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DIE PREUSSEN IM WESTEN

DIE PREUSSEN IM WESTEN

Von wize.life-Nutzer - Dienstag, 22.12.2015 - 02:50 Uhr

Ausstellung im Museum LA8 in Baden-Baden

Walter Bussmann hätte sich gefreut. Ab dem 19. September zeigt das Museum LA 8 in Baden-Baden eine Ausstellung zum kulturellen Einfluss der Preußen im deutschen Westen. Der Historiker, der im vergangenen Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte, zählt zu einem profunden Kenner der Preußischen Geschichte. An der Karlsruher Universität Fridericiana lehrte er nach Stationen in Berlin und München bis 1983 Neuere und Neueste Geschichte. Nach seiner Emeritierung entstand in seinem Altersrefugium Bad Herrenalb sein bedeutendster Beitrag zur preußisch-deutschen Geschichte. Walter Bussmann beschrieb „das andere Preußen“ (Günter Grünthal) und beschäftigte sich in seinem wissenschaftlich fundierten Werk nicht nur mit der Persönlichkeit des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm IV. sondern auch mit dessen Umgang rund um Kunst und Kultur. Für Irene Haberland, Kuratorin der Ausstellung, zählt die 1990 erschienene Biografie „Zwischen Preußen und Deutschland: Friedrich Wilhelm IV.“ zu einer wichtigen Quelle, die eine große Lücke in der Wissenschaft geschlossen hat.

Der als „Romantiker auf dem Thron“ bezeichnete Monarch, manifestierte die dynastische Legitimation der Hohenzollern im Süden durch geschmackvoll inszenierte Bauwerke. Er ließ nicht nur Ruinen wie das Stammschloss der Hohenzollern in Hechingen restaurieren, sondern machte „Politik mittels Ästhetik“ (Haberland). Mittels handfester Strukturprogramme wurde der Kölner Dom vollendet und Schloss Stolzenfels aus den Ruinen einer Burg des 13. Jahrhunderts zu einem preußischen Refugium vor den Toren von Koblenz am Rhein ausgebaut. In der politisierten Romantik der Hohenzollern zielte „Sehnsucht nicht auf melancholische Naturbetrachtung, sondern auf dynastische Legitimation und territoriale Beherrschung“, so Haberland.

Für die bislang erste Präsentation dieser Gedanken ist die Ausstellung in Baden-Baden in zwei Bereiche gegliedert. Das Erdgeschoß ist der Frühromantik gewidmet und zeigt Möbel und Einrichtungsgegenstände aus Schloss Stolzenfels, das 1842 von Friedrich Wilhelm IV. als Sommerresidenz im Rheintal eingeweiht wurde. Palisanderholz, Emaille und Intarsienarbeiten zeugen von der Kunst der Tischlereien, die zur Bauphase des Schlosses eine hohe Konjunktur verzeichnen konnten und heute den Besuchern das preußisch-königliche Wohngefühl zugänglich machen.

Das Obergeschoss ist dem Historismus gewidmet. Unzählige Burgen bezeugen entlang des Rheins eine Geschichte aus fernen Zeiten. Das 19. Jahrhundert glorifizierte das Mittelalter, das „durch die voranschreitende Industrialisierung zu verschwinden drohte“, so Barbara Wagner. Für die Historikerin zählen auch die in der Trinkhalle von Baden-Baden gestalteten Ritter und Helden in Bildern und Sagen zur Romantisierung der Vergangenheit. Gerne flanierten in der offenen Wandelhalle auch der spätere Deutsche Kaiser Wilhelm I. und seine Gemahlin Augusta. Preußen und Baden waren im 19. Jahrhundert verknüpft durch ein dynastisches Verhältnis. Vierzig Jahre besuchte das preußische Herrscherpaar Baden-Baden und damit ihre einzige Tochter, die 1856 als Prinzessin Luise von Preußen im Berliner Stadtschloss den badischen Großherzog Friedrich I. geheiratet hatte. Das hohe Paar residierte in unmittelbarer Umgebung zum Kurhaus Baden-Baden und eine historische Serie von Fotografien dokumentiert in der Ausstellung die Unterbringung im Hotel Maison Messmer (heute Dorint Hotel).

Damit wurde die Kurstadt im 19. Jahrhundert nicht nur zur Sommerhauptstadt Europas sondern auch zum Zentrum der internationalen Spitzendiplomatie. Hier residierten Kaiser und Könige. Bis heute sind architektonische Denkmäler touristische Attraktionen. Die bewegte Geschichte reicht vom Attentat 1861 auf den Sommergast und späteren Deutschen Kaiser Wilhelm I. in der Lichtentaler Allee in Baden-Baden bis zum Denkmal für seine Gemahlin Augusta, aufgestellt 1892 nicht weit vom Attentatsort. Für Prof. Dr. Matthias Winzen zählt damit „ganz Baden-Baden zur Ausstellungsfläche“ und empfiehlt einen im Museum ausliegenden Geländeplan der zum Spaziergang an historische Standorte in der Stadt einlädt. Der Direktor des Museums betont den Gestaltungsanspruch der Präsentation, der Kunst, Technik und Geschichte umfasst und den preußischen Stil bis heute erleben lässt. Bis 28. Februar 2016 ist die Ausstellung „Die Preußen im Westen“ an der Lichtentaler Allee 8 im Museum LA8 in Baden-Baden zu sehen.

Weitere Informationen: www.museum.la8.de

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