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Bakteriophagen können jeden Keim zerstören.

Immer mehr Keime resistent gegen Antibiotika - Phagen-Therapie kann helfen

News Team
Von News Team

In Europa sterben laut EU-Seuchenbehörde jährlich 33.000 Menschen an multiresistenten Keimen wie Pseudomonas aeruginosa oder Staphylococcus aureus, in Deutschland gibt es durchschnittlich 2400 Todesfälle. Grund: Immer mehr Bakterien sind resistent gegen Antibiotika, wobei die Bakterien ihre Resistenz an andere Keime weitergeben können.

Laut "Focus Online" existiert jedoch schon länger eine alternative Methode, um den multiresistenten Keimen Herr zu werden: Die Phagen-Therapie aus Osteuropa.

In der früheren Sowjetunion wurde sie bereits im Kalten Krieg angewandt, weil Antibiotika knapp waren. Damals wurde im Eliava-Institut in Georgien eine Therapie entwickelt und das gesamte Land mit Medikamenten beliefert.

So funktioniert die Phagen-Therapie


Dabei werden Phagen (griech. Phagein = fressen) als Bakterienfresser genutzt, die die Keime zerstören. Christine Rohde, Kuratorin der Arbeitsgruppe Bakteriophagen am Leibniz-Institut DSMZ GmbH in Braunschweig, sagt:

Bakteriophagen aus der Natur sind das Regulativ der bakteriellen Masse auf der Erde, in allen Habitaten.

Das bedeutet: Phagen befinden sich überall, auf unserem Körper, im Wasser, in der Luft und auf der Erde. Wo auch immer Bakterien vorkommen, gibt es auch Phagen. Für die medizinischen Therapie kommen nur virulente oder lytisch auflösende Bakteriophagen in Frage. Experten gehen davon aus, dass jeder Keim durch Phagen zerstört werden kann. Rohde:

Fast überall dort, wo Bakterien unerwünscht sind, können passende Phagen zielgerichtet helfen. Lytische Bakteriophagen töten ihre passenden Bakterien durch Auflösen bzw. Platzen des Bakteriums.

Im Video|Forscher schlagen Alarm: Super-Bakterium breitet sich weltweit rasend aus


Nebenwirkungen für den Menschen soll es keine geben.

Phagen haben keine toxischen oder andere bekannte Nebenwirkungen, belasten weder Leber noch Nieren, greifen nicht den Magen an, beeinflussen nicht unser Mikrobiom, abgesehen von dem zu bekämpfenden Bakterium

, so die Wissenschaftlerin weiter.

Phagen müssen genau bestimmt werden


Hinzu kommt: Selbst wenn Bakterien gegen bestimmte Phagen resistent werden, gibt es ein immer wieder neue Phagen aus der Natur, die zur Bakterienbekämpfung genutzt werden können.

Eine Schwierigkeit besteht allerdings darin, dass man für den jeweiligen Keim, die passenden Phagen erst finden muss. Das kostet Zeit, die Ärzte häufig nicht haben. Rohde glaubt daher nicht, dass Phagen Antibiotika komplett verdrängen können.

Es wäre völlig unrealistisch, denn gerade, wenn rasche Hilfe nötig ist, wie etwa bei einer bakteriell bedingten Lungen- oder Blasenentzündung, verschreibt der Arzt ein Antibiotikum.
Für die Phagentherapie müsste jedoch erst genau der Keim auf der bakteriellen Artebene festgestellt, entsprechende Phagen gesucht und womöglich aus einer Phagenbank aufbereitet werden – dazu fehlt (noch) die Infrastruktur.

Therapie zunächst für Schwerstkranke


Die Phagentherapie könnte daher zunächst nur bei Schwerstkranken Anwendung finden, bei denen keine Antiobiotika mehr anschlagen bspw. Patienten mit Blutvergiftung, schweren Wundinfektionen oder fortgeschrittenem diabetischem Ulcus. Rohde sagt:

Wir müssen für jeden einzelnen Phagen alle seine auf dem Genom codierten Fähigkeiten kennen und bioinformatisch beurteilen können.

Heute sei das besser möglich als noch vor zehn Jahren. Am Leibniz-Institut in Braunschweig gibt es die größten Phagenbank Deutschlands. Bereits seit 2017 läuft eine Studie, in der Phagen für Therapiezwecke getestet werden. Denn bislang sind die Bakterienfresser in Deutschland und der EU nicht als Arzneimittel zugelassen.

Die Studie "Phage4Cure" läuft noch bis 2020, wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Danach soll es noch einige Zeit dauern bis eine Therapie nach westlichen Standards auch in der EU verfügbar sein wird.

Und so läuft die Studie ab:

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  • 1. Phagen suchen, biologisch charaktierisieren und für die weiteren Projektanteile auswählen. (Leibniz-Institut)
  • 2. Ausgewählte Phagen werden gereinigt und als Arzneimittel aufbereitet sowie auf Toxizität und alle nötigen behördlichen Vorgaben geprüft (Fraunhofer-Institutfür Toxikologie und Experimentelle Medizin, ITEM)
  • 3. Präklinische Teil der Studie: Gesunde Probanden erhalten die Phagen erhalten, um die Sicherheit zu bestätigen.
  • 4. Klinische Verabreichung: Patienten werden therapiert. (Phase 3 und 4: Charité Research Organisation und Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie an der Charité)
  • [/list]

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    2 Kommentare

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    Was nun ? Die Rentenversicherer beklagen unhörbar leise , die Alten , diese reinen Kostenfaktoren würden viel zu lange leben , die Pharmaindustrie möchte uns wegen Umsatzsteigerung gerne noch viel länger am Leben erhalten . Niemand sagt uns , was wir nun wirklich machen sollen . Länger leben oder doch eher sterben ?
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    tja, was für ein wiedermal megaangstmachender Artikel. Zu den genannten Zahlen: 2.400 Todesfälle durch megaresistente Keime- ich vermute mal "pro Jahr" ...... Bei ca 3.000 insgesamt "ganz normal ablebenden" Menschen PRO TAG (in Deutschland!!) eine doch ziemlich relativierende Statistik. "Phagen" tja..... unter wissenden Biologen, Medizinern und sonstwie Aufgeklärten was ganz normales = NATÜRLICHES!! Unsere (die Menschheit) immer perfektioniertere Abkehr von der Natur geht zwangsläufig einher mit der Verbannung eben dieser "Phagen" aus unserem tagtäglichen Leben. Warum wohl überlegen wirklich über die Zusammenhänge in der Natur wissende Heilkundler jeglicher Couleur und Qualifikation, die völlig denaturierten Townkids schlicht und einfach mit "Bauernhofserum" zu impfen (ha. ggf. auch ohne Piksen oder Schlucken).....'??!?!? Zurück zur Natur !!! --- wäre doch was ...... !! Ob mit hochqualifizierter Wissenschaft, oder ganz einfach mit dem Wissen von Oma und Opa - am besten wenn diese draußen auf und mit dem Land aufgewachsen sind - egal. Hauptsache DASS!! --- SONST wird´s wohl echt schwierig mit dem auch nur halbwechs genussvoll gesundem Leben unserer Kids/ Nachkommen. LG - Euer Léon
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