Tod innerhalb von 57 Tagen - So gefährlich sind Bornaviren

Bornavirus: Mehr Todesfälle in Deutschland als gedacht
Bornavirus: Mehr Todesfälle in Deutschland als gedachtFoto-Quelle: imago/MITO
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Mehr Fälle von tödlicher Gehirnhautentzündung als bisher bekannt sind durch Infektionen mit dem Borna-Virus entstanden – es wird von der Feldspitzmaus übertragen. Insgesamt wurden nun 14 tödliche Fälle in Bayern seit 1996 identifiziert. In Wirklichkeit dürfte die Zahl höher liegen.

Der Erreger sei rückwirkend in Hirnproben verstorbener Patienten nachgewiesen worden, berichten Forscher der Universität Regensburg und des Friedrich-Loeffler-Institutes (FLI) im Fachmagazin "The Lancet Infectious Diseases".

Letzter Todesfall: Elfjährige Ende 2019

Zuletzt wurde der Virus Ende 2019 bei einem elfjährigen Mädchen festgestellt, das an Enzephalitis gestorben war. Die Forscher gehen allerdings davon aus, dass es noch mehr durch das Virus ausgelöste Fälle gibt, wie die "Ärzte-Zeitung" berichtet.

Das Virus ist Tierärzten schon lange als Verursacher der Borna-Krankheit bekannt. Dabei handelt es sich um eine meist tödlich endende neurologische Störung von Pferden, Schafen und anderen Haustieren, die vor allem im Südosten Deutschlands sowie in den Österreich, Liechtenstein und der Schweiz auftritt, wie die Zeitung weiter berichtet.

2018 beim Menschen entdeckt

Vor zwei Jahren wurde das Virus BoDV-1 dann erstmals als Auslöser schwerer Gehirnhautentzündungen beim Menschen festgestellt.

Nun haben die Forscher um Hans Helmut Niller von der Uni Regensburg Proben von Hirngewebe von insgesamt 56 Patienten aus Bayern auf den Erreger untersucht, bei denen zwischen 1999 und 2018 eine Hirnentzündung diagnostiziert worden war.

Menschen starben 57 Tage nach Auftreten der Symptome

Bei sechs der Betroffenen wurde das Borna Disease Virus 1 (BoDV-1) nachgewiesen, zudem gab es zwei weitere bestätigte Infektionen unabhängig von der Untersuchung. Alle acht Menschen starben nach spätestens 57 Tagen nach dem Auftreten von Symptomen.

Symptome: Fieber und Verwirrtheit

Die Krankheit äußert sich mit Fieber, Kopfweh und Verwirrtheit. Im weiteren Verlauf kommt es zu einem schwankenden Gang und Erinnerungsverlust, schließlich zu Koma und Tod.

Weitere Todesfälle könnten auf den Virus zurückgehen

Wenngleich das Auftreten des Virus noch relativ selten ist, könnte nach Ansicht der Forscher ein größerer Anteil bisher unerklärbarer schwerer bis tödlicher Enzephalitis-Fälle dahinterstecken. Es müsse erforscht werden, ob nicht auch leichtere Fälle von Enzephalitis durch BoDV-1 verursacht werden können.

Ansteckung über Ausscheidung der Feldspitzmäuse

Die Ansteckung erfolgt nach Einschätzung der Forscher über Kontakt mit den Ausscheidungen von Feldspitzmäusen. Direkte Übertragungen von Mensch zu Mensch oder von infizierten Haustieren und Menschen sind nicht bekannt.
Eine Steigerung der Infektionszahlen sei nicht bekannt. Um eine bessere Datenlage zum Vorkommen der Infektion beim Menschen zu schaffen, tritt zum 1. März 2020 eine Meldepflicht in Kraft, wie das Friedrich-Löffler-Institut mitteilt.

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