Roboter in der Pflege – Deutscher Ethikrat stellt klare Bedingungen

Roboter wie Pepper in der Pflege? Ja, aber ...
Roboter wie Pepper in der Pflege? Ja, aber ...Foto-Quelle: imago images/blickwinkel
Beatrice Oßberger

Künftig werden in Krankenhäusern, Senioren- und Pflegeheimen mehr Roboter zum Einsatz kommen, um dort das Pflegepersonal zu unterstützen. Welche Aufgaben die Maschinen dort übernehmen sollen und dürfen, ist jedoch unklar. Jetzt hat sich der Deutsche Ethikrat dazu geäußert. Das Gremium hat die Innovationen grundsätzlich begrüßt, aber auch Grenzen aufgezeigt.

Pepper spricht 136 Sprachen. Er kann tanzen, turnen und singen. Und beim Memory spielen ärgert er sich, wenn er eine falsche Karte aufgedeckt hat. Pepper ist ein hochentwickelter Roboter, der in Krankenhäusern, Pflegestationen und Altenheimen das Pflegepersonal unterstützen soll, indem er Patienten und Bewohner beschäftigt, ermuntert und in Alltagssituationen hilft.

Noch ist der 1,20 Meter große Pepper in Deutschland eine Ausnahme. In Deutschland gibt es bisher nur einige Pilotprojekte, in denen Pepper und andere Pflege-Roboter zum Einsatz kommen. 2017 hat beispielsweise das Uni-Klinikum Schleswig-Holstein als erste Kinderklinik in Deutschland den kleinen Roboter Zora eingeführt. Seit gut drei Jahren besucht Emma, ebenfalls eine kleine Roboter-Dame, in Kiel regelmäßige Wohngruppen, in denen demenzkranke Menschen leben. Anfang des Jahres ist im Krankenhaus Weilheim-Schongau die Kuschelrobbe Paro eingezogen.

Roboter soll Demenzkranke aufmuntern

Der hochentwickelte Roboter mit dem flauschigen Fell soll vor allem Demenzkranke aufmuntern, Angstzustände reduzieren und bei den Kranken für eine bessere Schlafqualität sorgen. In Deutschland nutzen mittlerweile rund 40 Einrichtungen die therapeutische Robbe, die auf Berührung reagiert, Geräusche von sich gibt und bewegt. Aber das ist eben nur ein Bruchteil der Einrichtungen in Deutschland.

Roboter in der Pflege kommen - Aufgaben unklar

Künftig, da sind sich Fachleute hingegen sicher, werden Pepper und Co. vermehrt in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern zum Einsatz kommen. Welche Aufgaben sie dort genau übernehmen sollen, ist jedoch noch unklar. Sicher sind sich die KI-Experten, Pflegeverbände und Politik nur in einem: Ein Fall wie vor einem Jahr im kalifornischen Fremont, bei dem Arzt sich über einen Telepräsenz-Roboter an das Bett eines Patienten zuschalten ließ, um ihm dort die Nachricht seines nahen Todes zu überbringen, soll in Deutschland nicht möglich sein.

Pepper reagiert auf Berührung

Heutige Pflegeroboter, selbst wenn es sich vielerorts noch um Prototypen handelt, sind bereits weit entwickelt. Sie können per Gesichtserkennung ihr Gegenüber analysieren und sie reagieren auf Berührung. Streicheln die Patienten Pepper über den Kopf, kichert er wie ein kleines Kind. Aber dürfen und sollen Pflegeroboter überhaupt so menschlich sein? Ist das nicht der erste Schritt, der letztendlich dazu führt, dass Patienten künftig nicht mehr mit Menschen, sondern mit Maschinen interagieren müssen.

Ein anderes Szenario, das eine weitere Frage aufwirft: Man stelle sich nur einmal vor, dass Arztbesuche bei Senioren, die noch zu Hause wohnen, nur mehr digital oder über Telepräsenzsysteme abgewickelt werden. Werden dadurch die Menschen nicht noch weiter sozial isoliert?

Gewohnheiten kennen lernen

Roboter wie Pepper lernen dazu, sie lernen die Gewohnheiten der Patienten oder Altenheim-Bewohner kennen und können deshalb erkennen, wenn ihr Verhaltens- oder Bewegungsmuster vom Alltag abweicht. Das kann hilfreich sein, etwa wenn ein Bewohner stürzt. Dann könnte der Roboter das Pflegepersonal informieren. Aber was passiert mit den Daten, die die Roboter sammeln, um dazuzulernen. Auch diese Frage ist nicht geklärt.

Deutscher Ethikrat sieht Roboter in der Pflege grundsätzlich positiv

In einer Stellungnahme im März hat sich der Deutsche Ethikrat nun dieser Fragen angenommen. Grundsätzlich spricht sich das Gremium für den Einsatz von Robotern und KI in der Pflege aus. Roboter könnten in der Pflege einen "wertvollen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität pflegebedürftiger Menschen und der Arbeitsqualität im Pflegebereich leisten", heißt es in dem Beitrag.

Allerdings setzt der Ethikrat hier auch klare Grenzen. Die Roboter dürften zwischenmenschliche Beziehungen keinesfalls ersetzen oder gegen den Willen der Pflegebedürftigen eingesetzt werden. "Soziale und emotionale Bedürfnisse" dürften nicht "überwiegend im Umgang mit Begleitrobotern" gestillt werden, die Gefühle lediglich simulierten, heißt es in der Stellungnahme.

Japan: Roboter, die anpacken

In Japan gibt es bereits Roboter, die Patienten aus dem Bett heben. Für das Pflegepersonal bedeutet dies in jedem Fall eine körperliche Entlastung. Dennoch braucht es einen Pfleger, der die Maschine steuert, denn nur er erkennt, ob der Patient Schmerzen hat und unruhig ist. Andererseits wünschen sich etwa gelähmte Patienten durchaus eine Maschine, die ihnen beim Aufstehen aus dem Bett behilflich ist, um ein Stück Selbstbestimmung zurückzugewinnen. Vor diesem Hintergrund hat der Ethikrat betont, dass die Roboter nur dann eingesetzt werden dürfen, wenn der Pflegebedürftige zustimmt.

Roboter sollen keine Personalengpässe in der Pflege ausgleichen

Das Gremium warnt zudem davor, dass Roboter nicht dazu dienen dürfen, Personalengpässe in der Pflege auszugleichen. "Bezüglich des Gesundheitssystems gibt es die Sorge, dass die hohen Kosten für die Einführung von robotischen Assistenzsystemen zu Mittelkürzungen im Personalwesen oder anderen wichtigen Pflegebereichen führen könnten", erklärt das Gremium. Auch mit Blick auf die Finanzierung dürfte die Anschaffung der sogenannten Robotik nicht die Kürzung von Geldern in anderen Bereichen der Pflege führen.

In 10 Jahren fehlt eine halbe Millionen Pflege-Fachkräfte

2030, rechnet das Zukunftsinstitut in Frankfurt am Main vor, werden 500.000 Fachkräfte in der Pflege fehlen. Gleichzeitig wird die Anzahl von pflegebedürftigen Menschen auf 3,4 Millionen steigen. "Was heute noch wie Zukunftsmusik klingt, wird dann Realität sein: der Einsatz von Robotern in der Altenpflege", erklärt das Institut.

Die Deutschen stehen dieser Zukunftsvision eher skeptisch gegenüber. Allerdings scheint sich hier langsam ein Wandel zu vollziehen. 2018 erklärten in einer Umfrage nur 28 Prozent der Bundesbürger, dass sie sich Roboter in der Pflege vorstellen könnten. Ein Jahr später gaben bei einer Umfrage der Caritas 50 Prozent der Befragten an, Roboter in der Pflege positiv gegenüber zu stehen. Auch wenn in anderen Studien diese Werte differieren, eine Tendenz zu höheren Akzeptanz scheint sich abzuzeichnen.

Lesen Sie auch
Pflege daheim: "Um jede Windel kämpfen"

beatrice.ossberger.autoren wize.life

6 Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Sind Roboter billiger als Pflegekräfte ? Die alten Menschen werden dann 3 mal an der Pflegestation vorbeigefahren, wo man sie reinigt mit einen Wasserstrahl und Bürste wie eine Autowaschanlage. Die Fertignahrung gemischt mit Medikamenten wird verabreicht. Anschließend gehts durch den Park mit Belustigungsstops bis zum nächste Pflegezyklus usw. Die Würde des Menschen ist hoch belastbar. Da wähle viele den Freitod auf Rezept.
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Roboter in der Pflege. Wenn ich das lese könnte ich kotzen. Hier geht es nicht darum das Pflegepersonal zu unterstützen oder zu entlasten. Hier geht es einfach darum: " Damit die " Träger " noch mehr Geld auf ihren Konten haben, soll noch mehr Pflegepersonal eingespart werden. Denn Krankenhäuser - Alten u. Pflegeheime sind die besten Einnahmequellen." Die Menschen werden irgendwann nur noch von Maschienen behandelt oder gepflegt. Gotseidank werde ich das nicht mehr erleben.
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Das Positve an Corona wird sein,daß die Menschlichkeit wieder in den Vordergrund rückt. Ich als AP glaube,daß der Roboter in der Pflege keine Chance hat! Im Demenzbereich sicher schon.
Es wäre schön wenn Sie Recht hätten. Ich glaube daran nicht. Denn i Deutschland zählt nur " Geld ". Der Mensch zählt doch nichts mehr.
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Wie kommt der Ethikrat dazu Forderungen zu stellen, zu einem Zeitpunkt, da alles noch auf dem Reißbrett existiert? Dieser Ethikrat ist ja noch nicht einmal aktiv eingeschritten, zu Zeiten, da die Situation von Bewohnern in Altersheimen, egal wie sie sich offiziel titulieren. Zum Beispiel, wie konnte er zulassen, dass bei offiziellen Kontrollbesuchen die zu 85 Prozent - Schwerpunkt auf die schriftlichen Vorschriften gelegt wurden, und der Rest ähnlicher lari fari. Warum hat dieser sogenannte Ethikrat nicht mit den gewählten Bewohnervertretungen intensiv zusammen gearbeitet? Warum hat er nicht Beschwerden ernst genommen? Also möge dieser Pappkamerad sich mal bitte ganz zurück halten, und sich um seiner selbst willen. Damit er in Erinnerung des Volkes bleibt, jedenfalls als was auch immer, hat er oder sie, eben die Glieder dieses Rates, den Begriff ETHIK mit ganz anderen Belegen und Inhalten zu füllen.
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Roboter in der Pflege, mag ja eine Erleichterung sein in manchen Dingen, kann aber den Menschen nicht ersetzen! Es fängt schon bei Gesprächen an , geht über eine liebe Geste, Streicheln usw. Ich finde für Betriebe ist er eine feine Sache.
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.