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Brief ans Christkind

Geheime Wünsche

Von wize.life-Nutzer - Montag, 04.01.2016 - 16:29 Uhr

Anmerkung: Zitate stammen alle aus einer Quelle und sind kursiv dargestellt.

Wie eventuell einige bereits gelesen haben, hatte ich in den vergangenen Weihnachtstagen einen Job als Weihnachtsmann. Jetzt sind erst ein paar Tage des Neuen Jahres ins Land gezogen und ich bin schon sehr überrascht, welch große Fan-Gemeinde so ein Weihnachtsmann doch hat. Täglich erreichen mich nun Korbweise Briefe, in denen mir bereits jetzt Wünsche für das kommende Weihnachtsfest mitgeteilt werden. Da ich weiß, wie neugierig einige SB-User sind, habe ich mir überlegt, Euch einige dieser Geheimnisse zu lüften.

Ich fange erst mal mit ein paar Beispielen an, die das Mitgefühl mit mir armen und geplagtem Weihnachtsmann ausdrücken. So schrieb mir der kleine Alexander aus Spanien:

Querido Papá Noel!
Dieses Jahr habe ich einen sehr wichtigen Wunsch: Könntest Du meine Zähne ein bisschen gerade rücken, damit ich keine Zahnspange mehr brauche?
Und denk dran, wir sind umgezogen. Die Leute, die unser Haus gekauft haben, haben keine Kinder. Da brauchst du also nicht vorbeizugehen.

Ist es nicht rührend, dass Alexander mir unnötige Wege ersparen will? Aber auch der liebe Brian aus England ist sehr besorgt um mein Wohlergehen. Er schreibt:

Dear Santa Claus!
In dem Zimmer, wo der Kamin ist, gibt es kein Licht. Du musst also aufpassen, wo du hintrittst! Ich stelle eine Flasche von Daddys Whisky in den Flur. Du kannst sie einfach mitnehmen, nachdem du die Geschenke gebracht hast.

Der kleine Andrew aus Neuseeland weist mich ganz dezent auf ein großes Problem hin und gibt mir auch direkt einen Lösungsvorschlag mit auf den Weg:

Dear Santa Claus.
Auf Bildern hast du immer einen ganz dicken Hintern. Wenn dein Hintern wirklich so dick ist, passt du bei uns nicht durch den Schornstein. Aber wenn du dich ausziehst und deinen Hintern mit Öl einschmierst, kannst du dich vielleicht durchquetschen. Ich habe allerdings keine Ahnung, wie du danach wieder hochkommst.

Ganz ähnlich liest sich der Brief von Kristina aus Norwegen, die da schreibt:

Kjaere Julenissen
Ich habe jede Menge Wünsche. Ich bereite mich gerade auf Weihnachten vor. Kommst du am Heiligabend? Ich möchte einen Handball, die neue CD von May Britt Andersen, einen neuen Schreibtisch, meine eigene Rutsche, ein Handballtrikot und einen Geldbeutel. Am Heiligabend sind wir nicht zu Hause. Du kannst kommen, aber wir sind dann in Urlaub bei Oma und Opa, wie letztes Jahr. Die Adresse kennst du sicher noch. Nimm die Tür! Nicht den Kamin, weil sie darin Feuer machen. Wir freuen uns auf dich!

Ich bin sichtlich gerührt, ob solch tiefgreifender Fürsorge. Nehme ich nun ab oder hoffe ich einfach darauf, dass der Ölpreis nicht wieder ansteigt und mein kleines Budget eventuell sprengt?

Eine ganz andere Art der Briefe, zeugt von der praktischen Denkweise der jungen Menschen. Als erstes Beispiel sei hier der Brief von Pawel aus Polen zu beachten. Er schreibt:

Drogi Swiety Mikolaju,
bitte schenke mir kein Buch zu Weihnachten, ich hab schon eins! Ich hätte lieber Skier, ein Fahrrad, einen Hund oder einen CD-Player.

Die süße Julia hat da ganz andere Wünsche, auch wenn diese nicht mit der Ansicht von Mama konform gehen. Sie schreibt:

Kära Tomten!
Ich bin's! Ich wünsche mir mehr Teddybären. Mama sagt, ich hätte schon hundert Stück, dabei sind es bloß vierzig.
Es drückt dich Julia, Schweden

Der kleine Sascha aus der Ukraine denkt da schon weiter und an seine berufliche Zukunft. Kurz und knapp ließ er mich wissen:

Priwet, Ded Moros!
Ich möchte ein richtig guter Polizist werden.

Der Brief von Joshua aus den USA brachte mich wirklich ein wenig zum schmunzeln. Aber lest selbst:

Dear Santa,
wenn das irgendwie zu machen ist, möchte ich gerne lernen, auf dem Wasser zu gehen. Dann kann ich nebenherlaufen, wenn Daddy mit dem alten Holzboot segelt und ich muss nicht immer das Wasser rausschöpfen.

Also liebe Segelväter, haltet Eure Boote besser in Schuss!
Leider erreichen mich aber auch immer wieder Briefe, die den herrschenden Zeitgeist widerspiegeln. Die Kinder wünschen sich bares oder zeigen sich auch sehr unbescheiden. Morita aus Japan wünscht sich norwegische Kronen zu Weihnachten. Ich gehe davon aus, dass sie auch weiß, wo sie diese in japanische Yen umtauschen kann. Violetta aus Italien erspart sich den Umweg über die Bank und schreibt:

Caro Babbo Natale,
ich möchte in meinem ganzen Leben keine Löcher in den Zähnen bekommen, damit ich zu Weihnachten so viel Süßes essen kann, wie ich will.
Ich drücke Dich ganz fest zu Weihnachten!

Immerhin liegt es ihr noch fern, dem Schlankheitswahn zu frönen.
Es sind aber nicht nur Kinder, die mir ihre Wünsche schicken. Auch Erwachsene wenden sich oft an mich. Tore Johannes schrieb mir folgendes:

Kjaere Julenissen!
Es tut mir aufrichtig leid, dass ich meinen Wunschzettel so spät schicke, und bedaure alle Unannehmlichkeiten, die das vielleicht mit sich bringt. Trotzdem möchte ich nachdrücklich betonen, dass ich dieses Jahr brav gewesen bin. Sehr viel braver als sonst, wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf. Für solche Angelegenheiten, in denen bezüglich meines guten Betragens Zweifel bestehen, weise ich darauf hin, dass entweder mildernde Umstände vorliegen oder ich zum Tatzeitpunkt nicht im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte war.
Wunschzettel: 1) Kjerstin, das schönste Mädchen der Welt, das ich mehr als alles andere auf Erden liebe. 2) ein Kamel/Dromedar (stilvolles Transportmittel, und man kann einen Freund mitnehmen). 3) eine kleine Atombombe als Fuß für einen modischen Glastisch (die Atombombe kann ruhig ohne Sprengstoff und Plutonium geliefert werden, falls das die Beschaffung erleichtert, allerdings bin ich mir sicher, dass der Weihnachtsmann über ziemlich gute Kontakte verfügt … 4) ein Haus auf dem Mond. 5) das Recht, als Monarch und Diktator auf Lebenszeit über Andorra und den Äquator zu herrschen.

Alles in allem eben doch sehr bescheidene Ansprüche, so wie sie einem Erwachsenen würdig sind.
Einen ganz anderen Wunschzettel habe ich im Schreiben von Julia aus der Ukraine entdeckt, der mir aber auch viel Freude machte:

Mily Ded Moros!
Ich heiße Julia Fedorowa, ich bin sechsundzwanzig Jahre alt und unterrichte Mathematik. Ich spreche Russisch, Ukrainisch und Englisch. Mein Englisch ist nicht besonders gut. Ich hatte zwar eine gute Lehrerin, aber ich habe nicht immer aufgepasst. Ich schreibe ihnen aus Kiew. Das ist die Hauptstadt der Ukraine. Vielleicht wissen sie nicht wo mein Land liegt? Also: Die Ukraine ist ein sehr großes Land. Von Westen nach Osten sind es 1316 Kilometer, und von Norden nach Süden sind es 893 Kilometer. Hier leben etwa 52 Millionen Menschen verschiedener Nationalitäten: Ukrainer, Russen, Juden, Moldawier, Polen, Ungarn, Tartaren usw. Weihnachten ist ein staatlicher Feiertag und wird in der ganzen Ukraine gefeiert. Und es ist eine alte Tradition bei uns, Neujahr zweimal zu feiern. Am 01. und am 14. Januar. Jetzt wissen sie, wo ich wohne. Ded Moros! Vor ein paar Tagen habe ich die Zeitung aufgeschlagen, ihre Adresse gesehen und wollte ihnen schreiben. Wieso? Weil jeder an Wunder glaubt. Als Kind habe ich am liebsten Bücher gelesen, die gut ausgingen, und ich habe mir immer nur schöne Dinge vorgestellt. Auch als ich älter wurde, habe ich nicht damit aufgehört. Ded Moros! Bitte, bitte, bitte schenken sie mir und allen die ich kenne, Gesundheit, Glück, Liebe und gegenseitiges Verständnis, Freude und Wohlstand. Ich möchte, dass meine Wünsche in Erfüllung gehen. Bitte, helfen sie mir, Ded Moros! Sie stehen für Glück und Festlichkeit, ich weiß, dass alles gut werden wird.
Ich sende ihnen all meine Liebe. Bitte schreiben sie mir!
Es ist schön zu lesen, dass es noch Menschen gibt, für die Wohlstand nicht an erster Stelle steht. Und ganz besonders schön ist es, wenn man solche Wünsche dann aus Kinderfeder lesen kann. Dort finden sich Wünsche, wie Geschenke für alle afrikanischen Kinder und Friede in der Welt. Das glaubt ihr nicht? Bitte! Espen aus Norwegen schrieb mir:

Hey, Julenissen!
Mein Wunschzettel zu Weihnachten:
1) Frieden auf Erden und, wenn möglich, auch an anderen Orten im Universum
2) Kein Hunger mehr auf der Welt und, wenn möglich, auch an anderen Orten im Universum
3) Dass alle Bösen nach Jokkmokk in Schweden gehen. Das ist schön weit weg von hier.
4) Dass die Leute nett zueinander sind.
5) Dass ich einen Million Kronen gewinne.

Mit dem schlimmsten Brief, der mich je erreichte, möchte ich nun zum letzten Geheimnis kommen, das ich Euch anvertraue. Dieser Brif ist einje Gemeinschaftsproduktion von Tor, Ole und Sjur aus Norwegen

Kjaere Julenissen!
Ist es kalt am Nordpol? Wir freuen uns schon total auf Weihnachten und hoffen, dass du auch zu uns kommst.
Tor wünscht sich was von Lego Robotic, einen ferngesteuerten Hubschrauber und neue Pornohefte.
Ole will irgend so einen teuren Lego-Bausatz, einen Billiardtisch und neue Pornohefte.
Sjur will ein lebenslanges Bierabonnement und einen Vogelhund mit Downsyndrom.
Wir wollen kein Zeug für die Wohnung, und Kuscheltiere sind bescheuert.
Isst du zu Weihnachten lieber Braten oder Pudding? Soll man die Lichter am Baum eigentlich nacht brennen lassen oder nicht?

Falls ihr nun auch Lust bekommen habt mir zu schreiben … hier die Anschrift:

Weihnachtsmann
1440 Drobak
Norway
Damit ich nicht völlig verarme, denkt bitte daran, dass die Deutsch Post nun 70 Cent für einen Brief verlangt

Alle Zitate (kursiv dargestellt) wurden dem Buch
„Lieber Weihnachtsmann, bitte rasier dich mal!“ von Birger Siversten entnommen
ISBN 987-3-548-37422-2

9 Kommentare

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Hallo Harry,
allerliebst, diese Geschichten!
Da erlebst Du ja allerhand als Weihnachtsmann!
Danke Inga, wenn ich nur etwas mehr Zeit hätte ...
Da geht es uns beiden gleich: viele Projekte und noch mehr Pläne, aber zu wenig Zeit.
Eben ist die Fotoausstellung in Seoul / Korea zu Ende gegangen, jetzt arbeite ich fieberhaft an der Fertigstellung für die nächste im März in Peking.
Ungarn und Rosenheim sind in Planung. Dazu Planung für Gemäldeausstellungen, die Tätigkeit beim Bildungswerk als Dozentin, hier die Schreibwerkstatt... irgendwie läuft mir die Zeit weg! Familie habe ich schließlich auch noch und im Moment stecke ich mitten im Umzug.
Und da gibt es doch tatsächlich Menschen, die sich langweilen und mit ihrer Zeit nichts anzufangen wissen!
Wie gut, dass Du und ich nicht zu dieser Sorte gehören
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Wie man hier lesen kann, wird das eine arbeitsreiche Zeit für dich als Weihnachtsmann. Kannst ja schon mal mit der Planung anfangen
Gutes Gelingen
Nee, neee, so nen Stressjob kommt mir nicht mehr in die Tüte
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Sehr schön
... und jetzt bekomm ich Leckerli???
Du willst Leckerli
Hast Du doch schon verteilt
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