Mordfall Claudia Ruf (†11): 920 Männer gaben Speichelprobe ab

Claudia Ruf (†11) wurde im Mai 1996 entführt, missbraucht und ermordet.
Claudia Ruf (†11) wurde im Mai 1996 entführt, missbraucht und ermordet.Foto-Quelle: Polizei
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Vor 23 Jahren wurde die damals 11-Jährige Claudia Ruf aus Grevenbroich (NRW) beim Gassigehen mit dem Hund ihres Nachbarn entführt, sexuell missbraucht und ermordet. Rund 2000 Spuren verfolgte die Polizei, trotzdem gibt es bis heute keinen Tatverdächtigen. Das könnte sich jetzt ändern.

Nach einer neuen Bewertung des Verbrechens durch einen Profiler des LKA Nordrhein-Westfalen werden ab Samstag (23. November 2019) rund 1700 Männer zum Speicheltest gebeten. Die Polizei zieht nun eine erste Bilanz.

Demnach kamen 920 Männer zum ersten Teil der DNA-Untersuchung. Wie die Polizei an diesem Sonntag mitteilte, werden die an diesem Wochenende genommenen Speichelproben in das Landeskriminalamt NRW nach Düsseldorf gebracht. Dort werden sie mit der tatrelevanten Spur abgeglichen. "Dieser Vorgang wird voraussichtlich zwei bis drei Monate in Anspruch nehmen", erklärte der Leiter der Mordkommission, Erster Kriminalhauptkommissar Reinhold Jordan.

Neben der DNA-Reihenuntersuchung wurden die Einwohner Hemmerdens nochmals um Hinweise zu verdächtigen Personen oder Wahrnehmungen gebeten. Die Ermittler gehen nun rund 100 Hinweisen zu verdächtigen Wahrnehmungen, Fahrzeugen und Personen nach, die auch über das eigens geschaltete Hinweistelefon (02131 300-25252) abgegeben wurden. Ein konkreter Tatverdacht hat sich allerdings bislang noch nicht ergeben.

Täter wahrscheinlich aus der Ortschaft

Die Polizei geht mittlerweile von einer sogenannten "Nahraumtat" aus. Das heißt, dass der Täter damals höchstwahrscheinlich auch im 2500-Einwohner-Ort Hemmerden in Grevenbroich gewohnt haben muss oder zumindest einen starken Bezugspunkt dorthin hatte. "Es könnte ein unbescholtener Bürger aus der Nachbarschaft gewesen sein", zitiert der "Spiegel" die Polizei.

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Nach einem Beschluss des Mönchengladbacher Amtsgerichts wurden alle Männer, die einen Bezug zu Hemmerden haben und zum Tatzeitpunkt zwischen 14 und 70 Jahren alt waren, zur Abgabe einer DNA-Probe eingeladen -insgesamt etwa 1000 Personen.

Mehr Männer um Speicheltest gebeten

Die Zahl der Männer, die zum Test eingeladen wurden, sei inzwischen von 1600 auf 1700 erhöht worden, berichtet RTL. Demnach werden zusätzlich zu den Männern aus Hemmerden 800 weitere Männer aus ganz Deutschland um eine Speichelprobe gebeten.

Die Proben werden anonymisiert und nur für diesen einen Fall benutzt. Der Test ist freiwillig. Nur bei dringendem Tatverdacht kann ein Test per Gerichtsbeschluss erwirkt werden.

"Für mich ist das eine Selbstverständlichkeit, am Test teilzunehmen"

Die ersten Männer wurden am Samstag bereits vor Öffnung der Grundschule in Hemmerden um 10 Uhr gewartet haben.

"Für mich ist das eine Selbstverständlichkeit, am Test teilzunehmen", zitiert RTL einen Grevenbroicher . "Ich bin sehr zuversichtlich, dass der Mörder entdeckt wird. Und das wäre eine große Erleichterung für mich, wenn er endlich gefasst würde!"

Beim Gassigehen entführt, missbraucht und getötet

Claudia war am 11. Mai 1996 in Grevenbroich-Hemmerden beim Gassigehen mit dem Nachbarhund von einem Unbekannten entführt worden. Zwei Tage später war ihre verbrannte Leiche in eine Feld bei Euskirchen - knapp 70 km vom Wohnort entfernt - gefunden worden. Die Obduktion ergab, dass das Mädchen sexuell missbraucht und ermordet worden war.

Neue Erkenntnisse zum Täter

Bereits seit 2010 hatten bislang 350 Männer, davon 120 Sexualstraftäter aus den Bereichen Rhein-Kreis-Neuss und Kreis Euskirchen, ihre DNA abgeben müssen. Ohne Erfolg.

Die neue Untersuchung wurde nun angeordnet, weil es neue wissenschaftliche Erkenntnis zur Täter-DNA geben soll. Auch wissen man jetzt, weshalb Claudias Leiche bei Euskirchen abgelegt worden war. Aus ermittlungstaktischen Gründen hielt sich die Polizei jedoch bedeckt.

"Bitte helfen Sie der Polizei": Claudias Vater appelliert an die Mitbewohner von Hemmerden, an der DNA-Untersuchung teilzunehmen.
Polizei"Bitte helfen Sie der Polizei": Claudias Vater appelliert an die Mitbewohner von Hemmerden, an der DNA-Untersuchung teilzunehmen.

Zur Aufklärung verteilte die Polizei im Ort Broschüren zum DNA-Test. Titel: "Helfen Sie, den Mord an Claudia Ruf aufzuklären". Darin appelliert der Vater[/url] des ermordeten Mädchens an die Bewohner, bei der Aufklärung der fürchterlichen Tat zu helfen:

"Jetzt, nach so langer Zeit, nach mehr als 23 Jahren, besteht die große Chance, dass das so traurige Schicksal meiner Tochter Claudia aufgeklärt wird. Bitte helfen Sie der Polizei. Bitte helfen Sie mir. Es ist eine sehr lange Zeit vergangen, aber bitte denken Sie noch einmal darüber nach, ob ihnen damals in ihrem Umfeld etwas aufgefallen ist. Teilen sie dies unbedingt der Polizei mit. Gehen sie bitte zum DNA-Test und geben ihre Speichelprobe ab, wenn sie eine Einladung dazu erhalten haben sollten. Wenn sie nicht hingehen, dann nützt das nur einem. Dem, der meiner erstgeborenen, damals elf Jahre alten Tochter Claudia das Leben genommen hat. Er muss sich endlich erklären. Er hat sich lange genug hinter uns allen verstecken können."

5000 Euro Belohnung für entscheidende Hinweise

Die Polizei hat für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, eine Belohnung über 5000 Euro ausgelobt. Die Ergebnisse der Speichelproben sollen in zwei bis drei Monaten vorliegen. Reinhold Jordan, der Leiter der Mordkommission sagte laut "Bild": "Ich bin guter Hoffnung, dass wir den Mord an Claudia Ruf noch klären können."

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