Der VICAMPO-Weinkurs Teil 3: Die Wein-Irrtümer - Muss guter Wein wirklich teuer und alt sein?

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Rosé aus Rotwein und Weißwein? Humbug!
Rosé aus Rotwein und Weißwein? Humbug!Foto-Quelle: www.Shutterstock.com / Goodluz
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"Billiger Wein kann nicht schmecken!" - Wetten, dass die meisten von euch das schon x-Mal gehört haben? Ich kann euch beruhigen: Ihr müsst nicht alles glauben, was euch über Wein erzählt wird und könnt den ein oder anderen gut gemeinten Weintipp in Zukunft mit einem Lächeln abtun, weil ihr es besser wisst.

Hier sind die sechs größten Weinirrtümer für euch aufgeklärt!


1. Wein wird mit dem Alter besser.

Hier kann ich euch beruhigen: Ihr müsst euren Wein nicht jahrelang liegen lassen, bis ihr ihn endlich genießen könnt. Denn hier kommt es auf den Wein an. Gerade für einfache Weine gilt die Faustregel: Innerhalb von zwei Jahren solltet ihr diese Weine getrunken haben, da sie vor allem auf Frische und Spritzigkeit ausgelegt sind. Einen solchen Wein kann ich euch z.B. mit dem Weißen Burgunder von Hauck Sonnenhof sehr ans Herz legen.
Für andere hochwertige Weine bedeutet der frühe Genuss meist die Vernichtung vor der Trinkreife. Sogenannte "Große Gewächse" und Weine "Erster Lagen" - absolute Spitzenweine - sind in der Regel erst nach fünf Jahren und mehr ein Trinkvergnügen. Große Weine können daher durchaus lang gelagert werden, ohne an Geschmack einzubüßen. Es kommt also auf den Wein an!

2. Gute Weine müssen teuer sein.

Also ist billiger Wein automatisch schlecht? Da hat es sich jemand sehr leicht gemacht, doch so leicht ist es leider nicht. Natürlich ist klar, dass aufwendig von Hand hergestellter Wein teurer ist als industrieller Massenwein aus dem Supermarkt, aber bei vielen sehr teuren Weinen zahlt der Genießer auch für den Namen. Damit ist ein hoher Preis keine Garantie für einen guten Wein. Ihr würdet nicht glauben, zu welch günstigen Preisen so manch kleiner Winzer tolle Weine verkauft! Bestes Beispiel: Der Liter-Riesling von Faubel oder auch der Rheingau Riesling von Molitor.


3. Zu Käse serviert man Rotwein.

Nun, auch hier kann ich euch sagen, dass es nur teilweise stimmt und schlichtweg vom Käse abhängt. Camembert, Brie oder junger Gouda passen hervorragend zum Rotwein. Falls ihr allerdings lieber Weißwein trinkt und dazu auch gerne mal ein Stück Käse genießen wollt, so kann ich euch beruhigen: Ziegenkäse und sehr würziger Hartkäse passen hervorragend zu Weißwein, wie zum Beispiel diesem Grauburgunder von Hauck Sonnenhof. Ein herzhafter Blauschimmelkäse eignet sich sehr gut zu einer süßen Auslese. Ihr seht also, Wein passt eigentlich immer zu Käse.

4. Rosé wird aus Weiß- und Rotwein gemischt.

Wenn euch das nächste Mal jemand diesen Mythos auferlegen möchte, so könnt ihr diese Person ab jetzt eines Besseren belehren. Denn obwohl tatsächlich eine rosa Farbe entsteht, wenn man Rot-und Weißwein miteinander vermengt, so wird ein wahrer Rosé doch aus Rotweintrauben gewonnen. Der Unterschied zum Rotwein ist, dass der Saft der Beeren bereits nach kurzer Zeit von den Schalen getrennt wird. Da die Schalen dem Wein seine Farbe geben, bleibt so nur eine leicht rötliche Farbe zurück oder auch ein köstlicher Rosé.

5. Flaschen mit Korken enthalten besseren Wein als Flaschen mit Kapselverschluss.

Dieses Vorurteil ist schlichtweg falsch! Für die Winzer ist der Schraubverschluss ein Segen, denn endlich müssen sie keine Angst mehr vor Kork im Wein haben und ihr habt die Flasche schnell und unkompliziert geöffnet. Heute sind selbst sehr hochwertige Weine mit der Kapsel verschlossen, da Schraubverschlüsse nur sehr geringe Mengen an Sauerstoff durchlassen und so für sehr viel besseren Wein sorgen. Also, keine Scheu vor Weinen mit Schraubverschluss!

6. Medaillen kennzeichnen einen guten Wein.

Also sind Weine ohne eine Auszeichnung nicht so gut? Das ist nicht ganz richtig. Viele deutsche Top-Winzer verzichten lieber darauf, eine Medaille aufs Etikett zu drucken. So manche Schätze entdeckt man sowieso erst, wenn man sich fernab der großen Kritiker bewegt und selbst auf die Suche geht. Denn viele Top-Weine von unbekannteren Weingütern werden gar nicht bewertet. Darüber hinaus lässt sich ja über Geschmack bekanntlich streiten. Ein Top-Wein braucht also keineswegs eine Auszeichnung dieser Art.


Eine gute Auswahl an Weinen, die mit diesen Klischees aufräumen könnt ihr hier finden.


Ich wünsche euch viel Spaß dabei eure Freunde auf der nächsten Party mit eurem neuen Weinwissen zu beeindrucken!


Euer
Carsten Stammen von VICAMPO

ÜBER DEN AUTOR


Nach einer gastronomischen Ausbildung, die mich an den Wein heranführte, studierte ich zunächst Tourismusbetriebswirtschaft und war danach über 15 Jahre in den Bereichen Kommunikation und Weiterbildung tätig. Parallel bildete ich mich nebenberuflich in Weinfachkunde und Sensorik fort und begann mit der professionellen Weinbeurteilung. Seit 2011 schreibe ich hauptberuflich über Wein und bin seit Ende 2014 Online-Redakteur und Verkoster bei VICAMPO in Mainz.

ÜBER VICAMPO


VICAMPO ist ein Marktplatz der Winzer. So erhältst du Zugriff auf eine Riesenauswahl von etwa 10.000 deutschen und internationalen Spitzen-Produkten – auch auf Weine, die es nicht im Handel gibt. Außerdem legen wir großen Wert auf unsere Kundenmeinung: Du kannst jeden gekauften Wein ganz ehrlich bewerten. VICAMPO wurde Ende 2014 von der Deutschen Gesellschaft für Verbraucherstudien und N24 zum Testsieger unter den 12 größten Online-Weinshops Deutschlands gewählt.

16 Kommentare

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SB preist hier immer wieder Parker als Weinpapst an, und
schreibt hier Auszeichnungen seien nur Schall und Rauch!
Die Behauptung das Kork- und Schraubverschluss gleich gut
sind, ist schlichtweg falsch! Das trifft nur für 80 % der Rotweine zu,
weil einige Weine selbst die geringen Mengen an Sauerstoff,
die durchgelassen werden, nicht vertragen!
Ich habe Freitag vor 1 Woche das Weinpaket mit 6 spanischen
Rotweinen bekommen, was von 72,00 Euro auf 39,90 Euro reduziert
war. Den reduzierten Preis fand ich in gut. Außerdem wurden bis
jetzt meine Erwartungen erfüllt!
Nur bin ich von SB enttäuscht, dass ich für die Werbung
für VICAMPO als danke schön keine Kiste Rotwein geschenkt
bekam!
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Ein kleines Weingut kann keinen Discountwein herstellen. Dafür ist die Menge viel zu klein die es herstellen kann. Ob die Qualität mit einen Massenhersteller mithalten kann hängt vom Jahrgang ab. Es ist also durchaus drin, das der Massenhersteller den qualitativ beseren Wein herstellt.
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Billige Weine von Discounter geht das?

Im Angebot: eine Flasche Riesling, Spätlese aus Rheinhessen für 1,59 Euro.

Frage an den Qualitätswinzer, wie denn so was wohl gehe. Es geht. Und zwar so (die angegebenen Preise variieren von Jahr zu Jahr): Die Flasche kostet ca. 12 Cent, die Ausstattung (also Kapsel, Plastikkorken, Etikett) ca. 5 Cent pro Flasche. Die Abfüllung ca. 7 Cent pro Flasche, die Verpackung (Karton) ca. 3 Cent. Das macht zusammen einen Betrag von ca. 27 Cent für die Hardware.

Den Händler-Rabatt darf man mit 20 Prozent veranschlagen, was mit ca. 30 Cent zu Buche schlägt. Für den Transport kann man einen Preis von ca. 5 Cent pro Flasche verbuchen. Berechnet man nun noch ca. 25 Cent für Kommissionäre und Kellerei, bleiben ca. 75 Cent für den Inhalt. Und das ist exakt der Preis, den Kommissionäre bei Fassweinwinzern für 0,75 l Riesling Spätlese zahlen. Umgerechnet also ein Euro für einen Liter Wein!

Da wird man den begeisterten Verbraucher mal fragen dürfen, was er wohl glaubt, welche Qualität man dafür produzieren kann. Für einen Euro können die Fassweinwinzer, aus deren Kontingenten ausgewiesene Kellereien die Discounterware zusammenrühren, bestenfalls noch gesetzliche Bestimmungen einhalten. Mehr nicht! Und der besagte Euro ist der Marktpreis in guten Jahren. In schlechten Jahren gibt der Markt nicht mehr als die Hälfte her. Dann könnte man den Riesling für 99 Cent anbieten!

Zu solchen Preisen kann weder im Weinberg noch im Keller sorgfältig gearbeitet werden. Zu solchen Preisen kann man nur Banales bis Bodenloses produzieren.

Zu solchen Preisen sollten sich die Trauben eigentlich weigern zu wachsen!

Jede Qualität hat halt ihren Preis. Und jeder Konsument verdient, was er bereit ist auszugeben.
Sie haben recht, meine Weine kaufe ich nicht bei den "Billigheimern" sondern ich kaufe direkt beim Winzer oder im Fachhandel !!
Gel und probieren kann man auch noch, ist wohl für einige zu mühsam.
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...und dass alter Wein besonders gut schmeckt, kann ich nicht behaupten. Im Gegenteil, mir schmeckt ein frischer Wein allemal besser
Dein Geschmack entscheidet und sonst nichts.
Auch wahr !
Die Sprüche der sogenannten "Kenner" sind eh nur abgehoben und auf deren Geschmack abgestimmt.
DAS sehe ich auch so
Genauso ist es, wie Ihr sagt. Mein Mann war Winzer und stellte vorzüglichen Wein her. Kerner, Riesling. Es gab mal einen 'Kellerschatz', ein sehr guter Jahrgang, meiner Erinnerung nach 75er. Der lagerte gut versteckt und schmeckte tatsächlich nach über 20 Jahren hervorragend. Bedeutsam ist allerdings, dass er immer liegt und sehr gut verschlossen ist. Einfach nur Korken drauf, reicht nicht.

Im übrigen wird aus Italia Wein in Tank-LKW an die Mosel gekarrt, um dort nachher als Moselwein verhökert zu werden, während die Winzer hier bei Übermengen a) entweder der Trauben am Stock vergammeln lassen oder b) den Most wegkippen. Eine Schande ist das! Und verstehen muss man das als normler Mensch auch nicht.
Ich denke auch Renate, dass es bei der Haltbarkeit auf den jeweiligen Wein ankommt. Ein Wein mit etwas mehr Säure hält sich auf jeden Fall länger als ein eher flacher Wein.
Und auch wie man ihn lagert spielt natürlich eine Rolle...
Meine Eltern besitzen bzw. besaßen auch einen Weinberg, mit der Sorte Riesling und haben früher auch selbst
gekeltert und den Wein selbst hergestellt. Gelagert wurde
er in unserem tiefen Weinkeller und war lange Zeit
genießbar.
Mittlerweile ist unser Weinberg an einen Gutsausschank verpachtet und anstatt Riesling ist er jetzt mit Dornfelder
oder Spätburgunder angepflanzt.
Was Du jetzt über die Tanks mit den italienischen Weinen,
die an die Mosel gekarrte werden berichtet hast, muss man wirklich nicht verstehen...
ICh bin ja nicht vom Fach, Du schon. Mein Mann musste wg. Krankheit alles aufgeben, ferner wurde nach' alter Väter Sitte' kaum Flaschenwein verkauft. Die Mutter sträubte sich, was zu ändern. Da ist kein Auskommen dann mehr gesichert. Sie hatten einfach den Anschluss verpasst. Auszeichnung hatte mein Mann wohl bekommen, aber dafür kann man sich auch nichts kaufen. Konkurieren konnte sein Wein allemahl. Ich mochte ihn sehr, war sehr fein fruchtig. Und dann erst seine Maiblowle... ein Genuss! Leider vertrage ich keinen Alkohol mehr, aber ab und zu ein feines Weinchen, das muss dann tortzdem!
Dann wünsche ich Dir, liebe Renate, ganz viel Genuss bei dem ein oder anderen "feinen Weinchen"....
Danke gleichfalls
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Ich habe teuren Wein genossen, konnte nicht behaupten, dass er besser als preiswerter war. Und die hineininterpretierten Aromen sind heute da, morgen nicht oder umgekehrt. Wein schmeckt oder eben nicht!
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