Nach Schlaganfall - So kämpfte sich Tobias (39) zurück ins Leben

Nachdem Tobias Wisniewski einen Schlaganfall erlitten hatte, halfen ihm sein ...
Nachdem Tobias Wisniewski einen Schlaganfall erlitten hatte, halfen ihm seine Schwester Deborah (li.) und die Schlaganfall-Lotsin Kerstin OhmsFoto-Quelle: obs/Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe/Mario Leisle
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Von News Team

Der kommende Dienstag ist für Tobias Wisniewski ein ganz besonderer Tag. Dann, am 1. Oktober, kehrt er an seinen Arbeitsplatz bei der Telekom zurück, wo er bis zu seiner schweren Erkrankung als Systemadministrator gearbeitet hat. Ein Jahr lang war der Bielefelder krank, nachdem er einen Schlaganfall erlitten hatte. Mit 38.

Tobias Wisniewski war gerade dabei, einem Freund beim Umzug zu helfen, als ihm plötzlich der Kaffeebecher aus der Hand fiel. Seine linke Körperhälfte fühlte sich taub an, er konnte nicht mehr sprechen.

Instinktiv taten seine Freunde genau das Richtige: Sie riefen sofort den Notarzt. Binnen kürzester Zeit wurde Wisniewski auf der Stroke Unit (Schlaganfall-Station) des Evangelischen Klinikums Bethel versorgt.

"Tobi konnte weder sprechen noch lesen. Wir wussten gar nicht, wie es weitergeht", erzählt seine Schwester.

Der Weg zurück in den Alltag war hart und beschwerlich. Tobias Wisniewski hat ihn gemeistert - auch dank der Unterstützung durch die Schlaganfall-Lotsin Kerstin Ohms.

Sie ist eine von insgesamt 17 Schlaganfall-Lotsen in Ostwestfalen-Lippe, die im Rahmen des Modellprojekts "Stroke Owl" der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe bis zu 2000 Patienten betreuen.

Die Schlaganfall-Stiftung will zusammen mit ihren Partnern, zu denen Kliniken, Rehaeinrichtungen und Krankenkassen gehörten, zeigen, dass Patienten nach einem Schlaganfall besser durch die Schlaganfall-Lotsen besser betreut werden.

Schlaganfall-Lotsen helfen in einer Ausnahmesituation

Die Lotsen sollen den Patienten und ihren Angehörigen bei der Umstellung ihres Lebensstils helfen, ihnen Orientierung geben und Hilfen vermitteln. Die Lebensqualität der Patienten erhöhen. Denn, so die Erfahrung der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe: Nach Klinik und Reha sind viele Patienten überfordert.

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"Frau Ohms war ganz wichtig für uns", sagt Deborah Wisniewski, die Schwester von Tobias Wisniewski. "Durch sie wussten wir immer, was zu tun ist."

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Denn der Schlaganfall ihres Bruders war - wie bei allen Betroffenen - "der totale Schock - das Schlimmste, was ich bis dahin erlebt hatte", erinnert sich Deborah Wisniewski.


Musik gab ihm Kraft - und eine Stimme

Schon während der heute 39-Jährige in der Reha war, begann seine Betreuung durch die Schlaganfall-Lotsin. Kerstin Ohms besuchte ihn und seine Schwester, half bei den Formalitäten, stellte einen Versorgungsplan auf.

Viel Kraft gab Tobias Wisniewski die Musik. Er spielte weiter sein Baritonhorn. Das half ihm, als seine Stimme versagte und war ein gutes Training für Atem und Stimmbänder.

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Mithilfe der Logopäden und vielen Übungsstunden mit seiner Schwestern kehrten bei Tobias Wisniewski langsam Sprache und Sprachverständnis zurück.

"Es geht mir wieder gut", sagt er heute. "Manchmal suche ich noch nach Worten, und ich muss noch zu oft über den Satzbau nachdenken."

Projekt wird vom Bund gefördert

Er geht weiter einmal in der Woche in die Logopädie-Schule in Bielefeld, den Platz vermittelte ihm seine Schlaganfall-Lotsin.

In das Modellprojekt der Schlaganfall-Lotsen setzt auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) große Hoffnung. Der Bund fördert das Projekt, das voraussichtlich bis Herbst 2021 läuft, mit rund 7 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds.

Das Programm in Ostwestfalen-Lippe wird wissenschaftlich begleitet von Forschern der Universität Bielefeld, die untersuchen, ob die Patienten am Ende dank der Lotsen gesünder werden. An der Studie nehmen alle Patienten teil.

Wird das Projekt ausgeweitet?

Fällt die Untersuchung positiv aus, soll es nach den Plänen der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe möglichst in ganz Deutschland Schlaganfall-Lotsen geben.

Das erste Feedback nach der Halbzeit mache Mut, erzählt Lotsin Kerstin Ohms: "Wir erleben eigentlich nur zufriedene und dankbare Patienten."

2 Kommentare

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Finde ich ganz toll, bin selber betroffen.
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ist doch mal eine gute Idee
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