24 Stunden Rennen Nürburgring: Hyundais Ritt durch die Grüne Hölle

Da kommt Freude auf: Marcus Schrick, Chef von Hyundai Deutschland, re., feie ...
Da kommt Freude auf: Marcus Schrick, Chef von Hyundai Deutschland, re., feiert den KlasensiegFoto-Quelle: Hyundai/christoph goeckel

Was um alles in der Welt macht ein Hyundai i30 auf dem Nürburgring? Was treibt die koreanische Automobilmarke um, am 24-Stunden-Rennen in der Grünen Hölle teilzunehmen, um im Pulk der Porsche 911, Audi R8, BMW, Mercedes AMG GT, Aston Martin und Nissan GTR einen vollen Tag und eine komplette Nacht auf der 25,3 kilometerlangen Achterbahn im Kreis zu fahren?

Es muss schon etwas ganz besonderes ein, das den Reiz dieser Motorsportveranstaltung ausmacht. Und es muss wohl für den asiatischen Importeur Ruhm und Ehre bedeuten, daran teilgenommen zu haben. Denn im Ernst glaubt keiner daran, am Ende unter den 190 teilnehmenden Rennwagen und nach 3950 gefahrenen Kilometern auf dem Siegertreppchen zu stehen. Oder doch?

Hier steuert der Hyundai-Chef selbst


Da kann Markus Schrick, verantwortlicher Hyundai-Manager eine ganz andere Story erzählen. Er, der sich selbst hinter das Steuer setzt und die Strapazen des Marathons mit tollkühner Leidenschaft auf sich nimmt, spricht von Testlabor, Erfahrung, Herausforderung, Image und Siegen. Ja, im letzten Jahr erreichte der Hyundai Veloster Turbo einen Sieg. Es war die zweite Teilnahme und schon Erster seiner Klasse. Dass diese gemessen an der Zahl ihrer Teilnehmer sich im durchaus überschaubaren Rahmen hielt, ändert nichts an der Tatsache, dass er als Gesamtechsundsiebzigster das Martyrium für Auto und Fahrer beendete.

Mit den ganz großen Jungs spielen


Sich mit der automobilen Elite messen. Dabeisein, Aufmerksamkeit erregen - das steht am Anfang eines solchen Abenteuers. Gerade als Außenseiter zieht man die Aufmerksamkeit auf sich, bei den Aktiven als auch bei den Zuschauern. Ganz nach dem Motto: Was will denn der hier? Will er wirklich mit den harten Burschen spielen?

Die Zweiklassengesellschaft bei den 24-Stunden rund um den Nürburgring ist offensichtlich. Da stehen die großen Werke mit ihrem Apparat, den riesigen Etats und den eingespielten Rennabteilungen. Seit Jahrzehnten sind sie auf den Rennstrecken dieser Welt zuhause. Sie siegen in der DTM, haben Le Mans gewonnen und selbst die Formel 1 ist ihnen nicht fremd.

Hoher Thrillfaktor und Herzschlag-Aktionen


Und dann der Nürburgring. Aber nicht allein die Grand-Prix-Strecke sondern auch die legendäre Nordschleife, jene 20 Kilometer lange Berg-und-Tal-Bahn durch die Eifel mit dem höchsten Thrillfaktor. Daher finden eigentlich keine Rennen mehr statt, weil die Autos zu schnell und die Strecke dadurch zu unsicher wurde. Hinzukommt der Anachronismus, dass die Strecke für so genannte Publikumsfahrten unter Entrichtung eines stattlichen Obulus von Jedermann frei befahren werden kann, ohne durch Geschwindigkeitsbeschränkungen eingebremst zu werden. Der Blutzoll ist hoch. Für viele Kritiker zu hoch.

Nürburgring als Qualitätssiegel


Aber der Nürburgring schreibt auch noch eine andere Geschichte. Es ist die der so genannten Industrietage. Dann steht der Parcours den Automobilfirmen offen. Jetzt werden unter härtesten Bedingungen di neuesten Entwicklungen getestet. Seien es die elektronischen Regelsysteme wie ABS oder ESP, elektronische Dämpfer und Fahrwerke, Abstimmungen bei Lenkung und Bremse. Eine Fülle an Aufgaben ist zu bewältigen.

Daher haben sich im Laufe der Jahre die Firmen rund um den Ring angesiedelt. Angefangen mit einfachen Garagen stehen heute besonders im Industriegebiet Meuspath eine Fülle an durchgestylten Industriekomplexen namhafter Hersteller der Automobil-, Reifen und Zuliefererindustrie. So hat auch Hyundai hier eine europäische Entwicklungsdependance in unmittelbarer Nähe zu Aston Martin und General Motors. Erprobt auf der „Nürburgring Nordschleife“ und „The German Autobahn“ ist für viele Hersteller besonders aus Asien ein Gütesiegel höchster Qualität.

Motorsport hautnah fürs Publikum

Seit 45Jahren wird der nunmehrige Klassiker ausgetragen. Angefangen hatte es 1970 mit bereits 96 teilnehmenden Fahrzeugen. Daraus wurde einer der größten Motorsportveranstaltungen weltweit – für Fahrer und Zuschauer. Die weit über 500 Fahrer kommen aus der ganzen Welt angereist. Die „Nordschleife“ besitzt ihren eigenen Mythos. Was anfangs als eine spleenige Idee einiger verrückter Racefreaks geboren wurde, hat sich zum Mekka des publikumsnahen Motorsports entwickelt. Hier ist es noch möglich in die Boxen zu schauen, wo die Autos präpariert werden. Das Fahrerlager kennt ebenso keine „Betreten-verboten-Schilder“ wie der Spaziergang durch die aufgereihten 190 Fahrzeuge vor dem Start erwünscht ist. Rennsport hautnah und voll Aktion.

Clevere Strategie – hoher Nutzen


„Simply clever“, möchte man da den Hyundai-Leuten zurufen. Sie haben eine lukrative, wenig besetzte Nische im Reglement entdeckt, bei der die Sieggarantie eingebaut zu sein scheint. Aber das will Markus Schrick so nicht gelten lassen. Um in die Wertung zu kommen, musst du erst mal ankommen. Der 24-Stunden-Ritt durch die Hölle in diesem Teilnehmerfeld hochpotenter Sportwagen mit und gegen seriennahe Limousinen ist für ihn im Hyundai i30 bereits ein eigener Überlebenskampf auf dieser kurvenreichen, engen Strecke mit ihrem launigen Eifelwetter. Und dann muss das Auto auch zuverlässig sein, durchhalten können.

Wenn das keine Botschaft des gerade mal 22.000 Euro teuren Golf-Konkurrenten an die Kunden der jungen koreanischen Marke ist. Und angekommen ist er trotz heftiger Rempelei und Blessuren auch noch –zum zweiten Mal als Klassensieger und Gesamteinundsiebzigster.

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