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Neuer Pflege-TÜV in Deutschland gestartet - Experten zweifeln an VerbesserungFoto-Quelle: drubig-photo - Fotolia

Neuer Pflege-TÜV gestartet - Suche nach passendem Heim dadurch trotzdem kaum leichter

News Team
Von News Team

Start für den neuen Pflege-TÜV: Seit Anfang Oktober gilt das neue System, das für eine realistische Bewertung der mehr als 13.000 Pflegeeinrichtungen in Deutschland sorgen soll. Aber ob die Suche nach einem passenden Heim dadurch leichter wird, ist fraglich.

Auf dem Papier war alles Bestens. Im Durchschnitt erreichten die mehr als 13.000 Pflegeheime in Deutschland die Note 1,2, waren also rundum "sehr gut". Doch die Noten gaben sich die Einrichtungen vor allem selbst. Sie stützten sich sehr stark auf Unterlagen, in denen die Heime ihre Arbeit dokumentierten. Dazu kam, dass die Kriterien unsinnig gewichtet waren. So zählte der Schutz vor Druckgeschwüren in der Bewertung genauso viel wie ein lesbarer Speiseplan.

Qualität vergleichbar machen

Mit dieser "Farce", wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) das alte Bewertungssystem zu nennen pflegte, soll jetzt Schluss sein. Anfang Oktober startete der neue Pflege-TÜV, der es ermöglichen soll, die Qualität der Einrichtungen seriös miteinander zu vergleichen. Das neue System soll Verbrauchern nun mehr Informationen über eine Einrichtung geben und außerdem Qualitätsunterschiede besser erkennbar machen, sagte die Leiterin des Gesundheitsbereichs des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), Monika Kücking. "Im Mittelpunkt steht zukünftig die Frage, wie gut es einer Einrichtung gelingt, auf die Bedarfe und Bedürfnisse der Pflegebedürftigen einzugehen."

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Der Anspruch des neuen Pflege-TÜVs ist hoch: Künftig soll gezeigt werden, wie gut die Pflege wirklich ist, etwa beim Erhalt von Mobilität. Die Heime beginnen ab sofort mit der entsprechenden Datenerfassung. Sie müssen nun halbjährlich aufschlüsseln, wie selbstständig die Bewohner sind oder wie viele der Bewohner beispielsweise an Druckgeschwüren leiden. Druckgeschwüre gelten als ein Indiz für schlechte Pflege, da sie insbesondere dann auftreten, wenn bettlägrige Patienten vom Personal zu selten gewendet werden.

"Riesenschritt für mehr Vertrauen ins System"

Diese internen Daten gehen dann an eine unabhängige Stelle, die diese Informationen auf ihre Plausibilität hin überprüft. Anschließend wird jedes Heim mit den bundesweiten Ergebnissen aller Heime verglichen. Zusätzlich wird der MDK alle 14 Monate die Heime mindestens ein Mal zu insgesamt 24 Aspekten prüfen. Die Prüftermine werden, wie bisher auch, vorher angekündigt. Allerdings beträgt die Vorlaufzeit nur mehr einen Tag.

Pro Einrichtung müssen mindestens neun Bewohner befragt und in Augenschein genommen werden. Für Ort führen die Prüfer dann ein Fachgespräch mit dem Personal durch, in dem die Ergebnisse durchgegangen werden. Das soll die Beratertätigkeit des MDK in den Vordergrund rücken. Insgesamt, erklärt Kücking, werde das neue Prüfsystem die Qualität der Pflege in Deutschland verbessern. "Einen Riesenschritt für mehr Vertrauen ins System" nennt auch Gesundheitsminister Spahn das neue Bewertungssystem.

Zweifel bleiben

Doch die Frage ist: Erleichtert der neue Pflege-TÜV tatsächlich die Suche nach einem passenden Pflegeheim? Kritiker haben hier ihre Zweifel. Anders als im alten System entfällt eine klar verständliche Gesamtnote, stattdessen arbeitet der neue Pflege-TÜV mit Kreisen, Punkten und Quadraten. Und wer wissen will, ob ein Heim schlechter oder besser ist als das andere, muss nun die unterschiedlichen Qualitätskriterien einzeln Punkt für Punkt miteinander vergleichen.

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Es sei fraglich, sagte denn auch Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, ob die neue Darstellung wirklich eine schnelle Einschätzung bei der Pflegeheimsuche bringen werde. Neben einer Gesamtnote fordert Brysch zudem "K.O.-Kriterien". "Wenn Heime bei der Schmerztherapie, der Wundversorgung, dem Umgang mit Fixierung oder der Medikamentenvergabe durchfallen", sagt er, "muss dies für den Nutzer sofort erkennbar sein."

Ab 2020 sollen die Ergebnisse der internen Datenerhebung sowie der externen Prüfung im Internet auf den Seiten der Pflegekassen veröffentlicht werden.

Weitere Informationen und passende Angebote für eine Pflegeimmobilie finden Sie bei der ERL Immobiliengruppe.