Wann ist es Depression? Vom Umgang mit der Melancholie

Melancholie
Melancholie
Christine Kammerer
Aktualisiert:

Wenn sich der dunkle Schatten der Melancholie auf das Gemüt legt kann das mitunter sehr heilsam sein. Meist finden wir schnell wieder zur Ausgeglichenheit zurück, doch mitunter frisst sich die Traurigkeit tief in die Seele hinein und raubt den Betroffenen jede Freude am Leben.

Die Melancholie wurde von vielen Dichtern und Künstlern gepriesen. Sie ist wie ein dunkler Schatten, der sich auf das Gemüt legt und alles in düsterem Licht erscheinen lässt. Man hat nahe am Wasser gebaut, der Kloß sitzt im Hals, die Kehle ist wie zugeschnürt. Man möchte am liebsten nur alleine sein – sich vollkommen zurückziehen von der Welt. Eine Erläuterung was sind Depressionen? finden Sie hier.

Melancholie ist heilsam
Diese Art von Traurigkeit kann sogar sehr heilsam sein. Melancholie besitzt eine ganz eigene Energie. Der Abschied von geliebten Menschen - zum Beispiel wenn Kinder aus dem Haus gehen - erfüllt uns mit Wehmut. Wir bleiben mit einer inneren Leere zurück.

Meistens gibt es gute Gründe für den Blues. Wir nehmen uns dann einfach ein wenig Auszeit und lauschen in uns hinein. Die Ruhe tut uns gut und verhilft uns zu neuer Kraft und Kreativität. Schon bald finden wir wieder zurück zu unserer Mitte und es gelingt uns, die Leere mit neuem Leben zu füllen.

Diagnose Depression
Manchmal jedoch bleibt das Gefühl der tiefen Traurigkeit und nimmt den Betroffenen hartnäckig gefangen. Für die Diagnose Depression ist die Dauer entscheidend und die Tiefe: Hält die düstere Stimmung mehr als sechs Wochen an, ist sie von Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit begleitet, die sogar an Selbstmord denken lässt, dann sollte man sich unbedingt Unterstützung suchen.

Die Depression liegt auf den Schultern wie eine Zentnerlast. Sie bedrückt und raubt die Lust am Leben. Die Betroffenen verkriechen sich im dunklen Kämmerlein und sind nicht einmal mehr in der Lage, Dinge anzugehen, die ihnen Linderung verschaffen könnten – Freunde treffen zum Beispiel oder Sport treiben.

Gefangen im Schneckenhaus
Sie verlieren sich ganz und gar in düsteren Grübeleien, drehen sich fortwährend in ihrem Sorgenkreisel und können nicht mehr klar denken. Die Depression ist wie ein großes schwarzes Loch, in dem das Ich verschwindet.

Hat die Depression einen Sinn?
Es liegt auf der Hand, dass der Betroffene Probleme hat, die nach einer Lösung drängen. Auslöser sind häufig Lebenskrisen, die mit einem Verlust und/oder dem eigenen (oft auch nur vermeintlichen) Versagen einhergehen.

Die Depression ist ein Versuch der Seele, die Krise zu überwinden. Im positiven Sinne zwingt sie den Erkrankten, nach einer Lösung zu suchen – einem Weg aus dem Labyrinth, in dem er gefangen ist. Doch manchmal geraten die Symptome außer Kontrolle. Dann greifen viele dankbar zu Medikamenten.

Medikamente lösen die Probleme nicht
Antidepressiva lösen die zu Grunde liegenden Probleme nicht. Sie können kurzfristig helfen, das schwere Leiden zu lindern - langfristig fördern sie nur die Verdrängung. Sie helfen dem Kranken lediglich dabei, vor seinen inneren Konflikten zu fliehen. Sie verhindern aber, dass er – im besten Falle zusammen mit einem Psychotherapeuten - nach echten Lösungen sucht.

27 Kommentare

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Ich kann nur allen empfehlen zuerst zum Fach-ARZT zu gehen. Auch wenn ganz geschickt der Begriff der endogenen Depression aus dem DSM-5 und dem ICD-10 entfernt wurde, so spielen die biologischen Ursachen und die Genetik eine große Rolle. So wird hier vollmundig "Medikamente lösen die Probleme nicht" geschrieben. Dann muss man auch dazu sagen, dass die Psychotherapie noch weit weniger dazu in der Lage ist. Die Frage ist woher die Depression kommt. Sind es Begleiterscheinungen einer anderen Krankheit? Ist es ein Teil des Charakters der betreffenden Person oder gibt es einen offensichtlichen zeitlich einzugrenzenden Auslöser dafür? Oder ist schon alleine durch die Familiengeschichte klar, was zu dieser Erkrankung geführt hat? Gerade wenn hier Wörter wie Melancholie fallen sollten Psychologen grundsätzlich vorsichtig sein. Leider hat man die aussagekräftigen Diagnosen und Bezeichnungen wie die "endogene Depression", den "depressiven Charakter" und sogar die "Dysthymie" durch den völlig sinnentleerten Begriff "rezidivierende depressive Störung" ersetzt. Das Fach das hier zu Lasten der Patienten völlig in den Hintergrund gedrängt wurde nennt sich Somatopsychologie. Wie heißt es so schön: "Geld regiert die Welt". Die Immobilienblase ist nichts im Vergleich zu der Psycho-Blase die sich in den letzten Jahrzehnten aufgebaut hat. Eine Depression sollte in jedem Fall nur vom Facharzt diagnostiziert werden. Nur in den Fällen in denen eine Psychotherapie sinnvoll ist, sollte der Patient an den entsprechenden Therapeuten verwiesen werden. Weiters wäre es notwendig diese Therapie in regelmäßigen Abständen vom Arzt zu überwachen. Es gibt Fälle in denen eine Therapie durch den Psychologen hilfreich sein kann. Ebenso gibt es genug Fälle in denen sich eine solche Therapie als sinnlos bis schädigend erweist.
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Über Depressionen allgemein wird immer wieder -- berichtet jedes Jahr aufs Neue ...
Auch daß Deppressionen heilbar wären -- man sagt die Chancen lägen bie 80 %
Ich gehöre dann zu den restlichen 20 % !
Bzw. sind meine Symptome ... eine Depression ???
Seit über 20 Jahren leide ich an Müdigkeit und Antriebslosigkeit ..
Ich würde was drum geben --- einmal morgens frisch und munter zu sein !
Alles --- wiklich alles schon versucht und hinter mir ..
Schlaflabor 3 mal schon ... Psychosomatische Klinik -- einige Male schon ... Neurologen .. Psychiater ... Verhaltens Therapie alles durch
Auf Medikamente ?? vertrag ich NIX --- es ging mir sehr übel und
ganz schlecht ....
Dann sagt dir der Fachmann ... " Tut mir leid - mehr kann ich nicht für Sie tun ""
Ich mache seit 3 Jahren Tiefenpsychologie --- Sitzungen
Meine Müdigkeit bzw. Symptome --- werden auch nicht besser ...
Ich muss damit leben ...
Mein derzeitiger Psychologe --- sagt " es sei genetisch bedingt "
Und Teil meines Lebens ... auch schon von Geburt an ...
Da ist viel Wahres dran !!
Ich denk Positiv trotz allem --- und sage mir immer
" Es gibt viel Schlimmeres im Leben ""
Muss und werde damit weiter leben
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Depressive Menschen sind keine kranken Menschen

Vielmehr sind es Menschen, die sich auf eine überfordernde Weise ans Leben angepasst haben und jetzt darunter leiden und zu zerbrechen drohen, und zwar so sehr, dass dieses Leiden Krankheitswert hat. Mit anderen Worten: Auch wenn die Depression keine Krankheit ist, bringt sie für die Betroffenen oder den Betroffenen ein hohes Maß an Leiden mit sich.

und weiter...

Die depressiven Menschen haben sich im Laufe ihres Lebens überfordert, geschwächt und haben schlussendlich verloren. Alle Schritte, die ihnen zu mehr Verständnis, Wertschätzung und Bedeutung verhelfen und die eine Konkretisierung eines neuen Umganges mit sich sind, bringen sie näher zu sich und weiter weg von ihren depressiven Handlungsweisen und Einstellungen. Das ist, auf den Punkt gebracht, das Rezept eines erfolgreichen Ausstieges.
Das verstehe ich ehrlich gesagt nicht ganz Depression wird doch ganz klar als Krankheit eingestuft und manche (siehe auch die Kommentare hier) fühlen sich sehr krank und sehr eingeschränkt durch ihre Krankheit.
Und es ist doch auch gut für die Betroffenen, dass ihr Leiden als Krankheit gesehen wird, denn sonst würde viele Depressive gar nicht ernst genommen, sondern wären sie nach wie vor mit dem Stigma behaftet, dass sie sich im Grunde nur drücken - vor dem Leben, der Arbeit etc.
Dann lese das Buch"Depression ist keine Krankheit: Neue Wege, sich selbst zu befreien" von Josef Giger-Bütler isbn:9783407224606

Da wird alles beantwortet, ein Auszug:

Pressestimmen

»Das Buch [ist] spannend, äußerst anregend und zudem sehr verständlich geschrieben.« ZDF Videotext »Er räumt mit Vorurteilen über Depressionen auf, erklärt ihre Entstehung und zeigt neue Wege in ein freies, selbstbestimmtes Leben.« dapd »Mit seinem neuen, erfolgreichen Ansatz grenzt Josef Giger-Bütler die Depression von Trauer, Angst, Burnout und Verbitterung ab und zeigt uns, wie sie sich beim Betroffenen entwickelt.« Amselhof

Kurzbeschreibung

Entweder die Depression wird trivialisiert oder als »Krankheit« verteufelt – so wird nicht einmal die Hälfte der Depressiven erfolgreich behandelt. Der Autor schlägt einen völlig neuen Weg ein, der den Betroffenen Mut macht, sich aus ihrer depressiven Entwicklung selbst zu befreien: Indem er der Depression das krankhafte, dämonisch-unverständliche nimmt und sie mit der persönlichen Lebensgeschichte des Einzelnen verknüpft. Ein Buch auch für Angehörige und alle, die mehr darüber wissen wollen.

Die Depression ist ein heimliches und unheimliches Leiden. Sie wirkt oft unerkannt, aber effizient und perfid. Sie unterdrückt Menschen und macht sie unfrei: Menschen, die, ohne es anders zu können, lieblos mit sich umgehen, sich abrackern, ohne etwas davon zu haben und auch das noch als normal betrachten. Erst am Ende einer langen Entwicklung, die in der Kindheit ihren Ausgang nimmt, steht der depressive Zusammenbruch.
In seinem neuen Buch grenzt Josef Giger-Bütler die Depression von Trauer, Angst, Burn-Out und Verbitterung ab und zeigt uns, wie sie sich entwickelt. Er betont, dass die Depression keine Krankheit ist, sondern ein falsch gelerntes und damit falsch gelebtes Leben, aus dem sich jeder befreien kann.
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Das soziale Umfeld, duldet keine depressiven Menschen, klingt banal, ist aber so. Depressive müssen sich stet's erklären. Nur eine geeignete Therapie, kann eine dauerhafte Heilung bewirken. So war es bei mir, und ich bin noch lange nicht durch, mit der Therapie.
Ich habe auch Depressionen und auch eine 6 wöchige stationäre Therapie hinter mir ,ch habe sie zwar immer noch , aber ich tue was dagegen ,denn ich gehe in eine Tagesstätte demnächst ,da ich nach meinen Umzug durch meine Alkohol und Drogentherapie keinerlei soziale Kontakte habe ,weil ich einen Rückfall vermeiden will ,denn ich bin seit Nov 2012 trocken und clean
Hallo Andreas,
danke, für Deine ehrlich und offene Antwort. Auch ich war im vergangenen Jahr, für einige Monate in einer psychiatrischen Tagesklinik, es hat Gutes in mir bewirkt. Ab Mai, werde ich an einer weiteren Therapie teilnehmen. Der Weg dorthin, war ein schwerer, es gibt zu wenig geeignete Therapieplätze. Andreas, soziale Kontakte sind ausgesprochen wichtig, um nicht wieder in eine Depression zu fallen, ich weiß, es ist nicht ganz einfach, verständnisvolle Menschen zu finden - aber sie sind da.
Du bist seit Nov 2012 trocken und clean, das ist großartig.
Bleib auf diesem Weg, das wünsche ich Dir von Herzen.
Liebe Grüße
Böser Onkels Fan, du hast ja schon einen schweren Weg hinter dir. Hut ab ! Geh weiter diesen Weg, Bin mir sicher, den Rest schaffst du auch noch !
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schwer depressive können weder weinen!! noch lachen ... sie empfinden gar nichts mehr!!! ... alles andere ist eine "depressive verstimmung" niemals zu verwechseln mit einer wirklichen depression.
um therapiefähig zu werden, ist die einnahme von antidepressiva in den meisten fällen dringend notwendig. erst dann, wenn deren wirkung eingesetzt hat, sind sie in der lage ihre befindlichkeit in worte zu fassen. es gibt verschiedene arten. zuerst antriebssteigernd und dann erst aufhellend oder umgekehrt. der arzt entscheidet, nachdem er den pat kennengelernt hat. und ... antidepressiva machen n i c h t abhängig!!!.
du hast recht, es gibt verschiedene arten, ... z b auch die agitierte depression ... die von innerer getriebenheit und unruhe geprägt ist.
ppsychische Störungen haben viele Gesichter, selten ist es nur eine Krankheitsdiagnose. Die Anzeichen gehen oft in eine andere Art von psych. Störung über. Jedenfalls sollte man ihr nicht nachgeben und sofort Hilfe suchen!!!
richtig, monika, nicht selten mündet z b das "ausgebranntsein" im beruf in eine schwere depression. frühzeitig erkannt, kann es aufgefangen werden.
oft kommt dann auch das eigentliche Schlüsselerlebnis zum Vorschein was jahrelang schlummerte. Der Körper und Geist suchen ihre Ruhe - durch Krankheiten werden wir gezwungen was zu ändern im Leben!
Wer nichts ändert, wird nicht gesund!
ja, wenn die seele leidet wird der körper krank. wenn eine depression nicht erkannt wird, äussert sie sich durch körperliche symtome ... eine larvierte (versteckt) depression
leider halten manche an ihren Krankheiten fest, möglich die Angst vor der persönl. Wahrheit und Herausforderung!? Ausgenommen ist Schizophrenie die steckt in einem drin und kann irgendwann ausbrechen.
vllt weil es einfacher ist etwas körperliches zu behandeln.
mit sich selbst auseinanderzusetzen kostet viel kraft, mühe und tränen.
das andere, monika, denke ich, würde jetzt zu weit führen.
das thema ist depression.
Klar Sr Inge geht es um Depression, Betroffenen ist vllt etwas geholfen wenn sie sich nicht dem Schicksal ergeben und annehmen, dass es Hintergründe sind, die sie dringend angehen sollten! Mit fachl. Unterstützung natürlich.
ein schwer depressiver mensch ist dazu gar nicht in der lage. er braucht zuerst die stütze des antidepessivums um sich damit in einer therapie auseinandersetzen zu können. ist es eine reaktive oder endogene depression ... es ist ein sehr weites, sehr interessantes, gebiet.
Das stimmt Sr Inge, bleibt zu hoffen, dass das Umfeld versteht und hilft.
Sr Inge es gibt sehr wohl bei Depressionen Medikamente die abhängig machen ,ich sag nur Diazepam und ich kenn mich damit aus 1. habe ich leider bis 2012 eine Alkohol u Drogenkarriere hinter mir und 2 .war ich für 6 wochen in der offenen Psychatrie wegen Depressionen und weiß was und wie die Medikamente wirken
andreas, diazepam ist kein antidepressivum. es wird bei angstzuständen, schlaflosigkeit und bei epileptischen anfällen gegeben. in der tat ist die gefahr der abhängigkeit bei diesem medikament gross ... nach 10 - 14 tagen etwa
wie gesagt ich kenn mich damit aus ich war 25 Jahre alkoholabhängig und 17 davon Drogenabhängikeit ,ich kenne mehr Medikamente und ihre Wirkungen als mir lieb ist , aber ich hab den Absprung ,leider kam danach die schwere Depression , aber nichts hält mich davon ab trocken und clean zu bleiben
das wünsche ich dir sehr.
danke , ich bin nun mal ein Kämpfer und die Depression bekämpfe ich auch noch , ich kenne nichts anderes als nur zu kämpfen
Von welchen Arten der Depression ist den hier überhaupt die Rede. Es gibt so viele Arten von Depressionen. Depression ist nicht gleich Depression-
Es gibt auch verschiedene Antidepressiva.
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