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Tanzstunde in der 10.Klasse

Wiedersehen ... auf einem Singleportal

Von wize.life-Nutzer - Montag, 12.10.2015 - 22:31 Uhr

Endlich, nach vielen Jahren der Unzufriedenheit in einer Ehe, die seit Jahrzehnten keine mehr war und die ich mit einer Aussprache nach einem Krankenhausaufenthalt meines Mannes vor fast zwei Jahren als beendet erklärt hatte, wagte ich, mich in einem Singleportal anzumelden. Angebote gab es schon öfter, aber die Ernsthaftigkeit eines "Verhältnisses" schien mir hier bei SB nicht gegeben.

Männer, die mir gefielen, waren einfach unerreichbar, andere wollten nicht mehr als das Übliche, worüber sich viele Frauen hier beklagen, hatten sie doch selbst zu Hause ihre Frauen sitzen. Also beschloss ich, mich anderweitig umzusehen.

Zuerst musste ich viele Fragen beantworten, wer oder was ich bin. Das Profil sollte erstellt werden und was für einen Mann suchte ich eigentlich? Ein paar Bilder waren schnell hochgeladen, fertig.

Der Ansturm war gigantisch, wie die Geier fielen sie über mein Profil her und es dauerte nicht lange, gab es Smilies, erste Mails, Chatangebote und ich wurde für viele zur Favoritin erklärt. Wow, Frau mit 66 hatte doch noch einen Marktwert! Ich gestehe, der Ansturm überforderte mich. Eigentlich wollte ich mir ja in Ruhe einen Mann suchen.

Irgendwie musste ich mich "organisieren", das stand fest. Gar nicht so einfach, wenn am ersten Tag schon 150 Besucher auf dem Portal waren. Ich schaute nur mal kurz durch und entdeckte schnell auch hübsche, schöne und reiche Männer, die aus Dublin, Paris und sonst woher kamen und erkannte sofort, dass es die Art Männer waren, die versuchen, Frauen Liebe vorzugaukeln, um an ihr Geld zu kommen. Die Profile ähnelten sich in den meisten Fällen. Verwitwet, Kinder, Selbständig, die passenden Sportarten, natürlich als Hobby Reisen und Einkaufen, einfach einfallslos. Dagegen stellten sie keine großen Anforderungen an die gesuchten Frauen. Also aufpassen! Die ersten chatteten mich schon an und um sicher zu gehen, dass meine Einschätzung stimmte, ging ich mal darauf ein. Ein fröhliches "Hallo, wie geht es dir?" und dann ging es nach meiner mit Absicht etwas kompliziert gewählten Antwort gleich mit dem Translator weiter. Und tschüß ... Jetzt war ich sicher und konnte die meisten schon gleich aussortieren. Die jungen Dachse, die meine Söhne hätten sein können und Männer, die im Alter an das herankamen, was ich seit Jahren zu Hause zu versorgen hatte, kickte ich auch schnell aus der Liste.

Nach 3 Tagen waren 350 Herren auf meiner Liste. Ich musste nun mal die ganzen Mails checken. Zumeist sehr nett und freundlich wurden mir Haus, Hof, Unterkunft und Liebe wie eine Ware angeboten. Na, so schnell schießen die Preußen doch aber nicht, dachte ich mir. Profile ohne Bild boten per Mail Bilder an. Ach, die Herren wollten unerkannt bleiben, oder waren sie nicht ansehnlich? Ich hielt mich erst einmal bei allen bedeckt und bedankte mich nur höflich. Schon kamen die Antworten, dass wiederrum sie sich bedankten, weil es hier wohl eine Ausnahme war, dass Frauen überhaupt auf Mails antworteten. Krrrrrrrrrrrrr. Das war ja Schwerstarbeit.

Auf einmal stutzte ich, als ich las: "Du hier? Ich freue mich sagenhaft, dich hier zu entdecken ... " Das Bild kam mir bekannt vor. Er war es, tatsächlich, Jürgen, mit dem ich bis vor 47 Jahren auf einer Schulbank saß.
Alles andere war mir jetzt vorläufig egal. Ich schrieb ihm gleich, stellte viele Fagen, wie es ihm geht, wo er steckt. Die ganzen Jahre hatten wir nichts mehr voneinander gehört. Doch, einmal war er am Anfang zu einem Klassentreffen da, dann nicht mehr. Ich brannte auf seine Antwort und gleich tauschten wir auch die Telefonnummern aus. Er schrieb, wir müßten uns schnellstens mal zu einem Klassentreffen unter vier Augen treffen, da könnten wir uns besser alles erzählen. Na klar machten wir einen schnellen Termin aus und schließlich wohnte er nur 60 km weg. Also kein Problem.

Ich schrieb ihm, dass ich komme, wie ich bin. Ungeschminkt und natürlich, nur 47 Jahre älter. Auf alles war ich gefasst, denn er hatte mir Bilder geschickt von einem schweren Unfall, bei dem er fast ums Leben gekommen wäre. Was ich da im Krankenhausbett liegen sah, war ein Klumpen Mensch, der mehr aus Schienen und Gips als aus Haut und Knochen bestand. Noch vor kurzem saß er im Rollstuhl ... Kam er etwa mit Rollstuhl? Ich wagte nicht, diese Frage zu stellen, aber ich war darauf vorbereitet. Auf jeden Fall fuhr er Auto.

Ich machte mir schon Gedanken, wieso er so nahe der Heimatstadt lebte und trotzdem nie zu den Klassentreffen kam. Wie war er eigentlich damals? Immer lustig, manchmal verwegen und zweideutig, clever, aber er hatte eine künstlerische Ader. Musik war sein Hobby und meiner Meinung nach ging er damals nach Dresden an die Hochschule. Schon bog ich auf den Parkplatz ein, auf dem wir uns treffen wollten, wie immer 15 Minuten vor der Zeit, aber ich wollte ihn ja empfangen.

Hey, da stand doch schon jemand, das könnte er sein. Nicht mehr so schlank wie früher, aber das Gesicht, unverkennbar. Er stand auf beiden Beinen und es machte plumps bei mir. Nicht, weil ich mit einem Rollstuhlfahrer Probleme hätte, ich freute mich einfach für ihn. Langsam schloss ich mein Auto ab und er kam, leicht hinkend, auf mich zu. Er nahm mich einfach in den Arm und wir begrüßten uns, wie wir es noch nie vorher getan hatten. Beide mussten wir das Gleiche dabei gedacht haben und lachten. "Komm", meinte er, "wir fahren ein Stück. Lass dein Auto stehen und wir suchen uns was, wo wir in Ruhe erzählen und einen guten Kaffee dabei trinken können." Schon saß ich im Auto und bemerkte, welche Schwierigkeiten er beim Einsteigen haben musste. Seine Hörgeräte an den Ohren waren auch nicht zu übersehen. Wie gut ging es mir doch dagegen.

Schon begann er zu erzählen und plötzlich meinte er, er müsse noch Brot kaufen, das dürfe er nicht vergessen. Gerade rechtzeitig, um noch in den naheliegenden Supermarkt einbiegen zu können, bevor er es hinterher vergaß. Die Kaffeeecke war fast menschenleer und schnell wollten wir einen Kaffee trinken, bevor es weitergehen sollte. Nix da, wir saßen, lachten, erzählten und ich erfuhr Dinge, die wohl in der Pennälerzeit spurlos an mir vorbei gegangen sein mussten, oder wollte ich das alles damals nicht merken?

Während der Tanzstunden hatte Jürgen sich in mich verliebt. Er buhlte um jeden Tanz mit mir und vor allem der Tango hatte es ihm angetan. Seine Hand landete oft genug auf meinem Hinterteil und ich nahm sie dort immer wieder weg und schob sie nach oben. Das machte ihm Spaß und mich ärgerte es. Jeden Annäherungsversuch von ihm ließ ich abblitzen. Mich interessierten Jungen in dem Alter einfach noch nicht. Aber gern, so meinte er, würde er an damals anknüpfen wollen. Da wehte der Wind also her! Auch er lebte schon lange getrennt von seiner Frau in den alten Bundesländern. Er hatte sich dort ein Haus gekauft und nur bedingt durch seinen Unfall und weil er sich nicht im Rollstuhl sitzend alleine versorgen konnte, hatten seine Kinder darauf bestanden, in ihre Nähe zurück zu kehren. Trotzdem fühlte er sich allein, aber entgegen jeder Prognose hatte er es mit eisernem Willen und Disziplin geschafft, sich aus dem Rollstuhl zu erheben und wieder laufen zu können. Ja, so kannte ich ihn. Wenn er sich etwas in den Kopf setzte, dann zog er es durch.

Nein, anknüpfen an etwas, was es für mich nie gab, das machte ich ihm klar, würde in den Bereich der Wunschvorstellungen fallen. Rein freundschaftlicher Natur sollten unsere Begegnungen in Zukunft sein, die wir gern fortführen würden. Er ist ein guter Unterhalter und es gibt noch so viel, was wir noch nicht beredet haben. 47 Jahre sind mehr, als ein halbes Leben. Erst, als es schon spät war, wir längst die zweite Tasse Kaffee getrunken hatten, merkten wir, dass wir immer noch in der Kaffeeecke im Supermarkt saßen. Nun lohnte es nicht mehr, uns was anderes zu suchen.

Auf jeden Fall hätte er es gern gesehen, wenn wir auch mal gemeinsam etwas unternehmen würden. Vielleicht auch mal einen kurzen Trip dahin, wo er viele Jahre gelebt hat, das waren seine Vorstellungen. Natürlich mit ein oder zwei Übernachtungen, damit er mir ja auch alle Sehenswürdigkeiten zeigen könne. Nachtigall, so laut hör ich dich trappsen! Darüber könne man nachdenken, wenn das Hotel zwei Einbettzimmer hat, war meine abschließende Antwort, bevor wir uns auf dem Parkplatz wieder trennten und erneut nach meinem Urlaub verabredeten.

So, nun muss ich mich aber schnellstens um die anderen mittlerweile auf 700 angestiegenen Männer kümmern ... Lach.

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51 Kommentare

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Bin gerade mal wieder hier gelandet. Zum Nachlesen. Ja, zwischen Jürgen und mir ist eine Freundschaft entstanden, nicht mehr und nicht weniger. Über das Portal habe ich jemanden gefunden, der mir die Möglichkeit eröffnete, mir ein Geschäft aufzubauen, den ich respektierte und über die gemeinsame Arbeit kamen wir uns näher. Aus Geschäftspartnern wurden Lebenspartner. Das habe ich auch in meinem Profil vermerkt und trotzdem bekomme ich noch heute täglich zwischen 70 und 120 Besuche, Smilys und Mails. Im September läuft meine Mitgliedschaft endlich aus und dann ist mein Postfach wieder überschaubar. Aus einer reinen Neugier wurde Ernst. Ich bin glücklich darüber.
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Und morgen ist es nun so weit. Jürgen und ich fahren 3 Tage nach Stuttgart. Er hat dort einiges zu klären und dann zeigt er mir die Stadt, die ich noch nicht kenne. Selbstverständlich hält er sich an unsere Abmachung und hat zwei Einbettzimmer reserviert. Das nenne ich Freundschaft, wie sie eben auch zwischen Mann und Frau existieren kann, wenn man sich klare Grenzen setzt.
Viel Spaß Gila und vergiss dabei mal den Alltag. so allmählich bekommst du ja ganz Deutschland zu sehen. Bist ein richtiger Globetrotter geworden.
Ja, Gitte, so flieht man aus dem Alltag und lernt Deutschland kennen. Den Spaß werden wir hoffentlich haben.
und ich hoffe, dass es dich bald mal wieder in den Norden verschlägt.
Wenn, dann im Frühjahr und ich freue mich schon darauf, "jemanden" kennen zu lernen.
Ja, das wirst du ganz gewiss. Er ist auch schon ganz gespannt auf dich.
Und ich auf ihn.
Gitte, nun sieht es so aus, dass wir uns fast sicher schon im Februar treffe. Toll, oder? Übrigens waren es drei angenehme Tage und das Schönste war der Stuttgarter Weihnachtsmarkt. Ich war total happy.
Das wäre ja wirklich ganz toll. Ich freue mich.
Icke mir och.
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Hallo Gisela, ....ich tät Dich gleich nehmen, ob mit oder ohne Einzelzimmer...! Herzliche Grüße aus dem dunklen ungemütlichen München
Ach Petra, wie lieb du das schreibst. Ich danke dir, dass du hier warst und sende dir ganz viele liebe Grüße. Vielleicht klappt es ja im nächsten Jahr mal wieder mit einem Wiedersehen.
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wir sind ja fast gleichaltrig liebe Gisela und ich stimme dir zu, mit deiner obigen Geschichte. LG von Monika
Dann hast du es ähnlich auch erlebt? Hoffe, du hast gefunden, was du suchst.
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Gisela, wow, berichte weiter, was Du noch alles erlebst, bin gespannt. Alles Liebe
Na, mal sehen, Eva, ob da noch was folgt, was mich dazu reizt, es auf den Bildschirm zu bringen. Schön, dass du hier warst. Liebe Grüße und alles Gute, Gila
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Schöne Geschichte....und sehr realistisch , dennoch feinfühlig von dir beschrieben. Tja....der Jürgen scheint es immer noch zu versuchen...
Viel Glück bei deiner ernsthaften Suche....das wird.
Vielen herzlichen Dank, Reni. Er gibt wohl die Hoffnung nicht so schnell auf, aber er kennt mich auch noch ganz gut. Ein Nein bedeutet bei mir kein vielleicht. Wenn er es so akzeptiert, ist das für mich in Ordnung.
klar und angenehm deutlich.♥
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Gisela, war ein wenig überrascht,als ich Dich als die "Schreiberin " entdeckte. Bei 700 Anwärter kannst wirklich in Ruhe aussuchen.
Mittlerweile sind es schon einige mehr, Kunigunde, aber die Hartnäckigen zeigen sich langsam. Dann kann man den Kreis enger ziehen.
Ich bewundere Deinen Mut, liebe Gisela. Hoffe Du findest " "den Partner" der zu Dir passt.
Danke, Kunigunde, eigentlich war es ja mehr Neugier, aber mal sehen.
Dankeschön, Fraukelein. So geht die Zeit ins Land.
Richtig, warten wir einfach auf den "großen Moment".
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eine schöne Geschichte, erinnert mich etwas an das Paar und die Geschichte mit der chinesichen Mauer, welche sich auch nach Jahren plötzlich wiedertrafen.
Vielen Dank. Leider kenne ich diese andere Geschichte nicht.
Ich danke dir sehr, wünsche dir eine gute Zeit hier bei SB.
Hab tausend Dank für den berührenden Link. Es muss unglaublich schwer gewesen sein, nicht auf zu springen und sich zu umarmen ...
Bitteschön Gisela....mich berührt dieser Beitrag auch immer wieder und ja....genau das habe ich mir auch gedacht!
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Na Gila, da hast du dir ja wirklich was aufgebürdet. So ein Singleportal kann wohl ganz schön anstrengend sein. Aber ich denke, der Jürgen ist es noch nicht. Da fehlt mir die Begeisterung in der Geschichte.
Ich freue mich jetzt auf eine Geschichte, in der du die Begegnung mit deinem Traummann schilderst. Und die wird dann ganz anders klingen.
Aber so einen kleinen freundschaftlichen Trip kannst du ja mal machen.
Gitte, du kennst mich eben wohl doch zu gut. Du weißt doch, der erste Blick muss da schon vielsagend sein und der war weder vor 47 Jahren noch heute da. Nichts als Freundschaft eben, aber auch die kann schön sein. Aaaaaaber, wenn ich meinen Traummann gefunden habe, erfährst du es ganz bestimmt.
Na das will ich aber hoffen, habe ich doch lange genug mit dir mit gelitten
Ja, das wird dann der Lohn.
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Eine Geschichte, die das Leben schrieb....schön! Viel Erfolg noch bei Deiner Suche...
Ich glaube nicht, dass ich noch suchen muss, Marion, ich warte, bis man mich findet.
... scheint mir auch so , es möge ein ganz Lieber sein, der Dich versteht und Dein Herz berühren kann . Ob ich auch noch mal gefunden werde
Das will ich doch hoffen, Marion. Es gibt so viele, die sich das sehnsüchtig wünschen und in diesem Portal ist die Chance sehr groß. Frau muss eben nur offen dafür sein, einen Neubeginn zu starten.
... und muß das nötige Kleingeld haben und möglichst noch mobil (Auto) sein ..
Wo ein Wille ist, .... nein, Marion, du würdest staunen, was alles möglich ist. In der Liebe sollte es nicht um Geld gehen, sollte!
... 'Investition' ..
Verstehe dich, Marion. Es gibt sone und sone
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