1-4 Prozent der Erwachsenen sind Schlafwandler

Phänomen Schlafwandeln - Was sich hinter der seltenen Schlafstörung verbirgt

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Von News Team

Wenn man plötzlich barfuß und nur mit einem Pyjama bekleidet auf der Straße aufwacht, dann ist das durchaus eine besorgniserregende Vorstellung. Einen 25-jährigen Hamburger ist genau das in der Nacht zu Mittwoch passiert. Wie "Bild" berichtet, schlafwandelte der junge Mann im Stadtteil Altona, ehe er gegen halb vier nachts plötzlich wieder wach wurde. Wie lange er umher gewandelt war, daran konnte er sich nicht mehr erinnern.

Als der Mann wieder zu vollem Bewusstsein kam, wusste er nicht, wo er sich befand. Geschweige denn, wie er überhaupt an Ort und Stelle gelangt war. Er bat einen Passanten um dessen Handy und kontaktierte die Polizei.

Die Beamten trafen den 25-Jährigen barfuß und nur mit einem Schlafanzug bekleidet an und brachten ihn nach Hause. Einen Schlüssel hatte der Mann offenbar nicht dabei und so musste auch noch der Schlüsseldienst anrücken.

IM VIDEO|Schlafwandeln - Stress häufiger Auslöser der Schlafstörung


1-4 Prozent Schlafwandler in Deutschland

So wie dem jungen Mann aus Hamburg ergeht es in Deutschland Schätzungen zufolge ein bis vier Prozent aller Erwachsenen, so die Pharmazeutische Zeitung.

Rund ein Drittel der Kinder erlebt mindestens einmal im leben eine schlafwandlerische Episode. Mit der Pubertät verflüchtigt sich das Phänomen jedoch größtenteils. Laut "netdoktor.de" spielt die Reife des zentralen Nervensystems dabei eine Rolle.

Schlafwandeln keine Krankheit - trotzdem behandlungsbedürftig

Es handelt sich beim sogenannten Somnambulismus um keine Krankheit, sondern um eine Art Schlafstörung. Meist wird der Schlafprozess - in der Regel während einer Tiefschlafphase in der ersten Nachthäflte - durch plötzliche Lichtreize oder Geräusche unterbrochen. Betroffene wachen jedoch nicht vollständig auf.

"Beim Schlafwandeln handelt es sich um eine inkomplette Weckreaktion aus dem Tiefschlaf heraus", erklärt Dr. Hans-Günter Weeß, Psychologe, Somnologe und Leiter der schlafmedizinischen Abteilung am Pfalzklinikum in Klingenmünster, der Pharmazeutischen Zeitung. "Teile des Gehirns sind dabei aktiv, andere weiterhin im Schlafzustand." Dies zeige auch eine Aufzeichnung der Hirnaktivität bei der Elektroenzephalografie (EEG).

Schlafwandeln liegt in den Genen

Als Auslöser für Somnambulismus gelten Übermüdung, Stress und seelische Belastung. Doch auch einfach laute Geräusche und eine gefüllte Blase können den Anstoß geben.

Die Gene spielen ebenfalls eine Rolle. So ist die Wahrscheinlichkeit um das Zehnfache höher, wenn es in der Familie bereits Schlafwandler gibt, so "netdoktor.de". Leiden beiden Elternteile unter dieser Schlafstörung, liegt das Risiko für die Kinder sogar bei 60 Prozent, wobei Jungen grundsätzlich häufiger betroffen sind als Mädchen.

Das Ausmaß des Schlafwandelns ist unterschiedlich. Es reicht von wenigen Sekunden bis zu über einer Stunde. Während sich manche nur vom Bett auf die Couch begeben oder den Kühlschrank plündern, sind andere in der Lage, kurze Gespräche zu führen.

Schlafwandler nicht wecken

Was alle Betroffene gemeinsam haben: Man sollte sie nicht aufwecken. Schlafwandler können verwirrt, gereizt oder sogar aggressiv reagieren, wenn sie unsanft geweckt werden. Besser ist es demnach, sie behutsam zurück ins Bett zu bringen und sie dabei nicht laut anzusprechen. Denn Schlafwandler können sich und andere verletzen.

Um die Unfallgefahr zu reduzieren, sollten Vorkehrungen im Haushalt getroffen werden: Türen absperren und Schlüssel nicht in greifbare Nähe legen, Fenster schließen und Stolperfallen verhindern.

Stressbewältigung als Therapie

Während sich das Schlafwandeln bei Kindern meist von selber legt, bedarf es bei Erwachsenen häufig einer Therapie. Erfolgversprechend sind vor allem Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Hypnose oder eine Psychotherapie.

In Extremfällen verordnen Neurologen und Psychiater Medikamente wie Antidepressiva oder Benzodiazepine. Letztere machen jedoch abhängig und können nicht auf Dauer eingenommen werden.

Wichtig: In den meisten Fällen ist schlafwandeln harmlos. Sicherheitshalber ist eine ärztliche Abklärung ratsam. Denn hinter dem Somnambulismus können sich auch ernsthafte neurologische Störungen wie Epilepsie oder das Restless Legs Syndrom verbergen.

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