Nicht immer muss der Hausarzt zum Patienten nach Hause kommen

Hausbesuch vom Arzt: Das sind Ihre Rechte

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Von News Team

Patienten schleppen sich immer wieder mit schwerer Krankheit zum Arzt. Dabei gibt es unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit eines Hausbesuches. Auch wenn der behandelnde Arzt abwehrend reagiert.

Haben Patienten Schwierigkeiten, bei Bedarf vom Arzt einen Hausbesuch zu erhalten, sollten sie nach Expertenmeinung hartnäckig bleiben. „Manche Patienten finden sich damit ab, dass sie keinen Hausbesuch bekommen, obwohl sie das nicht müssten", sagt Peter Friemelt der „Apotheken Umschau“. Er ist Geschäftsführer der Patientenberatung „Gesundheitsladen München“.

Behandlungsvertrag ist Voraussetzung

Um einen Hausbesuch zu bekommen, muss grundsätzlich lediglich ein sogenannter Behandlungsvertrag zwischen Patient und Arzt bestehen. „Sobald man schon einmal in der Praxis war und die Versichertenkarte dort eingelesen wurde, gilt dieser Vertrag als geschlossen - das ist alles“, erläutert Friemelt.

Bedingungen für einen Arztbesuch

Diese Vereinbarung beinhaltet für den Arzt - egal ob Haus- oder Facharzt - die Verpflichtung, den Patienten bei Bedarf auch zu Hause zu behandeln, wenn dieser aus gesundheitlichen Gründen nicht selbst in die Praxis kommen kann und der Weg nicht zumutbar ist.

Dann ist ein Hausbesuch medizinisch gerechtfertigt:

  • Sie sind /Ihr Kind ist bettlägerig
  • Sie/Ihr Kind ist in der Mobilität stark eingeschränkt, etwa weil Sie pflegebedürftig sind
  • Sie sind schwer krank (haben zum Beispiel eine chronische Lungenerkrankung und sind auf Sauerstoff angewiesen)
  • Ihr Kind hat eine hoch ansteckende Krankheit

Dann kann ein Hausarzt den Besuch ablehnen:

  • Die Entfernung ist zu weit: Die meisten Ärzte beschränken sich auf einen bestimmten Umkreis, ggf. sollten Sie einen nah gelegenen Arzt wählen
  • Sie wurden bereits von einem Bereitschaftsarzt behandelt
  • Es handelt sich um Routine-Aufgaben wie Blutabnahme: Die darf der Arzt delegieren
  • ABER: Ein volles Wartezimmer ist kein Ablehnungsgrund. Der Arzt darf aber einen ihm passenden Termin wählen

Diese Rechte sollten Sie kennen


Wenn der Arzt sich weigert

Bleibt der Arzt bei seiner Absage, können sich Patienten an ihre Versicherung oder an die Kassenärztliche Vereinigung wenden. Zwar zwingen Beschwerden keinen Arzt zu einem Besuch. Doch: „Nur wenn sich viele Betroffene engagieren, entsteht ein Problembewusstsein und vielleicht eine Besserung der Situation“, so Friemelt.

Wenn die Arztpraxis geschlossen hat

Benötigen Sie außerhalb der gängigen Praxiszeiten Hilfe, dann wählen Sie die Nummer 116117, um einen Bereitschaftsarzt zu bekommen.

Wichtig: Kommt der Arzt zum Hausbesuch, fällt auch Geld für die Anfahrt an. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen alle Kosten.

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