Studieren nach dem Beruf - Warum viele Senioren so viel Spaß dabei haben

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Spaß an der Uni - viele Senioren wollen sich weiterbilden
Spaß an der Uni - viele Senioren wollen sich weiterbildenFoto-Quelle: Adobe Stock
News Team
Von News Team

Nichts müssen. Aber können, worauf man Lust hat. Immer mehr Rentner zieht es nach dem Berufsleben an die Uni. Nicht etwa, weil sie dort nach akademischen Titeln strebten, sondern um fürs Leben oder einfach nur für sich selbst etwas zu lernen. Welche Möglichkeiten es gibt, wie hoch die Kosten für Gasthörer und Senioren-Studenten sind, erfahren Sie hier.

Ein bis zwei Mal in der Woche packt Franz Wimmer aus der kleinen bayerischen Gemeinde Tacherting seine Unterlagen zusammen und macht sich auf den Weg zur Münchner Uni. Dort studiert der 66-Jährige seit einem Jahr Philosophie. Das Studium lehre in neue Denkweisen, sagt er. "Das ist so interessant und prickelnd." Dass er für die Anreise zwei Stunden braucht nimmt er dafür gerne in Kauf.

Und damit ist er nicht allein. Immer mehr Menschen reiferen Semesters zieht es in die Hörsäle und Seminarräume der Universitäten. Sie besuchen Vortragszyklen über forschungsethische Kontroversen in der empirischen Sozialforschung, über Galaxien mit extremer Rotverschiebung und darüber, wie unser Müll in Afrika landet. Sie sitzen in Seminaren über Tizian und Klaviermusik der Wiener Klassik und in Vorlesungen zur Geschichte der frühen Elektrizität.

Geschichte, Wirtschaft, Philosophie

Seit wenigen Wochen läuft das jetzige Wintersemester und bundesweit rund 55.000 Rentner und Pensionäre besuchen seitdem regelmäßig die Uni, als Gasthörer, als Student eines Seniorenstudiums oder als Vollzeit-Student im Normalbetrieb.

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Den größten Anteil der Seniorenstudenten machen die Gasthörer aus. 33.400 waren es im vergangenen Wintersemester, zwei Prozent mehr als im Jahr davor. Gasthörer besuchen bestimmte Vorlesungen oder Seminare, sie schreiben aber keine Prüfungen. Ihre Lieblingsfächer sind Geschichte, Wirtschaftswissenschaften und Philosophie. Jeder zweite Gasthörer ist 60 Jahre oder älter.

Was sind die Gründe?

Warum drücken Rentner und Pensionäre nach dem Ende ihres Berufslebens die Hochschulbank? "Weil es mir sonst zu langweilig wäre", erzählt eine 77-jährige Dame in einer Sendung des "Deutschlandfunk". "Nachdem ich meine Praxis geschlossen und nicht mehr gearbeitet habe, habe ich gemerkt, dass mir die Anregung fehlt." Seitdem sie studiere fühle sie sich munter und angeregt. "Mein Geist hat wieder etwas, worüber er nachdenken kann."

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"Ich kann mich jetzt endlich mit Dingen beschäftigen, für die ich mich schon immer interessiert habe“, sagt ein Kommilitone, ebenfalls höheren Alters. „Und das sind Themen aus Geschichte, Politik und Literatur."

Studieren statt Stricken: Seniorenstudenten lernen, weil es ihnen Spaß macht, weil sie wissbegierig sind und den Kontakt zu Gleichgesinnten suchen. Und weil sie keine Lust haben, auf das normale Rentner-Dasein. "Man lernt nie aus", lautet ein altes Sprichwort. Die Seniorenstudenten nehmen das ernst.

Voraussetzungen fürs Studium

Grundsätzlich kann jeder mit Hochschulreife ein reguläres Studium aufnehmen, unabhängig vom Alter. Einschränkungen gibt es jedoch bei den zulassungsbeschränkten Fächern. Hier werden jüngere Bewerber gegenüber älteren bevorzugt. Ab dem 55. Lebensjahr ist eine Teilnahme am Vergabeverfahren für diese Fächer in vielen Bundesländern nur noch in Ausnahmefällen möglich.

Auch Gasthörer dürfen nicht in jede Vorlesung oder in jedes Seminar des normalen Betriebs. Welche Veranstaltungen ihnen offen stehen, entscheidet die jeweilige Universität.
Seniorenstudenten müssen sich, wie andere Gaststudenten auch, vorab um eine Gasthörerschaft bewerben. An den allermeisten Hochschulen in Deutschland gibt es hierfür keine Zulassungsbeschränkungen. Die Ausnahme ist Bayern. Hier brauchen sogar Gasthörer Abitur.

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Am Zentrum Seniorenstudium der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) zählt immerhin auch eine entsprechende berufliche Qualifikation. Die Kosten für Seniorenstudenten sind bundesweit von Uni zu Uni verschieden und liegen zwischen 50 und 300 Euro pro Semester.

Eine weitere Möglichkeit für wissbegierige Senioren sind Zertifikatsstudien. Diese Studiengänge erinnern am ehesten an den Regelbetrieb, die Studenten müssen Hausarbeiten schreiben und Prüfungen ablegen. Am Ende erhalten sie ein Zertifikat als Anerkennung des erworbenen Wissens. Bundesweit elf Universitäten bieten laut Akademischem Verein der Senioren in Deutschland (AVDS) derartige Studiengänge an.

Bis zu 40 Semestern obendrauf

Wer als Senior mit dem Studium anfängt, hört so schnell nicht wieder auf. Zehn, 20 Jahren bleiben die Studenten oft dabei – aus Lust am lebenslangen Lernen. "Das Studium ist für mich eine Riesenbereicherung, eine Bereicherung für den Kopf, aber auch für die Seele", sagt der 79-jährige Hansjörg Schreitmüller im "BR". "Mein Leben ist dadurch bunter, lebhafter und schöner geworden."