Aktionstag: Volkskrankheit Depression - nur jeder Zweite findet Hilfe

Aktionstag: Volkskrankheit Depression - nur jeder Zweite findet Hilfe

News Team
Von News Team

Der 10. September soll als Welttag der Suizid-Prävention ein Bewusstsein für das Ausmaß des Problems schaffen. In Deutschland starben 2017 zwanzigmal so viele Menschen durch Selbsttötung als durch Mord - viele in Folge einer unbehandelten Depression.

Nach den Angaben von Statista starben 2017 in Deutschland 405 Menschen durch Mord. Durch Suizid starben dagegen 9 241. Das sind mehr als 26 pro Tag, mehr als 1 pro Stunde. Diese Zahlen schockieren, aber sie müssen auch ein Weckruf sein. Denn oft sind unbehandelte Depressionen Auslöser zu einer Verzweiflungstat.

Depressionen sind heilbar

"Depression ist heute weltweit die Hauptursache für Lebensbeeinträchtigung", lautet das Fazit einer jüngsten Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Daher ist es für die Betroffenen und ihr persönliches Umfeld besonders wichtig, dass sie schon bei den ersten Anzeichen einer Depression so schnell wie möglich handeln. Gerade zu Beginn sind Depressionen oft noch gut behandelbar. Privatdozent Dr. med. Andreas Wahl-Kordon, Ärztlicher Direktor der Oberbergklinik Schwarzwald, weiß:

Trotz der sehr hohen Prävalenzzahlen und der guten Behandelbarkeit depressiver Störungsbilder werden viel zu wenig Menschen adäquat behandelt.

Im Video: Diese kleinen Dinge können depressiven Menschen helfen

Die WHO geht davon aus, dass selbst schwer depressiv Erkrankte nur zu maximal 50 Prozent eine Behandlung erhalten, was oft mit der hohen Scham, die depressive Menschen für ihre Symptome empfinden, zusammenhängt, wie Dr. Wahl-Kordon ausführt:

Gut gemeinte Ratschläge von Angehörigen, wie 'Reiß dich doch mal zusammen, das wird schon wieder', aber auch das depressionsbedingte Denken der Betroffenen, dass es keine Hoffnung auf Besserung und Heilung geben wird, sind Fehleinschätzungen, die eine Behandlung nicht selten erschweren oder sogar verhindern. Das ist besonders tragisch, da Menschen und deren Umfeld unter ihren Depressionen ausgesprochen leiden, Suizidgedanken sehr häufig sind und die Suizidrate mit 10 Prozent bedrohlich hoch ist
Diagramm zu Ursachen und Auslösern von Depressionen
obs/Oberberg GruppeDiagramm zu Ursachen und Auslösern von Depressionen

Was sind Depressionen?

Freudlosigkeit, tiefe Traurigkeit, Antriebs- und Interessenlosigkeit, Todessehnsucht und gestörtes Selbstwertgefühl sind Ausdruck von Depressionen. Appetitlosigkeit, Schlafstörungen und vielfältige körperliche Beschwerden sind die somatischen Folgen.

Bei Depressionen handelt es sich nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen um ein komplexes Zusammenwirken verschiedener Faktoren. Diese können genetischer, biochemischer, aber auch pharmakogener (d. h. bedingt durch bestimmte Medikamente) sowie persönlichkeitsbedingter Natur sein.

Darüber hinaus können Lebens- und Sinnkrisen, Partnerschaftskonflikte und Verluste vor dem Hintergrund entwicklungsgeschichtlicher Erlebnisse Depression auslösen. Oftmals resultiert eine Depression aus einer bestehenden Abhängigkeitserkrankung - ein Teufelskreis, denn die Depression kann die Abhängigkeit noch verschlimmern, oder umgekehrt. Häufig sind betroffene Patienten nicht in der Lage, beides auseinander zu halten.

(Quelle: Oberberg Gruppe)

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