Gibt es heute noch Kotzbrocken wie Ekel Alfred? Muss Humor politisch-korrekt sein?

Was für ein Kotzbrocken! Alle Welt kannte den Mann als „Ekel Alfred“. Den Beinamen hatte er sich wahrlich verdient.

Mit seiner Familie im Ruhrgebiets-Reihenhaus war dieser Alfred Tetzlaff keineswegs „Ein Herz und eine Seele“, wie der Serientitel ironisch verhieß. Nein, mit diesem monströsen Oberspießer konnte keiner in Frieden leben. Zu sagen, dass der Haussegen ständig schief hing, wäre eine Untertreibung.

Engstirniges Weltbild

Ab Anfang 1973 wetterte Alfred (großartig gespielt von Heinz Schubert) gegen alles, was nicht in sein engstirniges Weltbild passte und nach „Sozis“ oder gar Kommunismus roch. Jede Veränderung im Lande war ihm verdächtig. Mal ehrlich: Gibt es solche kleinen Alfreds nicht auch heute?

Man befand sich allerdings noch im „Kalten Krieg“ zwischen Ost und West, zu Beginn der Reihe regierte Kanzler Willy Brandt (SPD), ab 1974 war Helmut Schmidt (SPD) an der Reihe. Der war ja immerhin Offizier gewesen, wie Ekel Alfred brummelnd anerkannte. Doch egal. Für ihn war auch Schmidt nun vor allem ein übler „Sozi“, der Deutschland ins Verderben führte.

Ehefrau als "dusselige Kuh"

Dieser Tetzlaff posaunte immer aus, wie sehr er auf Sitte und Anstand, Pflicht und Ordnung halte. Doch dann zeigte sich stets ziemlich schnell, dass er selbst polternd gegen alle möglichen Regeln verstieß, wenn es ihm in den Kram passte.

Allein schon sein Vorrat an Kraftworten war so reichlich und derb, wie es damals im Fernsehen noch nicht üblich war. Und wie ruppig dieser Wicht seine Frau Else (Elisabeth Wiedemann) behandelt hat! Man konnte kaum mitzählen, wie oft er das unbedarfte Hausmütterchen „dusselige Kuh“ genannt oder anderweitig beleidigt hat. Doch an ihr schien alles abzuperlen, so illusionslos war sie nach fast 25 Jahren Ehe mit diesem Giftzwerg.

Köstliche Streit-Dialoge

Weitere Haushaltsmitglieder waren Tochter Rita (Hildegard Krekel) und Schwiegersohn Michael (Diether Krebs), der Alfred Tetzlaff mit seinen linksliberalen Ansichten bis aufs Blut reizte. Der traumhaft pointensichere Autor Wolfgang Menge hat den beiden köstliche Streit-Dialoge geschrieben.

Gespielt wurde das alles vor Live-Publikum, wie auf dem Theater. Diese Aufführungen wurden jeweils am Tag der Sendung aufgezeichnet, so dass man immer aktuell sein konnte. So beispielsweise in der noch heute zum Quieken komischen Folge „Besuch aus der Ostzone“ vom 17. Juni 1974: Michaels Eltern, die in Sachsen lebten, hatten sich als Gäste angesagt – sehr zum Verdruss Alfreds und noch dazu vor dem (seinerzeit wirklich anstehenden) Fußball-WM-Duell „zwischen Deutschland und der Zone“. Da konnte Alfred mal wieder so richtig vom Leder ziehen...

Gibt es heute noch Kotzbrocken wie Ekel Alfred? Muss Humor politisch-korrekt sein?

13 Kommentare

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das war einfach ´ne andere zeit ...die werberelevante zielgruppe (die aus den 68ern hervorging) war politisch interessiert, es galt als schick das establishment zu hinterfragen und zu provozieren ...
und heute? ... heute sind die leute dieses alters, nur noch auf der jagd nach karriere, altersversorgung und konsum und deshalb viel angepasster -und dass ist gewollt und gesteuert...
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Ich liebe Ekel Alfred... der hat wenigstens gerade heraus gesagt, was er denkt (Oberknaller: Pizza schmeckt doch wie vollgepisste Wolldecke ). Da wusste man immer, wo man dran ist, das ist mir hundertmal lieber als wenn jemand etwas anderes denkt als er sagt, um sich beliebt zu machen.
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Ist der Humor nicht die einzige freie Zone ohne "political correcness" die uns noch geblieben ist? Über einen WM Sieg freuen dürfen wir uns ja auch schon nicht mehr. M.E. ist nicht Ekel Alfred der Kotzbrocken, sonder jene die uns die "politische Korrektheit" aufzwingen. Diese ganze Zensur grenzt fast schon an Bücherverbrennung - und die war alles andere als "politisch korrekt".
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die schlimmsten sind die verkehrserzieher so mitte 60...da ärger ich mich jeden tag drüber
Die mir Klopapier auf der hinteren Ablage und mit Hut hinter´m Steuer sitzen
nee, das sind die ganz alten...denen verzeih ich, daß sie nicht mehr so flott sind...nee, die gradrentner, die im sportwagen den bringer raushängen lassen, aber vor dir her trödeln, wenn sie merken, daß du´s eilig hast (und das hab ich immer) und gas geben, wenn du sie dann versuchst zu überholen
DAS können aber auch die 18-Jährigen schon recht gut
na gut...die wissen noch nicht, was sie tun
Hahaha...sollten sie aber...
die dürfen zwar mit 18 (oder isses doch schon 16) wählen, aber einen plan vom leben haben die doch nicht
Ich mag besonders die, mit dem Wackeldackel auf der Hutablage
Tja...das Problem sehe ich auch. Aber das ist wohl nicht zu ändern '
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Was heisst, es gibt keine Kotzbrocken mehr ? Hehe...geht mal mit mir einkaufen
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