnte und auch schon einige Male getan habe.
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Ein Arzt sagte uns mal bei einer Erste Hilfe Unterweisung, dass wir im Grunde nichts falsch manchen könnten. Alles was irgendwie sinnvoll und möglich erscheint ist richtig. Jeder weiß, dass Ersthelfer keine Profis sind. Und deshalb muss man keine Angst haben. Aber auch wer Angst hat direkt am Verunfallten zu arbeiten kann Erste Hilf leisten, und wenn er nur die Rettungssanitäter ruft und einfach da bleibt.
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