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"Man braucht lange, um jung zu werden!"

"Man braucht lange, um jung zu werden!"

Von Christine Kammerer - Freitag, 15.03.2013 - 14:37 Uhr

Auch wenn wir uns nicht über unser Alter definieren – die anderen tun es. Jedem Alter werden bestimmte Erwartungen und Befürchtungen zugeschrieben. Von den anderen. Denn unsere eigenen inneren Alterungsprozesse verlaufen anders. Langsamer, so scheint es. Wir halten nicht Schritt mit dem Alter nach Zahlen und erleben die von außen zugeschriebenen Kategorien meistens als willkürlich und künstlich. Ob wir nun 50 oder 70 sind. Pablo Picasso - schon weit über 80 - erwiderte deswegen einmal auf die Nachfrage eines Journalisten: „J´ai ne pas d’âge - ich habe kein Alter.“ Eine wahrhaftig weise Antwort, denn die Frage nach dem Alter macht eher selten wirklich Sinn. Alter ist ziemlich relativ und vor allem auch sehr, sehr subjektiv.

Altern ist erst einmal ein vollkommen neutraler Begriff. Weder negativ, noch positiv. Ja, unsere Kräfte lassen nach – beim Einen mehr, beim Anderen weniger. Der Verschleiß ist unaufhaltsam und in vielen Bereichen irreversibel. Es ist das biologische Alter, das uns zwingt, immer neue Grenzen zu ziehen. Bestimmte Dinge - einige Sportarten zum Beispiel - sind einfach irgendwann nicht mehr drin. Doch wozu den Verlust beklagen? Warum sich über die kleiner werdenden Spielräume, die weniger werdenden Möglichkeiten definieren? Warum nicht über den größeren inneren Reichtum und eine Intensität, die nur möglich wird durch Lebenserfahrung? Warum freuen wir uns nicht einfach jeden Tag aufs Neue an dem, was möglich und machbar ist? Wir haben Chancen auf ein langes Leben bei guter Gesundheit wie keine Generation je zuvor. Also nutzen wir sie!

Man braucht lange, um jung zu werden! (Pablo Picasso)
Immer warten wir darauf, das Leben möge endlich von selbst damit beginnen, sich zu entfalten. Als Teenager warten wir darauf, dass wir volljährig werden. Endlich erwachsen. Ein völlig neuer Lebenshorizont verbunden mit vielen Privilegien. Und dann? Wir schließen Schule oder Ausbildung ab. Endlich ist alles Wesentliche erreicht. Wir wissen alles. Haben Entscheidungen getroffen fürs Leben. Glauben, unseren Platz gefunden zu haben. Und dann beginnt ein schleichender Prozess - mit kaum wahrnehmbaren Kleinigkeiten. Zumindest bei manchen von uns.

Sie halten hartnäckig an Dingen fest – am alten Röhrenfernseher, einer bestimmten Musikrichtung, politischen Standpunkten oder an einem Betriebssystem. Auch wenn diese mittlerweilen hoffnungslos überholt sind. Sie beginnen, sich neuen Entwicklungen zu verweigern. Von diesen albernen „Kindern“ – den Anfang 20jährigen - sind sie schon mit 30 völlig angenervt. Und nur ein bisschen später von den hoffnungslos unerfahrenen Dreißigjährigen. Sie schütteln verständnislos den Kopf darüber, dass diese viel zu jungen Menschen neuerdings das Sagen haben. Und genau dieser schleichende Prozess macht uns alt. Weil unflexibel.

Die Seele ist allzeit jung (Meister Eckhart)
Doch wir sind zum Glück nicht einfach nur in einen unabänderlichen Prozess hinein geworfen, sondern können uns selbst immer wieder aufs Neue entwerfen. „Die Seele ist allzit junc“ schrieb Meister Eckhart bereits im 14. Jh. Sie kann sich – ganz unabhängig vom Alter – aus allen allzu festen Fixierungen lösen. Wir Menschen besitzen eine unglaubliche Fähigkeit zur Erneuerung im Geiste. Allein mit der Macht unserer Gedanken können wir die Welt gestalten. Doch Kreativität erfordert Aktivität. Wer sich den Herausforderungen des Lebens nicht stellt, keine Risiken auf sich nimmt, nur passiv erduldet, was ihm wiederfährt, der ist schon alt. Manchmal sogar mit 30 schon viel älter als ein an Jahren Alter. Leben bedeutet, sich zu bewegen. Sein lassen, loslassen lernen. Immer mehr bei sich sein. Die Suche nach dem eigenen Sinn macht immer Sinn – ob früh oder spät im Leben. Auch das alte Ich kann immer noch neue Horizonte in sich entdecken.

Was macht Jugend aus? Doch in erster Linie Neugierde und Forschungsdrang. Leopold Rosenmayr (88), emeritierter Professor für Soziologie an der Universität Wien: „Ich bin überrascht, dass die Begeisterungsfähigkeit und das Staunen im Alter nicht nachlassen. Es gibt noch so viel zu entdecken. (…) Ich muss mich gegen diese Neugier manchmal regelrecht zur Wehr setzen.“ Dieses Bewusstsein, nämlich dass die Welt so groß und vielfältig ist, dass man noch so vieles lernen, sich über so vieles freuen, so vieles genießen kann, hält jung. Und manchmal einfach spontan das zu tun, wonach einem ist: In eine Pfütze springen, einen Zeichentrickfilm anschauen, einmal nur den Spaß regieren zu lassen und die pure Emotion oder einfach etwas Neues hereinlassen in die eigene kleine Welt. Nur so bleibt man fähig, die sich ständig verändernde Welt da draußen annähernd zu verstehen, behält das Interesse daran, es immer weiter und immer wieder zu versuchen und verzweifelt auch nicht an den gescheiterten Versuchen.

Der Mensch ist eigentlich nicht, er wird immer (Platon)

Alt werden wir genau genommen vom ersten Tag an. Doch wir nehmen alle Alter mit in unsere Lebenszeit. Da ist das Kind – und es bleibt auf ewig ein Kind. Der Teenager, der Erwachsene und manchmal eben auch die weise alte Frau, der weise alte Mann. Wir haben viele Alter.

Konfuzius sagt: „Keine Sorge, das Alter hat irgendwann ein Ende!“ Und die Zeit vor dem Tod – das ist das Alter. Nur in diesem Bewusstsein gewinnen wir Gelassenheit gegenüber unserer Endlichkeit – indem wir die Zeit, die uns bleibt, ganz bewusst genießen.

"Es ist nicht wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist viel Zeit, die wir nicht nutzen." Seneca in: "Von der Kürze des Lebens"

Quellen und Links:

Leopold Rosenmayr: Schöpferisch altern: Neue Konzepte für neue Entwicklungen

Leopold Rosenmayr: Über Offenlegung und Geheimnis von Kreativität

Christine Hartmann: Alle meine Alter

41 Kommentare

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"wenn ich merke, das ich Falte habe, mache ich alle Spiegel kaputt", habe ich damals gesagt. Jetzt habe ich zwei Spiegel, "falls eins mich belügt". Sehe nur das Unterschied zwischen 28 Jahre un 82 Jahre gibt. 77+ Ultragoldy, Oleee!
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So empfinde ich das auch, Christine.
Dazu fällt mir noch das Wort Jesu ein 'Lasst die Toten ihre Toten begraben (und folget mir nach)' Das was Du beschreibst steckt glaube ich in diesem kurzen Satz, über den ich ewig nachgedacht habe, die Bejahung des Lebens steckt da drin. Jesus ruft zwar hier zu seiner Nachfolge auf, aber ich finde, wir dürfen das auch getrost als Aufruf nehmen, um neugierig u zugewandt zu bleiben.
Ich erlebte Leute, die sich bereits in jungen Jahren aus 'dem Leben' verabschiedet hatten, mit Scheuklappen versehen, eingefahren, festgefahren, geistig unflexibel. Aber auch genauso richtig Alte, die sich nicht klein kriegen ließen und vom Tagesgeschehen oft besser informiert waren als ich. Mich beeindruckte einmal eine 92jähriger Herr, der ziemlich krank u. zum 2. mal in der geriatr. Reha-Klinik war. Er nahm nur wenig Hilfe von uns in Anspruch. Zur Entlassung bat er sich lediglich einen Rollator aus, zur besseren Bewältigung seiner tägllichen Einkäufe.
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Da ist was dran - ich möchte meine "altersbedingte" Gelassenheit nicht mehr eintauschen für ein paar Jahre Nochmalleben.
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Alter hat auch seine schönen Seiten. Man muß nicht mehr everybodys Darling sein, ist gelassener und kann besser genießen. Jung bleibt man, wenn man mit Kindern und Enkelkindern im Dialog bleibt u. die modernen Medien nutzt u. sich weiterhin für alles Neue u. Moderne interessiert .......
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Was Piccaso sagte er habe kein Alter ,dem stimm ich zu .Ich habe Gedankenmäßig und Gefühlmäßig kein Alter .Ich kann mehr verstehen was das Zwischenmenschliche betrifft und das ist wirklich gut .Das mein Körper oft streikt ,das hat er schon früher getan , also ist das alterbedingte Gebrechen für mich auch nicht überraschend
er sagte die wahrheit. also warum nicht lange leben? mit etwas bescheidenheit - man muß auch einstecken können..
DO Ris bravo, prima einstellung
Das Unwort "alt" soll abgeschaft werden. Die Gegenstände sind "Antik" aufgewertet wenn sie lang da sind uns sogar vielfach alter werden als Menschen. Jahrhunderten alter Kalender, macht uns alle alt. Wegen Narkose (Kaiserschnitt) sah ich Mein Baby nicht in erste Minute. Als ich es sah war mein Sohn schon einige Stunden "alt". Ein beruflisches "Umleitung" von Elektrohandwerk, zu der Medizin-Pharma - Staistik (Grafiken), führte mich zu eine von vielen BLITZIDEE -n. Ich nahm es als Fügung und Trost wegen Wut auf Arbeitsamt-Vermitler. "Sie sind mit 45 Jahre zu "alt" für Neuanstellung als Elektromeisterin oder Technische Zeichnerin". Weiter: zu Frührente, zu gesund, zu Rentne, zu jung, haben sie noch wellche Fähigkeiten außer ihren komischen Elektrofach"? "Herr Schaab, Elektrofach ich ein hochinteressantes Beruf, kann nur gefährlich aber nie komisch sein. Künstlerisches Talent ist zum Hobby gut". Er gab mir eine Adresse von IMS-Instutut für Medizinische Statistik, Grafikabteilung. Probearbeit, Probezeit. 11 Jahre Festeinstellung als Grafikerin für komische Statistik. Es war FÜGUNG, sonst gäbe es nie ein zeitgemäßen Kalender.
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Der Beitrag gefällt mir sehr gut! Als ich mit 36 Jahren mit Mann und 2 Kinder in Deutschland angekommen bin, war ich alt, doch die Herausforderungen des Lebens, die "Jugendlichen", der Beruf und die Rolle als Oma, aber auch die Freiheit die Welt zu erleben, all das hat mich "jünger" fühlen lassen, als ich es biologisch bin.
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@ Susi, es ging mir mehr um das innere Kind! Einen Führerschein habe ich aufgrund meiner Augenerkrankung auch nicht, und abends bin ich nach 22 Uhr gerne zu Hause.
Was bitte, hat das jetzt mit dem Erwachsensein zu tun ? Lb.Gr.Marianne
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Zwar bin ich noch relativ jung , aber älter wird man, mit Beginn der Geburt....das, was andere "älter werden" nennen, nenne ich Entwicklung. Wir entwickeln und entfalten uns....am Beginn des Lebens steht alles im Zeichen des "auf der Erde ankommens" , der Fähigkeit, sich mit der Umwelt und den Menschen zu verbinden. Wir lernen, zu kommunizieren, Laufen, Sprechen....haben wir diese Hürde geschafft, lernen wir begierig alles Neue, werden langsam Teil unserer Gesellschaft, suchen unseren Platz, finden, zweifeln, suchen aufs Neue....alles steht im Zeichen des "in die Welt Hinausgehens", des Erprobens und Erfahrens von immer neuen Zusammenhängen. Irgendwann haben wir eine Ahnung von dem, was es bedeutet, anzukommen, schöpfen aus unserer Erfahrung und plücken die Früchte des Baumes, den wir einst als kleinen Setzling gepflanzt haben.....ohne jedoch zu versäumen, immer wieder neue Samen zu sähen....
So zumindest stelle ich es mir vor in meinem jungen Köpfchen, das Älterwerden.....
gefällt mir
oh, Kunigunde, das freut mich sehr
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Übrigens, heute am 01.Oktober ist der "Tag der älteren Menschen", 1990 durch die UNO initíiert, um die Leistungen der Älteren und den Gewinn, den sie für das gesellschaftliche Zusammensein darstellen, zu würdigen.
Danke für den Hinweis! Das wäre mir ansonsten glatt entgangen - bin mal gespannt, ob die Nachrichten das erwähnenswert finden!
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Im Herzen werde ich immer jung bleiben, ich fühle mich auch jung und halte mich fit, bin ja auch noch unter 70 da ist man nicht alt. Ich finde alte Menschen sehr interessant wenn sie offen für das Leben sind, mit dem Herzen sehen und nicht an den vielen schönen Kleinigkeiten die uns begegnen vorbei gehen. Denn sie sind es die unser Leben auch ausmachen.
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