Kinotipp: Lachsfischen im Jemen

Kinotipp: Lachsfischen im Jemen

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Lachse schwimmen gegen den Strom.

Dass die vermögende Schicht des Morgenlandes einen Hang zu exzentrischen Hobbies pflegt und Geld meist eine geringe Rolle spielt, wird andernorts meist eher belächelt. So auch von dem biederen britischen Meeresbiologen und Beamten Dr. Alfred Jones (Ewan McGregor), der über die Londoner Investmentberaterin Harriet Chetwode-Talbot (Emily Blunt) eine geradezu absurde Projektanfrage erhält: Der jemenitische Scheich und passionierte Fliegenfischer Muhammad ibn Zaidi bani Tihama (Amr Waked) verfolgt den ehrgeizigen Plan, in den Anhöhen seines Heimatlandes schottische Lachse anzusiedeln.

Der leidenschaftliche Hobbyangler aber etwas gehemmte Dr. Jones blockt zunächst ab, ihm fehlt die Fantasie für dieses abwegige Vorhaben. Das ruft die Pressesprecherin des Premierministers Patricia Maxwell (Kristin Scott Thomas) auf den Plan, die in diesem Pilotprojekt eine günstige Gelegenheit sieht, die negative Grundstimmung zwischen Großbritannien und dem mittleren Osten zu verbessern. Unter Androhung seiner Kündigung muss Dr. Jones widerwillig die Projektleitung für die schier unlösbare Aufgabe übernehmen. Als er im Laufe der Planung den visionären Scheich besser kennenlernt, begreift er allmählich, dass hinter der vermeintlich verschrobenen Idee eine tiefsinnige und friedvolle Philosophie steht. Zwischen den ungleichen Männern entwickelt sich eine tiefe Verbundenheit. Doch nicht nur das: Auch Jones' Beziehung zu Harriet wird immer vertrauter und stürzt den unglücklich verheirateten Wissenschaftler zunehmend in ein Gefühlschaos.

Viel britischer Humor mit ernsten Zwischentönen.

Der schwedischen Regisseur Lasse Hallström (drehte u.a. auch Chocolat) setzt in „Lachsfischen im Jemen" gekonnt das richtige Mischverhältnis aus temporeicher Komödie, romantischer Liebesgeschichte und spitzer Politiksatire ein. Diese Kombination erreicht Hallström durch die großartige Inszenierung der unterschiedlichen  Charaktere, die mit ihren vielgestaltigen Alltagsproblemen, verborgenen Wünschen und Visionen die Zuschauer schnell für sich gewinnen. Die prägenden Dialoge zwischen den Figuren sind witzig und in Teilen wunderbar zynisch. Gerade in der ersten Hälfte des Films brechen die Pointen zuweilen salvenartig über die Kinozuschauer herein. Im weiteren Verlauf des Films lässt der Regisseur allerdings genügend Platz für sensiblere Szenen, die der Liebesgeschichte die nötige Ruhe verleihen.

Ewan McGregor und Emily Blunt fühlten sich in ihren Rollen sichtlich wohl und bringen mit schlagfertigen Dialogen die Luft des Kinosaals zum Knistern. Die Nebendarsteller stehen ihnen in nichts nach. Vor allem Kristin Scott Thomas glänzt in ihrer Nebenrolle als Pressesprecherin des britischen Premierministers, die ihrem Charakter einen unvergleichbaren Zynismus und Witz verleiht. Im Übrigen eine der wenigen Änderungen im Vergleich zur Buchvorlage, in der der Pressesprecher männlichen Geschlechts ist.

Hallström hat den Bestseller-Roman mit der Unterstützung des bekannten Drehbuchautors Simon Beaufoy (schrieb u.a. das Drehbuch zu Slumdog Millionär) weitestgehend vorlagengetreu für die Leinwand adaptiert. Eine echte Herausforderung, denn die Geschichte wird im Buch stilistisch größtenteils in Form von E-Mails, Tagebucheinträgen und Briefen erzählt. Hallström und Beaufoy haben diese Erzählform gekonnt und akzentuiert in den Film einfließen lassen und in sehr humorvolle Szenen verwandelt.

„Lachsfischen im Jemen" ist wunderbar kurzweilig. Ein Film, der zum Lachen, Träumen und zuweilen auch zum Nachdenken animiert. Dabei verliert er nie seine Leichtigkeit und den unterhaltsamen Grundtenor. Ein Film, den man sich definitiv auch noch weitere Male anschauen kann. Der Roman von Paul Torday und insbesondere die sehr gelungene Hörspieladaption sind empfehlenswerte Anschaffungen!

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