"Ich komme gerade mit meinem Verhalten gar nicht zurecht. Bitte retweeten. I ...

Enormer Zuspruch: Nach Tod der Tochter (14) bittet Vater auf Twitter um Rat

News Team
Von News Team

Drei Tage nach dem Krebstod seiner 14-jährigen Tochter Nessaja beschließt ein verzweifelter "Papa", in den Weiten des Internet nach Unterstützung zu suchen. Nach Menschen, die ihm, irgendwie, helfen können. Papa, so nennt sich der Vater aus Berlin auf Twitter. Und dort stellt er diese Frage: "Hast du auch schon einmal ein Kind verloren? Wie war es bei dir in den ersten Tagen nach der Stunde 0?"

Das treibt ihn um in dieser Nacht, in der er wieder nicht schlafen kann. Das ist nur eine Vermutung, die Zeitangabe seines Tweets legt es nahe. Morgens, 3.22 Uhr, es ist die Nacht zu Sonntag, schreibt der Vater weiter:

"Ich komme gerade mit meinem Verhalten gar nicht zurecht. Bitte retweeten. Ich brauche antworten."

Es folgt: Eine Welle des Mitgefühls. Des Zuspruchs. Fast 300 Menschen aus der Twitter-Community antworten auf seinen Tweet, mehr als dreimal so viele Nutzer vergeben dafür ein Herz, also ein Like.

Das wirkt, wenn man sich durch all die emotionalen Antworten liest, wie eine Umarmung aus dem Internet. Von wildfremden Menschen, die "Papa" nicht kennen, aber nachempfinden können, wie er sich jetzt gerade fühlt. Sei es aus eigener Erfahrung, sei es aus Empathie.

Halte durch!

"Die Trauer kommt wie in Wellen und überrollt einen, man bekommt fast keine Luft", antwortet ihm eine Twitter-Nutzerin.

"Irgendwann werden die Wellen kleiner und seltener, ganz weg gehen sie nie mehr, aber man lernt, mit dem Schmerz umzugehen. Halte durch!"

Dieses: Halte durch! Mir ging's mal so ähnlich. Es wird besser! Das zieht sich durch alle Reaktionen.

Papa aus Berlin, der auch den Nutzernamen @BigJogi hat, ist überwältigt. "Ich habe so viele liebe Worte empfangen und bin zutiefst gerührt", schreibt er kaum zehn Stunden nach dem ersten Tweet.

Doch das ist nicht alles. Dies ist mehr als eine Geschichte über die trostspendende Kraft des Netzes, der emotionalen Schwarmintelligenz.

Dies ist auch die todtraurige und berührende Geschichte über den schleichenden Tod eines Kindes. Darüber, wie sich ein Vater gegen den Schmerz stemmt. Mit Humor, Lakonie, aber auch, indem alltägliche Freuden genauso mit der Welt teilt wie die Mordswut, die er im Bauch hat, angesichts des drohenden und viel zu frühen Lebensendes seiner Tochter.

Seit Monaten dokumentiert er die Krankheit seiner Tochter


All dies dokumentiert "Papa" seit Monaten auf Twitter.

Wenn man den Twitter-Feed von "Papa" nach unten scrollt, also mit ihm in der Zeit zurück läuft, setzt sich aus den einzelnen Tweets und Hashtags (#FckCnCR, was soviel bedeutet wie: Zur Hölle mit Krebs) das Leben und Leiden seiner Tochter zusammen. Nessaja, 14 Jahre alt.

Und sein eigenes.

10. Februar: "Gute Nacht mein Engel.

Ich werde die kommende Woche noch zu Hause bleiben. So kannst du mich jederzeit erreichen.

Ich denke immerzu an dich. ❤"

9. Februar: "Ich schaue gerade "Ghost Rider".

Wenn ich mein Tochter zurück bekomme, dann schick ich alle bösen Seelen in die Hölle.

Deal?"

6. Februar: "Guten Morgen Oma, Nessaja ist auf dem Weg zu dir. Bitte kümmere dich um sie. Sie weiß doch noch nicht, wie man die Flügel benutzt."

Das letzte Zeugnis, rot umrandet die Zahl der Fehltage im vergangenen Schuljahr: 41




24. Januar: "Sind es jetzt nur noch Tage?"
24. Januar: "Sie spürt ihre Beine nicht mehr.

Ich habe so Angst."


23. Januar: "Es gibt wahrlich schönere Momente, als die, in denen man eine Beerdigung bespricht."

16. Januar: "Wenn du mich anschaust, steht die Welt still. Du hast noch gar nichts von ihr sehen können. Du bist doch erst 14 Jahre jung."

14. Januar: "Beim "Gute Nacht" sagen

"Ich freu mich total, dass du für 2 Tage zu mir kommen kannst."
"Und komm ich dann wieder?"
"Wie meinst du das?"
"Ob ich nochmal hier her kommen kann?"

Sie spürt es."

7. Januar: "Wie ich noch lachen kann, fragen mich Kollegen.
Wer aufhört zu lachen, hört auf zu leben.
Ohne Humor wäre ich längst zerbrochen."

2. Januar: "Meine Tochter hat mir gestern am Telefon eröffnet, dass sie in 5 Tagen 2 Kilo abgenommen hat. #Chemotherapie"

19. Dezember 2018: "Weißt du , was ich dafür tun würde, um meine Tochter wieder gesund zu bekommen?

Alles!"

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2 Kommentare

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unsere Tochter starb auch mit 50 Jahren an Hirnkrebs Nov. 2017 - ihr sterben hinterliess
ein grosses Loch in unseren Herzen
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Es fällt mir sehr schwer, das zu schreiben: mein Sohn hat sich im Alter von 26 das Leben genommen. Ist schon 16 Jahre her, aber ich merk 's immer noch. Hört wohl nie ganz auf...
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