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Weihnachtsgans gesucht

Weihnachtsgans gesucht

Vor vielen Jahren, man könnte auch sagen, es war einmal, doch so fangen Märchen an, während diese Geschichte sich wirklich zugetragen hat. Also vor langer Zeit begab es sich, dass Vater und Schwiegersohn am 1. Weihnachtsfeiertag am Abend sich aufmachten, um in der Nachbarschaft kurz Freunde zu besuchen. Man musste ja seine kleinen Weihnachtsgeschenke persönlich übergeben. Das gehört sich ja schließlich so. Während Mama und Schwiegertochter die Gans für den nächsten Tag zubereiteten, denn da wurden noch Gäste zum Essen erwartet. Damit der Stress nicht allzu arg wird, wurde schon mal vorbereitet. Die Gans brutzelte also in der Röhre, Mama bereitete das Dessert vor und die Schwiegertochter kochte aus den Innereien eine Vorsuppe, schließlich sollte alles perfekt werden.
Der Abend verging, es wurde immer später und von den Herren war nichts zu sehen. Die Frauen ahnten, dass so eine Bescherung durchaus dauern konnte, vor allem, wenn auf jedes Wort angestoßen wurde. Davon war auszugehen, man kannte das ja. Irgendwann beschlossen die Frauen zu Bett zu gehen, sollten die Männer doch zusehen, wie sie in selbiges kämen. Sich aufregen und den Herrlichkeiten eine Standpauke zu halten wäre sinnlos gewesen, denn mahnende Worte hätten die Herren ohnehin nicht erreicht. So waren die Frauen zwar verärgert, aber nach dem anstrengenden Tag schliefen sie tief und fest. Sie bekamen nicht mit, wie sich die Herren ins Haus schlichen, es war inzwischen schon bald Morgen. Leise schlichen die Herren in die Küche, nach all den appetitanregenden Schnäpsen verspürten sie so was wie Hunger. Da stand nun zum abkühlen die schöne knusprig braune Gans, doch nicht lange. Die Herren stürzten sich wie zwei Verhungernde Löwen über den Festtagsbraten und schlugen sich die Bäuche voll, ehe sie sich in die Schlafgemächer begaben und leise in ihre Betten schlichen. Mann ist ja rücksichtsvoll und friedlich, ehe sie mit der Schwerstarbeit, nämlich dem Waldroden begannen. Mit Schnaps und Gans im Magen klingt ein Schnarchkonzert, wie ein Livemitschnitt der Roling Stones. Nicht so schön, aber so laut.
Der Morgen des 2. Weihnachtsfeiertags ist angebrochen und es kommt, wie es kommen musste. Frau Mama betrat die Küche um Frühstück zu machen. Schwiegertochter besetzte noch das Bad und die Herren schliefen den Schlaf der Übernächtigten. Plötzlich durchdrang ein herzzerreißender Schrei die morgendliche Stille. Mama entdeckte die Gans, oder was von ihr noch übrig war. Es waren fein säuberlich abgenagte Knochen, die in der Soße schwammen. Ein trauriger Anblick, der Mama fast in Ohnmacht fallen ließ. Besuch zu Mittag und kein Braten, Männer die wie Vandalen hausten – was sollte nun werden?
Tränen flossen in Strömen, Weihnachtsstimmung auf dem absoluten 0-Punkt oder darunter und Männer, die durch das Gezeter begannen zu erwachen und keine Ahnung hatten, was da unten in der Küche sich für eine Katastrophe abspielte. Mit unschuldiger Mine kamen sie nun auch in die Küche geschlichen und bestaunten ihr Werk. Das nun folgende Geräusch war nicht das Knallen einer Tür, es war eine Ohrfeige, die sich Schwiegervater einfing. Nicht wegen dem Knochenchaos, sondern weil die Herren statt demütig um Verzeihung zu bitten, nein, in schallendes Gelächter ausbrachen. Das war für Mama zu viel.
So fiel dann auch das Frühstück aus und als die Gäste kamen, wurden Nudeln mit Tomatensoße als Hauptgang kredenzt. Die Gäste waren so belustigt und schworen dieses Weihnachtsmenü nie zu vergessen, was bis heute keinem Familienmitglied gelang. Jedes Jahr wird diese Geschichte erwähnt und die Männer wagten nie wieder für solche Weihnachtsüberraschungen zu sorgen.

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