Ein Kalender für schräge Vögel - Hilfe für den seltenen Waldrapp

Schräger Vogel: Lange hielt man den Waldrapp angesichts seines ungewöhnliche ...
Schräger Vogel: Lange hielt man den Waldrapp angesichts seines ungewöhnlichen Aussehens für ein FabelwesenFoto-Quelle: Theo Pagel/Waldrapp Kalender 2020
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Ungewöhnlicher Vogel, ungewöhnliches Projekt: Der seltene Waldrapp, der seit Jahrhunderten in Europa ausgestorben ist, soll wieder bei uns angesiedelt werden. In Burghausen ist das bereits erfolgreich gelungen. Erstmals feiert jetzt ein Kalender mit großartigen Naturfotografien die liebenswerten Vögel.

Der Waldrapp ist ein schräger Vogel. Seit mehr als 300 Jahren ist der Ibis in Europa ausgestorben. In freier Wildbahn war er lange Zeit überhaupt nicht mehr zu sehen. Höchstens noch auf alten Ölgemälden.

Ein Fabelwesen? Von wegen

Und darauf wirkte der Waldrapp mit seinem lang gebogenen roten Schnabel, den rotgelben Augen und dem bisweilen wild abstehenden Gefieder so bizarr, dass man in Europa lange Zeit dachte: Sowas kann es gar nicht geben. Sowas kann man sich höchstens ausdenken.

Der Waldrapp wurde für ein Fabelwesen gehalten.

Von wegen: Waldrappe waren einst die Vertreter unter den Ibisvögeln, die dereinst selbst in unseren Gefilden zuhause waren.

Heute zählt der Waldrapp zu den bedrohtesten Zugvogelarten der Welt.
Sebastian Beck/Waldrapp Kalender 2020Heute zählt der Waldrapp zu den bedrohtesten Zugvogelarten der Welt.

Doch dann verschwanden die ungewöhnlichen Vögel aus Mitteleuropa - sie wurden verjagt. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Es wurde Jagd auf sie gemacht.

Heute zählt der Waldrapp zu den bedrohtesten Zugvogelarten der Welt. Eine echte Seltenheit: Es gibt inzwischen nur noch eine einzige Population wilder Vögel - in Marokko.

Ansiedlung durch EU-Artenschutzprojekt

Doch das soll nicht so bleiben. Im Rahmen eines der größten europäischen Artenschutzprojekte sollen Waldrappe wieder in Mitteleuropa angesiedelt werden.

Das Ziel des EU-Projektes mit dem Namen „Reason for Hope“ („Grund zur Hoffnung“), bei dem Vogelschützer aus Deutschland, Österreich und Italien zusammenarbeiten: Der Waldrapp soll wieder ein heimischer Zugvogel werden.

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In Deutschland beteiligt sich die bayerische Stadt Burghausen an der Wiederansiedlung des seltenen Vogels. Hier gibt es seit 2004 eine von europaweit drei Brutkolonien des Waldrapp-Projektes LIFE+.

Das mittelalterliche Burghausen bietet den Vögeln, die mit ihrem bizarren Äußeren selbst wie ein Relikt aus dem Mittelalter wirken, nicht nur neuen Lebensraum.

Das bayerische Burghausen mit der längsten Burganlage der Welt bietet die perfekte Kulisse für die Waldrappen
Gerhard Nixdorf/Waldrapp Kalender 2020Das bayerische Burghausen mit der längsten Burganlage der Welt bietet die perfekte Kulisse für die Waldrappen

Sondern auch die perfekte Kulisse: In Burghausen gibt es die längste Burganlage der Welt. In den Sommermonaten staksen Waldrappe über die Wiese vor der Burg - als seien sie nie fort gewesen.

Und tatsächlich waren Waldrappe noch im Mittelalter in Burghausen heimisch. Davon zeugt ein Ölgemälde, das in der Hauptburg ausgestellt ist, und auf dem ein junger Waldrapp zu sehen ist.

Flugzeug weist Vögeln Route in den Süden

Doch damit die Wiederansiedlung der Vögel gelingen kann, standen die Biologen, die sich an dem EU-Artenschutzprojekt beteiligen, vor einem Hindernis: dem deutschen Winter.

Die in Burghausen aufgezogenen Zugvögel mussten irgendwie in den Süden geführt werden, um dort auf die warme Jahreszeit zu warten.

Das Biologen-Team kam auf eine so pragmatische wie ungewöhnliche Idee: Zwei von ihnen setzten sich in ein Leichtflugzeug, um den Waldrappen eine Zugroute in ein geeignetes Wintergebiet in Italien zu zeigen.

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Auch das klingt schräg. Hat aber geklappt: Seit 2007 werden die Jungvögel mit dem Leichtflugzeug an der Spitze in ihr Winterquartier in der Toskana geführt.

Jedes Jahr Ende März flattern die Waldrappen in Burghausen ein, um dort an den alten Gemäuern des Pulverturms der Burg zu brüten.

Besuch bei den Waldrappen in Burghausen

Von April bis Juli können Interessierte sie dort täglich von 16-17 Uhr besuchen - bevor es in den Süden geht und das Leben der Tiere seinen Lauf nimmt.

Rund 130 wild lebende Waldrappen wurden auf diese Weise in Bayern bereits angesiedelt. Ein beachtlicher Erfolg des Artenschutzprojekts, das auch durch private Spenden und Stiftungen finanziert wird.

Schräger Vogel: Lange hielt man den Waldrapp angesichts seines ungewöhnlichen Aussehens für ein Fabelwesen
Theo Pagel/Waldrapp Kalender 2020Schräger Vogel: Lange hielt man den Waldrapp angesichts seines ungewöhnlichen Aussehens für ein Fabelwesen

Es gibt allerdings einen Haken: Ende 2019 endet die Co-Finanzierung des Projekts durch die EU. Zwar bewerben sich die Vogelschützer aus Burghausen um ein zweites LIFE+ Projekt, das 2021 beginnen soll.

Erfolgreiches Projekt soll fortgesetzt werden

Doch es bleibt ein Jahr - 2020 - in dem die Finanzierung des Projekts noch nicht in trockenen Tüchern ist. Deshalb sucht das Projektteam nach Geldgebern und Spenden, damit die Wiederansiedlung der Waldrappen in Burghausen auch im kommenden Jahr fortgesetzt werden kann. „Momentan haben wir rund 130 Waldrappe im Projekt. Das ist die Zahl, die wir uns für die erste Projektlaufzeit zum Ziel gesteckt haben", sagt Oliver Habel, studierter Zoologe, Glaskünstler und Verantwortlicher für die Waldrappkolonie in Burghausen. Ein großer Erfolg. Allerdings: "Diese Zahl ist aber für eine dauerhaft überlebensfähige Population noch zu gering", so Habel.

So soll es weitergehen

Das Ziel der Vogelschützer für die zweite Laufzeit des Projekts ist es darum, die Waldrapp-Population in den drei Brutkolonien auf 350 bis 400 Vögel zu erhöhen.

Habel: "Diese Anzahl wäre eine gute Grundlage für eine gesunde und überlebensfähige Waldrapp-Population in Mitteleuropa."


Waldrapp Kalender 2020

Oliver Habel hatte die Idee, einen Burghauser Waldrapp-Kalender herauszugeben. Auf den wunderbaren Naturfotografien, die namhafte Waldrappfreunde kostenfrei zur Verfügung gestellt haben, zeigt sich der einnehmende Charme dieser ungewöhnlichen Tiere.

Denn es ist schon so: "Der Waldrapp ist ein Vogel von herber Schönheit", so bringt es der Experte Oliver Habel auf den Punkt.

Man könnte auch, nicht weniger liebevoll, sagen: Der Vogel ist hübsch hässlich.

Erlös kommt Waldrappen zugute

Wobei das mit dem "hässlich" so eine Sache ist - und Oliver Habel da seine ganz eigenen Erfahrungen gemacht hat: "Viele Menschen, die den Waldrapp zuvor als hässlich bezeichnet haben, werden beim Besuch der Waldrappkolonie in Burghausen zu Waldrapp-Fans."

Der Erlös des Kalenders kommt vollständig dem Förderverein Waldrappteam zugute, der auch die Kolonie in Burghausen unterstützt.

Der Waldrapp-Kalender 2020 ist über die Burghauser Touristik erhältlich und wird auch per Post verschickt.

3 Kommentare

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Diese Vögel mag ich sehr, es gab vor Jahren einen Bericht, wo Leute diese Vögel dazu gebracht haben, in den Süden zu fliegen, Genaueres weiß ich leider nicht mehr.......ach, da oben steht es ja...es war ein ganz tolles Projekt...mit dem Leichtflieger....
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Kam heute im Radio...
...ob vielleicht die Nilgans (Nilgans, weil sie ursprünglich und ganz "originell" nur am Nil beheimatet war ) zur Plage werden könne. Die Nilgans habe sich nicht nur in Deutschland doch recht zahlreich vermehrt, gilt als invasive Art und wird mittlerweile offiziell bejagt.
Ein "cleverer" Gastronom bietet Nilgans ganz neu auf seiner Speisekarte an und hat im Radio für das wohl vorzüglich schmeckende Fleisch Werbung gemacht...

Naja, ich mache mir halt so meine Gedanken, und nur mal so...
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Von diesem Vogel habe ich bisher noch nichts gehört und auch wenn er nicht zu den Schönsten gehört, ist er ganz sicher erhaltenswert.
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