Coronavirus: Diese 3 Dinge machen Hoffnung

So leer war es am Samstag auf dem Münchner Hauptbahnhof, wo sich an normalen ...
So leer war es am Samstag auf dem Münchner Hauptbahnhof, wo sich an normalen Wochenenden die Menschen drängen. Doch die meisten haben erkannt, wie ernst die Lage ist - und wie wichtig es ist, zuhause zu bleibenFoto-Quelle: wize.life
Bettina Ullrich
Aktualisiert:

Die Lage ist ernst, daran gibt es nichts schönzureden. Die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus sind katastrophal. Doch so traurig und bedrückend derzeit die Lage ist - es gibt auch ein paar Dinge, die Anlass zu Hoffnung geben.

Soviel ist vorige Woche passiert, dass sich die vergangenen sieben Tage angefühlt haben wie ein ganzes Jahr.

Wir haben ein seltsames Wochenende hinter uns, an dem wir zu kollektivem Stubenarrest verdonnert worden sind.

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Und das aus gutem Grund, es führt kein Weg daran vorbei, dass wir zuhause bleiben. Unsere sozialen Kontakte auf das Allernötigste beschränken, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen.

Jetzt also eine neue Woche.

Auch in der wird sich wieder so gut wie alles um das Coronavirus drehen. Weltweit und in Deutschland, wo wir uns nach Einschätzung von Virologen und Ärzten darauf einstellen müssen, dass in nächster Zeit die Zahl der Infizierten und Schwerkranken sehr stark ansteigen wird.

Es gibt nichts schönzureden

Das sind alles andere als gute Nachrichten. Daran gibt es nichts schönzureden, bei bestem Willen nicht. Dafür sind die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen von Corona zu desaströs.

Doch so traurig und bedrückend die aktuelle Lage ist - es flackern auch ein paar Hoffnungsschimmer auf.

1. Zusammenhalt


Bei der Ausbreitung des Coronavirus haben wir es mit einer Pandemie zu tun. Menschen in aller Welt sind betroffen und kämpfen dagegen an.

Längst gibt es auch Infizierte auf den Bahamas, in Nepal und im Vatikan. Das Virus hat sich inzwischen an die Lungenzellen von Patienten in 182 Ländern angedockt.

Sars-CoV-2 ist überall und allgegenwärtig.

Das macht die aktuelle Lage so tückisch und so tragisch. Wäre die Corona-Krise lokal begrenzt, würden andere Länder dort helfen, wo das Gesundheitssystem am Anschlag ist, wie jetzt gerade in Italien.

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Wir könnten Spezialisten in die Lombardei schicken, Patienten von dort womöglich nach München, Wien oder Innsbruck fliegen. So aber sind alle damit beschäftigt, sich inmitten knapper Ressourcen auf das vorzubereiten, was noch kommt.

Doch wenn es etwas gibt, das inmitten all dem Schlimmen gut ist, eine Kleinigkeit nur, dann dies: Das Gefühl, dass wir alle in dieser Krise stecken. Dass wir gemeinsam da auch wieder raus kommen.

Dass Menschen überall Menschen sind. Verletzlich und manchmal etwas bekloppt, hier wie dort.

Toilettenpapier hamstern ist typisch Deutsch? Von wegen

Wie bei der Sache mit dem Klopapier. Es heißt ja oft, die Hamsterei der Toiletten-Meterware sei typisch deutsch.

Stimmt gar nicht. Auch in den USA etwa ist das längst zu einer Art Running Gag geworden inmitten der Corona-Panik. Auch dort laden sich die Menschen die Einkaufswägen mit den Großgebinden voll.

Singen für Italien

Das Gefühl der Zusammengehörigkeit äußert sich aber auch in berührenden Initiativen: Nachdem vor zwei Wochen so gut wie ganz Italien unter Quarantäne gestellt wurde, haben sich die Italiener gegenseitig Mut zugesprochen. Indem sie allabendlich miteinander gesungen haben, von ihren Balkonen aus.

Das brachte die Bewohner einer Reihenhaussiedlung im bayerischen Bamberg auf die Idee, aus Solidarität mit den Italienern das alte Partisanenlied "Bella Ciao" zu singen.

Der Auftritt, an dem sich Kinder, Eltern und Großeltern beteiligt haben, ging inzwischen um die Welt, das Video auf YouTube haben sich schon fast 700.000 Menschen angesehen.

Zur Wahrheit gehört aber auch: In Bergamo, der Stadt in Italien, in der die Ärzte verzweifelt versuchen, die Flut an Erkrankten adäquat zu versorgen und wo so viele Menschen an Covid-19 gestorben sind, singen sie nicht mehr von den Balkonen. Die Situation ist einfach zu traurig.

Standing Ovations für Ärzte und Pflegekräfte

In Madrid, einem weiteren Corona-Krisenherd, klatschen die in ihre Wohnungen verbannten Bewohner abends lautstark von ihren Balkonen: Standing Ovations für Ärzte und Pflegekräfte, ein Dankeschön für deren unermüdlichen Einsatz.

In Hamburg und anderen Städten tun sie es ihnen nach - so wie am vergangenen Freitagabend, Punkt 21 Uhr.

Und als sich das erste #Wirbleibenzuhause-Wochenende dem Ende zuneigte, am Sonntagabend um 18 Uhr, schmetterten Menschen in ganz Deutschland Beethovens "Freude schöner Götterfunken" - aus den Wohnungen nach draußen.

"Alle Menschen werden Brüder", heißt es darin.

Altehrwürdige Ausdrücke und Konzepte wie Brüderlichkeit (Frauen selbstredend eingeschlossen) und Solidarität werden mit neuer Bedeutung gefüllt.

Plötzlich wird Unvorstellbares möglich

Da wird plötzlich bislang Unvorstellbares möglich.

Im notorisch teuren München etwa gibt es Wohnungseigentümer, die jetzt E-Mails an ihre Mieter schreiben und anbieten: "Sollte es für den einen oder anderen schwierig werden, die Miete pünktlich oder vollständig zu bezahlen, einfach Bescheid sagen, wir finden eine Lösung."

In vielen Mehrfamilienhäusern hängen neuerdings Zettel im Treppenhaus, auf denen Jüngere den Älteren im Haus anbieten, für sie einkaufen zu gehen.

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Wie nachhaltig diese Fürsorge und Anteilnahme ist, wird sich zeigen.

Zusammen gegen die Angst

Im Moment auf jeden Fall haben viele das Gefühl, dass ihnen das gut tut. In einer Zeit, in der jeder mit seiner Angst alleine zuhause sitzt.

"Gegen Angst", sagte der Angstforscher Manfred Beutel der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS), "gibt es kaum ein stärkeres Mittel als Zusammenhalt".

2. Austausch


Apropos alleine zuhause sitzen. Das vergangene Wochenende, an dem das öffentliche Leben in Deutschland weitgehend lahmgelegt war, war sehr ruhig.

Doch ein Geräusch durchbrach immer wieder die Stille. Das Pling-Pling all der Nachrichten, die auf dem Handy eintrudelten.

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Haufenweise per WhatsApp verschickte Corona-Videos, per Facebook geteilte Memes und Spruchbilder. Manche nachdenklich, die meisten (mal mehr, mal weniger) witzig und geistreich.

Bei mir zumindest war das so, aber ich schätze bei ziemlich vielen anderen auch. Denn das ganze Zeug muss ja von irgendwem unter die Leute gebracht worden sein.

Natürlich kann das auch nerven. Aber einige Male musste ich ziemlich lachen.

Darf man darüber lachen?

Eine Auswahl meiner Lieblings-Sprüche:

"Bleib zuhause - wenn Du nicht von einem Psychiater intubiert werden willst."

"Nicht alles ist abgesagt! Der Frühling nicht. Die Sonne nicht. Die Liebe nicht. Telefonieren nicht. Freundlichkeit nicht. Und Hoffnung auch nicht."


"Das Schlimmste kommt erst noch - die Zeugen Jehovas wissen jetzt, dass ihr alle zuhause seid."

Nun stellt sich natürlich die Frage: Darf man angesichts eines tödlichen Virus lachen?
Vielleicht muss man es - bei allem gebotenen Respekt - sogar manchmal, um nicht kirre zu werden.

Austausch mit anderen ist wichtig. Denn die seelische Belastung ist dieser Tage für jeden groß.

Kommunikation per WhatsApp und Skype

"Wir brauchen die Zuneigung anderer, um als soziale Wesen tatsächlich in unsicheren Zeiten existieren zu können und um Abwechslung und Spaß zu haben", so zitiert die FAS den Marburger Sozialpsychologie-Professor Ulrich Wagner.

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So gesehen: Wie gut, dass wir WhatsApp, Facebook, Skype haben. Und: Telefon-Flatrates.

Theoretisch könnten wir eine Standleitung zu der 400 Kilometer entfernt lebenden Oma aufbauen und den ganzen Tag für lau mit ihr telefonieren. Noch in den 90er Jahren hätte das ein Vermögen gekostet.

Macht natürlich keiner. Aber viele erkundigen sich doch häufiger nach dem Wohlergehen der Verwandtschaft und Freunde als sonst.

3. Vernunft


Die Mehrheit der Menschen in Deutschland hat offenbar den Ernst der Lage, den Experten seit Wochen warnen, erkannt. Und wie wichtig es ist, zuhause zu bleiben.

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Das war am Wochenende deutlich in den Innenstädten zu sehen, die ziemlich leergefegt waren.

Noch am Samstag vor einer Woche dagegen hatten Menschen in Massen die Sonne genossen, dicht gedrängt auf dem Münchner Viktualienmarkt etwa. Und damit für viel Empörung gesorgt - schließlich verbreitet sich das Virus von Mensch zu Mensch und hat auf diese Weise leichtes Spiel.

Das ist besser geworden, auch wenn die Polizei noch immer vereinzelt bei Corona-Partys eingreifen muss.

"Die Risikowahrnehmung ist deutlich gestiegen", lobte am Montagmorgen auch Lothar Wieler, Chef des Robert-Koch-Instituts (RKI).

Um allerdings sogleich all jene in die Pflicht zu nehmen, die das noch immer nicht wahrhaben wollen. "Abstand halten", sagte der Professor, "ist das Gebot der Stunde!"

Aber auch: Aufeinander acht geben. Es irgendwie hinbekommen, nicht die Hoffnung zu verlieren.

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bettina.ullrich.autoren wize.life

7 Kommentare

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Kann ich eh nicht verstehen, dass so viele noch in den Urlaub gereist sind obwohl schon klar war was los ist. Und dann auf Staatskosten zurückkommen. Nein, das geht gar nicht. Das soll jeder selbst zahlen
Das Geld sollte an das Pflegepersonal und andere Bedürftige gehen. Was meint ihr?
richtig, der Meinung bin ich auch !
Da stimme ich euch zu
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Mein Flug von Bangkok nach Stuttgart wäre morgen und ist ausgefallen. Wäre kein Problem, bleibt man halt länger in Thailand, wäre da nicht die Bürokratie mit den Visa, wo ein Tag Überziehung 15 Euro kostet. Wenn alles ausfällt, auf eins kann man sich verlassen, die Bürokratie fällt nie aus und schlägt erbarmungslos zu!
Sonnst wäre das Leben ja ein Spaß, das Corona Virus ist da nur ganz ein Nebensächliches Problem. Thailand hatte schon im Januar ein paar Infizierte und aus 30 sind jetzt nach 3 Monaten 700 geworden, einer ist gestorben = ein Tourist aus China zum sterben nach Thailand gekommen.
Distanz ist Verantwortung
Es muss doch für jeden selbstverständlich sein die Verbote einzuhalten. Jeder muss Verantwortung übernehmen so gut er kann
In Berlin hab ich seit zwei Wochen schon erheblich weniger Menschen in Bus und Bahn auf den Weg zur Arbeit gesehen
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