Lebensgefährliche Keime immer resistenter - Forscher entdecken Antibiotika mit neuartiger Wirkung

Escherichia coli-Bakterien, die mit dem neuartigen Antibiotikum behandelt wu ...
Escherichia coli-Bakterien, die mit dem neuartigen Antibiotikum behandelt wurden. Blaue Zellen sind lebendig, grüne Zellen wurden durch das Antibiotikum getötetFoto-Quelle: Matthias Urfer, UZH
News Team
Von News Team

Schon heute sterben jährlich rund 700.000 Menschen wegen resistenter Keime. Doch die Zahl wird, so fürchten Wissenschaftler, in Zukunft erheblich steigen. Denn viele Antibiotika wirken nicht mehr gegen lebensbedrohliche Bakterien. Schweizer Forscher haben nun Antibiotika mit neuartiger Wirkung entdeckt.

Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge stellen Bakterien, die gegen Carbapenem- und Cephalosporin-Antibiotika resistent sind, eine wachsende Bedrohung für die menschliche Gesundheit dar.

Sie können folgende lebensbedrohliche Infektionen verursachen:

  • Lungenentzündung
  • Hirnhautentzündung
  • Wundinfekte
  • Blutvergiftungen

Mit passenden Antibiotika sind die Heilungschancen ziemlich gut. Doch leider sind immer mehr Erreger gegen Antibiotika resistent, das Medikament wirkt also nicht. Die letzte neue Klasse von Antibiotika gegen diese Mikroorganismen stammt aus den 1960er-Jahren. Ein weiteres Problem ist, dass selbst gegen das letzte Reserve-Antibiotikum Colistin die Resistenzen weltweit zunehmen.

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Wie die Wissenschaftler der Universität Zürich und der Polyphor AG nun berichten, haben sie eine neue Antibiotikaklasse entdeckt, die über einen einzigartigen Wirkmechanismus gegen mehrere Keime verfüge. Demnach blockierten sie den Aufbau der äußeren Membran und würden so gramnegative Bakterien effektiv abwehren.

"Die neuen Antibiotika interagieren mit Proteinen der Aussenmembran von gramnegativen Bakterien", erklärt Professor John Robinson vom Institut für Chemie der Uni Zürich, einer der Co-Leiter der Studie. "Nach unseren Ergebnissen binden die Antibiotika einerseits an fettähnliche Membrankomponenten, den sogenannten Lipopolysacchariden, und andererseits an das Membranprotein BamA, das für den Aufbau der äußeren Hülle von gramnegativen Bakterien essenziell ist."

Trotz ihrer Bedeutung zielten bislang keine der klinisch eingesetzten Antibiotika auf Schlüsselproteine, die für die Biogenese der Aussenmembran erforderlich seien, so Robinson weiter.

Neue Antibiotika in vorklinischer Entwicklung

Die Polyphor AG, ein ehemaliges Start-up-Unternehmen der Universität Zürich, plant nun, eine der Substanzen in die klinische Prüfung am Menschen zu bringen. "POL7306, ein erstes Leitmolekül der neuartigen Antibiotika-Klasse, befindet sich derzeit in der präklinischen Entwicklung", sagt Daniel Obrecht, Chief Scientific Officer bei Polyphor und Co-Studienleiter.

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