Lieber unglücklich verstrickt als glücklich getrennt?

Lieber unglücklich verstrickt als glücklich getrennt?
Lieber unglücklich verstrickt als glücklich getrennt?Foto-Quelle: (c) lassedesignen - www.Fotolia.com
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Die Scheidungsrate in Deutschland ist hoch. Gleichwohl bleiben immer noch viele Menschen in ihrer Beziehung und Ehe, obwohl sie schon lange nicht mehr glücklich sind. Martin ist nur ein Beispiel von vielen: Er ist Anfang 70 und über 45 Jahre verheiratet. Er uns seine Frau haben drei Kinder, erwachsen, längst aus dem Haus. Die Eltern leben seit über 20 Jahren nebeneinander her und seit gut 15 Jahren getrennt. Martins Frau ist Italienerin und lebt die meiste Zeit des Jahres in ihrem Geburtsland.

Sie machen sich nichts vor. Schon lange nicht mehr.


Sie weiß, dass Martin immer mal wieder eine Frau kennen lernt. Sie haben sich auf eine Art Freundschaft geeinigt. Für Martin kommt dennoch eine Trennung oder gar Scheidung nicht in Frage. Er fühlt sich für seine Ehefrau verantwortlich, die damals ihre Heimat für ihn verließ. Nun hat er eine neue Frau kennen und lieben gelernt. Zum ersten Mal fühlt er sich wieder in seinem Herzen hingezogen zu einem anderen Menschen. Aber er traut sich nicht, den nächsten Schritt zu tun, um noch einmal ein neues Glück zu wagen.

Warum sich nicht trennen?


Damit ist Martin nicht allein. Frauen und Männer jeden Alters scheuen sich vor dem letzten Schritt. Sie bleiben - und leiden. Sie bleiben - und suchen eine Art Second hand-Beziehung "nebenbei".

Ein Freund von mir, der ebenfalls von seiner Frau getrennt lebt, zwar im gleichen Haus, aber von Tisch, Bett und Briefkasten getrennt, sagte einmal: Uns verbindet so viel. Auch wenn wir uns nichts mehr zu sagen haben. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, sie allein zu lassen. Sie war meine Jugendliebe, wir haben vielleicht zu jung geheiratet und dann haben wir uns auseinander entwickelt. Ich kann ihr das einfach nicht antun. Und unseren Kindern auch nicht.

Warum aber schaffen Menschen Trennungen nicht? Warum scheuen sie sich wirklich?

Warum lassen sich nicht auf ein neues Leben ein und sagen dem alten in Frieden und mit Respekt Adieu?


Ist es im Grunde einfach nur Angst, allein zu sein? Zuzugeben, sich geirrt zu haben? Hofft man lieber vergeblich, dass noch einmal alles gut wird? Bleibt man, weil man sich nicht vorstellen kann und mag, wie ein Leben ohne ihn sein wird? Ist des also die Angst vor dem Unbekannten? Oder gar die Angst, sich erneut zu täuschen und irgendwann auch das neue Glück zu verlieren?

Oder braucht es einen Auslöser, einen Grund, der einen aus der Gewohnheit reißt? Aus der Lethargie und der liebgewinnen Verstellung, dass alles ja gar nicht so schlimm sei und es anderen ja auch nicht besser geht?

Angeblich trennen sich Menschen, die einmal den Sprung und einen Neuanfang gewagt haben, danach leichter und schneller.

Müssen wir das Trennen und Loslassen also üben, das Loslassen einer Liebe und eines einst oder noch immer geliebten Menschen?


Die Buddhisten sagen, das ganze Leben sei eine Übung: die Übung loszulassen, im Kleinen wie im Großen, damit wir in unserer Todesstunde darauf vorbereitet sind, das Kostbarste, was wir haben, loslassen zu können - unser Leben.

5 Kommentare

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Vielleicht trifft die Bezeichnung "unglücklich" und "glücklich" der jeweiligen Alternative gar nicht zu und ist eher mit "gleichgültig" oder "Gewohnheit" zu ersetzen.
In dem gewählten Beispiel wird die Ehefrau wohl auch um die 70 Jahre sein. In diesen Jahrgängen gab es fast keine eigenen Rentenansprüche, da die Frau nur mit Kindererziehung beschäftigt war. Im Falle einer Trennung und des Versorgungsausgleichs reicht es finanziell für beide wohl kaum. Und im Falle des Todes des Mannes bekommt sie den auf den anderen übertragenen Rentenanspruch nicht zurück,
Bei einer dauernden Trennung behält sie alle vielfältigen Ansprüche als Ehefrau und bekommt 60 % seiner Rente plus - falls vorhanden - ihre eigenen Anteile.
Umgekehrt ist es auch so. Im Falle des Todes der Ehefrau bekommt der Ehemann den einmal übertragenen Rentenanspruch auf seine Frau nicht mehr zurück.
Älteren Ehepaaren wird daher oft empfohlen, anstelle einer Scheidung die dauerhafte Trennung beizubehalten. Die Frau behält ihre erworbenen Rechte (auch Freibeträge einer Erbschaft des Hauses) und steht im Falle eines Todes des Mannes wesentlich besser da.....Gleiches gilt beim Mann.
Die von dem Ehemann wechselnden Freundinnen sind die Gelackmeierten und bekommen am Ende gar nichts...

Wenn die Parteien in Anbetracht des hohen Alters ohnehin nicht wieder heiraten wollen, macht eine Scheidung keinen Sinn.
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Meiner Meinung nach hat ein Nicht-Trennen, ein Nicht- Loslassen wollen/können mit ff. inneren Konflikten zu tun:

1. Angst vor Veränderung des Lebens
2. Geld natürlich. Was sonst? Machen wir uns doch nichts vor. Wenn einer der Partner kaum Geld oder nichts verdient, ist er/sie in einer „scheinbaren“ Abhängigkeit.
3. Bequemlichkeit. Es ist ja soooo schön, den anderen als „Bedürfnisanstalt“ zu benutzen (bei den meisten erfolgt dieser Vorgang eher unbewusst)
4. Der soziale Druck. Was sagen die anderen, hier Familie, Kollegen, Freunde etc.?
5.. Angst vor dem Alleinsein und das Tragen der alleinigen Verantwortung für sich selbst.
6. Kinder, die klein sind. Das Schuldbewusstsein ist an dieser Stelle besonders hoch.

Aber!!!! Ich benutze hier mal ein Zitat:

„In 20 Jahren wirst du die Dinge, die du NICHT getan hast, mehr bedauern, als deine Taten. Also, mach die Leinen los, verlassen den sicheren Hafen. Fang den Wind in deinen Segeln, erforsche, träume, entdecke."
Mark Twain
... dem gibt es nichts hinzuzufügen ...
Das sehe ich auch so, AngEIA,
alles das bedenkt man vor einer
Trennung und alles das mach Angst
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Möglicherweise ist die die Liebe im Herzen dauerhafter, als der Verstand es zulassen will. Wenn das Ego den anderen so sehen will wie nach den Erwartungen sein sollte, wird die tiefe Liebe im Herzen abgedeckt und nicht mehr bewusst zugelassen.
Aber sie ist dennoch immer da, in stillen Momenten schimmert sie durch und lässt ahnen warum der Partner so wichtig ist.
Nach langer Trennung kam ich mit meiner Exfrau wieder zusammen, weil der Zauber der Liebe im Herzen ohne die Vorstellungen des Ego voll erblühen konnte, erst in den folgenden Jahren hat das Ego diese Liebe wieder zugemüllt mit seine Erwartungen. Erst an ihrem Sterbebett hat mich ihre Seele spüren lassen, das sie mich immer von Herzen geliebt hat.
Dafür bin ich ihr unendlich dankbar.
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