Alzheimer: Heilbar durch elektrische Impulse?

Gehirnstimulierung könnte Alzheimer-Patienten helfen
Gehirnstimulierung könnte Alzheimer-Patienten helfenFoto-Quelle: pixabay
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In der Behandlung von Alzheimer gibt es einen vielversprechenden alternativen Ansatz. Forscher haben betroffene Patienten regelmäßig elektromagnetischen Wellen ausgesetzt – mit dem Ergebnis, dass sich ihre kognitiven Fähigkeiten verbessert haben.

In einer Pilotstudie wurde das Gehirn von Alzheimer-Patienten zwei Monate lang täglich zweimal für jeweils eine Stunde stimuliert. Dies geschah zu Hause mit einem tragbaren Kopfgerät, über das elektromagnetische Wellen im Hochfrequenzbereich das Gehirn stimulieren, wie Gary Arendash von der Firma NeuroEM Therapeutics in Phoenix und seine Kollegen berichteten. Die Patienten konnten sich somit weitgehend frei bewegen.

Ausgangspunkt: Erfolgsversprechende Ergebnisse bei Nagern

Zuvor hatten die Forscher entsprechende Tests bei Nagern gemacht. Hierbei war herausgekommen, dass die Stimulierung junge erkrankte Mäuse vor weiteren Gedächtnisstörungen schützt, bei älteren erkrankten Mäusen wurden Gedächtnisstörungen rückgängig gemacht.

An dem Test mit Menschen nahmen in der Pilotstudie acht Patienten teil, die 63 Jahre aufwärts waren und an Alzheimer in leichtem bis moderatem Stadium litten.

Eindeutige Verbesserungen bei menschlichen Patienten

Nach zweimonatiger Behandlung schnitten sieben der acht Probanden tatsächlich im sogenannten ADAS-Cog-Test, einem standardisiertem Alzheimertest, besser ab als zuvor: Die kognitive Leistung in Bezug auf Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Sprache verbesserte sich demnach um mehr als 4 Punkte. Dies stellt nach Einschätzung der Forscher eine klinisch signifikante Wirkung dar, da sich in der Regel die Punktzahl binnen einem Jahr um 4 Punkte verschlechtere. Bezogen auf die Gehirnleistung habe sich für die Patienten somit die Zeit um ein Jahr zurückgedreht.

"Besonders überraschte uns, dass diese hoch signifikante Verbesserung des ADAS-Zahnrads auch zwei Wochen nach Behandlungsabschluss blieb", sagte Arendash, der vor der Firmengründung an Hochschulen zu Alzheimer forschte. Die wahrscheinlichste Erklärung dafür sei, dass die Behandlung den Prozess der Alzheimer-Krankheit selbst beeinflusse.

Eiweißablagerung wurden zersetzt

Tatsächlich ergaben Untersuchungen, dass die Magnetwellen die für Alzheimer typischen Eiweißablagerungen der Proteine Beta-Amyloid und Tau auflösten. MRT-Hirnscans wiesen zudem auf eine erhöhte Kommunikation zwischen Neuronen in einem für Lern- und Gedächtnisprozesse wichtigen Hirnareal hin, dem sogenannten cingulären Cortex.

Leistungssteigerungen habe es auch bei anderen Tests gegeben, so sei das Vergessen von Worten um 50 Prozent reduziert worden.

Keine Nebenwirkungen festgestellt

Die Probanden wurden von Pflegekräften betreut und führten Tagebuch. Nebenwirkungen wurden während der Behandlungszeit keine festgestellt. Auch habe es bei Nachuntersuchungen des Gehirns kein Hinweis auf Tumorbildung oder Mikroblutungen im Gehirn gegeben.

„Ich bin wieder da“

Der vielleicht beste Hinweis darauf, dass die Behandlung eine klinisch relevante Wirkung auf die Alzheimer-Patienten hatte, sei, dass keiner der Patienten sein Kopfgerät nach Abschluss der Studie zurückgeben wollte, sagte Arendash, CEO von NeuroEM Therapeutics. Ein Patient habe sogar gerufen: „Ich bin wieder da.“

Studien sollen ausgeweitet werden

Die Forscher glauben, dass die nicht-invasive Behandlung eine neue Therapie gegen Alzheimer darstellen und dort erfolgreich sein könnte, wo die medikamentöse Therapie bisher versagt hat.
Deshalb sind neue Studien mit mehr Patienten über einen längeren Zeitraum hinweg geplant. Zudem ging die Behandlung der bisherigen Probanden in die Verlängerung. Der Behandlungszeitraum soll nun im Schnitt 17 Monate betragen. Die Details zur Studie wurden im Fachblatt „Journal of Alzheimer’s Disease“ veröffentlicht.

VIDEO: Forscher kehren Alterungsprozess von Gehirnzellen bei Ratten um

1 Kommentar

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Na, dann beten wir einmal, dass bald dies auch in der Humanmedizin eingesetzt werden kann.
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