Senioren-Models erobern die Werbung – cooler Trend oder alberne Anbiederung?

Senioren-Models erobern die Werbung – cooler Trend oder alberne Anbiederung?

Christine Kammerer

Wir sind Zielgruppe. Das hat offenbar endlich auch die Werbeindustrie erkannt. Neuerdings flimmern nicht mehr nur magersüchtige Minderjährige über den Monitor, sondern immer öfter auch Senioren-Models mit ganz normaler Figur und ergrautem Haar. Ist der Jugendwahn endlich passé?

Fühlen wir uns wirklich angesprochen, wenn ein jugendlicher Gigolo für Autos wirbt? Wohl kaum. Wir finden auch pfirsichhäutige Mädchen, die für Faltencreme werben, nicht sonderlich glaubwürdig. Und ein elfengleiches Magermodell auf dem Treppenlift würde uns vermutlich eher abschrecken, als zum Kauf animieren.

Lange ging Werbung an den Interessen und Bedürfnissen der Zielgruppe der Senioren vollkommen vorbei. Doch nun begegnen uns immer öfter auch ältere Models im Werbefernsehen.

Senior-Models bedienen den Zipperlein-Markt
Blasentee und Gleitcreme, Rollatoren und Rheumapflaster – das ist die Domäne der Ü45-Models. Echte Senioren-Models werben vor allem für Gesundheitsprodukte, gelegentlich für Kreuzfahrten und manchmal auch für das bisschen Luxus, das man sich oft erst mit fortgeschrittenem Alter gönnt – ein Gläschen Champagner in der Oper zum Beispiel. Doch hippe Mode an betagten Leibern? Auch wenn Chanel kürzlich ein über 50-jähriges Model über den Catwalk laufen ließ - für die Werber sind Silver Models nach wie vor nur eine exotische Show-Einlage.

Oma auf dem Laufsteg
Christa Höhs, die 1994 (mit damals 53 Jahren) in München die weltweit erste Agentur für Models im besten Alter gründete, wurde mit 49 in New York auf der Straße angesprochen und gefragt, ob sie nicht modeln wolle. Doch in den USA gelten in Bezug auf das Alter ganz andere Normen als hierzulande.

Die deutsche Oma hat Pausbäckchen, weiße Haare und einen Dutt. Sie sitzt mit ihrer Nickelbrille strickend auf dem Sofa und backt Kuchen mit den Enkeln. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Zumindest in der Wunderwelt der Werbung.

Halbherzige Anbiederung an eine kaufkräftige Zielgruppe?
Viele der vermeintlichen Silver Models haben strahlend weißes Haar, doch bei genauer Betrachtung sehen sie einfach verdammt jung aus – ungefähr so wie künstlich ergraute 35jährige. Ist der plötzliche Sinneswandel der Werbeindustrie in Wirklichkeit doch nur eine halbherzige Anbiederung an eine sehr kaufkräftige Zielgruppe?

Höhs' Agentur lief gut an, doch die Nachfrage ist nach wie vor gering. Für die Mode-Branche laufen immer noch ausschließlich sehr junge Models - Senior-Models sind nur bei wenigen Produkten gefragt. Sie dürfen zwar ein paar Kilo mehr auf den Rippen haben, denn Hungerhaken kommen bei Senioren nicht gut an, doch selbst von ihnen wird Konfektionsgröße 38 erwartet. Bei einer 44 ist definitiv Schluss mit lustig. Und es gibt eben doch eine Altersgrenze – die magische 55. Wer älter ist, bekommt praktisch keine Aufträge mehr. Es sei denn natürlich für ein kurzes Lächeln im Treppenlift.

5 Kommentare

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Für mich zählt bei einem Menschen - auch im Werbespot - weder Alter - noch Haarfarbe - noch Gewicht - auch keine Kleidergröße. Die (der) Betreffende benötigt nur eins. ...Ausstrahlung eine positive Ausstrahlung
sollte vorhanden sein - sie vermittelt - lebensfreude - lebensmut - lebendig sein. Selbst bei der Werbung für einen Rollator - käme es mir nicht auf das Typenmodel an, mein Augenmerk würde auf die (den) nutzerr/in fallen.
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Natürlich, bei den Jungen bist du spätestens ab 35 ein alter Hund.
Die Frage, die gestellt werden muss: Ja, wer hat denn diese Bälger groß gezogen und ist dafür verantwortlich, dass sie so sind wie sie sind? Jungendwahn inklusive.

Die saftigen Watsch'n zur richtigen Zeit (also fast immer) haben offensichtlich gefehlt, weil antiautoritäre Erziehung angesagt war.

Jetzt haben wir den Salat!
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Ich finde die Werbung in der Senior-models für Blasentee,Treppenlifte und Rheumasalben benutzt werden schlichtweg als diskriminierend.
Nicht nur wir Älteren haben so unsere Probleme -manche Junge noch viel mehr. Oder warum gibt es soviel junge Leute die psychisch labil sind und dadurch auch körperöiche Beeinträchtigungen haben??
Es wäre viel weitsichtiger von der Werbeindustrie auf ganz normale Typen zu setzen. Auch die Mode sollte ab einem gewissen Alter nicht nur braun,grau oder schwarz sein., und die Schnitte der Kleider nicht oft so altbacken. Das war zur Zeit unserer Großelter vielleicht passend, aber heute nicht mehr.
Viele von uns Älteren wollen heute flott aussehen und und in fröhliche Farben kleiden, und nicht jeder braucht Treppenlifte und dergleichen mehr.
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ich schaue mir grundsätzlich keine Werbung an , aber die Werbeindustrie verhält sich bei Senioren-Models sehr unklug und kurzsichtig... ..auch egal......Werbung macht dumm und ist ohnehin eine einzige Lüge ....
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Ist mir noch gar nicht aufgefallen - na ja, ich guck ja auch keine Werbung.
Von mir aus könnten Paviane in Strickkleidchen über den Laufsteg (der wie heißt das Ding auf "neudeutsch") prominieren, das würde ich auch gar nicht merken
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