Lieferprobleme bei Arzneimitteln haben sich drastisch verschärft

Medikamente werden knapp - Lieferengpässe bei 529 Arzneimitteln

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Was lange eine Selbstverständlichkeit war, wird mehr und mehr zu einem Problem: In der Apotheke genau die Arznei zu bekommen, die man benötigt.

Inzwischen heißt es immer häufiger von den Apothekern: Haben wir leider nicht. Ist derzeit nicht lieferbar.

Denn Lieferengpässe bei Medikamenten betreffen längst nicht mehr nur einige wenige Arzneimittel. Sondern Hunderte.

Lieferengpässe bei 529 Arzneimitteln

Exakt 529 Arzneimittel listet das "Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte“ (BfArM) aktuell in seiner Datenbank auf. All diese Pharma-Produkte sind schwer und nicht binnen zwei Wochen zu bekommen.

Teilweise müssen Patienten monatelang darauf warten. Auch ein Lieferengpass über ein Jahr ist keine Seltenheit.

Darunter sind Medikamente für schwere Erkrankungen wie Krebs oder Herzleiden, aber auch so alltägliche wie das Schmerzmittel Ibuprofen.

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Apotheker schlagen bereits seit langem Alarm, im Sommer hatte die Bundesärztekammer den Aufbau einer nationalen Arzneimittel-Reserve gefordert.

Dafür macht sich jetzt auch die Unionsfraktion im Bundestag stark, um das Problem der Lieferengpässe in den Griff zu bekommen.

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Sie wollen Hersteller, Großhändler und Apotheken künftig dazu verpflichten, den Bedarf für vier Wochen zu decken, berichtet die "Neue Berliner Redaktionsgesellschaft". In einem Positionspapier fordern die Unionspolitiker demnach auch eine verbindliche Meldepflicht bei Lieferengpässen.

Zeichne sich ab, dass bestimmte Medikamente in Apotheken in Deutschland zur Mangelware werden, solle es dafür eine Exportbeschränkung geben.

Im Video:

Erhöhtes Todesrisiko durch Arthritis-Medikament - Europäische Arzneimittelbehörde warnt

Der Vorschlag einer Medikamenten-Reserve sei „nicht für alle Wirkstoffe praktikabel“, sagte Fritz Becker, Chef des Apothekenverbands, dem SWR.

Dies sei sinnvoll bei versorgungsrelevanten Wirkstoffen, die etwa für Krebspatienten benötigt werden. Bei „Allerweltsmittel“ wie Ibuprofen dauere der Lieferengpass bis zu sechs Monate.

„Wenn sie das dann vier Wochen länger haben, nützt das auch nichts“, sagt Becker, der selbst eine Apotheke betreibt.

Die „wachsenden Probleme mit Lieferengpässe“ waren kürzlich auch ein großes Thema beim Deutschen Apothekertag in Düsseldorf.

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Dort zeigte eine Statistik anschaulich, wie drastisch mitunter die Situation ist: 9,3 Millionen Arzneipackungen waren 2018 von Lieferengpässen betroffen.

Gesetzlich versicherte Patienten erhielten stattdessen im vorigen Jahr ein anderes Medikament als das, was ihnen der Arzt per Rezept verschrieben hatte.

Denn wegen Lieferproblemen waren Apotheker gezwungen, auf ein vergleichbares anderes Medikament auszuweichen.

Millionen Packungen Rabatt-Arzneimittel betroffen

Die Zahl der ausgetauschten Arzneimittel hat sich damit innerhalb von drei Jahren fast verdoppelt: 2016 mussten Apotheker für rund 5 Millionen Packungen eine Alternative finden.

Die Zahlen beziehen sich auf so genannte Rabatt-Arzneimittel. Das sind Medikamente, für die gesetzliche Krankenkassen einen Rabattvertrag mit den Pharmafirmen abgeschlossen haben. Dabei gewähren die Hersteller den Kassen einen Rabatt auf ein bestimmtes Medikament. Im Gegenzug sichern die Kassen zu, dass Patienten im Normalfall nur dieses Produkt bekommen.

Wenn es denn lieferbar ist. Immer häufiger ist es das nicht.

Spitzenreiter: Ibuprofen

Spitzenreiter bei den Medikamenten mit Lieferengpässen ist hochdosoiertes, rezeptpflichtiges Ibuprofen. 1,6 Millionen Packungen wurden davon 2018 in deutschen Apotheken verlangt - vergeblich. Stattdessen gingen die Patienten mit einem anderen Medikament nach Hause.

„Mit fünf Wirkstoffen unter den Top 10 sind die Blutdrucksenker Valsartan, Ramipril und Bisoprolol sowie deren Kombinationen mit Diuretika (harntreibende Mittel) ebenfalls weit oben“, heißt es vonseiten der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA).

Problematisch wird es, wenn sich das Medikament nicht so einfach gegen ein anderes austauschen lässt.

Keine Alternative für das Krebsmedikament Cytarabin

Das ist etwa bei dem Krebsmedikament Cytarabin der Fall, das für Blutkrebspatienten lebenswichtig ist.

Der Wirkstoff, den Patienten mit einer akuten myeloischen Leukämie benötigen, werde derzeit in deutschen Krankenhäusern knapp, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“ und berichtet von einer Klinik, die aktuell nur noch 4 Gramm des Wirkstoffs vorrätig habe. Gebraucht werden dort 200 Gramm im Monat.

Das Problem: Anders als viele Rabattarzneimittel kann Cytarabin demnach meist nicht durch einen anderen Wirkstoff ersetzt werden. Die Folge ist nicht mehr nur ein Lieferengpass, sondern eine drohende Versorgungslücke.

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Als Grund dafür vermuten Experten „Qualitätsprobleme in einer Mailänder Fabrik“, so die SZ. Jetzt sollen vermehrt Bestände aus dem Ausland importiert werden.

Probleme in Fabriken im Ausland waren zuletzt immer wieder mal die Ursache für Lieferengpässe - so war ein Antibiotikum vor drei Jahren lange nicht lieferbar, nachdem es in der Produktionsstätte in China zu einer Explosion gekommen war.

So drastisch hat sich das Problem verschärft

Dass Pharmafirmen die Arznei-Produktion aus Kostengründen ins Ausland verlagern, sei ein Grund für die Lieferengpässe, sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums kürzlich der ARD-Tagesschau. Auch Rabattverträge und die Konzentration auf wenige Hersteller, die viele Medikamente herstellen, spielten eine Rolle.

Das Problem hat sich in den vergangenen Jahren enorm verschärft. Listet das Bundesinstitut BfArM aktuell 529 Medikamente mit Lieferengpässen in seiner Datenbank auf, so lag diese Zahl mal laut „Rheinischer Post“ bei 40.

Scheint eine Ewigkeit her zu sein. War aber: 2013.

18 Kommentare

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Ich würde es mal von einer andere Seite sehen. Um die stark steigenden Krankenkassen Prämien zu verlangsamen,muß der Staat bei den Pharmafirmen intervenieren um die Preise nieder zu halten.Aber wie es auch mit anderen Sachen ist,so wird das Angebot künstlich verknappt um die Preise künstlich hochzuhalten oder gar noch zu erhöhen,
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Ich nehme grundsätzlich, mit wenigen Ausnahmen, keine Tabletten, auch die frei verkäuflichen kommen aus dem Chemielabor und haben Nebenwirkungen.
Was ich aber ganz böse von den Pharmafirmen finde, dass sie nicht mehr in die Antibiotika Forschung gehen weil sie nicht genügend Geld vom Staat dafür bekommen. Antibiotika ist eine Tablette die man nehmen muss, aber die vorhandenen Medikamente verlieren zunehmen an Wirkung und ohne Antibiotka wird es lebengefährlich.
In welch glücklicher Lage Sie sind. Freue mich für Sie!!
Danke Frau Hildegard, dass Sie sich für mich freuen, aber das ist nur meine Einstellung und kein (wieso) Glück.
Es gibt natürlich Krankheiten da kommt man ohne Tabletten nicht zurecht. Aber bei den sogenannten Wohlstandskrankheiten kann man mit der richtigen Ernährung viel erreichen.
Antibiotikaforschung zu betreiben, geht nun mal nicht mit Leuten, denen man nur den Mindestlohn zahlt und welcher Arbeitgeber will schon draufzahlen, egal welche Fachrichtung. Bayer forscht schon seit ewigen Zeiten nicht mehr in Deutschland, weil die Patente hier nicht lange genug laufen.
Über Medis mmeckern, aber falls man mal ein Ausweichantibiotkum brauchen sollte jammer. Sowas liebe ich ja ganz besonders.
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Hier wurde ein Kommentar durch den Ersteller entfernt.
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Solange es "nur" um Arzneimittel geht, ist mir das wurscht. Damit wird sowieso Raubbau auf allen Ebenen betrieben. Es wäre besser, die Menschen aufzuklären, dass gewisse Medikamente mehr als schädlich sind ... angefangen bei den frei verkäuflichen, bis hin zu den von XYZ empfohlenen, weil ... Die Alternativmedizin wird belächelt und blockiert. Der innere Arzt wohnt in einem selbst.
genau so ist es
recht habt ihr
Ich kann nur zustimmen.
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Und das ist erst der Anfang
Es wird auf allen Gebieten Engpässe geben. Der Wirtschaftsaufschwung ist am Ende....
Es ist logisch, dass nach jedem Hoch ein Tief kommt. Die Politik der letzten 14 Jahre rächt sich jetzt. Auch dafür können wir unserer Bundeskanzlerin und ihrem Gefolge herzlich danken. Das Land ist am Ende ...
Immer weiter, immer weiter....steigen wir hinab die Wirtschaftsleiter 😰😰😇
Absolut richtig Bärbel. Dem ist nichts hinzuzufügen!
Ich stimme eich beiden da voll zu,genauso erleb ich das auch !! 😡🙈😡
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Was denkt ihr denn was ich esse? Doch leider nutzt das nichts. Zumindest bei mir nicht. Zur Wende hatte ich 70 kg bei 1,76 m. Heute habe ich nur noch 1,75 m dafür aber 105 kg. Also Schlank halte ich für ein Gerücht. Zumindest mich betreffend. Entspannt schon ehr. Sonst hätte ich die 5 Jahre SB und WL wohl nicht ohne Schaden zu nehmen überlebt. Am liebsten Brokkoli oder Blumenkohl paniert und gebacken mit Soße Hollondaise und kleinen festkochenden Kartoffeln.
Warum bekomme ich jetzt plötzlich darauf Appetit? Das gab es lange nicht und die Woche ist noch jung. Da werde ich mir zum Tag der Einheit wohl ein paar panierte und gebackene Grüne genehmigen. Brokkoli natürlich. Die anderen sind ja ungenießbar.
Stimme ihnen zu !!
weil es kein gesundes Essen mehr gibt- Übergewicht ist Nährstoffmangel
Wurde ich so nicht sagen. Ich esse alles. Gibt nichts was ich nicht esse. Fleisch in Maßen und nicht in Massen. Dafür sehr viel Fisch. Gemüse sowieso. Saison bedingt das was gerade gibt. Obst auch. Tiefkühlgemüse ist out, obwohl ja noch alles drin sein soll. Ist zu schnell weich weil die Zellen beim einfrieren geplatzt sind. Da leidet der Geschmack. Also Nährstoffmangel ist das garantiert nicht. So viele Täter gibt es da nicht. Auf den Bäcker möchte ich es auch nicht schieben. Dann wohl ehr auf die Veranlagung. Ich kann auch 3 Tage hungern und nur Mineralwasser trinken. Da ist nach den 3 Tagen nicht ein Gramm weg. Mein Letzter Sohn(29) und 1,98 groß kann dagegen reinschaufeln was er will. Der arme Kerl wird nicht mehr. Der wollte eigentlich zur Bundeswehr. Wurde nichts. Trotz (Mast)Kur keine Gewichtszunahme. Wegen dem geringen Gewicht bei seiner Größe abgelehnt.
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